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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt über „Buße heute“


Herr, gib trübe Augen für Dinge, die nicht taugen, und Augen voller Klarheit für dich und deine Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde,

das Wort Buße kommt heute nur noch selten in unserem Sprach-gebrauch vor. Und wenn, dann im Zusammenhang mit Strafe.
Sei es beim Bußgeldbescheid, den man erhält, wenn man die Verkehrsregeln verletzt hat, sei es bei der Ankündigung von Vergeltung, wenn man einen Schaden erlitten hat oder verletzt wurde, körperlich und seelisch, beleidigt wurde oder vor anderen bloßgestellt: ein gewisses Rachebedürfnis regt sich, den anderen dafür zu strafen, ihm das heimzuzahlen: dann sagen wir: das wirst du mir noch büßen!

Buße, büßen sind also Wörter der Straf- und Rechtssprache.
Und es ist ja dieses Rechts- und Strafverständnis auch schon lange in die kirchlich-traditionelle, vor allem mittelalterliche Bußfrömmigkeit und Bußpraxis mit eingegangen, auch noch bei Luther und im alten Protestantismus des 16. und 17. Jahrhunderts wird es so vorausgesetzt, wenn auch, um ein neues Verständnis von Buße zu entwickeln, das einen anderen Aspekt der Buße in den Mittelpunkt rückt - etwa wenn der Augustiner-Mönch Martin Luther in seiner ersten These vom 31. Oktober 1517 sagt: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht `Tut Buße´ usw. (Mt 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“

Das ist ein etwas anderes Verständnis von Buße, als es im Mittelalter und der Reformationszeit sonst vorgeherrscht hat. Ein Verständnis wie schon bei Jesus selbst, dessen Verkündigungsruf nach dem Markusevangelium lautet: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“

Das Wort für Buße im griechischen Urtext „metánoia“ bedeutet Umden-ken, Sinnesänderung, Umkehr – wobei nicht nur eine geistige Umorien-tierung des Denkens gemeint ist, sondern im Sinne des alten, hebräisch zugrundeliegenden Wortes „schub“ eine Neuausrichtung des Menschen in der ganzen Existenz am Evangelium, also auch die Änderung des Verhaltens, neues Vertrauen zu Gott und Abkehr von allem Widergött-lichen, von allem Bösen, Lebenszerstörenden, von allen Schwächen.
Kehrt total um! Nun, nichts leichter als das, liebe Gemeinde! Völlige Umorientierung, Neuausrichtung unserer Existenz? Wo uns doch schon kleinere Korrekturen des Lebensstils oder bestimmter Verhaltensweisen schwer fallen, zumindest, wenn sie dauerhaft sein sollen, „nachhaltig“!

Wie beginnt eine solche Umorientierung im christlichen Sinne? Sie beginnt mit Selbstbesinnung, ungeschminkter kritischer Selbstdurchsicht. Etwas, wozu wir in unserem Alltag nicht immer kommen, wofür wir uns auch nur ungern Zeit nehmen, aber nehmen sollen, wenigstens hin und wieder. Wollen wir aber oft nicht gerne machen – wofür wir aber in der Regel immer Zeit haben, das ist: uns über andere aufzuregen, ihre Schwächen auszumachen und über sie herzuziehen, was uns allen heute Abend hier Anwesenden natürlich völlig fremd ist! … Das wäre auch einmal eine kritische Selbstbesinnung wert, warum wir das dauernd tun müssen. Um von uns selbst abzulenken, unseren eigenen Schwächen und Fehlern. Das kann etwas von eigener Scheinheiligkeit haben. Kritische Selbstbesinnung?
Es gibt umgekehrt Menschen, die sind so veranlagt, dass sie sich, fast krankhaft, dauernd selbst infrage stellen, überprüfen, kritisch sehen und sich dann auch dauernd schlecht machen, vor sich selbst und vor anderen, offen oder insgeheim, auch vor Gott und seinen Maßstäben.

Und dann gibt es solche, die praktisch nie im Leben von Selbstkritik angekränkelt sind, die vor Selbstbewusstsein, vor lauter Selbstwertgefühl nie von Selbstzweifeln angenagt sind. Das ist das andere Extrem.
In völlig übersteigerter Form haben das alle Fundamentalisten und Extremisten, die meinen, selbst das Jüngste Gericht schon auf Erden spielen zu müssen, ggf. mit Gewalt und Barbarei und Terror, wie jüngst leidvoll wieder erlebt in Paris.
Ein normales, menschlich-gesundes Mittelmaß zwischen Selbstvertrauen und Selbstkritik wäre vielleicht angebracht.
Und das genügte auch schon, denn bei einer gesunden kritischen Selbstbesinnung wird jeder einsehen, dass es mit seiner Erneuerungsfähigkeit im Glauben und Leben von sich aus nicht so arg weit her ist.


Buße im Sinne von kritischer Selbstbesinnung und Erneuerungsbereitschaft bedeutet nun aber, dass wir den Mut nicht sinken lassen sollen, sondern immer wieder neu die Kraft zur Erneuerung gewinnen – woher?
Buße heute bei uns? Wenn wir uns in ehrlicher Besinnung vor Gott selbst kritisch sehen, dann sollen wir das nicht tun im Sinne einer Leistungs- und Versagensshow, die wir vor dem Höchsten und seinen Maßstäben abgeben, um ihm und uns nur wieder etwas vorzumachen. Sondern - und das ist das Schwierige, weil sich jeder gerne selbst zurecht stilisiert im Guten und im Schlechten – Besinnung vor Gott soll sein ein einfaches Gewahrwerden unseres Lebens und Zustandes, so wie wir sind und unsere Potenziale zur Besserung zu entdecken, seien sie auch noch so bescheiden. Aber es geht, denn: Ungeschminkt können wir das tun, denn:
Gott weiß um unsere Schwächen, um unsere Defizite im Glauben, unsere Zweifel, unsere immer wieder mangelhafte Moral und allzu selbstverliebtes, auch rücksichtsloses Verhalten. Er weiß, dass wir, wie es in der Kirchensprache heißt, „Sünder“ sind – und zwar unausrottbar.
„Sündersein“ – das meint ein Leben in Gottferne. Und ein Leben in Gottferne führt auch ein jeder noch so gute Christ, wenn er ehrlich ist.
Die unglaubliche Botschaft Jesu Christi lautet nun, Matthäus 9:
„Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken. … Ich will Barmherzigkeit …. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße."
Für heute gesagt, heißt das erstens: wer so tut, als hätte er kein Problem mit sich und seinem Leben und mit dem Glauben, für den ist Jesus nicht in die Welt gekommen, um den geht es folglich auch im heutigen Christentum nicht.
Zweitens heißt das, für heute gesprochen: Christsein ist nicht ein Zustand, ein Status, den man sich irgendwann einmal erworben hat, sondern ein permanenter Prozess, nicht ein Sein, sondern ein Werden, lebenslang!

Und darum zu wissen, hat - drittens - für uns heute etwas Entlastendes. Du musst nicht auf einmal, in diesem Moment oder überhaupt, der Superchrist sein, der Vorzeigegläubige – wer seinen Glauben zu stark vorzeigt und herzeigt, was für ein toller Christ er ist, wäre Jesus selbst schon verdächtig gewesen, wie er die Pharisäer damals gesehen hat.

Nein, versuche ein ehrlicher Christ zu sein, der glaubt und tut, was in seinen Kräften steht, der weiß, was er will, der für andere da ist, wo er gebraucht wird, und dabei um seine Begrenztheiten weiß und demütig und bescheiden bleibt – selbstkritisch in dem Wissen, dass der, der höher ist als wir alle, Gott, um ihn weiß und ihn durchs Leben trägt.
So wie es auch kein geringerer als der Apostel Paulus erfahren hat, der im 2. Korintherbrief schreibt: „Christus hat zu mir gesagt“ – also eine Eingebung, die Paulus hier hat: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“
Wohne die Kraft Christi auch bei uns, in unseren Kirchen, in unseren Häusern, in unseren Herzen und in unseren Seelen!

Amen.
Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

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