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Predigttext Pfarrerin Lioba Lindner

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Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft.
Denn es steht geschrieben: „Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.“
Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten?
Wo sind die Weisen dieser Welt?
Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.
Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.    (1. Korinther 1, 18-25 )

 

Liebe Gemeinde,

man schreibt das Jahr 200 nach Christus. Seit zwei Jahrhunderten ist Jesus tot. Gekreuzigt, gestorben und begraben. Aber nicht vergessen. Im Gegenteil.

In seiner Unterkunft kritzelt ein römischer Soldat eine Zeichnung an die Wand. Auf Ihrem Blatt ist sie abgebildet:

Ein Gekreuzigter mit Eselskopf. Davor ein Beter und darunter die spöttischen Worte: Alexamenos betet seinen Gott an.

Ein Gott, der an einem Kreuz stirbt - ein Narr.
Ein Gott, der schwach ist- für den Karikaturisten ein Esel. Ebenso wie der, der diesem Gott vertraut.
Die römischen Götter sind ganz anders: strahlend und schön, Ausdruck von Reichtum und Macht.

Ein Gekreuzigter mit einem Eselskopf, liebe Gemeinde, dieses Bild ist die älteste Darstellung des gekreuzigten Jesus überhaupt. Das älteste Kreuzesdarstellung- kein frommes Andachtsbild, sondern eine Verspottung.

Lange Zeit war das Kreuz nichts anderes als das tiefste Zeichen für Spott und Schande. Ein Cicero spricht sich dafür aus, nicht einmal das Wort Kreuz, lateinisch „crux“ oder griechisch „ Stauros“, in den Mund zu nehmen.

Und doch wird gerade dieses Zeichen zum Symbol des christlichen Glaubens:

Ein Gott, der anders ist als alle anderen Götter. Ein Gott, der sich kompromisslos an die Seite der Schwachen stellt, an die Seite der Verlierer, der Machtlosen, der Geschundenen dieser Welt.

Ein geheimnisvoller Gott, der die Tränen nicht trocknet, die seine Armen weinen, der die Wunden nicht heilt, die das Leben schlägt. Ein geheimnisvoller Gott, der nicht weicht aus dem Hunger der Brotlosen, aus der Qual der Gefolterten und den das Leben aufs Kreuz legt, wie andere auch.

Kein Tod ist gut, der Menschen gewaltsam aufgepresst wird. Auch nicht der Tod dieses Sohnes Gottes. Aber gut ist die Güte. Gut ist die Leidenschaft dieses Gottes, der nirgendwo anders sein will, als dort, wo das Leben geschändet wird, wo Menschen in ihrer Schwäche ertrinken und wo der Tod sie zeichnet, ehe sie geboren sind. ( Zitat: teffensky)

„Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind“

so schreibt Paulus in unserem Predigttext.

Manch einer, der diesem Christus das Wort redet, mag auch heutzutage die Erfahrung machen, wie ein Esel dazustehen.

Eine Frau Käßmann etwa, die gegen den Krieg in Afghanistan Stellung bezieht und sich höhnisch fragen lassen muss, ob sie denn den Krieg mit Gebetskreisen beenden wolle. Eine Frage, die selbst reichlich töricht ist.

Aber- haben sie nicht im Grunde Recht, die Spötter?

Ist es nicht in der Tat naiv, angesichts hunderter Tonnen täglich auslaufenden Öls im Golf von Mexiko an der Vision einer Welt festzuhalten, an deren Anfang es hieß: siehe, es war sehr gut?

Ist es nicht lächerlich, angesichts atemberaubender globaler Finanztransaktionen, auf die scheinbar selbst die Politik keinen Einfluss mehr hat, von Gerechtigkeit und Schutz der Armen zu reden?

Oder in einer Welt, in der eben Leistung nun mal alles ist vom bedingungslosen Wert jedes Menschen zu sprechen?

Spricht die Wirklichkeit nicht eine ganz andere Sprache?

„Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den einen ein Ärgernis, den anderen eine Torheit…..“

Manchmal mag man sich vorkommen, wie damals die Jünger am See Genezareth, die Jesus auffordert die Netze mitten am Tag nochmals auszuwerfen und sich damit zum Gespött aller Fachleute zu machen….

Und doch: Was wäre, wenn es diese Vision einer anderen Welt nicht gäbe?

Was wird aus einer Welt, die sich selbst überlassen bleibt? In der alle Kreuze auch sinnbildlich abgehängt, alle Schwächen ausgeblendet werden? Eine Welt, die mit einem bedauernden „ es gibt keine Alternative“ so und so viele Menschen auf der Strecke lässt.

Ich denke an die Viertklässlerin die sich nicht mehr nach Hause traut, weil sie den Übertritt nicht geschafft hat.
Ich denke an die alleinerziehende Mutter, die nicht weiß wie sie ihre Kinder anständig versorgen soll.
Ich denke an viele alte Frauen, die von ihrer winzigen Rente kaum leben können.
Ich denke an Eltern, die vor Gericht gehen, weil ihr behindertes Kind nie hätte zur Welt kommen dürfen.

Soll diese Wirklichkeit das letzte Wort behalten?
Die Tradition aus der wir Christen kommen, erzählt von einer anderen Welt. Es steht da etwas geschrieben vom Recht für alle.
Es steht da etwas geschrieben, dass das Leben kostbar ist, dass der Fremde wie einer aus dem eigenen Land behandelt werden soll, dass Witwen und Waisen geschützt werden sollen und dass in den Hungrigen und Verfolgten das Antlitz Christi selbst aufleuchtet.

Wo sonst gibt es Institutionen auf dieser Welt, die darauf verweisen? Die nicht müde werden, davon zu sprechen, dass es mehr gibt, als die vorfindliche Wirklichkeit uns glauben lassen will?

„Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Es wird dieser Tage sehr viel geklagt über den Bedeutungsverlust der Kirchen, über schrumpfende Mitgliedszahlen und zurückgehende Einnahmen. Unzählige Programme zum modernen Menschenfischen werden geboren. Und am Ende bleibt dann doch oft die Resignation: „wir haben die ganze Zeit nach Mitgliedern gefischt und nichts gefangen“

Ich glaube, es sind nicht die großen Zahlen, in der der Reichtum unserer Kirche liegt und auch nicht ihre Zukunft.

Es ist das, wofür wir stehen als Christinnen und Christen. Es sind die Visionen und Träume einer anderen Welt, die in unseren Texten und Liedern wachgehalten werden. Mit ihren alten Geschichten vom Recht und ihrer Aufmerksamkeit auf den geschändeten Christus schärft die Kirche das Gewissen der Welt.

Barmherzigkeit, Wahrheit, Gnade, Vergebung, Trost, Zorn über Unrecht, Wahrnehmung der Welt aus der Perspektive der Opfer- wo sonst gibt es einen Ort unserer Gesellschaft, in dem diese Begriffe zusammenkommen und wo geübt wird, sie zu denken? ( Zitat:Fulbert Steffensky)

Wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Meiner Meinung nach ist es nicht ausschlaggebend, ob in Klassenzimmern, ob in anderen öffentlichen Räumen Kreuze hängen.
Aber es spielt eine Rolle, welcher Geist in diesen Räumen weht.

Das Kreuz steht für einen Geist, der Scheitern und das Bewusstsein menschlicher Begrenztheit einschließt. Ein Geist, der Menschen menschlich sein lässt, fehlerhaft und immer wieder an Grenzen stoßend- und gleichzeitig gerade so von Gott geliebt.

Es ist nicht zuletzt an uns als Kirche- in all unserer eigenen Begrenztheit und Gebrochenheit- diesem Geist Raum zu geben, diesen, so ganz anderen Gott das Wort zu reden. Auch wenn das heißen mag, immer wieder als Esel dazustehen.

Ich schließe mit einem Gebet für die Kirchen, das Christen in Lateinamerika formuliert haben:


Gib uns Herr, Kirchen,
die Mut statt vorsichtiger Zurückhaltung zeigen.
Die nicht nur Trost den Bekümmerten schenken
Sondern auch die bekümmern, die sich getrost und bedürfnislos fühlen.

Die nicht nur die Welt lieben,
sondern auch Gerechtigkeit fordern,
die nicht Schweigen wahren,
wenn das Volk um eine Stimme ruft.
Die uns nicht nur zum Gottesdienst herbeirufen
sondern auch in die Welt gehen
um Salz und Licht zu sein
in Gottes Namen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen
 

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