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Predigttext Prädikantin Cornelia Jung

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Liebe Gemeinde,

kennen Sie das auch, dass die Gedanken spazieren gehen?
Vorzugsweise abends, wenn alles still wird.
Wenn die Welt draußen in der Dunkelheit verschwindet, das Haus zur Ruhe kommt, die Farben und Geräusche verblassen.
Nur sie selbst, ganz alleine bleiben zurück.
Dann steigen sie auf - die Gedanken.
Vielleicht zieht der Tag noch einmal an ihnen vorüber.
Sie schauen auf das was war.
Seltsam, bei mir kommt dabei das Gute dabei eher zu kurz.
Das Belastende, das Schwere ist viel kraftvoller und drückt sich an die Oberfläche, wo ich es doch tagsüber gut unter einer Decke halten konnte. An Ruhe und Schlaf ist dann nicht mehr zu denken. Die Fragen des Lebens halten mich wach.

So ging es auch dem Mann, von dem ich ihnen heute berichten möchte. Nikodemus, ein Pharisäer und Mitglied des Hohen Rates. Als Pharisäer hatte er 364 Gebote und 248 Verbote im Glauben an Gott zu halten. Als Mitglied des Hohen Rates war er ein angesehener Bürger Jerusalems und mitverantwortlich, dass diese jüdischen Verordnungen eingehalten wurden. Er war also ein Mann, dessen Leben in geordneten Bahnen verlief.

Aber auf einmal ist alles anders. Irgendetwas tut sich da in der Bevölkerung. Jetzt zum Passahfest, hier in Jerusalem, ist die Stimmung ganz verändert, wenn ich da an die Jahre zuvor denke. Liegt es an diesem Nazarener, von dem so viel erzählt wird? Er soll Kranke geheilt haben und andere Wunder vollbracht haben. Er erzählt vom Reich Gottes schon jetzt.
Und die, die ihm begegnet sind, sind ganz verändert. Was geschieht da?
Und neulich hat er wie ein Wahnsinniger im Tempelhof getobt. Er hat die Tiere hinausgetrieben und die Tische der Geldwechsler umgeworfen. Geschrien hat er: „Macht aus dem Haus meines Vaters keine Markthalle!“ Er war derart außer sich vor Wut.
So geht das natürlich nicht! Den haben wir uns im Hohen Rat erst mal vorgeknöpft. Mit welcher Berechtigung Gottes spielt er sich nur derart auf? Einen seltsamen Beweis hat er dabei vorgebracht:
„Reißt den Tempel nieder, ich bau ihn in drei Tagen wieder auf!“ sagte er.
Unmöglich, haben wir doch 46 Jahre für den Bau gebraucht.

Oh, ich könnte mich so aufregen. So kann das nicht weiter gehen. Er wiegelt noch alle Juden auf. Er stellt alle unsere Regeln des Zusammenlebens auf den Kopf. Das geht doch nicht!
…. Nur was hat es mit diesen Wundern auf sich?
Und mit dem Reich Gottes im hier und jetzt?
Wieso geht er zu Kranken, Aussätzigen und Menschen, die es doch nun wirklich nicht wert sind, sich eine Minute mit ihnen abzugeben? Wieso hinterlässt er so einen großen Eindruck bei ihnen?
Hat er doch einen Auftrag von Gott? Irgendetwas ist da, ich spüre es genau!

Ja, und diese Unruhe - kommt sie nun aus Nikodemus Innerem oder
ist sie seiner Verantwortung im Hohen Rat geschuldet – egal,
diese Unruhe bringt ihn dazu zu Jesus zu gehen und seine Fragen zu stellen.

Hier setzt nun der heutige Predigttext aus dem Johannesevangelium
im 3. Kapitel ein:

Jesus und Nikodemus
31) Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.
2)  Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
3)  Jesus antwortete und sprach zu ihm:
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir:
Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde,
so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
4)  Nikodemus spricht zu ihm:
Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist?
Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen
und geboren werden?
5)  Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir:
Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist,
so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
6)  Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch;
und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.
7) Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe:
Ihr müsst von neuem geboren werden.
8)  Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl;
aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.
So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen heiligen Geist.

Im Schutz der Nacht ist er also losgezogen, Nikodemus vom Hohen Rat.
Ging er bei Nacht weil er Bedenken hatte, dass er von Anderen entdeckt und erkannt wird?
Oder hatte er Bedenken, sich womöglich selbst zu entdecken?
Die Schatten der Nacht gewähren da einen gewissen Schutz.

Wie beginnt man nun so ein Gespräch, wo die Fragen gar nicht so einfach zu stellen sind?
Erst mal eine Wertschätzung, so habe ich es auch während meiner Ausbildung gelernt – positiver Verstärker, damit die Gesprächsstimmung freundlich geprägt ist.
Tja, aber auf solche Spielchen lässt sich Jesus nicht ein.

Die Antwort verwirrt Nikodemus total. Also auch ein Mensch kann diese Wunder vollbringen? Aber ein Mensch der neugeboren wurde? Wie soll das denn gehen? Unmöglich! Getroffen von dieser völlig abstrusen Antwort, formuliert er seine nächste Frage genauso abwegig.

Ich glaube Nikodemus hätte gerne eine präzise Antwort gehört – mir würde es an seiner Stelle so gehen.
Aber wie sagte Frieder Harz neulich zu mir: Wenn man fragt steht man in einem Haus und öffnet Fenster und Türen, bekommt man genaue Antworten, werden sie geschlossen. Jesus lässt das Haus offen und so bläst der Wind wo er will. Lauschen wir seinem Sausen.

Um was geht es Nikodemus und Jesus eigentlich?
Beiden geht es um das Reich Gottes.
Für Nikodemus ist dabei die Bewahrung der Gesetze von großer Bedeutung.
Und Jesus geht es dabei um das Gegenteil.
Es geht ihm um Veränderung, um ein neu-geboren-werden!

Mit diesem Neu-geboren-werden tut sich nicht nur Nikodemus schwer,
auch ich in mir sträubt sich alles Alte und Gewohnte aufzugeben.

Klar, dass wir als Mensch nicht mit Haut und Haar neu geboren werden können. Das weiß auch Nikodemus, darum stellt er ja diese abwegige Frage, ob er durch seine Mutter wieder neu geboren werden kann …. in seinem Alter!

Was von Fleisch geboren ist, das ist Fleisch.

Das ist eine körperliche Tatsache, an der wir nichts ändern können. Jesus ist das sehr bewusst, aber uns ist es oftmals nicht klar. Jesus will uns damit deutlich sagen, wo wir stehen und meint es dabei nicht böse. Alles, was durch das Fleisch geboren wird, also was wir schaffen, neu-er-schaffen, das ist vergänglich. Unser schönes Haus, die gemütlichen Möbel, das praktische Handy, das frisch geputzte Auto vor der Tür, das Guthaben auf unserem Konto, das alles sind Dinge, die für uns unheimlich nützlich sind. Sie helfen uns unseren Alltag zu organisieren, machen uns stolz. Wir hängen unser Herz an sie, versichern sie, beschützen und bewahren sie.

Doch das alles nutzt nichts, denn sie sind vergänglich. Das Ablaufdatum wird früher oder später erreicht. Das ist hart. Ganz bedrückend finde ich die Situation in meinem Geburtsort. So viele Höfe stehen leer, die doch Jahrhunderte von Familien bewirtschaftet wurden. Was eben noch so wunderbar und neu war, ist im nächsten Moment vergangen.

Und auch unser Körper, unser Fleisch ist vergänglich. Wir wollen es nur nicht wahrhaben. Wir tun gerne so, als ob wir ewig so weiter leben könnten wie bisher. Es fällt uns schwer das Altern zu akzeptieren und der morgendliche Blick in den Spiegel macht es auch nicht leichter. Auch wir haben ein Ablaufdatum – unbestimmt, aber irgendwann ist es vorbei!
Aber - ist es wirklich vorbei?

Und nun kommt die gute Nachricht – die Frohe Botschaft:
Nein! Es ist nicht aus und vorbei!
Gott hat uns durch Jesus Christus das ewige Leben geschenkt. Wir dürfen in seiner unendlichen, großen Liebe weiter leben. In einer Liebe, die alles durchdringt und alles andere unwichtig werden lässt.
Wir können heute schon neu geboren werden, aber eben anders –
durch Wasser und durch den Geist Gottes.
Mit der Taufe erhalten wir unser dreibeiniges Gerüst, an dem wir wachsen können. Dreibeinige Stühle oder Tische stehen fest, sie wackeln nicht. Und so auch dieses Gerüst. Wir sind getauft auf den Namen des Vaters, der Himmel und Erde geschaffen hat, auf den Namen des Sohnes, der uns immer wieder vergibt und das ewige Leben geschenkt hat und auf den Heiligen Geist, der die Liebe Gottes in uns in Bewegung setzt. Alles was vorher gewesen ist, wird mit Wasser abgewaschen.

Wir dürfen bei Gott wieder neu anfangen.
Er ruft uns bei unserem Namen und sagt ein lautes JA zu uns.
Er kennt uns und unseren Schwächen und sagt JA zu uns.
Er nimmt uns an mit unseren Ängsten und Narben und sagt JA zu uns.
Das ist doch ein Gerüst an dem wir uns festhalten und wachsen können.
Wir müssen es uns nur bewusst machen.
Hier drin in unserem Herzen, in unserer Seele.
Und das kann uns niemand abnehmen, das muss jeder für sich selbst tun.

Schließen Sie doch einmal die Augen und
wiederholen Sie gedanklich die nächsten drei Sätze, die ich Ihnen zuspreche.
Gott liebt mich! Gott liebt mich! Gott, liebt mich!
Lassen Sie die Augen ruhig geschlossen.
Spüren Sie ihn? Spüren Sie den heiligen Geist ins sich?
Gottes Geist bläst durch unser Herz und unsere Seele.
Dieser Windstoß setzt etwas in uns in Bewegung.
Zuerst gehen meine Mundwinkel leicht nach oben, bei Ihnen auch?
Gott liebt mich! - Mein Rücken strafft sich, die Schultern gehen zurück.
Gott liebt mich! - Und wenn ich meine Augen öffne, tun Sie es ruhig …sehe ich….
Gott liebt mich! - Hey, da sitzt ja noch jemand, der von Gott geliebt wird.
Auch er oder sie wird geliebt mit all seinen oder ihren Besonderheiten. Vielleicht sind mir diese Besonderheiten zu viel und zu anstrengend, aber für Gott nicht. Gott liebt auch meinen Nächsten.

Und jetzt wird es spannend. Jetzt fängt der Geist Gottes in uns an zu blasen.

Ich schaue meinen Nächsten mit anderen, neu-geborenen Augen an.
Okay, ich liebe ihn vielleicht noch immer nicht – mit seinen Eigenarten - aber ich kann ihn respektieren und
auch seine besonderen Gaben wertschätzen. Ich meine jetzt nicht schönreden, Nein!
Ich meine richtig wertschätzen, aus meinem Herzen,
das erfüllt ist mit der kompromisslosen, mutigen Liebe Gottes.

Ja, zum neu-geboren-werden braucht es Mut.
Diesen Mut setzt der Heilige Geist in mir frei.
Manchmal wächst er langsam und manchmal bringt er mich dazu ganz spontan in der Liebe Gottes zu handeln. Nicht ganz einfach. Dabei kann ich mir auch mal nasse Füße holen.

Unser Leben bekommt durch die bewegte Liebe einen ganz neuen Sinn,
der ganz wunderbar von Johannes Falk im Lied „Nasse Füße“ besungen wird:

Ich bin geboren, um zu leben, um den Himmel hier auf der Erde zu finden.
Bin geboren, um zu leben, um zu lieben und Liebe weiterzugeben.

Wenn ich dazu bereit bin, Gottes Geist mich dabei begleitet, dann stimme ich mit Johannes Falk überein:
dann habe ich auch mal lieber nasse Füße vom über's Wasser gehen,
anstatt aus 'nem trockenen Boot dem Leben hinterher zusehen.
Dann will ich lieber raus und nicht nur im sicheren Hafen bleiben.
Und nehme es in Kauf auch manchmal unterzugehen.
Ich will nicht nur fühlen, ob der Boden unter den Füßen trägt,
sondern auch blind vertrauen, wenn der Verstand mir im Wege steht.
Und lauf manchmal über Scherben, die die Jahre so mit sich bringen.

Ja, ich bin geboren, um zu leben, um den Himmel hier auf der Erde zu finden. Bin geboren, um zu leben, um zu lieben und Liebe weiterzugeben.

Nikodemus hat sich in dieser Nacht von der Liebe Jesu berühren lassen. Der Geist Gottes hat ihn in Bewegung gesetzt. Er hat einen neugeborenen, beweglichen Menschen aus ihm gemacht. Er hat sich aus dem Boot gewagt und riskiert sich nasse Füße zu holen. Wir hören noch zweimal von ihm in der Bibel:
Einmal verteidigt er Jesus gegen seine Ratsmitglieder.
Ein weiteres Mal bei der Grablegung Jesu. Er hat Salböl für Jesus gebracht und verstößt damit gegen die Gesellschaftliche Regel, einem Verbrecher keine wertvollen Geschenke zukommen zu lassen.

Wie es allerdings mit Nikodemus Nachtruhe weiterging weiß ich nicht.

Und wenn wir heute Abend mal wieder wach liegen,
dann können wir uns zurückziehen und uns mit Gott im Gebet treffen.
Wir können dem neuen Gefühl lauschen,
wenn der Heilige Geist uns seine Liebe und neuen Lebensmut zubläst.
Wohin der Wind uns morgen wohl hin bewegt?

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

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