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Predigttext Pfarrer Peter Morgenroth

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Predigt am 4. Advent im Katharina von Bora-Haus in Berg
Zu Lukas 1, 46-55

I Maria, eine einfache Frau
„Meine Seele erhebe den Herrn“, damit beginnt ein gewaltiges Freiheitslied. Maria singt dieses Lied. Als ich noch für den Bayerischen Rundfunk Betthupferl schrieb, da wollte ich dieses Lied auch Kindern unbedingt näherbringen. Aber wie bloß? Und dann hat sich eine kleine Kindergeschichte vor meinen Augen entwickelt. Eine Geschichte, in der Dorle wahnsinnig gern malt. Am liebsten malt sie ein Mädchen mit lustigen Augen und Sommersprossen und mit Schleifchen im Haar. Das ist sie selbst.
Aber heute malt Dorle ein anderes Mädchen.
"Schwarze Haare sollst du haben!" sagt Dorle, und malt lange Locken.
"Und braune Augen."
"Und einen blauen Mantel. Himmelblau!"
Und danach greift Dorle zu rot.
Für das Kleid.
Nicht gerade feuerrot. Mehr so rot wie die Ziegel beim Hausbau.
Rot wie die Erde.
Blauer Mantel, rotes Kleid. Dorle malt die Maria. Die malt sie immer so. Mit einem langen roten Kleid. Aber heute ist Marias Kleid zu lang geworden. Man sieht ja von ihren Füßen nur noch die Zehenspitzen. Als Dorle die Zehen malt, muss sie lachen: Ob Maria wohl kitzlig ist?
"Und jetzt, Maria, kriegst du noch ein Kopftuch."
"Lieber nicht", meint da die Maria. "Das macht mir doch die ganze Frisur kaputt!" Recht hat sie.
Aber irgendwie ist Dorle mit ihrem Bild noch nicht zufrieden. Die Maria soll nicht nur einfach herumstehen. Das ist langweilig. Maria müsste was tun! Aber was?
"Gib mir halt einen Besen in die Hand", sagt Maria. "Dann könnte ich unser Wohnzimmer kehren."
"Kommt doch gar nicht in Frage", sagt Dorle. "Du bist doch viel zu vornehm, Maria! Du sollst keine Hausarbeit machen!"
"Gar nicht vornehm!" sagt Maria. "Ich bin eine einfache Frau. Eine ganz normale, einfache, junge Frau!"
Also, was soll Dorle jetzt malen? Sie malt Maria einen Eimer in die Hand und einen Brunnen daneben. Aber sie schüttelt beim Malen ständig den Kopf. "Eine einfache Frau.. Eine einfache Frau.."
"Und, jetzt zufrieden?"
Nein zufrieden ist Maria noch nicht.
"Ich möchte singen!" sagt Maria. "Und ich möchte tanzen. Warum malst du mich nicht, wie ich tanze und singe?
Mein Gott - will ich singen - ich freue mich so!
Du bist mein Freund! Du hast mich nicht vergessen!
Du machst tolle Sachen mit mir.
Die Gewaltigen lässt du fallen.
Die Niedrigen hebst du auf.
Die Hungrigen machst du froh.
Und was du versprichst, das machst du auch!
Mein Gott, ich freue mich so."

Und jetzt muss Dorle ein neues Bild malen. Noch einmal Maria. "Du sollst tanzen!" sagt Dorle. Und sie malt, dass Marias rotes Kleid sich bewegt und schwingt. Der blaue Mantel flattert um sie her. Und ihre Haare fliegen auf. Und da legt Dorle die Mal-Kreiden weg und tanzt selbst. Immer im Kreis. "Mein Gott, ich freue mich so!" singt sie und tanzt auf den Zehenspitzen. Sie ist glücklich.
"Mein Gott, ich freue mich so!
Du bist mein Freund!
Du hast mich nicht vergessen!
Du machst tolle Sachen mit mir.
Die Niedrigen hebst du auf.
Die Gewaltigen stößt du vom Thron.
Die Hungrigen machst du froh.
Die Reichen lässt du leer ausgehen.
Und was du versprichst, das machst du auch!
Mein Gott, ich freue mich so."

II. MARIA IST NICHT KATHOLISCH
So habe ich in dieser Kindergeschichte Maria vorgestellt. Sympathisch, jung, tanzend, eine bescheidene, einfache Frau. fast alltäglich. Aber darf man das denn? Ist das nicht respektlos? Immerhin ist sie die Mutter Gottes. Und vier römisch-katholische Dogmen legen sich wie ein schützender Zaun um die Gestalt der Maria.
Und es ist wie immer bei einem Zaun. Er grenzt ein, er grenzt aus, er schützt und er verstellt zugleich auch den freien Blick und auch den ungehinderten Zugang.

Vier Mariendogmen also: Man muss wissen, dass alle vier Dogmen nur mit der Absicht entstanden sind, die Gottheit Jesu zu schützen. In dieser Absicht wurde Maria 431 mit dem Titel GOTTES-Gebärerin versehen. Sie hatte nicht nur einem außergewöhnlichen MENSCHEN das Leben geschenkt. Sondern GOTT. Sagt dieses erste Mariendogma.

Aber - die logische Folge war die Frage: Wie kann denn ein sündiger Mensch die Mutter Gottes sein? So wurde ab dem 7. Jh. ihre immerwährende Jungfräulichkeit festgeschrieben, weil man daran festhalten wollte, dass Gott wirklich MENSCH geworden ist, also bis in Gene hinein menschlich.

Und nun kam die Gegenbewegung. Jetzt musste Gott wieder geschützt werden. Nicht zum griechischen lüsternen Gott durfte er degradiert werden, der sich mal hier und mal dort einer Frau bedient wie in antiken Sagen. Jetzt wurde 1854 Marias eigene unbefleckte Empfängnis festgeschrieben, also ihre Gottesnähe herausgehoben. Und schließlich kam die letzte Konsequenz. Das vierte Mariendogma, als 1950 ihre leibliche "Himmelfahrt" formuliert wurde. Immer mit dem Ziel, dass Jesus, ihr Sohn, von Anfang an ohne "Erbsünde" geglaubt werden kann als "wahrer Gott".

III. MARIA IST NICHT EVANGELISCH
Insgesamt hilft mir selbst aber die Beschäftigung mit dieser Dogmen- und Frömmigkeitsgeschichte wenig weiter. Zu sehr denkt sie materiell und sexistisch. Einen Zugang zur großartigen Gestalt der Maria finde ich über diese Dogmen nicht.

Das ging schon allen Reformatoren so. Sie lenkten den Blick zurück auf Jesus. Die Marienverehrung sollte den Blick auf ihn nicht verstellen. Und so wurde sie in evangelischen Gebieten entthront. Eine Frau unter anderen. Dogmatik hin und her. Die Marienaltäre verschwanden, die Statuen und Bilder haben meistens nur dann überlebt, wenn Maria zusammen mit dem Jesuskind zu sehen war. Dass auch Jesus selbst frech zu seiner Mutter war - "Weib was habe ich mit dir zu schaffen?" soll er gesagt haben - war dieser neuen Einschätzung von Maria nur recht. Und dabei ist man weit übers Ziel hinausgeschossen und hat Maria zu gering bewertet, Maria, die Mutter Jesu, aus deren Seele ein großartiges und revolutionäres Glaubenslied aufsteigt.

IV. MEINE MARIA
Meine Maria, die ich verehre, ist nicht katholisch. Und sie ist nicht evangelisch. Meine Maria ist eine andere. Sie ist eine einfache Frau. Fast ein Kind noch. Aber was für eine Frau!
Sie kann ein Lied davon singen
* dass Gott dem Niedrigen aufhilft.
* dass Gott den Mächtigen dazwischenfährt.
* dass Gott als barmherziger und treuer Freund die kleinen Leute nicht im Stich lassen wird.
Seit der Engel sie besucht hat, weiß sie:
So ungerecht, wie es ist, wird es nicht bleiben.
Maria steht für mich in vorderster Reihe mit den biblischen Sozial-Revolutionären.
In diesem Hymnus, der so sehr an den Lobgesang der Hanna aus dem Alten Testament erinnert, beschreibt Maria die Zukunft der Gottesherrschaft als schon eingetreten. Das Magnificat steigert sich dabei vom persönlichen Schicksal Marias zum Schicksal ihres Volkes bis zum Heil für die Menschen auf der Schattenseite des Lebens überhaupt. Es ist ein Lied von vorbildhafter Freiheit, persönlicher Hoffnung und politischer Sprengkraft. Maria erscheint als Urbild der Menschen, die sich von Gott beschenken lassen und alles von ihm erwarten. Was für ein Lied! Was für eine Hoffnung!


V. WO BLEIBT DENN DER ENGEL?
Aber schöne Lieder kann man leicht singen. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Gottes Engel brauchen keine Flügel. Ach, ja, das muss wohl jeder erst mühsam lernen. Nicht wie auf den Bildern von Fra Angelo kommen sie daher, die Engel. Sondern als neue Gewissheit kommen sie zugeflogen. Als eine Augenblicksbegegnung. Als unverhoffte Freunde am Wegrand. Und meist merkt man zu spät, dass es ein Engel war.

Was macht dann der Engel?
Er webt neue Fäden in das Muster.
Er weist den Weg.
Er hat ein lösendes Wort.
Er nimmt mich an die Hand.
Und führt mich über die Kreuzung.
Lieber Engel, lass mich nicht allein.


VI. EIN MAGNIFICAT SINGEN?
Meist spielt sich das sehr still ab.
Keine lauten Lieder entstehen.
Ein Magnificat dichtet unsereins nicht.
Aber an der Vision der Maria kann jeder von uns festhalten.
An der Vision einer besseren Welt. Einer gerechten Welt, in der der Starke den Schwachen leben lässt und wirklich Gerechtigkeit herrscht. An der Vision einer gütigen Begleitung durchs Leben: "Gott hat auch meiner nicht vergessen" Er kennt mich. Er verbündet sich mir. Der "Knoten" zwischen Himmel und Erde geht nicht mehr auf.
"Mein Gott, ich freue mich so!
Du bist mein Freund!
Du hast mich nicht vergessen!
Du machst tolle Sachen mit mir.
Die Niedrigen hebst du auf.
Die Gewaltigen stößt du vom Thron.
Die Hungrigen machst du froh.
Die Reichen lässt du leer ausgehen.
Und was du versprichst, das machst du auch!
Mein Gott, ich freue mich so."

 

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