Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigttext Pfarrer Peter Morgenroth

Aktuell >>

Lukas 17,7-10

Der dritte Sonntag vor der Passionszeit. An diesem Sonntag musste man sich einst was trauen: Wer getauft werden wollte, an Ostern getauft werden wollte, musste an diesem Sonntag vortreten vor alle. „Ja, ich habe mich zur Nachfolge entschieden.“ Und das Thema Nachfolge begleitet die nächsten Wochen in den Gottesdiensten. Immer noch. Vielleicht kann auch dieser Gottesdienst dazu einen Impuls geben.

Im Lukasevangelium wird erzählt, dass Jesus zu seinem engsten Mitarbeiterkreis einmal sagt: Es kommen Verführungen. Nämlich, dass einer die Nase noch viel höher trägt als der andere. Voll Dünkel, unversöhnlich, stolz. Hütet euch!
Wenn dein Bruder oder deine Schwester sündigt, weise sie zurecht, und vergib ihnen, wenn sie es bereuen. Immer wieder. Auch wenn es siebenmal am Tag nötig sein sollte.
Da können die Apostel nur erwidern: Ganz schön hoch die Messlatte, Jesus. Wer kann denn das schon! Wenn du solche Ansprüche an uns hast, dann musst du uns auch den Glauben stärken. Von allein geht das nicht!
Was für eine Bitte! Jesus weist sie sofort zurück. Euer Glaube reicht aus, sagt er. Glaube - klein wie ein Senfkorn - reicht aus. Damit könntet ihr schon Wunder vollbringen.
Ja, wie denn?
Und dann erzählt Jesus ein Gleichnis, das seine Forderung als etwas völlig Normales erscheinen lassen soll:

“Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn er vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken. Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“
(Lukas 17)

 

Mägde sind aus der Mode
Die letzte Magd habe ich gesehen, da war ich noch ein Kind. Urlaub mit den Eltern in der Steiermark. Wir sind weit hinauf gefahren. Ein Bergbauernhof. Völlig einsam. Aber ein herrliches Fleckchen Erde. Weite Wiesen. Alte Obstbäume. Ein riesiges Bauernhaus. Scheunen, Ställe. Und auf dem Hof gab es noch eine Magd. Es war die Tante meiner Mutter. Eine einfache Frau. Bescheiden und herzlich. Unverheiratet. Ein Kind. Ein behindertes Kind allerdings. Wo sollte sie hin mit der Tochter? Nein, sie wollte da droben nicht weg von dem Bergbauernhof. Freie Kost, eine Kammer, Bett und Tisch. Und Arbeit. Kein Lohn. Kein Geld. Einmal im Jahr ein bisschen Stoff für ein neues Kleid, eine Schürze, ein Kopftuch. Irgendein Geldstück. Ich weiß nicht wieviel. Wenn ich mich recht erinnere, ging ihre Tochter barfuß. Armut pur. Aber meine Großtante war damit zufrieden. Und es machte ihr Angst, als meine Eltern sie drängten, einfach wegzugehen. Weil das sei doch kein Leben. Doch nicht in der heutigen Zeit. So schamlos ausgenutzt werden! Und die Leibeigenschaft sei doch lange schon abgeschafft. Und sie könne doch gehen, wann sie wolle und wohin sie wolle.
Aber die Tante wollte nicht. Es war ihr recht. Und schon musste sie wieder springen. Der Bauer stand da und winkte, und sie hatte zu tun. „Hopp, hopp, aber dalli!“ Ich habe sie erst nachts wiedergesehen, nach getaner Arbeit. So war das Leben als Magd. Und das Leben als Knecht war wohl nicht viel anders.
Man rackert sich ab.
Man hat zu tun, was angeschafft wird.
Man gehorcht.
Kein Dank und kein Lohn. „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte. Wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“ Wir sind zufrieden damit.

Lichtmess:
Dass sich dieser biblische Abschnitt überhaupt als Predigttext erhalten hat! Vielleicht wurde seit Jahrhunderten so gepredigt in der Nähe von Lichtmess. In der Nähe des Tages Anfang – mancherorts auch Mitte - Februar, an dem lange Zeit Knechte und Mägde ihren Jahreslohn bekamen. Und sich wieder für ein ganzes Jahr bei ihrer Herrschaft verpflichtet haben oder das Weite suchen mussten. Ich vermute, dass dieser Text der Bibel dem riesigen Heer der Knechte und Mägde nahelegen sollte, bescheiden zu bleiben und zu sagen: Ach danke, wir haben doch nur getan, was wir zu tun schuldig waren. Wir sind ja so zufrieden damit und bleiben zufrieden und mucken nicht auf. Ein Text also, mit dem die herrschenden Ausbeutungs-Verhältnisse in einer feudalen Gesellschaft ideologisch unterfüttert werden sollten?
Unnütze Knechte und Mägde sind wir. Wir ziehen den Kopf ein, wir lassen uns biegen und beugen und krümmen. Wir buckeln und dienen. Und so soll es bleiben.
Das kommt heute schlecht rüber!
Nein, danke! So nicht! Das ist vorbei.
Wir leben nicht mehr unter feudalen Bedingungen. Nein, wir buckeln nicht mehr. Wir sind frei. Nicht mehr Knechte und Mägde. Wir wollen selbst entscheiden. Selbst verantwortlich sein für´s eigene Leben.
Wir tun nicht mehr, was man uns anschafft. Wir tun, was wir uns selbst schuldig sind. Wir folgen dem eigenen Gewissen. Der eigenen Einsicht. Der eigenen Überzeugung. Der Untertan ist abgeschafft.

Freie Menschen
Selbständig und selbstbewusst sind wir. Extrem individualistisch. Ein bisschen chaotisch vielleicht. Ein bisschen kaputt. Und sehr egoistisch. Man muss schließlich sehen, wo man bleibt. Gut ist, was mir nützt. Und vorschreiben lass ich mir gar nichts.
Rücksichtnahme? Wenn´s sein muss. Nach dem Motto: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füge keinem andern zu.“ Na klar. Irgendeine Grenze muss es ja geben. Sonst macht ja jeder nur noch, was ihm passt. Aber draufzahlen will ich nicht. Und den Kürzeren ziehen auch nicht. Und da haben wir dann die Neidkultur und die Ellbogengesellschaft als den Normalfall der Postmoderne.

Think big
Ich bin mal täglich die Münchner Stammstrecke gefahren und immer wieder fiel mein Blick auf eine Plakatwand. "Think big" stand da. "think big" in sehr großen Buchstaben. Kein Bild dazu. Nur "think big".
Was soll denn das heißen, "Denken Sie groß"? Ein neues Spiel für Superhirne? Irgendwas für Quadratschädel? Will mir wieder mal jemand eine neue Denke einreden, eine großkarierte? "Think big" - ich war neugierig geworden. So neugierig, dass ich mir mal das Kleingedruckte anschaute. Überraschung: Im Kleingedruckten wurde ich von den Werbefritzen aufgefordert, dass ich großflächig denken soll, und großflächig werben soll.
Think big. Seither geht mir nun dieses Schlagwort einfach nicht mehr aus dem Sinn.. Think big heißt für mich: Denk weitherzig. Denk das Beste vom andern und schieb ihm nicht die bösen Absichten unter, die dir durch den Kopf gehen. Think big, für mich heißt es: Zeig wahre Größe, indem du das Böse nicht zurechnest und dir damit einen Grund zur Rache schaffst. Denk großzügig, indem du deinen Vorteil nicht suchst und dich nicht erbittern lässt.

Eine Streichelkultur pflegen
Nicht nur groß denken, sondern auch groß reden. Gutes reden. Könnte das ein Markenzeichen von Christen sein?
„Respekt! Hast du gut gemacht! Alle Achtung! Gratuliere!“ Wenn einer so mit mir redet – ach, tut das gut! Da wachse ich innerlich.
Gesucht werden Menschen, die frei heraus sagen: Toll, was du machst! Kannst stolz darauf sein. Alle Achtung! Gratuliere!
Eine Streichelkultur wäre nötig: Wo einer den anderen nicht abwertet als Knecht und zusammenstiefelt, sondern aufwertet als wertvollen Schatz. Eine Streichelkultur, bei der man grad raus sagen kann, was gut tut. Nicht gekünstelt. Nicht geheuchelt. Ohne irgendeinen Nebengedanken.. Einfach so.
Einander wahrnehmen.
Einander anerkennen.
Einander wertschätzen.
Und dabei auch die kleinen Bemühungen gelten lassen und die begrenzte Kraft. Wenn einer sich etwas dilettantisch abmüht. Na und. Dann wird man in ihm dennoch den Bruder oder die Schwester erkennen. Den Menschen, den Verletzlichen, den Bedürftigen, den Schutzlosen mit der großen Sehnsucht nach ein bisschen Güte und Glück.

Streichelkultur und Glauben
So eine Streichelkultur in unseren Gemeinden ist nicht überflüssiger Luxus, sondern sie gehört zum Wesen unseres christlichen Glaubens. Sofern wir in Jesus ein Vorbild sehen, das nachzuahmen sich lohnt.
Er hat groß von kleinen Leuten gedacht und ihnen ihr Selbstvertrauen wiedergegeben. Frauen die verletzte Würde. Kranken den nötigen Halt zur Genesung. Einsamen hat er Wärme geschenkt. Neues Gottvertrauen und neues Zutrauen zu sich selbst. Was für ein Mensch! Was für eine aufbauende und zutiefst verwandelnde Kraft geht von diesem Jesus aus! Menschen atmen auf. Ändern sich. Fangen von vorn an. Das ist Jesus! Jesus, der Menschen wahrgenommen hat, sie gewürdigt hat, gelobt, gestreichelt. Groß von ihnen gedacht. Und der verlangt: Seid gut zueinander! Es lohnt sich seinen Weg zu mitzugehen.

Stärke unseren Glauben.
Die Messlatte ist uns zu hoch! sagen damals die Apostel. Herr, stärke uns den Glauben. Was sollen wir da erst sagen!
Wollen Sie die Antwort noch einmal hören, die Jesus darauf gibt?
Er macht es auf seine Weise.
Er entwickelt keine Dogmatik!
Er entfaltet keinen Erwachsenenkatechismus, der alles Denken der Menschheitsgeschichte aufarbeitet.
Keine Theologie!
Sondern er stellt ein Gleichnis vor sich hin, vor uns hin, das jetzt vielleicht in einem anderen Licht erscheint:
Lasst euch nicht verführen, dass einer die Nase noch viel höher trägt als alle anderen. Voll Dünkel, unversöhnlich, stolz. Hütet euch! Verachte nicht einer den andern. Sondern wenn dein Bruder oder deine Schwester sündigt, weise sie zurecht, und vergib ihnen, wenn sie es bereuen. Immer wieder. Auch wenn es siebenmal am Tag nötig sein sollte.
Einen Anspruch auf Güte gibt es dabei nicht. Macht trotzdem kein Theater darum, wenn ihr anderen vergebt.
Und wenn einer dem anderen gütig ist, dann sagt: Wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. Wir haben doch nur getan, was uns aufgetragen war. Der Aufgabe der Versöhnung sind wir verpflichtet. Und oft genug sind wir von dieser Aufgabe überfordert und eben doch nur unnütze Knechte, dem Wohl anderer freiwillig verpflichtet.
(16. Februar 2014, Katharina von Bora Haus in Berg)

 

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier