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Texte über „Bewegung“ Pfarrer Johannes Habdank

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Lust auf Kirche! Musikalischer Gottesdienst
zum Thema „Bewegung“
4. August 2013, 18.30 Uhr, Pfarrkirche Aufkirchen


Genesis 1, 1-2, 4a (Luther-Bibel) …

Soweit die Schöpfungsgeschichte nach der Priesterschrift (ca. 550 v. Chr.) am Anfang der hebräischen und christlichen Bibel.
Was hat sie mit Bewegung zu tun? Sehr viel! Denn was alles nach dieser Erzählung in 6 Tagen zustande gekommen ist, ist sehr viel, da hat sich viel bewegt! Da wurde viel in Gang gesetzt, ins Leben gerufen.
Wer hat das alles in Gang gesetzt und bewegt? Gottes Geist und sein Wort. Das Leben spendende und Sinn gebende Wort, das sich die Geschöpfe nicht selbst sagen konnten und bis heute nicht können. Sie und wir alle sind verdanktes Leben. Das glauben wir. Wie Luther sagt: Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt aller Kreatur: Himmel, Erde, Luft und Meer, Dich und mich.
Das wollen auch wir glauben, Herr, hilf unserem Glauben.

Heraklit
Einen ganz anderen Zugang zum Thema Bewegung gibt uns Heraklit, griechi-scher Philosoph, Akmé (Schaffenshöhepunkt) um 480 v. Chr., also nur ein paar Jahrzehnte nach dem gelesenen biblischen Schöpfungsbericht entstanden, den er freilich nicht kannte. Das Griechentum und das Hebräertum ist erst im Hellenismus der ersten drei Jahrhunderte vor Christus allmählich kulturell zusammen gewachsen und dann endgültig mit dem Römertum verschmolzen, so dass sich biblische Glaubens- und Vorstellungswelten mit den Vorstellungs- und Gedankenwelten der Griechen und Römer sich verband und dadurch für die damalige Allgemeinheit verständlich artikulierbar wurde. Das ist - in groben Zügen - skizziert die Bewegungsgeschichte des Geistes in den Jahrhunderten vor, um und nach Christi Geburt.
Heraklit steht in der Tradition von philosophischen Vorgängern wie zum Beispiel eines Thales von Milet, der gesagt hatte: Der Ursprung aller Dinge ist das Wasser. Oder eines Anaximander, der gesagt hat: Der Ursprung aller Dinge ist das Unbegrenzte, das Unermessliche. Oder eines Anaximenes, der die Luft für den Urstoff alles Seienden erklärte. Pythagoras, den wir aus dem Mathematik-Unterricht kennen – Satz des Pythagoras: a2 + b2 = c2 – postulierte als Urprinzip aller Dinge, zum ersten Mal nicht mehr stofflich gedacht – die Zahl und Zahlen-verhältnisse, gerade auch in den Harmonien der Musik erkennbar. Für Parmenides waren die Einheit und Unveränderlichkeit des Seins der Urgrund aller Dinge. Problem bei dieser Lösung: die menschlichen Dinge und Erfahrungen des Wechsels und der Bewegung lösen sich vor dem unendlichen Sein des Parmenides auf.
Heraklit dagegen steht für Bewegung, für die Wahrnehmung des konfliktären Potenzials des Lebens. Im Kampf der Dinge und ihrer Gegensätzlichkeit, im Wechsel selbst zeigt sich die letztliche Logik des Lebens, der Logos.
Alles ist im Fluss, alles fließt, „panta rhei“ – das ist der bekannteste Satz des Heraklit. Er wird gerne als Vergänglichkeitsmetapher gebraucht, mit der man sich heute gebildet schmücken kann: Alles vergeht! Das kennen wir auch biblisch. So ist dieser Satz aber ursprünglich nicht gemeint. Sondern, gerade vor dem Hintergrund der Seins-Philosophie von Parmenides und als lebensnaher Widerspruch dagegen:
Der Wechsel ist das wahre Sein, das alles zusammenhält! Die Dauer gibt es nur im Wechsel, die Einheit nur in der Vielfalt, die Identität nur in der Nichtidentität, also etwa auch eine einheitliche Persönlichkeit gibt es im Laufe ihres Lebens nur in ihrer wechselhaften Entwicklung, wenn ich es richtig verstehe. Biographien sind nichts Monolithisches. Nur durch Bewegung, auch widersprüchliche Entwicklung, nur im Wechsel gewinnt das Leben, die Welt ihren Sinn.
Erfahrbar ist das alles, wenn Du zum Beispiel in einen Fluss steigst, Zitat Heraklit: „In dieselben Flüsse steigen wir und steigen wir nicht, wir sind es und wir sind es nicht“ Oder, anderes Zitat: „Alles geht dahin und nichts bleibt, und mit eines Flusses Strömung vergleichend das Seiende: Du kannst nicht zweimal in denselben Fluss steigen.“ Ja, Nichts ist so gewiss, dass dieser Fluss dieser Fluss ist und ich bin ich – aber Heraklit sagt: Dieser Fluss ist nicht dieser Fluss und wir sind nicht wir. Die Wirklichkeit ist nichts anderes als der Gegensatz von Werden und Vergehen. Das ist die irritierend-bewegende Botschaft des Heraklit.

Aristoteles und Thomas von Aquin
Alles soll letztlich Bewegung sein. Was aber ist Bewegung?
Aristoteles, neben Platon der berühmteste antike klassisch-griechische Philosoph, versteht unter Bewegung (altgriechisch: kinesis) jegliche Art von Veränderung überhaupt. Also intellektuell sehr anspruchsvoll und viel prinzipieller als nur primär körperlich etwa im Sinne von Wellness oder Trimm-dich! Oder „Beweg dich!“ Auch nicht nur als Ortsveränderung in der Zeit. Sondern viel fundamentaler:
„Bewegung“ in seinem Sinne bedeutet „das endliche Zur-Wirklichkeit-Kommen eines bloß der Möglichkeit nach Vorhandenen, insofern es eben ein solches ist – das ist Bewegung“. Nach Aristoteles’ Auffassung muss jede Veränderung bereits in den Möglichkeiten des sich verändernden Dings, auch eines Menschen, angelegt sein. Wird diese Anlage realisiert, dann ist dies eine Veränderung. Aristoteles selbst gibt folgendes Beispiel: „Wenn etwas, das gebaut werden kann, insofern wir eben diese Eigenschaft von ihm aussagen, zu seiner endlichen Verwirklichung kommt, dann wird es eben gebaut und dies ist dann ‚Bauen‘“.
Thomas von Aquin, 13. Jahrhundert nach Christus, Dominikaner und einer der größten Theologen und Philosophen zumindest des Mittelalters, baute auf diesem gedanklichen Fundament des Aristoteles seinen ersten Gottesbeweis auf. Er geht von der empirisch feststellbaren Tatsache der Bewegung in der Welt aus (deshalb wird dieser Gedankengang auch „kinesiologischer“ Gottesbeweis genannt). „Bewegung“ versteht Thomas dabei im philosophisch-aristotelischen Sinn als „Übergang von der Möglichkeit in die Wirklichkeit“, also auch in der Bedeutung von „Werden“, „Veränderung“, „Entwicklung“. Von der Möglichkeit in die Wirklichkeit übergeführt werden kann etwas – nach dem Kausalitätsprinzip bzw. dem Satz vom zureichenden Grund – aber nur durch etwas, das selbst in Wirklichkeit ist. Alles, was in Bewegung ist, muss also durch etwas anderes, eine wirkende Ursache, bewegt worden sein. Dass sich etwas „von selbst“ bewegen kann, schließt Thomas durch den „Satz vom Widerspruch“ aus, nach dem es un-möglich ist, dass etwas zugleich und in derselben Hinsicht in Möglichkeit und in Wirklichkeit existiert. Es ist deshalb auch unmöglich, dass etwas zugleich und in derselben Hinsicht bewegend und bewegt, also Ursache und Wirkung in einem ist. Jede Bewegung (Wirkung) ist also selbst wieder durch etwas anderes bewegt (bewirkt bzw. verursacht), diese wiederum durch eine andere Ursache und so weiter. In dieser Weise lässt sich jedoch nicht bis ins Unendliche zurückgehen, da sonst die gesamte Kette von Bewegendem (Ursachen) und Bewegtem (Wirkungen) – und damit auch die von uns zweifellos feststellbare Bewegung in der Welt – gar nicht in Gang gekommen wäre. Also muss – nach Thomas von Aquin – notwendigerweise ein „erstes unbewegtes Bewegendes“ („primum movens, quod a nullo movetur“) vorausgesetzt werden, das die Kausalkette des Werdens in Gang gesetzt hat, ohne selbst Teil dieser Kausalkette zu sein. „Und darunter“, behauptet Thomas von Aquin, „verstehen alle Gott“.
Also noch einmal der gedankliche Schluss: In der Welt ist überall Bewegung.
Alles Bewegte wird von einem anderen bewegt, d. h. nichts kann sich selbst die erste Bewegung geben. Die bewegte Welt setzt einen von ihr selbst verschiedenen Beweger voraus.
Eine unendliche Reihe von Bewegern, die ihre Bewegung jeweils von außen haben, erklärt nicht, woher die Bewegung erstmals ihren Ausgang nahm. Wenn eine endliche Reihe von Bewegtem sich die Bewegung nicht selbst geben kann, dann kann es auch eine unendliche Reihe nicht. Deshalb lehnt Thomas von Aquin den "Rückgriff auf das Unendliche" (regressus in infinitum) grundsätzlich ab. Stattdessen sagt er: Es ist notwendig, anzunehmen, dass es eine erste Bewegungskraft (primum movens) gibt, die selbst von niemand anderem die Bewegung erhalten hat und insofern als "unbewegt" (lat. immotum - "von niemandem in Bewegung gesetzt") bezeichnet werden kann. Das primum movens immotum nennen wir Gott. Er ist der erste selbst unbewegte Beweger.

Geistliches Wort zum Thema “Bewegung“:
Zurück zum biblischen Schöpfungsbericht: Da ist von Beginn an Bewegung drin:
Luther übersetzt: „Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“ Das ist noch recht ruhig gehalten.
Die neue „Bibel in gerechter Sprache“ übersetzt: „Gottes Geistkraft bewegte sich angesichts der Wasser.“ Da ist schon mehr Bewegung drin.
Gerhard von Rad, berühmter Alttestamentler, übersetzt: „Ein großer Sturm schwebte über den Wassern.“
Martin Buber übersetzt: „Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser“.
Das Wort, das dasteht und Bewegung ins Bild bringt, heißt hebräisch: „ruach“. Windhauch, Sturm, Geist. Gottes Geist, in der Septuaginta, der griechischen Version der hebräischen Bibel steht: pneuma theou, Geist Gottes, in der Vulgata, der Lateinischen Version: spiritus dei.
Für die Christen ist es von Anfang an der Heilige Geist Gottes, der hier gewirkt hat und nun in besonderer Weise seit Jesus wirkt, und zwar so wie Jesus selbst zu seinen Lebzeiten gewirkt hat: als Tröster, als Ermutiger, als Beistand, als Helfer, als Vermittler, als Anwalt der Schwachen und Ausgegrenzten. Nachdem Jesus selbst nicht mehr auf Erden lebt, wird der Heilige Geist als Leben stiftende Kraft ersatzweise den Menschen geschickt: Er ist nun Tröster, Ermutiger, Beistand, Helfer, Vermittler und Anwalt, so sieht es das Johannesevangelium.
Der Heilige Geist bringt aber auch etwas Neues in Bewegung: er stiftet Gemein-schaft, er ist die Initialzündung für christliche Gemeinschaft über Grenzen, Sprachgrenzen hinweg, denken wir an Pfingsten!

Apostelgeschichte 2, 1-4

Nun, eine Gemeinschaft kann auf Dauer, vor allem wenn sie größer und größer wird, nicht nur geistgetragen existieren, sie braucht Strukturen, Formen, Rituale, Organisationsstrukturen, die aber nicht zur Vertrocknung des geistlichen und des Gemeinschaftslebens und zu deren Verkrustung führen sollen. Nein. Geist und die Geistesgabe, pneuma und charisma der Christen halten die Kirche immer wieder lebendig. Warum? Weil durch sie die Menschen in ihrem Inneren, in ihren Herzen berührt werden, bewegt werden, und die empfangenen Impulse weitergeben, so dass die Kirche, auch unsere Gemeinde, eine bewegliche, lebendige Gemeinschaft im Geiste ist und bleiben kann.
Möge uns der Leben und Bewegung spendende Geist immer wieder neu zuteil werden. Amen.
 

 

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