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Predigttext Pfarrer Peter Morgenroth

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Der biblische Text, ein Stück Weltliteratur
Jesaja 55,1-13

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!
Warum zahlt ihr Geld für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.
Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben.
Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist.
Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.
Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

I Der Wasserverkäufer
Der Hauptplatz in Marrakesch – Jemma el Fna - Platz der Gaukler.
Tagsüber wimmelt es da. Verkehr und Fußgänger.
Aber abends, wenn die Dämmerung kommt, verwandelt sich dieser Platz schlagartig. Innerhalb von 30 Minuten kennt man ihn nicht wieder. Essbuden, Garküchen. Überall köchelt etwas vor sich hin. Es qualmt. Betörende Düfte liegen in der Luft. Gaukler zeigen ihre Kunststücke. Schlangenbeschwörer sitzen am Boden. Märchenerzähler schlagen die Zuhörer in Bann. Wilde Kerle zeigen ihre Kunststücke mit Messern und Fackeln. Gewürzstände und exotische Früchte. Lichter und Scheinwerfer gehen an und nun wird die Dunstglocke sichtbar, die über dem Platz hängt. Der Geräuschpegel steigt. Man muss sich vorwärtsschieben durch die Menge der Menschen.

Und dann die Wasserverkäufer. Purpurrot sind sie angezogen von Kopf bis Fuß. Seltsame Paradiesvögel sind sie. Haben Wasserbehälter umhängen und auf Hochglanz polierte Messingbecher und läuten mit ihrer Glocke. Machen auf sich aufmerksam. Wasser! Trinkwasser! Erfrischung! Ein Dirham!

Selten nur noch, dass jemand bei ihnen trinkt. Zu unsicher ist die Hygiene. Aber als Fotomodell werfen sie sich in Pose. Und kassieren gut ab bei den Touristen. Fünf Dirham pro Foto. Wasser! Kauft Wasser!

Diese Wasserverkäufer sind ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Sie waren schon vor Jahrtausenden auf den Straßen des Orients. Auch schon zur Zeit des Jesaja waren sie schon lautstark unterwegs in den Suks und Basaren und Straßen und Plätzen. Auch auf dem Tempelvorplatz in Bethel, ganz im Norden des heutigen Israel. Wasser! Kauft Wasser! Wunderbar frisches, kühles Wasser! Sie haben immer schon ihr Geschäft damit gemacht. Eine Wasssermaffia gewissermaßen. Denn Wasser war kostbar. Und nicht jedermann und jede Frau hatte Zugang zu Brunnen. Und kostenlos schon gar nicht.

Und nun mischt sich Jesaja in die Menge vor dem Tempel.
Vielleicht genauso auffällig gekleidet.
Auch mit Glocke. Und ruft:

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!
Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und eßt!
Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!
Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist,
und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht?
Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen
und euch am Köstlichen laben
.

Nach den Gesetzen des Marktes hat der Billigste am meisten Zulauf. Ein Schnäppchen! Kommt her. Auch wenn ihr kein Geld habt. Bei mir gibt’s nicht nur Wasser, wie bei der Konkurrenz. Bei mir gibt’s sogar Wein. Und Brot. Hier werdet ihr satt. Bei der Konkurrenz dürft ihr blechen. Bei mir bekommt ihr alles umsonst. Was ich biete, das ist nahrhaft. Her zu mir!

Eins ist sicher: Der Mann hat Zulauf! Ein solches Gratis-Angebot muss man einfach mitnehmen.
Nicht sicher bin ich mir allerdings, was in den Köpfen der Kundschaft vorgegangen ist. Könnte sein, dass man sich über diesen billigen Jakob fürchterlich lustig gemacht hat. Mit einem solchen Sonderangebot kann man doch keine Geschäfte machen! Der kann doch nicht rechnen. Der zahlt doch drauf. Eine Armenspeisung für alle. Das kann er doch nicht ernst meinen. Da steckt doch mehr dahinter, wenn Jesaja sich so aufführt. Das hat doch wieder mal einen doppelten Boden. Das ist doch eine seiner Symbolhandlungen. Und richtig, lange müssen sie nicht rätseln, was er meint. Er sagt es klipp und klar:

Warum zahlt ihr für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.
Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben.

Wie sehr die Worte des Jesaja changieren! Da spricht nicht mehr Jesaja in seinem eigenen Namen. Aus ihm spricht Gott. Er ist Gottes Stimme. Und Gottes Stimme sagt:
Hört doch auf mich, so werdet ihr leben.
Ich habe das Wort für dich, das deine Seele nährt.
Umsonst.

Und dann wechselt Jesaja wieder die Rolle. Und gibt dazu seinen eigenen Kommentar ab. Eindringlich, beschwörend:

Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist .Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.
Das Sonderangebot ist zeitlich begrenzt.
Packt zu. Jetzt ist die Zeit! Sucht den Herrn, solange er zu finden ist. Er wartet nicht ewig. Jetzt ist die Zeit!

II Die Selbst-Rechtfertigung
Moment mal. So kannst du uns nicht kommen! Wieso gottlos? Wieso Übeltäter? Also bitte! Wir pfeifen auf dein Sonderangebot. Wir sind ehrbare Leute. So kommen wir nicht ins Geschäft. Was soll denn die Anmache. Wir leben ganz normal und gesittet nach dem Gesetz. Und die Gebote halten wir auch. Im Wesentlichen wenigstens.

Das Gespräch, das sich nun auf dem Platz entwickelt, muss so weitergegangen sein. Auch wenn es die Bibel vornehm übergeht und verschweigt. Es muss so weitergegangen sein, weil das der Mechanismus der Seele ist - und immer schon war: Wenn man mir einen Vorwurf macht, dann gebe ich den weiter wie eine heiße Kartoffel. Ich rechtfertige mich. Ich komme in Stress. Ich war das nicht. Das waren die anderen. Ich bin nicht schuld. Die andren sind schuld. Ich habe eine reine Weste. Die andern haben Dreck am Stecken. Ich und Gottlos? Also bitte!

Und außerdem, Jesaja, denk doch mal klar. Dieser Schuldabschiebe-Mechanismus soll ein schädlicher Mechanismus der Seele sein. Eine lebenszerstörende Psycho-Falle, sagst du. Ja, aber , wenn das ein Mechanismus der Seele ist. Wie soll man daran was ändern? Das geht doch gar nicht. Du verlangst Unmögliches. Wir sind nun mal so, wie wir sind.

III Gott denkt größer
Was sagt Jesaja darauf?
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

Ich bin an eurer Selbstgerechtigkeit nicht interessiert. Es interessiert mich nicht, ob ihr meint, eine reine Weste zu haben. Eure Schuldabschieberei kotzt mich an. Diese ganze Selbstgefälligkeit interessiert mich nicht. Und ich mache keine Rechnung auf. Nicht für euch und auch nicht gegen euch.

Es betrübt mich, wie klein klein ihr denkt und fühlt. Von euch selbst und von anderen. Wenn man Schuld weiterschiebt, ist sie ja nicht aus der Welt, dann klebt sie nur bei einem anderen. Immer weiter und weiter. Ständiger Rundlauf. Soll das ein gutes Leben sein? Das kann doch nicht das Glück sein, das jeder sich wünscht.
Ihr müsst wissen: Zwischen eurer Denke und meinen Gedanken ist ein himmelweiter Unterschied. Ich– Gott - denke groß von euch.

Gott denkt groß von mir. Der Gedanke tut gut. Den muss man erst mal verdauen. Er denkt größer von mir, als ich selbst. Und wenn jemand größer von mir denkt, als ich selbst, baut das auf.
Es wird wohl ziemlich still gewesen sein, als Jesaja das sagt. Jetzt ist er nicht mehr der Billige Jakob. Aber er hat ein großartiges Sonderangebot. Denk groß von dir. So groß, wie Gott von dir denkt. Think big!

IV Gottes selbstwirkendes Wort
Das kann ich nicht. Sagt einer leise. Ich kann das nicht. Ich weiß doch, wie ich bin.
Doch, das kannst du.
Schau her!
Und Jesaja nimmt seinen Becher und füllt Wasser rein.
Wenn ich die Erde damit bewässere, was passiert dann? Na?
Wenn du mit deinem Wasser die Erde gießt, dann wird es grün in unserem sonnenverbrannten Land.
Siehst du!

Wo wie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.
Sagt Gott
Und das versteht jeder, der Jesaja zuhört:
Gott denkt groß von mir. Und wenn ich das selbst nicht kann. Dann kommt Gottes Wort wie ein Platzregen in der Wüste und es beginnt zu grünen. Ursache und Wirkung. Gewissermaßen automatisch. Gottes Wort ist es, das mich lebendig macht. Es wirkt in mir weiter. „Es wirkt das Wollen und das Vollbringen“, hat Martin Luther lange Zeit später formuliert.

Ein Wort Gottes, das in unsere Seele fällt, macht lebendig. Das ist der Grund, weshalb wir immer wieder den Gottesdienst suchen. Es stimmt schon, was viele sagen: Glauben kann ich auch allein. Wozu brauche ich die Kirche. Aber Gottes Wort kann ich mir auf diese Weise nicht selbst sagen. Das muss ich hören. Das wird von außen kommen und in meine Seele fallen und seine Wirkkraft entfalten. Gotteswort versteckt im Menschenwort. Eingehüllt in unsere Gedanken. Es nimmt uns mit zu Gedanken, die nicht unsere Gedanken sind. Es nimmt uns mit auf Wege, die nicht unsere Wege sind. Aber zu unseren Wegen werden. Er denkt groß von uns, wo wir klein klein denken. Und steckt uns an.
Er hat Wege für uns, die wir selbst nicht geahnt haben. Und wir werden merken: Nicht ich bin meinen Weg gegangen. Es war das Leben, das mit mir auf und davon ging. Was hinterher wie ein Weg aussieht, hat sich unmerklich an meine Fersen geheftet.
 

 

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