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Predigttext Pfarrer Peter Morgenroth

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Predigt am Sonntag nach Weihnachten, 29.Dezember 2013 in Berg
zu zwei weihnachtlichen Gestaltungen (Lukasevangelium 2,25-38)

I
Simeon
ist alt. Er hat sein Leben hinter sich. Was zu erreichen war, hat er erreicht. Da wird er sich wenig von unser einem unterscheiden. Nun treiben ihn keine Aufgaben mehr; ihn belasten keine dringenden Pläne. Alles duldet nun Aufschub. Vieles kann er geduldig ertragen. ER hat Haus und Hof bestellt. Aber rüstig ist er dennoch. Der Stock, der seinen Schritt begleitet, ist ihm eine freundliche Stütze und würdige Auszeichnung seines Alters. Wie sein graues Haar.

Er ist alt geworden, der Simeon. Und er weiß jedem Tag wie einem Geschenk zu begegnen. Er weiß keine Antwort, warum er viele seiner Freunde überlebt hat. Gott hat ihn eben so alt werden lassen. Er weiß es als Geschenk zu schätzen.

Zeile um Zeile seines langen Lebens hat er sich im Gedächtnis bewahrt, wenn auch die Augen langsam nachlassen und die Buchstaben weichere Konturen annehmen. Kein großartiges Leben, ein normales halt, aber hineingewoben die gnädigen Zeichen Gottes, manchmal zeilenweise dann wieder mehr zwischen den Zeilen nachzulesen.

Und so weit er sein Leben zurückverfolgen kann, so klar steht seinem weitsichtigen Blick auch seine Zukunft vor Augen, auf die er geduldig wartet. Für ihn soll der Tod unsichtbar bleiben, bis er den zugesagten Retter Israels mit eigenen Augen gesehen hat. Das hatte Gott ihm gesagt. Er glaubt daran, dass sich Gottes Zusage erfüllen wird, solange er noch mit seinen müde werdenden Augen noch einen Menschen wahrnehmen kann.

Er hat keine Ansprüche mehr an das Leben zu stellen, aber den angekündigten Mann Gottes zu sehen, das liegt noch vor ihm. Daran hält er eisern fest. So gewiss der Tod kommen wird, so gewiss wird er diesen Tag noch erleben, daran zweifelt er nicht.

Altersstarrsinn? Oder felsenfeste Hoffnung gegen allen Augenschein?

Natürlich ist Simeon nicht verborgen geblieben, was sich in Bethlehem zugetragen hat. Natürlich waren die Nachrichten auch bis zu ihm durchgesickert. Natürlich hat er von des Kaisers jüngster Verordnung gehört, durch die auch Josef aus Nazareth nach Bethlehem verschlagen worden war, wie so viele andere auch durcheinandergewirbelt durch die Verwaltung des Staates. Er hat von dieser Geburt reden gehört, von den Hirten, die vollen Herzens wieder an ihren Arbeitsplatz gegangen waren. Und bei Herodes am Hof sollen Boten aus- und eingegangen sein. Veränderungen lagen in der Luft. Veränderungen, die eine neue Zeit ankündigen.

So kommt Simeon in den Tempel. Denn für ihn ist es keine Frage, dass die Eltern diesen Jesus 4o Tage nach der Geburt nach Jerusalem in den Tempel bringen würden, so wie es sich gehört. 40 Tage: Man dankt damals noch für ein Kind. Man opfert. Es ist wohl nur ein Armeleute-Opfer, was sich Maria und Josef leisten können. Ein paar Turteltauben. Mehr wohl nicht. Ein Schaf wäre das Opfer der Reichen gewesen. Sie opfern. Und dabei trifft Simeon mit Maria und Josef zusammen.

Wie selbstverständlich, nimmt er das Kind auf den Arm. Das ist der erwartete Höhepunkt seines Lebens. Das ist das verheißene Lebensziel, auf das hin er sich mit dem Blindwerden Zeit gelassen hat. Weitsichtig und zeitübergreifend bricht es in strömenden Worten aus ihm heraus, während er das Kind liebkost:

„Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast: Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“

Simeon ist der Typ Mensch, der sehnsüchtig ausschaut. Und er sagt mit dem erdrückenden Gewicht eines langen Lebens als Vertreter der religiösen Menschheitserfahrung zu diesem kleinen Kind: „auf dich hat alles gewartet“. Jetzt kommt alle Erwartung zur Erfüllung. Es wird eine manchmal schmerzliche Erfüllung sein. Aber jetzt zeigt Gott, dass er die Hoffenden nicht leer lässt. Was seit Menschengedenken kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, das kommt nun in diesem Kind ans Licht, nämlich der heilende und suchende Gott.

Simeon verkörpert die Kraft der hoffenden Erwartung. Der Erwartung, Gott zu schauen, wo er noch nicht zu sehen ist, nur zu ahnen ist, unscheinbar, verborgen. Wenn man doch wie er die Poren der Seele öffnen könnte und eintauchen könnte in die Hoffnung, dass Gerechtigkeit wachse und Frieden werde.


II
Hanna
, eine alte Frau.
Sie ist voll Güte und hat gelernt, Hoffnung durch bittere Erfahrung durchzutragen. Nie hat sie die Hoffnung auf den neuen Menschen Gottes, den ihr Maria in den Arm legte, zu Grabe getragen.
Als junges Mädchen hatte Hanna geheiratet. So jung sie auch war, ihr Vater hatte sie nicht gegen ihren Willen verheiratet. Wer Hannas Liebe besaß, der war im Hause ihres Vaters hochwillkommen. Vor Hanna schienen Jahre des Glücks zu liegen. Alles wollte sie übertreffen, alle Erwartungen, alle Erzählungen der anderen. Sie hoffte auf eine lange erfüllte Liebe ihres Mannes. Sie hoffte auf Kinder, die ihr Herz erfüllen sollten und ihr im Alter Trost wären.

Aber keine dieser Hoffnungen erfüllte sich. Sieben Jahre lebte sie mit ihrem Mann zusammen. Auf Kinder hofften sie vergeblich. Da trat der Tod zwischen sie. Nach sieben Jahren war alles zu Ende. Nach sieben Jahren war Hanna eine Witwe. Es war ihr nicht leicht, den geliebten Mann in Gottes Hände zurückzulegen und zu glauben, dass es seine Hand sein sollte, die für sie verschlossen war. Es fiel ihr nicht leicht, endgültig alle Hoffnungen auf ein Kind zu Grabe zu tragen.

Aller Hoffnung war sie ledig. Aber Hoffnung konnte ihr niemand aus den Händen winden. Die Hoffnung auf den Retter der Menschen trug sie nicht zu Grabe. Auf diese Hoffnung wollte sie nicht verzichten. Allein trug sie diese Hoffnung weiter durch alle Einsamkeiten. Von dieser Hoffnung wurde sie selbst getragen.

Sie heiratete nicht mehr. 12 x 7 Jahre wurde sie alt. 84 Jahre lang Hoffnung.

Sie hielt sich ständig im Tempel auf, nicht um sich vom Getriebe der Welt trauernd zurückzuziehen, sondern weil hier pulsierendes Leben war, hier spielte sich das öffentliche Leben ab. Hier im Tempel wurde der normale Alltag unter Gottes Augen und Gebet geprägt. Hier hatte sie weiche Hände bekommen, wenn sie die Tränen der Trauernden trocknete. Hier hörte sie denen zu, deren Erwartungen enttäuscht wurden und half ihnen. Hier lernte sie, dass Menschen nicht vom Brot allein leben.

Wie Simeon hatte Hanna aufmerksam wartend gehört, dass ein Kind geboren war, dem die Zukunft gehörten sollte. Und dann musste es so kommen, dass Hanna die Gruppe von Menschen um Maria und Josef sah.

Hanna nahm das Kind auf den Arm
und über das Kind hinweg sprach sie zu allen, die auf die Erlösung warteten;
Dieses Kind wird den Frieden bringen.
Dieses Kind wird einmal von hier aus aller Welt die Möglichkeit des Friedens zeigen.
Mit diesem Kind erfüllen sich meine Hoffnungen, die ich zwölf mal sieben Jahre bewahrte. Es ist nicht mein Kind. Es ist das Kind, das der ganzen Welt gehören wird.

Hanna war eine alte Frau. Sie war voll Weisheit und Güte und hatte gelernt, Hoffnung durch die bittersten Erfahrungen zu tragen. Sie hatte nie die Hoffnung auf den neuen Menschen Gottes zu Grabe getragen. Jetzt sah sie diese Hoffnung erfüllt.

III
Hanna und Simeon

Simeon und Hanna sind der Typ Mensch, der sehnsüchtig ausschaut. Davon gibt es viele. Aber ausgerechnet diese beiden sind zu biblischen Gestalten geworden. Warum?

Vielleicht von allem etwas:
Jedenfalls können sie ein Bild dafür abgeben, was in auch in unseren Gottesdiensten geschehen könnte, wenn man Erwartungen mitbringt:
Dann öffnen sich die Poren der Seele.
Man wird eintauchen in eine große Hoffnung. Die Hoffnung, die viele getragen hat wie eine Welle. Die wird mich auch tragen.
Man wird schweigen und auf Gottes Wort warten.
Schweigen, um zu verstehen, was in dieser Welt geschieht.
Schweigen, um unter den vielen Stimmen Gottes Stimme zu hören.
Herr, ich bin nicht wert, dass du zu mir kommst, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

 

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