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Predigttext Pfarrer Prof. Klaus-Peter Jörns

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Die Gleichnisse Jesu sind aus dem Leben gegriffen. Nun hat sich zwar kulturell vieles geändert seit Jesu Tagen, aber die Grundzüge des menschlichen Wesens sind gleich geblieben. Deshalb packen uns diese Gleichnisse immer noch. Das eben gehörte macht da keine Ausnahme, zumal es von einer sich entwickelnden Spirale der Gewalt erzählt und ausgesprochen spannend ist.

Nehmen wird das Gleichnis bei Markus für sich, können wir darin die Lehre vermittelt finden, dass sich Gewalttat nicht lohnt. Die Spekulation der Winzer, dass ihnen der Weinberg zufallen werde, wenn sie Gewalt einsetzen und schließlich den Erben umbringen würden, war eine Fehlspekulation. Sie ruinieren sich mit ihrem Aufstand selbst. Denn der Besitzer zahlt, nachdem er unvorstellbar viel Geduld gezeigt hatte, auf die Tötung des Sohnes mit derselben Münze zurück und bringt die Gewalttäter um.

Was soll das Gleichnis aber im Evangelium, in Jesu Mund? Sollen wir etwa im Weinbergbesitzer Gott dargestellt finden? Sollen wir von Gott lernen, dass er, wie es in der Variante bei Matthäus (21,41) heißt, trotz seines langen Zögerns „den Bösen ein böses Ende bereiten“, also Gewalt mit Gegengewalt beantworten, wird?

Das passte nun allerdings ganz und gar nicht zur Verkündigung Jesu. Denn darin tut Gott genau das ja nicht! Im Gegenteil: Er vergibt, weil er den Menschen zum Leben helfen und sie nicht vernichten will. Wie wir alle wissen, hat er die ungerechte Hinrichtung Jesu auch nicht mit Gegengewalt beantwortet, sondern mit Jesu Auferstehung.

Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass das Thomasevangelium (ca. 70-80 n.Chr.) die älteste greifbare Überlieferung des Gleichnisses hat. Da nämlich gibt es keine gewalttätige Reaktion auf die Ermordung des Sohnes. Das Gleichnis endet, und es folgt ein weiterer Ausspruch Jesu, in dem er von dem Stein spricht, den die Bauleute verworfen haben und den er den Eckstein nennt – also den Stein, der das ganze Haus zusammenhält. Und daraus kann man schließen, dass das Thomasevangelium die ganze Gleichniserzählung auf Jesu Leben und darauf bezogen hat, dass er eines gewaltsamen Todes gestorben, aber nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden ist. Jesus ist der Stein, den die Menschen verworfen haben. Er ist auch der Sohn im Gleichnis, den die Winzer umgebracht haben. Und trotzdem ist er der, der das Haus des neuen Glaubens trägt. Und dieser Glaube glaubt, dass Gott Liebe ist und Gewalt nicht mit Gegengewalt beantwortet, sondern indem er dem Leben das letzte Wort gibt. Das ist eine gute Botschaft.

Bei den biblischen Evangelien sieht das Bild schon ganz anders aus. Zuerst einmal: Johannes hat dieses Gleichnis nicht, weil er überhaupt keine Gleichnisse aus der Jesus-Überlieferung übernommen hat. Denn für ihn ist Jesus selbst das eine und einzige Gleichnis Gottes in der Welt. Der Schlüssel zu dieser Theologie ist der Satz „Wer mich sieht, sieht den Vater(gott).“ (14,9) Bei Johannes erzählt Jesus keine Gleichnisse mehr, sondern redet von sich selbst, sagt „ich“: „Ich bin das Licht der Welt“, „das Brot des Lebens“, und so weiter.

Bei den anderen drei Evangelien finden wir das Gleichnis und das Wort vom verworfenen Stein, der zum Eckstein geworden ist, allerdings wieder. Und jeder hat eine sehr eigene Fassung. Ich kann jetzt nicht auf alle Unterschiede eingehen und konzentriere mich, wie es der Predigtplan vorsieht, auf Markus.  Wichtig ist nun genau zu beachten, in welchem Zusammenhang Gleichnis und Spruch vom Eckstein stehen. Denn anders als bei Thomas, wo es fast nur Sprüche Jesu gibt, betten die drei Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas alle Gleichnisse in den großen Erzählzusammenhang ein, der sich zwischen Jesu Anfang und Ende spannt. Bei allen finden wir unser Gleichnis nach dem Einzug Jesu in Jerusalem, also schon in der sogenannten Passion, der Leidensgeschichte, Jesu.

Und es ist klar, dass alle darin dem Stichwort folgen, das mit der Tötung des Sohnes gegeben ist. Ja, bei Markus heißt er gar „der geliebte Sohn“ – wie bei der Taufe (12,6 vgl. 1,11). Alle beziehen den Tod des Sohnes auf Jesu Hinrichtung.

Und vermutlich verstehen alle Evangelisten unter den vorher geschickten Sklaven oder Knechten Propheten Israels, die schlecht behandelt worden waren – von Elia und Jeremia angefangen bis hin zu Johannes dem Täufer. Nach den Evangelien ist Johannes während des Auftretens Jesu umgebracht worden, so dass diese Tat noch besonders gut im Gedächtnis war. So verstanden, deutet das Gleichnis die ungeheuer große Langmut Gottes mit Israel, die sich darin zeigte, dass er immer neue Boten ausschickte und sich auch von gewalttätiger Anlehnung seiner Propheten nicht beirren ließ in seinem Werben um Israel.  Und Jesus ist dann der letzte, große Werber dieses gütigen Herrn gewesen. Aber er ist zurückgewiesen, ja, mehr noch, von den religiösen Autoritäten umgebracht worden. Aber abweichend vom Gleichnis hat Gott nicht zurückgeschlagen, obwohl das auch einige Jünger erhofft und schon das Schwert gezückt hatten. Er hat etwas weit Wichtigeres getan: Er hat die Spirale der Gewalt beendet, hat Mord mit dem Neuschaffen von Leben beantwortet.

Es ist spannende Geschichtsdeutung, die wir hier in den Evangelien finden. Die Jesusgeschichte wird als Teil der Geschichte Israels erzählt. Kann man das bei Markus eher ahnen als belegen, so ist es bei Lukas und Matthäus offensichtlich. Ja, hier wird schon eine ganz klar judenfeindliche Sprache gesprochen. Zum einen wird das Wort vom Stein, der verworfen und doch zum Eckstein wurde, bei beiden mit einem Drohwort verbunden. Denn nun wird der Stein nicht nur zum Eckstein, der das christliche Haus trägt. Sondern er wird zum gefährlichen Stolperstein für „jeden, der auf bzw. über diesen Stein fällt“ (Lukas 20,18; Matthäus 21,44). Ja, der Stein kann sich nun sogar verselbständigen und zum direkten Mittel der Bestrafung und Vergeltung dafür werden, dass er verworfen worden ist: „Er wird jeden zermalmen, auf den er fällt“ (ebenda).

Redet Lukas noch ganz allgemein, sagt Matthäus klipp und klar, um wen und was es geht. Bedenken wir, dass in allen drei Evangelien jüdische Schriftgelehrte von Jesus angesprochen werden, so liest sich der Satz Matthäus 21,43 ganz einfach. Denn da steht: „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das ihm Früchte bringt.“ Und das heißt: Das Gottesreich wird – weil sie Jesus abgelehnt haben -  den Juden weggenommen und dem Volk gegeben werden, das sich nun als das neue Gottesvolk verstand: den Christen bzw. den Judenchristen, die in Jesus Christus den geliebten Sohn Gottes erkannt und ihn für sich angenommen haben.

Die neue und fürchterliche Feindschaft zwischen Christen und Juden war in der Welt und bestimmte fortan das Denken, das Reden und immer wieder auch das Handeln gegeneinander – vor allem der Christen gegenüber Juden. So verständlich und zigfach belegt solche Feindschaften in der Religionsgeschichte auch sind, wenn sich neue Religionen oder auch nur Konfessionen aus alten abspalten – auch das kennen wir ja nur zu gut in Europa, wenn wir an den 30jährigen Krieg denken – : Evangelium, frohe Botschaft, ist das nicht. Denn Evangelium muss ja zur Botschaft Jesu passen, und das tut Hass auf Andersgläubige nun einmal nicht.

Gibt es denn aber gar kein Evangelium in der Erzählung selbst? Ich glaube doch. Nur müssen wir dazu noch einmal den Zusammenhang bedenken, in dem Gleichnis und Steinwort bei Markus stehen. Wichtig vor allem ist, was vor dem Gleichnis erzählt worden ist. Und da finden wir: Die sogenannte „Tempelreinigung“. Ich würde sagen, dass es sich dabei nicht um den Kampf gegen ein paar Geldwechsler und Turteltaubenverkäufer gehandelt hat, sondern um eine echte Tempelrevolution. Nirgends sonst ist Jesus so leidenschaftlich aggressiv aufgetreten wie in dieser Szene. Und selten so programmatisch.

Den Tempelbetrieb mit seinem täglichen Opferkult, bei dem jährlich mehrere tausend Tiere getötet und parallel dazu in einer wirklichen Massentierhaltung gezüchtet wurden, nennt Jesus eine „Räuberhöhle“. Sie soll gereinigt, und der Tempel soll wieder ein Bethaus werden. Denn letztlich wurde hier ja Gottes gnädige Zuwendung zu den Menschen, seine Vergebung, verkauft. Was Jesus fordert, ist nicht mehr und nicht weniger als das Ende der blutigen Opfer – genauso, wie es der große Prophet Hosea schon in Gottes Namen gefordert hatte: „Liebe will ich (von euch), keine Opfer“ (Hosea 6,6; Matthäus 12,9). Ich will euer Herz, euch selbst. Ihr sollt euch nicht mehr hinter unschuldigen Tieren, nicht hinter stellvertretend leidenden Sündenböcken  verstecken!

Und zugleich überträgt Jesus (bei Markus) den ganz gewöhnlichen Menschen die Vollmacht, ja, die Pflicht, einander zu vergeben. Nur wer seinem Mitmenschen vergeben will, soll auch für sich selbst von Gott Vergebung erbitten. Das empörte die Schriftgelehrten, weil Jesus die Vergebung nun vom Kult lösen, die Opfer überflüssig machen wollte. Und sie fragten ihn: In wessen Vollmacht greifst du im Tempel ein, in wessen Vollmacht spricht du den Menschen das Recht zu, Sünden zu vergeben? Und dann erzählt Jesus das Gleichnis und schließt es mit dem Eckstein-Wort ab. Ich übersetze, was das sagen sollte: Jesus wollte keinen Opferkult mehr, weil darin Vergebung von Schuld (und Heil und Versöhnung) nur durch das Blut von Tieren zu haben war, die völlig unbeteiligt an den Sünden der Menschen waren. Schuld wurde also vergeben um den Preis, neue Schuld an den Tieren auf sich zu laden. Also gab es auch hier eine Spirale der Schuld. Außerdem wurde das durch eine Schuld gestörte Verhältnis zwischen Menschen durch ein Tieropfer nicht geheilt – ein für Jesus wichtiger Punkt.

Diese Spirale der Schuld wollte Jesus durchbrechen, indem er die Vollmacht zur Sündenvergebung den Menschen übertrug, die ihm nachfolgten. Und wollte so auch die Beziehungen der Menschen untereinander befrieden.

Diesen Weg und Jesus selbst haben die jüdischen Autoritäten seiner Zeit aber verworfen, weil sie ihren durch die Tora gebotenen Kult erhalten wollten. Sie haben Jesus töten lassen, weil er die religiöse Ordnung gestört hat.

Wir haben wenig Grund, über diesen Menschen den Stab zu brechen. Wären wir Mitglieder eines Tempelkuratoriums gewesen, hätten wir wahrscheinlich genau so gehandelt, um die alte Tradition zu erhalten. Die von der Gegenwart des Auferstandenen überwältigten ersten Christen aber sind dabei geblieben, dass Jesu neue Konfrontation mit dem Tempel dem Willen Gottes entspricht. Jesus war für sie nicht tot und seine Revolution auch nicht. Sie fanden, dass sich in Jesu Hinrichtung und Auferstehung vielmehr genau das vollzogen hat, was in Psalm 118 sprichwortartig so beschrieben worden ist: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, hat sich als der Eckstein herausgestellt“, der alles trägt.

Dass Jesus der von den Juden erwartete Messias war, wird bis heute von Christen und Juden unterschiedlich gesehen. Aber  auch Christen sind sich an diesem Punkt wie in der Frage, ob Jesus Gott ist, keinesfalls einig. Für mich ist entscheidend, dass er Gottes Weg zu uns Menschen und unseren Weg zu Gott geöffnet hat. Denn er hat Gottes Liebe als eine Liebe erwiesen, die an keine Bedingung geknüpft ist. Die aber alles andere ist als „nur sanft“. Denn den, der ihr glaubt, nimmt sie in den schweren Dienst an der Vergebung und am Friedenstiften. Für diesen Weg können wir uns auf Jesus berufen. Für Hochmut gegenüber anderen Religionen nicht. Gott sei Dank.

 

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