Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigttext Prof. Klaus-Peter Jörns

Aktuell >>

Klaus-Peter Jörns

Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden unter den Menschen. Denn Gott hat an ihnen Wohlgefallen.

I. Weihnachten hat von seinem Festinhalt her hat eine Menge zu bieten, wonach Menschen sich sehnen: Da geht es um eine junge Familie und ihren mühsamen, aber glücklichen Anfang, um die Geburt des Kindes, das allen Zukunft verspricht. Und die Botschaft, die die Engel bringen, zielt ganz klar auf die größte Sehnsucht der Menschen: auf die Sehnsucht nach „Frieden auf der Erde“.
Ob nun bei Jesaja oder in der Weihnachtsgeschichte des Lukas: Die Geburt eines Kindes trägt in sich die Botschaft von einem Neuen, von einem Anfang. Wir Christen zählen bis heute die Jahre und Jahrhunderte, in denen wir leben, „nach Christi Geburt“. Denn dieses Kind ist zum Hoffnungsträger besonderer Art geworden. Wir Christen feiern seit der frühen Kirche die Ankunft dessen, der nach biblischem Zeugnis von Gott selbst zum messianischen „Gesalbten“, zum Christus also, berufen wurde. Und vom Messias erwartete man damals gewaltige Taten wie von keinem anderen Menschen: Er sollte das von den Römern besetzte Israel befreien, für äußeren Frieden und für Gerechtigkeit im Inneren des Landes sorgen – also den großen Schalom zurückbringen, der nach der Überlieferung tausend Jahr zuvor in König Davids Reich geherrscht haben soll. Aber Schalom, Frieden – alles, wofür wir Zukunft erhof-fen, alles, wovon wir hoffen, dass es bleibt, alles wird gefährdet, wenn kein Frieden herrscht.

Als Jesus geboren wurde, herrschte in der römischen Provinz Judäa, kein Frieden – eher Unfreiheit, Armut und Korruption. Die Zeit des Königs David war dem gegenüber eine andere Welt, zu der die Juden nur über eine „Weltenwende“ kommen konnten. In einer Reihe von Freiheitskriegen haben die Juden versucht, diese Wende mit Gewalt herbeizuzwingen – so lange, bis es in der Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christus kein Jerusalem mehr gab. Nicht wenige seiner Zeitgenossen hielten auch Jesus für einen, der diese Wende einleiten könnte, und seine Predigt vom Reich Gottes für das Programm eines messianischen Umsturzes. Ein ganzes Arsenal von Hoheitstiteln wurde auf Jesus angewandt – und damit verbunden ein ganzes Arsenal von großen und größten Hoffnungen –: Prophet, Messias, Gottessohn, Herr (Kyrios) und Heiland (Soter). Sich selbst hat Jesus vielleicht „der Menschensohn“ genannt oder einfach „der Mensch“.

II. Bedenken wir , dass Jesus am Anfang der Bergpredigt (Mt 5) diejenigen seliggepriesen hat, „die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit“, die „sanftmütig“ und nicht gewalttätig sind und die „Frieden stiften“, wird sofort klar: Jesus wollte und konnte nicht der von den gelehrten Juden erwartete Messias sein. Er hat für Gerechtig-keit und Frieden unter den Menschen gekämpft. Er hat Kranke geheilt und auch seine Jünger gelehrt zu heilen. Aber für den politischen Umsturz gab Jesu Botschaft vom Reich Gottes nichts her: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Jesus stützte sich nicht auf die üblichen Mittel des Machtgewinns und Machterhalts. Im Sinn hatte er, die unmittelbaren Leiden von Menschen und Tieren zu lindern und den Frieden im Umgang der ein-zelnen Menschen miteinander beginnen zu lassen.

Deswegen mussten alle an Jesus Anstoß nehmen, die von ihm erwarteten, er werde wie ein wehrhafter Held mit Mitteln der Gewalt für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit kämpfen. Aber Gewalt lehnte er ab. Denn Gewalt erzeugt neue Gewalt, auch wenn sie einem guten Zweck dienen soll. Jesus hat es so ausgedrückt: „Man kann nicht den einen Satan mit einem anderen Satan austrei-ben“ (Mt 12, 26). Er setzte deshalb auf ein anderes Mit-tel: „Wenn ich … durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Reich Gottes zu euch gekommen“ (Mt 12, 28). Denn Dämonen sind Geister, die Seele und Denken verwirren und den inneren wie äußeren Frieden zerstören.

III. Der Geist, von dem Jesus bewegt wurde, weist nur einen Weg zum Frieden: Den Weg der Nächstenliebe. Sie nimmt aus der bedingungslosen Liebe Gottes zum Leben ihre Kraft. Diese Liebe ist alles andere als blind für die oft grausame Realität des Lebens. Aber weil sie, von Gott kommend, den längeren Atem hat, kann sie aushalten, dass ihr vieles nicht – oder noch nicht – gelingt. Wenn Jesus von seinen Weggenossen forderte, dass sie sogar diejenigen ertragen sollten, die sie als ihre Feinde empfanden (Mt 5, 44), dann ist klar, welch ungeheure Kraft Jesus in der Nächstenliebe gesehen hat: Nur sie kann die Welt verändern, ohne neues Unrecht zu schaffen. Und weil alle immer wieder an Menschen und Tieren schuldig werden, wird Nächstenliebe tagtäglich in der Gestalt der Vergebung gebraucht. Aber wirken kann diese Kraft in der Welt nur, wenn sie von vielen ausgeht und nicht nur von einem Einzigen.

Niemand hat das klarer gesehen als Jesus selbst. Denn er hat sich nicht als den Einen verstanden, der die Welt mit allen Mitteln verändern und zum Frieden zwingen würde. In einer der Seligpreisungen der Bergpredigt heißt es: Glücklich können diejenigen sein, die Frieden stiften: Sie sind Gottes Söhne und Töchter (Mt 5,9). Aus dem Einen Sohn Gottes hat Jesus die vielen Söhne und Töchter Gottes gemacht. Sie bringen Gott ins Leben, in den alltäglichen Umgang miteinander – also dahin, wo wir Gott brauchen, um menschlicher, liebevoller, friedlicher zu werden.

IV. Diese Botschaft Jesu kennen wir seit langem. Gepredigt wird sie mit wechselnder Klarheit seit zweitausend Jahren. Und auch in anderen Religionen gab es große Gestalten, die – wie Mahatma Gandhi – den Verzicht auf alle Mittel tödlicher Gewalt und die Bereitschaft zur Versöhnung vorgelebt haben. Und trotzdem erleben wir im jetzigen 21. Jahrhundert ein neues Aufflammen der Gewalt und der Kriege, und einen Boom an Waffenlieferungen, mit denen sie befeuert werden. Und Deutschland ist als drittgrößter Exporteur wieder dabei. Und das alles, obwohl die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert mehrere 100 Millionen Tote gekostet haben. Und wie Gott in der Geschichte des christlichen Abendlandes immer wieder in die Machtansprüche der Nationen und Herrscher hineingezogen worden ist, so werden jetzt in den islamistischen Bewegungen Machtansprüche und religiöser Totalitarismus gemeinsam ausgelebt. Flüchtlingsströme ziehen auf Europa zu wie zu Zeiten der alten Völkerwanderungen. Sie lösen Ängste und Abgrenzungsmechanismen aus, weil viele Menschen plötzlich ihren Wohlstand und angeblich ihre Kultur gefährdet sehen. Und kaum einer begreift, dass die europäischen Kolonialmächte es gewesen sind, die durch ihre Ausbeutungspolitik die Wurzeln der Kriege und Krisen von Asien über den Nahen Osten bis Afrika und Südamerika gelegt haben. Wir Europäer können nicht fröhliche Weihnachtslieder singen und Flüchtlinge aussperren. Tun wir das doch, sperren wir auch Jesus aus, und dann ist das Christentum bei uns ein Etikettenschwindel.

V. Müssen wir also verzweifeln, wenn wir abends die Nachrichten sehen? Denn da merken wir, dass wir noch unendlich weit entfernt sind vom inneren und äußeren Frieden unter den Menschen – und auch vom Frieden der Menschen mit den Tieren. Gibt es denn wirklich Hoffnung für die Welt? Oder machen wir uns aufgrund unserer Sehnsüchte nur etwas vor? Wahr ist, dass die blutigsten Kriege, die schlimmsten Völkermorde und Versklavungen nichtweißer Rassen in den beiden christlichen Jahrtausenden geschehen sind. Jesu Kommen hat die Welt nicht menschlicher gemacht – trotz aller Diakonie und Caritas. Sie haben Wunden geheilt. Aber die Herrschaft der Gewalt haben sie nicht gebro-chen. Also, haben die christlichen Theologen gesagt, wird sich alles erst ändern, wenn der schon einmal dagewesene, hingerichtete und auferstandene Jesus Chris-tus zurückkommt auf die Erde. Darauf müsst ihr warten! Und so steht es denn auch im Glaubensbekenntnis.

Die frühkirchlichen Theologen haben nicht gemerkt, dass sie Jesu eigene Botschaft damit wieder auf den Kopf gestellt und unsere Hoffnungen erneut auf den Einen Retter gelenkt haben. Denn – ich wiederhole – Jesus hatte die Hoffnung, dass seine Art, Mensch zu sein, sich durchsetzen wird, daran gebunden, dass erst viele und dann unendlich viele sich zu Söhnen und Töchtern Gottes berufen lassen. Denn nur so kann sich die Einsicht, dass alle Geschöpfe Gotteskinder sind, bis hin zur Feindesliebe ausbreiten und einen Wärmestrom erzeugen, der von Generation zu Generation anwächst und langsam, aber sicher, die Menschwerdung der Men-schen vorantreibt.

Dass Jesus bei seinem Weg der Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe geblieben ist, können wir erst richtig als Evangelium begreifen, seit wir wissen, dass die Menschwerdung der Menschen noch nicht zum Ziel gekommen ist. Wir haben die Evolution seit dem Urknall hinter uns, aber wir sind noch nicht am Ziel, sind als Menschen noch nicht fertig, noch nicht da angekommen, wohin uns die Menschwerdung der Menschen führen soll. Das sollen wir bedenken, wenn wir Nachrichten hören. Und dies: Leben auf der Erde hat sich vor 3,5 Milliarden Jahren entwickelt. Und in dieser unvorstellbar langen Zeit hat dann der Weg über Pflanzen und Tiere zu den Primaten und von denen zuletzt zu uns Menschen geführt. Menschliches Leben, wie wir es kennen, gibt es erst seit ein paar 100.000 Jahren, und die ganze Kulturgeschichte der Menschen, die wir als Bildungsgut kennen, umfasst maximal 40.000 Jahre.

Wenn wir heute unter Unfrieden, Vertreibung und an-deren Formen der Gewalt leiden, müssen wir wirklich aufhören, auf Rettergestalten zu hoffen. Es braucht jene von Jesus gelebten Wege, um zu mehr Menschlichkeit und Frieden zu kommen. Es braucht die Langsamkeit und Intensität der Liebe. Gehen wir bei der Liebe in die Schule, lernen wir auch der Evolution zu vertrauen, die noch vor uns liegt. Wir dürfen uns nicht zufrieden geben mit dem Maß an Menschlichkeit, das auf dem Papier in Gestalt der Menschenrechte formuliert worden ist. Die Umsetzung ins Leben hinein verlangt, dass wir der weiteren Menschwerdung der Menschen Zeit geben, sehr viel mehr Zeit lassen. Sie verlangt aber auch, dass wir ihr durch unser eigenes Leben, durch das, was wir denken und tun, einen Wärmestrom von Geist und Liebe zuführen. Den braucht die Evolution, um sich in die Richtung zu entwickeln, die Jesus uns vorgelebt hat. Und nichts von gelebter Liebe geht, wenn wir sterben, im Kosmos verloren. Auch wir kleinen Lichter zählen dabei, sind – Licht in der Welt!

Denken wir daran, dass es fast zweitausend Jahre gedauert hat, bis es zu der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (1948) und zur Festschreibung der Kinderrechte (1989) gekommen ist! Denn erst seit dem 20. Jh. haben Frauen und Kinder offiziell dieselben Grundrechte zugestanden bekommen wie Männer! Und noch immer sind die papierenen Grundrechte nicht vollständig in der Rechts- und Lebenspraxis angekommen! Ärgerlichstes Beispiel dafür ist, dass Frauen bei Katholiken und Orthodoxen immer noch von den geistlichen Ämtern ausgeschlossen sind. Bedenken wir das, haben wir einen Vorgeschmack von der Länge der Zeiträume, die die Menschwerdung der Menschen noch brauchen wird, bis unsere Hoffnungen erfüllt sein werden.

Es bleibt dabei: „Friede auf Erden!“ lautet das Weihnachtsevangelium. Es nennt die Richtung der Evolution. Und Glücklich können diejenigen sein, die mit Geist und Liebe Frieden stiften und der Welt Zukunft geben. Sie sind Gottes Söhne und Töchter (Mt 5,9). Die alten Lieder, die den Heiland begrüßen, können wir trotzdem noch singen. Sie halten die Sehnsucht in uns wach, dass die Menschwerdung der Menschen weiter geht.

Gebet nach der Predigt am Heiligabend

Vor Dir, Gott, aus dem alles und in dem alles Leben ist, richten wir unsere Gedanken auf die vielen wunderbaren Zeichen der Liebe, die wir in unserem Leben erhalten haben. Voller Dank denken wir an die Weite der Erde und des Kosmos und an die Vielfalt der Geschöpfe, die darin zuhause sind – alle sind sterbliche Wesen wie wir, und alle sind wie wir eingebettet in den Wärmestrom der Liebe, der tagtäglich von Dir seinen Ausgangspunkt nimmt und alles, was lebt, mit einander verbindet.
In dieser Verbundenheit gedenken wir all derer, mit denen wir von Kindesbeinen an gelebt haben und mit denen wir heute leben. Was wir einander schuldig geblieben sind, soll nicht verdecken, was wir von einander empfangen haben. Was Liebe ist, wüssten wir nicht ohne sie, die uns geliebt haben und lieben.

So ist es auch mit dem Kind in der Krippe in Bethlehems Stall. Wir wollen es nicht mit Erwartungen überfrachten, sondern unsere Verantwortung für das Leben wahrnehmen, so gut es geht. Dass auch Jesus nicht in eine fertige Welt geboren worden ist, erinnert uns daran, dass Du mit der Menschheit und mit den anderen Geschöpfen noch etwas vorhast, was über das Heute hinausführt. Mit jeder Geburt auf dieser Erde, bei Menschen und Tieren, reißt Du den von unseren Grausamkeiten und Lieblosigkeiten verhängten Himmel wieder auf und gibst uns zu verstehen, dass unsere Menschwerdung noch weitergeht. Aber durch hilflos weinende Kinder verstehen wir auch, dass wir gebraucht werden mit Liebe und Verstand, und dass wir zu dieser Zukunft etwas beitragen müssen.
Die Zuversicht, die wir trotz aller Erschütterungen in der Welt haben können, drücken wir nun aus, indem wir beten, wie Jesus zu Dir gebetet hat:

Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
 

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier