07.11.2021 - Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Prädikantin C. Jung mit A. Awiszus (Akkordeon) und R. Krüger (Gitarre)
Bildrechte: Evang.-Luth. Kirchengem. Berg

Musikalischer Abendgottesdienst "Lust auf Kirche!"

im Katharina von Bora-Haus

Anja Awiszus (Akkordeon) und Rainer Krüger (Gitarre) aus Eurasburg
mit Prädikantin Cornelia Jung


Nachstehend der Gottesdienst im Livestream-Video zum Nachempfinden und - im Anschluss daran - zum Nachlesen.

Livestream-Video vom Gottesdienst
 




Gottesdienst am 7.11.2021, 18.30 Uhr in Berg - Predigttext Psalm 85,1-14

Musik - Tourdion (Aus Frankreich)


Begrüßung  
 
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Der Herr sei mit Euch. Und mit deinem Geiste. Amen
 
Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Matthäus 5,9
Mit dem Wochenspruch begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst. Frieden stiften geht nur, wenn man sich auf den Weg macht. Wir drei hier haben uns auf den Weg gemacht - von Eurasburg nach Berg. Anja Awiszus am Akkordeon und Rainer Krüger an der Gitarre. Ich freue mich sehr, dass ihr heute hier seid. Auf Eurer Musik können wir wunderbar unsere Gedanken treiben lassen.  
Vielen Dank dafür.
 
Tourdion - ich habe es nachgeschaut - heißt lebhafter Springtanz Das ist doch mal ein neuer Weg einen Gottesdienst zu beginnen.
 
Frieden stiften - da muss sich etwas bewegen.
Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns.
Frieden stiften - neu anfangen.
 
Alleine können wir das nicht erreichen, dass Friede werde auf unserer schönen Erde. Wir benötigen den Himmel dazu.
 
Wir benötigen eine Himmelskraft, die uns zeigt, wo es lang geht.
Wir benötigen einen großen Bruder, der uns auch mal an die Hand nimmt.
Wir benötigen eine Geistkraft, die uns neue Möglichkeiten zeigt.
Wir haben eine Himmelskraft, die uns liebt.
Wir haben einen Bruder, dem wir vertrauen können und der uns vertraut und etwas zutraut.
Wir haben eine Geistkraft, die uns verzeiht.
Wir haben Gott an unserer Seite, mit seinem Sohn, mit seinem Heiligen Geist.
Wenn wir alle zusammenarbeiten, dann berühren sich Himmel und Erde und wird Friede werden unter uns. Darum sind wir heute hier.
Wir wollen uns nach dem Himmel ausstrecken und die Schwerkraft unseres täglichen Lebens auf der Erde lassen. Neuen Atem holen bei Gott.
Seine frohe Botschaft der Liebe und Vergebung und Weite hören. Das brauchen wir immer wieder.
 
Kommen wir also zur Ruhe und richten wir uns zum Himmel aus, bevor wir Neues in unser Herz aufnehmen.
 
Lasst uns beten:
 
Guter Gott,
wir kommen heute zu Dir um Dein Wort zu hören.
Wir brauchen Deinen Zuspruch, der uns neue Kraft schenkt.
Wir brauchen Deine Liebe, in der wir uns geborgen wissen.
Wir brauchen Deinen Heiligen Geist, der uns neu belebt.
Öffne unser Herz, Ohren, Augen, Mund und unsere Seele,
dass wir zu Dir wachsen können.
AMEN


Musik - Momele (Tradition aus Israel)
 

Predigt I - Über Psalmen - Christusbruderschaft
 
Vor drei Wochen war ich auf einer Fortbildung in Selbitz. Wir waren zu Gast in der Communität Christusbruderschaft. Das ist eine christliche Gemeinschaft innerhalb der evangelischen Kirche, in der etwa 100 Schwestern und 3 Brüder leben.
 
Schwester Nicole Grochowina, sehr schlau, sehr humorvoll, Historikerin an der Uni Erlangen, hat uns durch das Wochenende begleitet. Wir durften an ihrer Tagesstruktur teilhaben. Gebetszeiten geben dem Tag in Selbitz seinen Rhythmus. Es gibt dabei die einsamen Gebete in der Stille und die gemeinsamen Zeiten im Ordenshaus oder im Gästehaus und Altenheim. Wir haben an den Morgen-, Mittag- und Abendgebeten teilgenommen.
 
Fester Bestandteil ist mindestens ein gesungener Psalm. Das war dann auch gleich die erste Lerneinheit für uns: Wie singen wir den Psalm im Einklang mit den Schwestern!
 
Ein Sternchen am Ender der Zeile sagt: Atme!
Atmen, ist ganz wichtig, denn: Das Gebet, und das ist der Psalm, ist der Atem des Lebens. Mit der letzten Silbe vor dem Sternchen wird die restliche Luft ausgeatmet. Erst dann wird wieder tief eingeatmet.
- Dazwischen darf natürlich normal geatmet werden. -
Das bewusste Ausatmen, ist gar nicht so einfach, weil wir das nicht gewohnt sind.
 
Durch diese Technik entsteht eine Pause. Und damit kommen wir zum zweiten wichtigen Punkt: Du sollst die Worte in deinem Herzen bewegen. Beim bewussten Atmen, können die Worte in uns nachschwingen.
 
Für diese Schwestern sind die Psalmen eine große Kraftquelle für ihr Leben in ihrer Gemeinschaft, für ihre Arbeit an den Menschen. 
Da begegnen sich Himmel und Erde. Tagein und tagaus hören, singen und beten sie die Psalmen.
 
In den Psalmen wird Gott bejubelt und gelobt in den Höchsten Tönen. Es wird aber auch gejammert und geklagt, dass es schlimmer nicht mehr geht. Dann wird um Hilfe gebetet, ja oftmals wird Gott angefleht doch alles Böse zu vernichten, um das Gute gewinnen zu lassen.
 
Wenn dann der Sänger sich genügend Luft verschafft hat, quasi seinen ganzen Frust und seine Qual ausgeatmet hat, kommt die Erkenntnis, wie groß doch Gottes Hilfe jetzt schon ist. Am Ende ist der Beter sich der Zuwendung Gottes sicher. Er glaubt nicht nur, er weiß, dass Gott da ist.
 
Auch wir hören in jedem Gottesdienst einen Psalm. Wir steigen mit dem Beter in die Abgründe und kommen gestärkt wieder daraus hervor.
 
Wie viele Menschen haben seit über 2000 Jahre diese Verse schon gebetet, verinnerlicht und wurden getröstet und bestärkt - beeindruckend.
 
Ganz oft suchen wir gerade aus den kraftvollen Psalmworte unseren Lebensspruch aus:
 
Zur Taufe aus Sorge um unser anvertrautes neues Leben:
Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Psalm 91,11
 
Zur Konfirmation, wenn das Leben flügge wird:
Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Psalm 18,30
 
Zur Trauung, wenn zwei Leben zusammen gehen:
Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Psalm 31,9
 
Zum Begräbnis, wenn der Blick über unsere Lebenswelt hinausgeht:
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?  Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.  
 
Heute möchte ich mir mit Ihnen einen Psalm genauer anschauen. Es ist kein persönliches Gebet, sondern von gemeingültigem Charakter.
 
Es ist der Psalm 85, der uns als christliche Gemeinschaft Friede verspricht. Mit ihm strecken wir uns zum Himmel aus. Seine Worte, die die Tempelsänger vorgesungen haben, verbinden Himmel und Erde - verbinden Gottes Kraft mit unserem Denken und Handeln.
 
Wir sprechen ihn gemeinsam und legen ein paar Atempausen an den gekennzeichneten Stellen ein. Also erst ausatmen und dann einatmen.
 
Psalm 85,1-14
1 Ein Psalm der Korachiter, vorzusingen.  
2 HERR, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande
und hast erlöst die Gefangenen Jakobs; * Atempause

3 der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk
und all ihre Sünde bedeckt hast;  
4 der du vormals hast all deinen Zorn fahren lassen  
und dich abgewandt von der Glut deines Zorns:
* Atempause
 
5 Hilf uns, Gott, unser Heiland,
und lass ab von deiner Ungnade über uns! * Atempause

6 Willst du denn ewiglich über uns zürnen  
und deinen Zorn walten lassen für und für?
7 Willst du uns denn nicht wieder erquicken,  
dass dein Volk sich über dich freuen kann?  
8 HERR, zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil! * Atempause

 
9 Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet,  
dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen,
auf dass sie nicht in Torheit geraten.
* Atempause
10 Doch ist ja seine Hilfe nahe denen,  
die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne;
* Atempause
11 dass Güte und Treue einander begegnen,  
Gerechtigkeit und Friede sich küssen;
* Atempause
12 dass Treue auf der Erde wachse
und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; * Atempause

13 dass uns auch der HERR Gutes tue  
und unser Land seine Frucht gebe;
* Atempause
14 dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe
und seinen Schritten folge. * Atempause

 
Lassen wir den Psalm noch ein wenig länger durch unser Herz wandern, während die Musik spielt. Also im Kopf ein Pas de deux mit Gott. Und im Ohr ein Pas de deux mit Akkordeon und Gitarre.


Musik Pas de deux (Peter M. Haas)
 

Predigt II - Psalm 85 1-8 Dank und Bitte
 
Psalm 85, den wir gemeinsam gesprochen haben, soll uns ein Wegweiser sein aus Gottes Frieden heraus unser Leben zu gestalten. Die Wegweiser haben drei Ausrichtungspunkte: Dank - Bitte - Friedensverheißung
 
Dank - Verse 2 bis 4
2 HERR, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande
und hast erlöst die Gefangenen Jakobs;  
3 der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk
und all ihre Sünde bedeckt hast;  
4 der du vormals hast all deinen Zorn fahren lassen  
und dich abgewandt von der Glut deines Zorns:
* Atempause
 
Der Psalmbeter gibt hier einen dankbaren Rückblick auf das, was die Menschen mit Gott schon erlebt haben. Dabei ist den Bibelauslegern nicht  ganz klar auf welche Ereignisse der Geschichte genau hingewiesen wird. Vielleicht ist es sogar so gewollt. Damit stehen unsere Füße auf weiten Raum. Wir haben Platz für unsere eigenen rettenden Erfahrungen mit Gott.
 
Wo hat Gott uns aus engen Fesseln erlöst? * Atempause
Wo hat Gott uns vergeben? * Atempause
Wo hat Gott mit uns neu angefangen? * Atempause
 
Mir fällt da die Frauenkirche in Dresden ein. Vielleicht weil ich Anfang Oktober wieder einmal dort war.
 
Dresden wird im Februar 1945 zwei Tage lang von britischen und amerikanischen Fliegern bombardiert. Die Stadt brennt. 25000 Tote, Opfer im sechsstelligen Bereich. Eine Zerstörung, wie wir sie uns kaum noch vorstellen können. Es war der verzweifelte Versuch, die Deutschen Nationalsozialisten endlich zu besiegen und in ihre Schranken zu verweisen. Schuld und Tod auf allen Seiten der Kriegsbeteiligten.
 
Die Kuppel der Frauenkirche hielt noch zwei Tages stand, dann stürzte sie ein. Die große Hitze hatte den Sandstein porös gemacht. Bis 1993 lag die Frauenkirche in Trümmern als Mahnmal für die Welt. Der Wiederaufbau begann nach der friedlichen Revolution der DDR, die selbst schon ein Friedensgeschenk ist, also nach der Wiedervereingung Deutschlands.
 
Dieser Wiederaufbau war ein Akt der Gnade, Erlösung und Vergebung. Das kann ich spüren, wenn ich auf dem Neumarkt stehe und über Martin Luther hinweg zur Kirche hochschaue. Irgendwo erklingt eigentlich immer ein Instrument und Friede erfasst mich und die Menschen mich herum. Es ist kaum zu beschreiben.
 
Die Kirche zeigt ihre Geschichte. Die alten, schwarzen Steine wurden gelassen, damit sie sich vom neuen Sandstein unterscheiden. Die alte Geschichte wurde gespeichert. Wir tragen unsere Erfahrungen ebenso immer mit, in unseren Narben.
 
Wenn ich im Innenraum sitze und habe die pastellfarbene Kuppel über mir, dann spüre ich so viel Freundlichkeit und Herzensweite.
 
Das alte Turmkreuz der Kirche wird im Innenraum aufbewahrt. Das neue Kreuz wurde von einem Londoner Kunstschmied hergestellt. Er ist der Sohn eines der britischen Piloten, die Dresden bombardierten. Sein Vater kam nie über das Geschehene hinweg. Sein Sohn versöhnte die  Geschichte mit seiner Handarbeit. Finanziert wurde der Wiederaufbau von Menschen aus der ganzen Welt.
Gnade - Erlösung - Vergebung
Wir können Gott immer wieder für seine Geschichten mit uns danken.
 
Aber genauso wie diese „große“ Geschichte, haben wir auch unsere persönliche Geschichte mit Gott, auf die jeder von uns schauen kann. * Atempause
 
Bitte - Verse 5 bis 8
Mit dem Wissen, dass wir für Gott wichtig sind, dass er nicht ewig wütend über unsere Fehler ist, traut sich der Psalmbeter leidenschaftlich um Gottes Hilfe zu bitten.
 
5 Hilf uns, Gott, unser Heiland,
und lass ab von deiner Ungnade über uns!  
6 Willst du denn ewiglich über uns zürnen  
und deinen Zorn walten lassen für und für?
7 Willst du uns denn nicht wieder erquicken,  
dass dein Volk sich über dich freuen kann?  
8 HERR, zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil!

 
Es ist noch nicht alles gut! Auch in Dresden ist nicht alles gut. Ich versteh es gar nicht. Die Menschen, die uns dort begegnen sind freundlich, humorvoll und hilfsbereit.
 
Und trotzdem hat Pegida, eine rechtsextreme Gruppe, dort ihren Ursprung genommen. Die AfD hat in Sachsen über die Hälfte der Direktmandate geholt. Wir haben die Menschen in den neuen Bundesländern nicht wertgeschätzt. Ihr ganzes altes Leben war von heute auf morgen nichts mehr wert. Ausbildungen wurden nicht anerkannt. Bis die heimischen Kräfte eingestellt und mobilisiert waren, haben westliche Investoren schon übernommen. Sie hatten keine Atempause.
 
Nun schlägt der innere Frust nach außen und radikalisiert sich. Klar, dass ist jetzt sehr oberflächlich und pauschal dahingesagt, aber ich glaube, dass es im Kern die Lage trifft. Herr, zeige den Menschen in Sachsen deine Gnade und Heil.
 
Und auch hier in der Bitte um Gnade und Heil, hat jeder und jede von uns seine eigene Baustelle, wo er nicht mehr weiterweiß.
 
Manchmal geraten wir in eine Abwärtsspirale, wo wir nicht mehr herauskommen.
 
Wo brauchen wir den Beistand und die Gnade und das Heil einer großen Himmelsmacht? * Atempause  
 
„Caro Mio“ - Mein Schatz. Denken wir an Gottes Schätze, die er uns geschenkt hat.


Musik:  Caro mia (Manfred Leuchter)
 

Predigt III - Friedensauftrag
 
9 Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet,  
dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen,
auf dass sie nicht in Torheit geraten.  

 
Jetzt findet ein Wechsel der Sprachrichtung statt. Vom Himmel zur Erde. Ich höre Selbstzweifel und auch Verzweiflung. Hören und verstehen, das greift manchmal nicht ineinander. Hören und verstehen braucht manchmal Zeit.
 
Die Schwestern in Selbitz wissen das. Deshalb verbringen sie jeden Tag eine Stunde im Schweigen alleine. Es sind DIESE Atempausen, die uns fehlen. Gemeinschaft, in Frieden zu leben, ist auch für die Brüder und Schwestern  nicht einfach. Die humorvolle Schwester Nicole Grochowina meinte sogar, dass sie zu ihren drei Knoten - Keuschheit, Armut und Gehorsam - eigentlich noch einen für die Gemeinschaft bräuchte.
 
10 Doch ist ja seine Hilfe nahe denen,  
die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne;  

 
Hilfe ist nahe. Jetzt kommt allerdings eine Einschränkung. Hilfe ist nahe für die Menschen, die Gott mit Ehrfurcht begegnen, die ihm vertrauen, die an Gott mit seiner Kraft glauben. Das ist kein ausgrenzen der Menschen, die nicht an Gott glauben. Es ist vielmehr so, dass unsere Beziehung zu Gott uns verändert. Das gilt auch wenn wir an Gott zweifeln oder gerade nicht so eng mit ihm sind. Wir stehen trotzdem in einer sich aneinander reibenden Beziehung. Durch unsere Nähe zu Gott verlieren wir die Angst vor den Menschen.

11 dass Güte und Treue einander begegnen,  
 
Durch unsere Nähe zu Gott werden wir mutig. Wir können gütig sein. Wir können anderen Menschen geben, was sie brauchen.

Was wäre, wenn wir den Rentnern, die ja auch zu DDR-Zeiten schon gearbeitet haben, dieselbe Rente zusprechen würden, wie Rentner im Westen? Was wäre, wenn wir den Menschen in Dresden zuhören würden und ihre Sorgen ernst nehmen würden? Ein Gütesiegel bekommt man nur, wenn man mehr gegeben hat, als es für das reine Überleben notwendig wäre.
Güte entfaltet das Alltägliche zum Außergewöhnlichen.
 
Wo können wir unsere Güte entfalten? * Atempause
 
Die Güte trifft auf die Treue. In der Treue liegt die Weisheit der Ahnen. Wir können aus der Vergangenheit lernen und müssen nicht bei Null anfangen. So wissen wir, dass die reine Marktwirtschaft nicht für ein gerechtes Zusammenleben funktioniert und genauswenig die Planwirtschaft.
Es muss die Güte hineinspielen, die soziale Komponente.
 
Gerechtigkeit und Friede sich küssen;  
 
Ich habe gelesen, dass man das hebräische Wort für küssen auch als kämpfen übersetzen kann. Diese Übersetzungsmöglichkeiten zeigen die Spannung zwischen den beiden Begriffen auf. Die mangelnde Gerechtigkeit oder gerechte Teilhabe führt immer wieder zu Auseinandersetzungen und oft auch zu Kriege. Macht und Geldgier schließen Friede aus. Das Empfinden, was gerecht ist, ist oft auch sehr unterschiedlich.
 
Aber wir, die auf Gott vertrauen haben da eine Schablone, die wir über alles drüberlegen können. Das Doppelgebot der Liebe. Mit diesem Gebot fasste Jesus die Zehn Gebote zusammen. Demnach ist die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten wie zu sich selbst gleich wichtig.
 
Wo können wir in unserem Leben diese Schablone anlegen? * Atempause
 
Wenn wir also Güte und Treue und Gerechtigkeit und Friede in Beziehung bringen, immer wieder daran arbeiten - mit Gottes Hilfe, dann wird die Weisheit wachsen und wir werden etwas bewegen auf unserer Erde, in unserer Lebensgemeinschaft. Hans-Dieter Hüsch hatte es so genannt: Leuchtspur zum Himmel
 
Hanns-Dieter Hüsch hat seine eigene Variante des 85. Psalm geschrieben: „Die Bäume werden in den Himmel wachsen, dass ihre Kronen das Licht trinken, ihre Wurzeln aber sind fest vergraben in der Erde.
 
Die Träume werden in den Himmel wachsen, dass sie sich ausbreiten und entfalten bis zum Himmelszelt, und kehren wieder zurück auf die Erde;
geerdete Träume bekommen Hand und Fuß.
 
Güte und Treue begegnen sich wieder, Gerechtigkeit und Frieden küssen sich. Die Treue wächst auf der Erde Und die Gerechtigkeit schaut vom Himmel herab.
 
 Mit meinem Leben wachse ich. Dem Himmel entgegen, und der Himmel kommt mir entgegen; er breitet sich unter meinen Füßen aus wie Hände, die mich halten.
 
Ich möchte Leuchtspur zum Himmel sein, damit die Wege zu ihm begehbar und hell werden.
 
Güte und Treue begegnen sich wieder, Gerechtigkeit und Frieden werden sich küssen. Die Treue wächst auf der Erde Und die Gerechtigkeit schaut  vom Himmel herab. Gott sei Dank.“ * Atempause
 
Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, das Friede werde unter uns.
Jetzt können wir dieses Lied mit vollem Herzen singen.


Gemeindelied:  Wo Menschen sich vergessen
 

Selig sind, die Frieden stiften;  denn sie werden Gottes Kinder heißen. Lasst uns Frieden stiften und unsere alten Wege verlassen. Lasst uns Liebe verschenken und Hass überwinden. Mit Gottes Hilfe werden wir Leuchtspuren zum Himmel sein.
 
Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft,  bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen
 
Fürbitten
 
2011 war ich zum Ev. Kirchentag in Dresden. Dort habe ich an einem Gottesdienst in der Frauenkirche teilgenommen und auch zwei Berger Damen getroffen. 😊 Das Friedensgebet habe ich noch immer in meinen Unterlagen. Es ist ziemlich bekannt und wurde 1912 das erste mal veröffentlicht.
 
Lasst es uns gemeinsam beten:
 
O, Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
 
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel drückt,
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.
 
Ach, Herr, lass du mich trachten:
Nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste.
Nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe.
Nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
 
Denn; wer da hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.
AMEN
 
Gemeinsam beten wir wie Jesus Christus es uns gelehrt hat.
 
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,  
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.  
Amen
 
Geht nun in die neue Woche mit dem Segen des Herrn.
 
Segen
 
Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch + Frieden.
Amen

Musik Klezmer 26 (Mula Saevitch)