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Predigt von Pfarrer Rainer Mogk, Peißenberg

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über Lukas 10,25-37 (13. Sonntag nach Trinitatis, 14.9.14) 
 

Liebe Gemeinde,
was soll ich jetzt machen?
So schoss es mir neulich im Urlaub durch den Kopf. In einem Park begannen ein paar Jugendliche auf einander loszugehen. Von der ferne sah es so aus, als würde gleich eine Schlägerei beginnen.
Als ich näher hinsah, rauften sie aber bloß zum Spass.
Doch mir blieb die Frage: Was hätte ich getan, wenn es Ernst gewesen wäre? Hätte ich mich einmischen sollen? Vielleicht hätte ich ja heldenhaft jemand retten können? Oder hätte ich am Ende leichtsinnigerweise selbst Prügel bezogen?
Jesus erzählt von einem fast tödlichen Überfall auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho. Hören wir den heutigen Predigttext. Er steht im Lukasevangelium im 10. Kapitel und lautet:
Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!
 

Liebe Gemeinde,
ich entsinne mich noch, dass wir früher zuhause eine Kees de Kort-Kinderbibel hatten mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter. Das Bild mit den Räubern konnte ich kaum anschauen. Da habe ich immer ganz schnell weitergeblättert. Es herrschte so ein komisches grün-bläuliches Licht wie in der Dämmerung und dann prügelten dunkle Gestalten auf den armen Mann ein. Eine brutale und angsteinjagende Szene.
Wenn ich die Geschichte vom barmherzigen Samariter heute in der Bibel lese, fällt mir auf, dass Jesus die möglichen Helfer nicht während des Raubüberfalls hinzukommen lässt. So wird in dieser Geschichte auf besondere Spannung verzichtet. Und auch die schwierige Entscheidung, ob der Helfer dem Opfer gegen mehrere Angreifer zur Seite springen sollte, gibt es im Predigttext nicht. Die Räuber sind längst über alle Berge, als die anderen vorbeikommen. Der Samariter muss sich nicht selbst in Gefahr bringen. Er muss nicht in eine körperliche Auseinandersetzung treten. Er muss nicht mit den Räubern kämpfen.
Was macht der Samariter dann? Er lässt sich ansprechen von der Situation: „es jammerte ihn“ heißt es. Er nimmt wahr, wie es dem Verprügelten und Ausgeraubten geht. Der hat sein Geld, sogar seine Kleidung verloren und wurde halb totgeschlagen. Der Samariter versorgt die Wunden und verbindet sie. Er leistet also zunächst Erste Hilfe. Dann nimmt er den Verletzten mit auf seinem Esel. Er bringt ihn in die Herberge. Schließlich bezahlt er dort zwei Silbergroschen, also damals zwei Tageslöhne, heute vielleicht etwa 200 €. Dafür kann der Verletzte dort einige Zeit bleiben, bis er wieder nach Hause kann. Dann zieht der Samariter weiter.
 

Alles in allem unterbricht der Samariter seinen normalen Alltag und setzt einiges an Mühen ein, auch an Zeit und Geld.
Auf der anderen Seite bleibt seine Hilfe im Rahmen. Sie ist vernünftig, überschaubar und begrenzt. Der Samariter gibt dem Verletzten das, was er jetzt braucht, um wieder auf die Füße zu kommen; nicht mehr und auch nicht weniger. Der Samariter versorgt den Verletzten mit dem Notwendigen, dann aber geht Samariter weiter. Wahrscheinlich sieht er den Verletzten nie wieder. Eine wirklich jedem einleuchtende und einfache Hilfe.
Das ist für mich das Wesentliche an dieser Geschichte: Sie zeigt einen Menschen, der seinem Mitmenschen das tut, was er im Moment braucht, nicht mehr und nicht weniger. So ist der Samariter kein Held, der Übermenschliches leistet, sich selbst in Lebensgefahr begibt oder seine eigenen Kräfte völlig aufzehrt. Es kommt mir so vor, als müsste der Samariter nicht lange überlegen. Er tut, was nötig ist, kommt sich nicht besonders toll dabei vor und geht dann weiter. So einfach geht es, will Jesus uns sagen. Aber so selbstverständlich ist das nicht, denn zwei andere gehen am Zusammengeschlagenen vorbei.
Jesus erzählt diese Beispielgeschichte als Antwort auf eine Frage. Diese Frage hatte der Schriftgelehrte an Jesus gestellt. Sie lautet: Wer ist mein Nächster? Das heißt: um wen soll ich mich nach Gottes Willen kümmern?
Wir stufen oft ab: Zuerst kommt meine eigene Familie und meine engen Freude. Das sind die Menschen, die mir am nächsten stehen und mit denen ich viel zu tun haben. Denen helfe ich sehr gerne, weil ich sie mag, aber auch weil ich da etwas zurückbekomme an Liebe. Dann helfe ich auch meinen Nachbarn oder Kollegen. Auch das „lohnt“ sich für mich. Schließlich können die auch einmal etwas für mich tun. Und ich sehe sie ja oft. Dann helfe ich auch anderen, mit denen ich in Kontakt bin, Menschen hier in der Kirchengemeinde. So also bilden wir Kreise mit Abstufungen von Nächsten. Das ist die Perspektive von uns aus. Wer steht mir nahe?
 

Am Ende seiner Beispielgeschichte stellt Jesus auch eine Frage. Dabei dreht er die Perspektive um. Nicht mehr: wer ist von mir aus betrachtet mein Nächster? Wem soll ich viel helfen, wem nicht mehr? Sondern Jesus fragt: Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war?
Damit verweist uns Jesus auf die Perspektive des Hilfebedürftigen. Es geht nicht um uns als Helden oder tolle Hilfeleister. Es geht nicht um Leute, die uns nahestehen. Es geht nicht, ob sich die Hilfe für uns lohnen könnte durch Dank und Anerkennung, die wir später zurückbekommen. Sondern, es geht um den, der Hilfe braucht und darum, wer ihm am besten hilft. Der Samariter kannte das Opfer nicht. Er gehörte einer anderen Volksgruppe an, auch seine Religion war vom jüdischen Standpunkt aus betrachtet nicht ganz richtig. So standen sich Opfer und Samariter gar nicht nahe. Aber danach fragt der Samariter nicht. Er spürt, dass einer hier jetzt seine Hilfe braucht und er diese Hilfe leisten kann. So wird er der Nächste für den Hilfebedürftigen, einfach, weil er zufällig an ihm vorbeikommt.
Das leuchtet unmittelbar ein. Das erkennt auch der Schriftgelehrte an. Er antwortet Jesus auf die Frage, wer vom Hilfebedürftigen aus gesehen der Nächste war: Der die Barmherzigkeit an ihm tat.
Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!
 

Liebe Gemeinde,
Diese Beispielgeschichte ist sicher eine der bekanntesten Geschichten Jesu, der wohl niemand widersprechen möchte. Aber wie können wir dazu kommen, „desgleichen“ zu tun?
Für mich liegt der Schlüssel in dem angesprochenen Perspektivenwechsel. Wir lieben unseren Nächsten im Sinne Jesu, wenn wir vom Hilfebedürftigen her unser Handeln leiten lassen.
Dazu kommen wir, wenn wir im Handeln nicht Ziele verfolgen, die um uns selbst kreisen. Wenn wir also im Handeln nicht Anerkennung für uns oder eine Gegenleistung suchen. Und das können wir, wenn wir beim Handeln wirklich frei sind für die Bedürfnisse des Nächsten.
Die beiden, die am Verletzten vorübergehen, sind eigentlich fromme Leute, der Priester und der Levit. Sie sind unterwegs nach Jerusalem, wahrscheinlich um Gott im Tempel zu dienen. Sie wollen etwas für Gott tun. Und gerade dabei übersehen sie die Not ihres Mitmenschen.
Damit sind wir am Anfang des Predigttextes. Die Ausgangsfrage des Schriftgelehrten lautete ja: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?
 

Zunächst ging es gar nicht um den Umgang mit unseren Mitmenschen, sondern darum, wie wir ein Leben führen, das Gott gefällt. Jesus lässt den Schriftgelehrten mit dem Doppelgebot der Liebe selbst die Antwort geben: Gott lieben und unseren Nächsten. Beides wollen wir, aber es gelingt uns manchmal nicht, so wie dem Priester und dem Levit.
Doch es geht nicht darum, dass wir nun von uns aus versuchen sollten, Gott und unsere Mitmenschen noch intensiver und konsequenter zu lieben. Bloße Vorsätze, dass wir nun bessere Menschen werden wollen, helfen uns kaum weiter.
Verändert werden wir, wenn wir selbst erleben, wie uns geholfen wird, wenn wir Gottes barmherzige Liebe an uns erfahren.
Und so haben frühere Generationen von Christen unseren Predigttext noch einmal anders gelesen. Sie haben gesagt: Auch wir waren schon wie unter die Räuber gefallen, lagen am Boden, am Ende unserer Kraft und haben von Jesus Christus Hilfe erfahren. Wenn wir also Jesus Christus als barmherzigen Samariter in unserer Not erfahren haben, können wir hoffentlich leichter auch wieder anderen helfen. Selbst die Hilfe eines Samariters zu bekommen, motiviert uns, die Not anderer wahrzunehmen und entschlossen zu handeln.
 

Noch eine andere Überlegung könnte uns weiterhelfen. Was wäre denn, wenn wir einmal in dem, der unter die Räuber fällt, Jesus Christus sehen würden? Jesus Christus stieg doch auch herab vom Himmel und kam zu uns Menschen. Er ging hinab von Jerusalem hinunter nach Jericho. Unterwegs fiel er unter die Räuber. Er wurde selbst zum Opfer von Raub und Gewalt. Er lässt sich schlagen, ja sogar inmitten von Räubern kreuzigen. All das tut Jesus Christus für uns. Er tut es, um Gewalt und Leid auf sich zu nehmen, um die Bosheit der Menschen zu erleiden. Und weil Jesus Christus sich so zum Opfer macht, können wir ihm selbst in unserem hilfebedürftigen Mitmenschen begegnen.
In diese Richtung geht auch unser Wochenspruch: „Christus spricht: Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan.“
 

Liebe Gemeinde,
um noch ein Beispiel zu geben:
Uns in Peißenberg beschäftigen im Moment die rund 70 Asylsuchenden in unserem Ort. Zweierlei ist mir dazu wichtig: Zum einen: Manchmal fragen wir uns: Wie sind diese Leute hergekommen? Was wollen die hier? Mit vielen klappt es prima, mit manchen ist es auch anstrengend. Aber auch dann kann uns diese Perspektive helfen: Auch jemand, der so anders
reagiert, als wir erwarten, ist unser Nächster. Auch er ist jemand, in dem uns Jesus Christus begegnen kann.
Zum andern: viele ehrenamtliche Helfer haben sehr motiviert begonnen, Deutschkurse und vieles mehr anzubieten. Manche der Mitarbeiter haben sich über die Maßen reingehängt und sind jetzt erschöpft und frustriert, wenn es Schwierigkeiten gibt. Hier fordert uns die Geschichte vom barmherzigen Samariter auf, vernünftig, überschaubar und begrenzt zu handeln.
Vernünftig ist es für mich, Deutschkurse anzubieten, damit die Asylsuchenden eine nützliche Beschäftigung haben. Überschaubar heißt für mich: So sinnvoll es beispielsweise auch wäre, die Straße von Jericho nach Jerusalem sicher zu mache, das kann der Samariter allein nicht leisten. Und so können auch wir nicht alle Probleme und Widersprüche im Asylverfahren lösen. Begrenzt bedeutet: Der Samariter nimmt den Verletzten nicht mit nach Hause. Und so versuchen wir, auch Grenzen zu ziehen, zum Beispiel kein Geld zu geben oder auch den Zeiteinsatz zu beschränken.
So kann uns der barmherzige Samariter Orientierung geben in komplexen Fragen, aber er will vor allem unsere Aufmerksamkeit auf die einfachen Situationen lenken, in denen unsere Hilfe gefragt ist. Darum: Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!
Amen.
 

Fürbittengebet :
Herr, unser Gott,
Es sind so viele Wunden, wenn wir um uns schauen.
Wunden in der Seele der Menschen.
Wunden an Bergen und Bäumen,
Flüssen und Gräsern.
Wunden in Völkern und Kirchen.
Einer ist des anderen Neider.
Einer verbaut des anderen Leben.
Einer raubt dem anderen den Atem.
Richte uns auf.
Schenke uns ein Leben inmitten von Leben.
Wir bitten dich: „Vergib uns unsere Schuld.“
Nimm uns ins Gebet, Gott, dass wir zu lieben beginnen,
wo wir gerne sortieren wollten.
Nimm uns ins Gebet, Gott, dass wir zu danken beginnen,
wo wir kassieren wollten.
Nimm uns ins Gebet, Gott, dass wir zu warten beginnen,
wo wir gehen wollten.
Nimm uns ins Gebet, Gott, dass wir sammeln,
wo wir trennen wollten.
Eröffne Wege, wo wir nur Ödland sehen.
Schenke Liebe, wo wir nur Streit sehen.
Bewahre, was uns wichtig ist.
Die Kranken stärke.
Die Schwachen ermutige.
Die Zögernden begeistere.
Und schenke uns Vernunft, überschaubar und begrenzt unseren Nächsten das zu geben, was sie brauchen. Amen.
 

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