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06.07.2018 - Sommerfest

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mit Geistlichem Wort von Pfarrer Johannes Habdank
zu "Grüß Gott" und "Segen"

»Grüß Gott!« - schon ist es passiert! „Grüß Gott“ - wer das sagt, hat gesegnet. Jeder von uns. Denn mit diesem Gruß empfehlen wir einander dem Segen Gottes an. Die religiöse Bedeutung des Grußes ist allerdings kaum jemandem bewusst, ansonsten müsste jeder Süddeutsche, dem Gott egal, Religion „wurscht“ ist, auf das religionsneutrale, hochdeutsche »Guten Tach« ausweichen. Einem echten Bayern wird aber allein schon der Gedanke daran, „Guten Tach“ sagen zu müssen, ein entsetztes »Gott bewahre« - sagt aber keiner so – oder schon eher ein „Pfui Deifi“ entlocken, während „Griaß God!“ oder „Griaß Eana“: „des gaht scho“ -„ja freile“!

Entsprechendes gilt für die Verabschiedung. Wenn die alten Römer auseinandergingen, sagten Sie »ad deum«: „zu Gott“. Daraus ist „adieu“, „ade“,“adschiquadschüs“, kurz „tschüss“ geworden. Für gstandne Bayern ein Unwort. Wie mir einmal eine inzwischen alt gewordene Bachhause-rin gesagt hat: „Hannes, wennst Tschüss sagst, dann kannst a glei Scheiß sogn!“

Dabei hat Tschüss die Bedeutung von „Gott befohlen“, anderswo klingt es nur etwas anders: tschüss = „tschüssle“, fränkische und schwäbische Variante, oder das modische „Tschüssikowski“ – alles Abwandlungen von Tschüss. „Tschüssikowski, bis baldinski!“ Die Bachhauserin bleibt lieber beim „Pfüadi nacherd“!

Ja, was da alles im Alltag an Grußformeln zur Begrüßung wie zum Abschied ausgetauscht wird, enthält oft Segen in unvermutet hoch konzentrierter Form: »Gott sei mit dir« gibt man einander mit auf den Weg, hier bei uns eher: „Behüt dich Gott“, „Pfüadi“, wobei: „Ja, pfüadi God“ eher der Abteilung Abwehrritus und Fluch statt dem Segen zuzuordnen ist.

Auch bei den großen Szenen und Inszenierungen der Begrüßung, den Lebensentscheidungen und des Abschieds im Leben und an seinem Ende hat der Segen eine besondere Bedeutung:

Bei der Taufe, wenn ein neues Leben angefangen hat, bei der Trauung, wenn ein gemeinsames Leben „auf Dauer gestellt“ wird, um es einmal unromantisch zu formulieren, bei der Beerdigung, wenn ein Leben vollendet ist, steht der Segen im Mittelpunkt. Mit dem Segenszuspruch wird gesagt, dass Gott gegenwärtig ist und im Leben mitgeht, vom Anfang bis zum Ende und darüber hinaus.

Es ist erstaunlich, dass Menschen, die sonst mit der Kirche und dem traditionellen Glauben nicht so viel am Hut haben, sich in solchen Szenen und Schwellensituationen des Lebens unter den Segen Gottes und damit in seine Gegenwart stellen wollen, ja:

Der Segen ist ein Grenzgänger. Im Sakralen hat er ebenso seinen festen Platz wie in der profanen Welt, wobei wir Protestanten da eigentlich keinen Unterschied machen, seit Luther. Segen ist heut stark gefragt, nachgefragt. Feuerwehrhäuser, Bankfilialen, Maibäume, Autobahnabschnitte, Brücken, Windräder, Produktionshallen, Geschäftseröffnungen: bei der Einweihung möchten die Betreiber oder Besitzer ihre neuen Objekte oft kirchlich gesegnet wissen. Je umstrittener die Projekte sind, desto erhitzter ist dann die Diskussion: Darf man Dinge segnen? Kann mit kirchlicher Segenshandlung oder „Weihe“ etwas belegt werden, was andere z.B. als „Fluch der Technik“ oder als „Agentur des Mammons“ empfinden? Heißt segnen „absegnen“ und damit legitimieren?

In der Bibel kommt Segen in den verschiedensten Lebenssituationen vor. Von Segen wird von Beginn des Lebens, von der Schöpfung an geredet. Da wird erzählt, dass Gott Mann und Frau zu seinem Bilde schuf und sie segnete. Das ist biblisch der erste, symbolisch die gesamte Menschheit umfassende Segen, als ein positives Vorzeichen, das es dem Menschen ermöglicht, seinem Auftrag gerecht zu werden.

Gottes Segen, so erzählt die Bibel, markiert aber auch die Geburtsstunde seines Volkes, der ihm - gefühlt oder tatsächlich - Zugehörigen. »Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein«, sagt Gott zu Abraham, und damit beginnt die Geschichte zwischen Gott und den Seinen, die sein gesegnetes Volk sind und bleiben werden, auch durch die wechselhafte Geschichte hindurch.

Indem Gott segnet, sagt er seine heilende, stärkende und Mut machende Begleitung durch die Höhen und Tiefen des Lebens zu, und zwar eines jeden Menschen, der ihm glaubt. Und damit können sie auch ein Segen für andere sein.

Ich komme zum Schluss: Segen kann in der Bibel viele Inhalte und Bedeutungen haben: Lebensglück, Gelingen in allem Tun. Ein erfülltes Leben, Erfolg, Zufriedenheit, Ruhe und Sicherheit ist Segen. Segen zielt auf ein Leben in „Schalom“, was so viel wie »Frieden, Heil, Wohl, umfassendes Wohlergehen und –befinden, Ganz-Sein« bedeutet. Gemeint ist damit ein Leben im inneren Frieden mit sich selbst, mit anderen, seinem Umfeld, seiner Umwelt und mit Gott.

Und diesen Frieden, der von dem Segen Gottes her kommt, wünsche ich uns allen:
heute, beim Sommerfest und für jeden Tag. Grüß Gott!

Amen.

Bilder vom Sommerfest sind hier zu sehen.


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