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Predigttext Pfarrer Klaus-Peter Jörns

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Christvesper 2012 um 18 Uhr in St. Johann Baptist in Berg

 

Vorspiel
Begrüßung, Votum
Lied 36, 1-3 Fröhlich soll mein Herze springen
Gebet
(Die Sehnsucht in der Antike nach Licht und Leben)
Das Relief auf dem Bildblatt oben stammt aus Amarna in Ägypten, aus dem 14. Jh. vor Christus. Während die Pharaonen vorher ihre Bedeutung durch Bilder ausdrücken ließen, auf denen sie ihre Feinde mit brutaler Gewalt niederschlugen, hatte sich unter Pharao Echnaton die Sehnsucht der Menschen nach Licht und Zärtlichkeit Bahn gebrochen: Echnaton und seine Frau Nofretete sehen wir mit dreien ihrer Töchter unter Aton, der Sonne, sitzen, die Echnaton als Gott glaubte. Und während man sonst in Ägypten Mann und Frau immer nebeneinander sitzend darstellte, sind diese hier einander zugewandt. Wie die göttliche Sonne an den Enden ihrer Strah¬len Flämmchen hat, die wärmen, wohin sie scheinen, so herzen und küssen die Eltern ihre Kinder. Das ist ein neues Verständnis des Königs: Er ist ein Friedensfürst, ein liebender Vater. Er hat seine Würde als ein zärtlicher König, und seine Frau hat an dieser Würde Anteil. Zärtlichkeit und Licht verbinden sich als Huldigung an das Leben. Die unpersönliche Sonne als Gott des Lebens und das Königspaar beleben und schützen die Menschenkinder. Sie sollen Zukunft und Geborgenheit haben. Das Relief ist das Urbild der Heiligen Familie geworden, in dem wir ein-einhalb Tausend Jahre später Maria und Joseph mit dem Jesuskind sehen.
Dieses Herrscherverständnis hat sich von Ägypten aus verbreitet, auch wenn die Nachfolger Echnatons sich wieder als Schlachtenlenker darstellen ließen. Als der Prophet Jesaja seinen unterdrückten Volksgenossen im Namen seines Gottes eine neue Zeit ankündigte, konnte er auf diese Vorstellungen vom Friedensfürst zurückgreifen und damit auf die Sehnsüchte der Menschen nach Frieden und Licht antworten. Und so lesen wir Jesaja 9: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über denen, die in der Finsternis wohnen, scheint es hell. Du machst des Jubels groß, machst groß die Freude. … Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft kommt auf seine Schulter. Er wird genannt werden: Wunderrat, starker Gott, Ewigvater, Friedefürst. Groß wird die Herrschaft sein und des Friedens keine Ende auf dem Throne Davids und über seinem Königreich, da er es festigt und stützt durch Recht und Gerechtigkeit.“ (Jesaja 9, 2.3a.6.7)
Lied 13, 1-3 Tochter Zion, freue dich
Die Christen haben Jesajas Botschaft, die an Jerusalem, die Tochter Zion, gerichtet war, auf „alles Volk“ ausgeweitet. Und die frühe Christenheit bezog die viele Jahrhunderte vorher verheißene Geburt eines königlichen Kindes auf das Kommen Jesu. Davon erzählen die bei Lukas und Matthäus überlieferten Geschichten von seiner Empfängnis und Geburt. Diese Geschichten, vor allem die Weihnachtsgeschichte des Lukas, rühren uns noch heute an. Sie rühren uns an, weil auch in ihr Gott und Menschen verbunden sind. Der ferne Himmel ist hier, bei den Menschen, Gott ist in unserem Leben angekommen. Die Sehnsüchte der Menschen nach Frieden und Licht sind ernstgenommen. Gott antwortet darauf mit seiner Geburt in Fleisch und Blut. Das ist ein glaubwürdiger Gott, weil er nicht mehr in einer eigenen Welt leben will. Weihnachten lehrt uns, dass Gott in unserem und in aller anderen Geschöpfe Leben lebt. Auch wenn wir in sterblicher Gestalt geboren werden, haben wir für die Zeit unseres Lebens das Leben mit Gott gemeinsam.
So bringt Weihnachten die Erlösung von einer gespaltenen Wirklichkeit. Und noch etwas lehrt uns die Weihnachtsgeschichte: Weihnachten hat den Abschied von den Herrschergestalten Gottes gebracht. Wenn wir auf dem zweiten Bild die von dem Florentiner Sandro Botticelli gemalte Szene nach der Geburt Jesu anschauen, dann spricht uns sofort ihre unglaubliche Schlichtheit an. Denn in ihr finden sogar – wie in der Erzählung bei Lukas – die Windeln Beachtung. Das Urereignis des Lebens, die Geburt eines Kindes, erleuchtet die Szene mit einem hellen Schein – von unten.
Auch in diesem Bild spielt das Licht eine große Rolle. Aber es kommt nicht vom Himmel, sondern es geht vom Kind selbst aus, obwohl das Kind die unterste Position im Bildganzen innehat. Das ist eine ungewöhnliche Anordnung, denn es widerspricht dem berühmten „Goldenen Schnitt“. Aber gerade dadurch hat Botticelli den Glauben ausgedrückt, der sich mit diesem Kind und seinem späteren Leben verbindet: Dieser Mensch soll „das Licht der Welt sein“, wie es im Johannesevangelium heißt. Ja, er ist, wie Luther im Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her“ gedichtet hat, „unser Gott“. Er ist eine wirkliche Lichtgestalt, und sein Licht leuchtet alle an: Maria und den noch grübelnden Joseph, aber auch Ochs und Esel, die hier die Tiere, also unsere entwicklungsgeschichtlichen Vorfahren und Mitgeschöpfe, vertreten. Sie alle bilden jetzt „Gottes Volk“. Für sie alle soll das Kind Licht sein, und das heißt, wie der Engel dann dolmetschen wird: den Weg zum Frieden weisen. Einfacher gesagt: Wir sollen von ihm den Frieden lernen. Sein Licht ist so hell, dass es buchstäblich auch Johannes den Täufer, der links im Bild hinter Maria zu sehen ist, in den Schatten stellt.
Lied 24, 1-5 Vom Himmel hoch, da komm ich her
Weihnachtsgeschichte Lk 2, 1-14
Lied 30, 1-3 Es ist ein Ros entsprungen
Weihnachtsgeschichte Lk 2, 15-20
Auch die Botschaft des Engels ist schlicht formuliert: Ehre sei Gott im Himmel und Frieden auf der Erde bei den Menschen! So, wie Gottes Leben und unser Leben zusammengehören, wie Himmel und Erde Teile des einen Kosmos sind, wird das Gott-die Ehre-geben mit dem Frieden-Schaffen unter den Menschen verbunden. Das eine hat ohne das andere keinen Sinn. Gottes Ehre zeigt sich nämlich darin, dass er für uns Frieden will. Und zwar aus dem einen Grund: Gott hat an den Menschen Wohlgefallen. Entgegen allen früheren Schreckensbildern vom zornigen und ständig beleidigten Gott, der Sühne fordert und straft, hat Jesus uns offenbart: Gott kann uns leiden. Er leidet mit, wenn hier – schuldig oder unschuldig – gelitten wird. Darum will er Frieden für uns, und weil sich menschliches Leben und menschliches Glück ohne Frieden nicht entfalten können. Das ist der Kern des Evangeliums in menschlicher Sprache.
Wenn uns dieses Evangelium heute wie damals anrührt, dann heißt das allerdings auch, dass diese Botschaft auf eine sehr nüchterne Realität antwortet. Und die heißt: Damals wie heute gab es nur in Ausnahmezeiten Frieden. Der sogenannte Friede war die Zeit zwischen zwei Kriegen, die Zeit zum Auf- und zum Nachrüsten, und die Zeit zum Anstacheln der Gelüste auf Revanche. Dass wir jetzt in Europa schon 67 Jahre lang keinen wirklichen Krieg mehr erlebt haben, grenzt für jeden, der die Geschichte Europas einigermaßen kennt, an ein Wunder. Deshalb war es angemessen, dass die Europäische Gemeinschaft den Friedensnobelpreis erhalten hat. Eigentlich ja wir alle. Denn wir Menschen haben über die völkischen Grenzen hinweg endlich angefangen, die alten Erbfeindschaften, die ererbten Herrschaftsansprüche und die Wunden aus erlittenen Niederlagen nicht mehr zu lecken, sondern friedlich aufzuarbeiten. Statt Frieden vom Himmel zu erwarten, haben wir mit der Friedensarbeit begonnen, die der zum Mann gereifte Jesus im Zentrum seiner Reich-Gottes-Predigt von uns Menschen verlangt hatte. Ohne faule Kompromisse. Friedensarbeit ist Schwerstarbeit, aber es ist die Arbeit, die den größten Gewinn einbringt: eben Frieden. Die Gewinne aus dem Waffenhandel, bei dem Deutschland inzwischen wieder an dritter Stelle steht, sind dagegen eine Teufelssaat. Die Europäische Union ist nicht möglich geworden durch Waffen, sondern durch die Versöhnung von Deutschen und Franzosen, von Deutschen und Polen und anderen. Von diesem Frieden hängt unsere und unserer Kinder und Enkel Zukunft ab.
Darum müssen wir die Friedensarbeit in jedem Menschenleben an die erste Stelle setzen. Frieden muss gelernt werden, von jedem einzelnen Menschen neu. Die Fähigkeit zum Frieden will bewährt werden im alltäglichen Umgang mit einander und gerade im Umgang mit den Fremden.
Eine der unglaublichen Seligpreisungen, die Jesus uns hinterlassen hat, lautet (Matthäus 5,9): „Selig sind die Friedensstifter. Sie sollen Söhne und Töchter Gottes heißen.“ Wir können also aufhören darüber zu streiten, ob Jesus Gottes Sohn war oder nicht. Seit Weihachten gibt es eine wichtigere Frage: Und die fragt danach, wie wir von Jesus lernen können, Frieden zu stiften, wie also jedefrau Gottes Tochter und jeder Mann Gottes Sohn werden kann, zur Ehre Gottes in der Höhe und zum Frieden auf Erden. Jesus ist so radikal gewesen, die Wurzeln von Frieden oder Krieg da zu sehen, wo wir Menschen am menschlichsten sind: Da, wo wir einander vieles schuldig bleiben, ja, aneinander schuldig werden. Für Jesus fing Frieden mit der Bereitschaft an, um Vergebung zu bitten, und zu vergeben, wo man selbst darum gebeten wird. Krieg erwächst aus der Weigerung, Schuld zu vergeben und das Anderssein der Anderen zu ertragen. Wer aber Frieden stiftet, ist Friedefürst, weiß Wunder-Rat, ist jederfrau‘ und jedermanns Christus. Wer das akzeptiert und Konsequenzen daraus zieht, lebt weihnachtlich aufgeklärt, kommt dem Frieden nahe und bricht der Menschwerdung der Menschen die Bahn.

Lied 27, 1-6 Lobt Gott, ihr Christen alle gleich

Gebet:
Wir danken Dir, Gott, für alle Menschen, die in der Geschichte dafür gesorgt haben, dass der Unfrieden in uns gebändigt und der Frieden gelernt werden konnte. Besonders danken wir dir für Jesus, dass er seinen Weg des Friedens unbeirrbar gegangen ist und die Vergebung zum neuen Gottesdienst gemacht hat.
Gib uns Mut und lass uns den mühsamen Weg Jesu weiter gehen, trotz aller fürchterlichen Umwege und Rückfälle, die wir schon hinter uns haben – als Deutsche, als Europäer, als Christen. Von Jesus geht eine große Kraft aus, die wir das Licht des Welt nennen. Lass uns aber auch die Lichter dankbar annehmen, die andere Religionen in die Welt gebracht und damit dem Frieden gedient haben. Und lass uns nicht an der Scham darüber sparen, wie wir europäischen Christen andersfarbige und andersgläubige Völker und Rassen ausgerottet haben, auch in deinem Namen.
Wir danken für die lange Zeit des Friedens in Europa, für das Kennenlernen der fremden Kulturen und auch für das Kennenlernen der fremden Religionen. Noch immer sind die fremdesten Fremden für uns die fremden Religionen. Viel zu lange haben wir gemeint, dir einen Gefallen zu tun, wenn wir sie bekämpfen. Lass uns begreifen, dass auch sie dich, den einen Gott, bezeugen, auch wenn sie uns noch so fremd erscheinen. Und gib ihnen Geduld, uns Christen zu ertragen.

Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Lied 44, 1-3 O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit

Nachspiel

 

 

 

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