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Predigttext Pfarrer Prof. Harz

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Liebe Gemeinde!

Jetzt sind sie wieder unterwegs, die Sternsinger, die von Haus zu Haus gehen, ihren Spruch aufsagen, um eine Spende bitten für Kinder in Krisengebieten unserer Welt, und dann das Segenszeichen mit Kreide auf den Türbalken schreiben: CMB 2010 (Christus Mansionem Benedicat = Christus segne dieses Haus). Und in unserer Weihnachtskrippe sind die Weisen aus dem Morgenland auch schon da. Sie sind noch unterwegs zum Stall mit dem Kind, noch nicht am Ziel ihrer Reise.

In seiner Weihnachtslegende legt der Evangelist Matthäus besonderes Augenmerk auf die Ereignisse in Jerusalem: Als die Weisen dort zum Palast des Königs kommen, stoßen sie auf viel Unverständnis: kein neugeborenes Königskind, aber ein misstrauischer König und jüdische Gelehrte, die auf die Sternenweisung der Orientalen hin dem König eine entsprechende Prophezeiung aus dem Buch Micha mitteilen. Sonst aber unternehmen sie nichts. Wahrschein-lich belächeln sie sogar die Astrologen müde: Was wisst ihr Heiden denn von unserer jüdi-schen Königstheologie und Messiaserwartung! Die Ironie, die Matthäus hier einbringt, ist nicht zu übersehen: Die es eigentlich am besten wissen müssten, sind blind für die umwälzen-de Botschaft. Menschen von außen müssen kommen und werden dazu kaum ernstgenommen. Wir wissen es doch, sagen die jüdischen Gelehrten, wir sind doch die Hüter der religiösen Traditionen und Wahrheit.

Matthäus hat das damals seinen jüdischen Mitbürgern ins Stammbuch geschrieben, weil sie die neu entstandene jüdische Sekte der Christen, die sich diesem Jesus von Nazareth verschrieben hatten, nicht verstehen konnten oder wollten. Er karikiert sie kräftig als diejenigen, die auf ihrer Wahrheit sitzen und keine Augen dafür haben, wo sich Entscheidendes tut, wo die Tradition neu ins Leben hinein gestellt wird. Matthäus ist ja der Evangelist, der ganz im Sinne Jesu die alten jüdischen Überlieferungen aus ihren Wurzeln heraus neu zu verstehen sucht. Matthäus stellt in seinem Evangelium Jesus als den vor, der genau dies getan hat, der das anscheinend Selbstverständliche, die vertrauten Lehrsätze und Regeln, Handlungsweisen des Glaubens neu durchdacht, in ihrem ursprünglichen Sinn neu zur Sprache gebracht hat. Und das hat ihm bekanntlich viel Widerspruch bis hin zur Feindschaft von den Hütern der reinen Lehre eingebracht.

Da kommen also Leute in den Königspalast in Jerusalem, die aus ganz anderen religiösen Verwurzelungen stammen, so erzählt Matthäus in seiner Weihnachtsgeschichte. Sie lassen sich von ihren astrologischen Erkenntnissen leiten – und erkennen, dass dieses Kind in Bethlehem der wichtige und richtige Künder der Botschaft von Gottes Nähe und Wirksamkeit ist.
Können wir uns nun genüsslich zurücklehnen, in der Freude darüber, dass wir also mit Mat-thäus auf der richtigen Seite sind, bei der richtigen Auslegung der biblischen Tradition und Lehre? Ich denke, bei dieser Geschichte ist ganz gut auch einmal ein Rollenwechsel ange-bracht, der uns zum Nachdenken bringt: Was ist, wenn aus den jüdischen Hütern der Überlie-ferungen und ihrer Wahrheit die christlichen werden? Was ist, wenn uns in den Sterndeutern, den sog. Heiden die begegnen, die auf ihre Weise auf der Suche nach einem tragfähigen Glauben sind, ganz andere Denkweisen mitbringen, anders als gewohnt mit den christlichen Überlieferungen umgehen; wenn sie auf die Hüter der Wahrheit treffen, die für eigenwillige neue Gedanken kein Verständnis aufbringen. Wer könnten die Weisen in neuer Gestalt sein, die auf ihre eigene Art und Weise auf der religiösen Suche sind, mit Kritik an christlich Überliefertem, aber auch oftmals bereit und fähig, am tradierten Glauben an Jesus Christus man-ches Neue zu entdecken, das bei uns aus dem Blick geraten, oder auch zu unverrückbaren Glaubenssätzen erstarrt ist?

Wir leben in einer religiös unübersichtlichen Zeit, mit einer Vielfalt an religiösen Strömungen und damit verbundenen persönlichen Einstellungen und Suchbewegungen. Und diese Vielfalt zeigt uns zugleich, dass so viele Menschen auf der Suche sind. Von spirituellen Angeboten spannt sich ein weiter Bogen zu esoterischen, von christlicher zu asiatischer Religiosität. Und immer wieder wird nach einem Glauben gefragt, der in seiner Verständlichkeit nachvollzieh-bar wird. Immer wieder geht es dabei um die Frage: Welchem überzeugend gelebten Glauben kann ich vertrauen? An welchen Lebenserfahrungen von Menschen der Vergangenheit und Gegenwart kann ich mich selbst ausrichten, Rückhalt für die eigene Suche nach religiöser Wahrheit finden? Gefragt sollte da weniger die Ab- und Ausgrenzung sein, die scharfe Trenn-linie zwischen dem, was aus überlieferter christlicher Sicht richtig ist und dem, was dagegen steht. Wichtiger sollte da ein Erkennen der gemeinsamen Fragen und des Suchens nach trag-fähiger religiöser Überzeugung sein, das Ernstnehmen der anderen in ihren Suchbewegungen und auch das Sagen mit eigenen Worten, was einem selbst am persönlichen Glauben das Ent-scheidende ist.

Mit solchem kritischen Blick lese ich nun den für den heutigen Tag bestimmten Predigttext aus dem 1.Joh. 5: „Gott hat uns das ewige Leben gegeben, und dies Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt; denn ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes“.

Dicht gedrängt sind da die wesentlichen theologischen Begriffe: Gott, der Vater, Jesus der Sohn Gottes und das verheißene ewige Leben. So bekennen wir es ja auch – ebenfalls dicht gedrängt - im Glaubensbekenntnis: Ich glaube an Gott den Vater, an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, und zum Schluss heißt es: an die Vergebung der Sünden und das ewige Leben. Und dann heißt es im 1. Johannesbrief noch: Wer sich dazu bekennt, gehört dazu – wer nicht, bleibt draußen, ausgeschlossen. Im Laufe der Kirchengeschichte war das Letztere ja oft genug das, was eifrig praktiziert wurde: Wer zu viel Kritik äußert, an dem einen oder anderen Punkt seine Zustimmung verweigert, der hat sein Recht auf Zugehörigkeit verwirkt, wird ausgeschlossen.

Mit solchem Hüten der Außengrenzen der christlichen Wahrheit, in solchem Verteidigen der Rechtgläubigkeit geriet und gerät allzu leicht die Sorge aus dem Blick, ob denn diese Wahr-heit in den bekannten Sätzen noch verständliche Antworten gibt auf die Fragen der Menschen, die sich mit zunehmenden Veränderungen der Lebensbedingungen ergeben haben: Wer ist Gott? Wie ist das mit dem Jesus, inwiefern ist er Sohn Gottes? Was heißt ewiges Leben? Kommen da nicht oft von außen, von Menschen außerhalb christlicher Bindungen die interessanten Fragen? Da steht etwa der beständig abnehmenden Zahl der eingetragenen Christen und Kirchenmitgliedern eine eher wachsende Zahl derer entgegen, die schon an Gott glauben, aber mit den überlieferten Begriffen und Inhalten nicht mehr zurechtkommen. Da findet Jesus großen Respekt in seinem eindrücklichen Wirken, aber ungelöste Fragen ranken sich darum, wie das mit dem Gottessohn wohl zu verstehen ist. Da kreisen viele Gedanken um eine Existenz über den Tod hinaus, der dem Leben als Ganzem einen guten Sinn gibt: Aber gleichzeitig verlieren die biblischen Aussagen und daraus entwickelten Lehren ihre Überzeugungskraft. Da ist wohl eine Ahnung da, dass in den Überlieferungen des christlichen Glaubens gute Schätze verborgen sind, aber wenig Zutrauen zu den vertrauten Wegen.

Glaube an Jesus Christus als den Sohn Gottes braucht viel Verständigung darüber, was denn alles in diesem Begriff steckt und was da alles zum Leuchten kommen könnte. Was ging und geht von diesem Jesus Christus aus, das Menschen hilft, ihr Leben als ein Geschenk zu ver-stehen, es jeden Tag neu als solches anzunehmen und sich gegenseitig in solcher Haltung zu bestärken? Welche Fülle an unterschiedlichen Zugängen zu diesem Jesus Christus gibt es, an eigenständigen Deutungen, die sich aus den je verschiedenen Lebenssituationen und Lebens-wegen ergeben! Ich wünsche mir für das neue Jahr auch in unserer Gemeinde wieder viele Gelegenheiten zum je neuen Bedenken dessen, was unseren Glauben ausmacht, was ihm Überzeugungskraft geben kann für die Suchenden.

In diesem Sinn gibt uns auch die Jahreslosung einen wichtigen Impuls: Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! (Joh 14,1). Das könnte dann auch heißen: Glaubt an Gott und an Jesus Christus in der Form eurer Fragen und eures Su-chens nach Antworten, bringt eure eigenen Gedanken mit ein, den Reichtum eurer bisherigen Wegerfahrungen, bleibt dran. Erschreckt nicht angesichts eigener Unsicherheit und Zweifel angesichts des Widersprüchlichen, das sich in den Weg stellt. Das gilt besonders im Blick auf Erfahrungen, mit denen viele Fragen, auch Fragen nach Gottes Liebe und Gerechtigkeit offen bleiben. Und wisst, dass ihr auf diesem Weg eines selbständigen, eigenständigen Glaubens geleitet und begleitet seid - so wie sich die Weisen aus dem Morgenland trotz Verunsicherung in Jerusalem, trotz der dort erlebten Enttäuschung weiter auf den Weg nach Bethlehem mach-ten. Amen.

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