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Predigttext Pfarrer Prof. Klaus-Peter Jörns

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Predigt zu Jes 60,1-2 und Mt 17,1-9 am letzten Sonntag nach Epiphanias

 


Jesaja 60,1-2  „Mache dich auf, werde licht (Licht); denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn strahlt auf über dir.  Denn, siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir strahlt auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“

Diese Prophetie aus dem Jesajabuch ist Israel nach dem Ende der babylonischen Gefangenschaft gesagt worden – den Deprimierten, Traurigen, Verdunkelten. Ihnen wurde damit angesagt, dass der Lichtglanz ihres Gottes auf Jerusalem und den Berg Zion übergehen werde, so dass die Menschen in ihren Seelen wieder licht, hell, werden könnten. Ja, viel mehr noch wurde ihnen verheißen: „Völker sollen strömen zu deinem Licht und Könige zu dem Glanz, der über dir aufstrahlt“. Das niedergemachte jüdische Volk sollte wieder eine große Rolle spielen, Jerusalem wieder aufgebaut werden. Dass es dabei auch um eine heilspolitische Weissagung ging, zeigt der Fortgang der Prophetie. Denn sie verheißt, dass die heranströmenden nichtjü¬dischen Völker in den Herrschaftsbereich eines neu erbauten jüdischen Großreichs eingefügt werden sollten. Ja: „Fremde werden deine – Jerusalems – Mauern bauen, und ihre Könige werden dir dienen.“ (60,10)

Wir haben eine Verheißung vor uns, die als ein Trostwort für die aus dem fernen Babylon in die Trümmer Jerusalems Heimkehrenden gedacht war. Aber es ist ein gefährliches Trostwort, weil es andere für sich in Dienst nimmt. Später, als Israel schon lange keine staatliche Existenz mehr hatte und die Juden über die Welt verstreut lebten, ist daraus ein zentraler Text des Zionismus geworden, also einer auch politischen Hoffnung, die das jüdische Jerusalem als Mittelpunkt der Welt erwartete.

Wenn diese alte Verheißung Jesajas heute, am 29.1.2012, als Wochenspruch in den evangelischen Kirchen verlesen wird, wird dabei der alte heilspolitische Inhalt weggelassen und vollkommen ungeschichtlich gehandelt. Dabei könnte dieser Text vieles von dem tief sitzenden Dauerkonflikt zwischen Juden und Muslimen erklären. Denn die den heutigen Staat Israel Umgebenden wollen keinesfalls in die Rolle der Fremdarbeiter für Israel kommen, und die Muslime haben längst mit der jährlichen Wallfahrt nach Mekka einen, mit dem Zion konkurrierenden, eigenen Mittelpunkt der Welt gefunden. Und da, wo Muslime, wie die Palästinenser, doch in die Rolle von Gastarbeitern in Israel geraten sind, schürt diese Abhängigkeit beständig unfriedliche Gedanken. Genauso aber schürt die Weigerung der Hamas und des Iran, Israel als Staat anzuerkennen, ständige Sorge und Existenzangst in Israel; und die orthodoxen bibeltreuen Juden sehen darin nicht nur ein politisches Problem, sondern zugleich einen Angriff auf die göttlichen Verheißungen für den Zionsberg. Dass es diese ständige Verquickung von Religion und Politik gibt, bis heute, ist eine Erbschaft der heiligen Schriften von Juden und Muslimen, die Gott als den eigentlichen und also auch politischen Herrn der Welt sehen. Und das führt dann immer schnell zu der Unterstellung, die staatlichen Pläne und Handlungsweisen würden selbstverständlich von Gott unterstützt bzw. dienten ihm. Wir Europäer haben bittere Erfahrungen gemacht mit dieser Variante des von Gott gesalbten Königtums. „Gott mit uns“ lautete eine preußische Devise auf den Koppelschlössern der Soldaten. Sie hat nichts daran geändert, dass der 1. Weltkrieg als eine Katastrophe für alle Beteiligten ausgegangen ist.

Die Juden haben ihre großen Zions-Verheißungen festgehalten und aus ihnen sogar die Kraft entwickelt, mitten im 20. Jh. und – trotz und wegen – des Holocausts einen neuen Staat Israel zu gründen. Wir evangelischen Christen haben – wie die Katholiken und Orthodoxen auch – das Christentum Jahrhunderte lang als das „wahre Israel“ verstanden und alle alten biblischen Verheißungen für Israel an uns gezogen. Schon die furchtbaren Kreuzzüge im Mittelalter sind veranstaltet worden, weil der Anspruch der Christen, das „wahre Israel“ zu sein, durch den Anspruch auf die Stadt Jerusalem und die mit Jesus verbundenen Landschaften durchgesetzt werden sollte.

Wenn unsere Kirche den Jesaja-Spruch als Wochenspruch verwendet und dabei im Grunde nur noch dem Klang schöner Worte lauscht, bleibt nichts als die Licht-Symbolik übrig. Und dabei denkt keiner an den Berg Zion oder Jerusalem, sondern alle denken an Bethlehem und an das Weihnachtslicht, und wollen, dass dieses Licht ganz persönlich auf sie übertragen wird. Von Politik ist keine Spur mehr zu finden. Da steht der Stern im Mittelpunkt, der über dem Stall in Bethlehem leuchtete und die drei Könige aus dem Morgenland zur Anbetung führte. Und auch dabei hat offen oder versteckt oft genug der Anspruch mit geschwungen, Jerusalem sei doch eigentlich das christliche Zentrum der Welt. Der letzte deutsche Kaiser hat diesem Gedanken noch viel abgewinnen können.

Aber wir brauchen kein solches Zentrum auf der Erde, weil unser Zentrum Jesus, der Mensch Gottes, ist. Dem wenden wir uns nun zu, denn heute, am letzten S. n. E., ist auch das „Fest der Verklärung Jesu“ – ein Begriff, der eher schwer zu verstehen ist. Dazu hören wir jetzt die Erzählung Matthäus 17,1-9:

Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus, den Jakobus und dessen Bruder Johannes mit und führt sie abseits auf einen hohen Berg. Da wurde er vor ihren Augen verwandelt, und sein Angesicht strahlte wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiss wie das Licht. Und siehe da: Es erschienen ihnen Mose und Elija, und sie redeten mit ihm. Da ergriff Petrus das Wort und sagte zu Jesus: Herr, es ist schön, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Während er noch redete, da warf eine lichte Wolke ihren Schatten auf sie, und eine Stimme sprach aus der Wolke: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören! Als die Jünger das hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Da trat Jesus zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! Als sie wieder aufblickten, sahen sie niemanden mehr ausser Jesus. Während sie vom Berg hinunterstiegen, gebot ihnen Jesus: Sagt niemandem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt worden ist.

Sieht man sich diese Erzählung an, ist sofort klar, dass die frühen Christen in der Gemeinde des Matthäus Jesus damit ganz bewusst in eine Reihe mit Mose und dem Propheten Elia stellen wollten. Dafür sprechen der Gang auf den Berg wie bei Mose, die darüber schwebende Wolke von Licht, die Stimme von oben, die Jesus als den Sohn Gottes ausruft, an dem Gott Wohlgefallen hat – was wörtlich aus Jes 42,1 stammt, uns aber an die Taufe Jesu und an die Weihnachtsgeschichte erinnert. Ja, es ist eine Art Lichttaufe, die – in der Sicht der matthäischen Gemeinde - Jesus für die aus dem Judentum kommenden Christen legitimieren sollte, offenbar noch mehr als die Taufe im Jordanwasser durch Johannes. Die Gemeinde wird in der Erzählung durch Petrus, Jakobus und Johannes repräsentiert.

Und wie der Engel im Weihnachtsevangelium die erschreckten Hirten tröstet, indem er sagt: Fürchtet euch nicht!, so sagt nun Jesus dieselben Worte seinen Jüngern auf dem Berg. Danach sind Mose und Elia ihren Blicken entschwunden, und das heißt: Die Christen sollen allein auf Jesus hören. Mose und Elia sind Vergangenheit. Und um das zu unterstreichen, wird auf die andere, zu jenem Zeitpunkt noch ausstehende Legitimierung Jesu vorausgewiesen: auf seine Auferstehung.

Jesus als Lichtgestalt? Ja, gewiß! Aber das heißt sicher nicht, ihn als Herrscher eines zu erkämpfenden utopischen christlichen Weltreichs zu verehren. Politischer Messias zu sein, hatte der irdische Jesus abgelehnt, und damit hat er viele seiner zeitgenössischen Anhänger – wie Judas – so enttäuscht, dass sie ihn als ihren Helden fallen gelassen haben. Was sollten sie mit einem traurigen Helden anfangen, der sich nicht mit Leibeskräften wehrt gegen diejenigen, die ihn gefangen nehmen und martern? Die Helden der jüdischen Freiheitskriege waren, wie die Makkabäer-Bücher erzählen, aus anderem Holz geschnitzt, haben gekämpft bis zuletzt, Männer und Frauen! Worauf sollen wir denn bei Jesus hören? Wodurch ist er „Licht der Welt“? Und was heißt das, wenn er uns anstiftet, ihm auf seinem Weg zu folgen und so, jede und jeder einzelne, ebenfalls „Licht der Welt“ zu sein? Wieso hat Gott gerade an Jesus ein besonderes Wohlgefallen?

Sehen wir den ganzen Weg Jesu an, wie er sich aus den Evangelien als „Schnittmenge“, wie man heute sagt, ergibt, so rühren mich zwei Züge an seiner Person besonders an: Zum einen ist es der Blick, mit dem er die Menschen sieht, und wie er sich einmischt in das Leben seiner Umgebung: Er wird nicht angezogen von dem, womit ein Mensch normalerweise „imponiert“, wie wir sagen. Angezogen wird Jesus vor allem von dem, worunter Menschen leiden, was sie quält, verletzt, verstört, erniedrigt, ausstößt aus der Gesellschaft, oder auch ganz einfach überfordert. Gesetze sind gut und nötig, aber nicht, wenn sie absolut gesetzt werden und sich gegen die Menschen richten. Da, wo er auf Leidende trifft, nimmt er Partei und verkündet, dass diese Parteinahme für Leidende der Auftrag ist, den er von Gott hat.

Herrscher gab und gibt es genug. Hier ist etwas anderes: Jesu Botschaft lautet: Gott übernimmt Verantwortung dafür, dass er die Menschen nicht instinktgeleitet geschaffen hat wie die Tiere, sondern so, dass sie sich ihr Leben lang abmühen müssen mit der Unterscheidung von gut und böse. Weil dieses Leben nicht abgeht ohne Leiden, ohne dass sich Menschen untereinander vieles schuldig bleiben, auch wenn sie guten, ja, besten Willens sind, darum ist Gottes Liebe frei von jeder Bedingung; sie kommt ganz aus sich selbst und will nur eins: Das Leben, und dass Menschen bekommen, was sie zum Leben brauchen. Liebe ist mehr als Gnade, ist nicht am Urteil und an der eigenen Gerechtigkeit interessiert. Der unbedingt liebende Gott stellt alles in den Dienst am Leben seiner Geschöpfe, denn er ist nicht Gott für sich. Das ist die neue Gerechtigkeit Gottes: dass er dem tatsächlichen Leben gerecht werden will, indem er mitleidet und durch Nächstenliebe alle erdenkliche Hilfe aktiviert, um Leiden zu mindern. Da kommt das Licht der Welt zum Vorschein – und macht Mut, auch so sein zu wollen.

Das ist der eine Zug an ihm, den ich heilvoll finde. Und der andere, damit verbundene, ist der Verzicht auf den Einsatz von Gewalt. Weder sein eigenes Leiden noch das Leiden anderer hat Jesus durch die Anwendung von Gewalt zu verhindern versucht. Denn jede Gewalt gegen das Leben läuft auf neue Gewalt und neues Leiden hinaus. Darin ist Jesus wie andere nach ihm, Gandhi etwa, oder Martin Luther King oder Dag Hammerskjölt. Sie wussten: In jedem Krieg ist nicht nur dieser, sondern auch schon der nächste Krieg begonnen worden – der Krieg, der die Schmach der Verlierer tilgen sollte. Wer auf Sieg durch Gewalt setzt, setzt auf die Macht der Rache. Das Licht der Welt scheint auf, wo Menschen gewaltlos Gewalt zu verhindern suchen.

Aber zum Verzicht auf die Anwendung von Gewalt gehört bei Jesus noch eine andere Kraft: die Kraft zu vergeben. Vergebung allein schafft Frieden, ist die Kraft, die das Reich Gottes baut und zusammenhält. Denn sie macht frei von Rache und der durch sie gezeugten neuen Gewalt. Vergebung rechnet nicht mehr auf, sondern den schuldigen Menschen Gottes Liebe zu. „Da“ – sollst du sagen, wenn du einen triffst – „ist ein Mensch, der schuldig geworden ist an mir oder anderen.“ Ja, das kannst du sagen. Aber du musst hinzufügen: „Da ist auch Gott, der ein Zeichen auf seine Stirn gemacht hat, das ihn vor meiner Rache schützen will.“ Verliere dieses Zeichen nicht aus den Augen! Gib das Aufrechnen von Schuld auf. Und wenn du dann in den Spiegel schauen wirst, kannst du dieses Zeichen auch an deiner Stirn erkennen - und dir wünschen, dass diejenigen, an denen du schuldig geworden bist oder werden wirst, es sehen. Denn dieses Zeichen ist Licht vom Licht der Welt.

 

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