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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Lukas 12, 13-21
Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm: Meister, sage meinem Bruder, dass er mit mir das Erbe teile. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt?
Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat.
Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

Predigt über Lukas 12, 13-21
Erntedankfest ist das einzige Fest im christlichen Kalender, das mit der Natur zu tun hat. Die Altäre in den Kirchen sind geschmückt. Zeichenhaft bringen wir vor unsere Augen, wofür wir Gott danken können: Brot und Äpfel, Kürbisse und Trauben, die Erntekrone. Alles das zeigt: Da war doch was … Ja, wir sind ein Jahr lang wieder satt geworden, haben gegessen und getrunken; wir zapfen sauberes und genießbares Wasser aus dem Wasserhahn, niemand muss hungern und, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist, alles lässt sich kaufen.

Anderen geht es anders. Das zeigen die Nachrichten jeden Tag. Es gibt auch heute Menschen, die würden alles dafür geben, sauberes Wasser zu haben, satt zu werden, Kindern gute Milch zu verschaffen und Tiere nicht vor Hunger schreien hören zu müssen.

Erntedank war früher vor allem ein bäuerliches Fest. Da, wo Menschen mit Saat und Ernte, mit Melken und Schlachten zu tun haben, liegt es nahe, ein Fest zu feiern, wenn die Ernte eingebracht und die Ställe gut bestückt sind. Doch auch mir, der ich mit der Landwirtschaft so direkt nichts zu tun habe, ist es wichtig, Erntedank zu feiern: Weil ich dadurch erinnert werde, wie wenig selbstverständlich es ist, all das zu haben, was ich habe. Einmal im Jahr wenigstens feiere ich diesen Tag als Erinnerungstag und Mahnung: Freu dich an dem, was Gott dir schenkt – aber nimm es als Geschenk und sei dankbar für das, was du bekommst. Es hängt nicht nur an unserer Arbeit und Leistung, dass wir den Tisch gedeckt bekommen; es ist auch Gnade, unverdiente.
In der ökumenischen Abendmahlsliturgie, wie wir sie in der MS-Klinik jeden Samstagabend feiern, wird entsprechend Gott gelobt für die Gaben: „Schöpfer des Lebens, wir loben dich. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. … Schöpfer des Lebens, wir loben dich. Du schenkst uns die Frucht des Weinstocks, das Zeichen des Festes.“

Und: Erntedank ist noch mehr. Mein Blick wird geweitet von der Ernte aus Feld und Stall hin zur Ernte meines Lebens. Dass ich Freunde habe und eine Familie, dass ich gesund bin, manches kann (und anderes nicht), auch das ist eine Ernte und lässt mich in gleicher Weise staunen: Gerade das, was ich mir für Geld nicht kaufen kann, macht mein Leben reich. Wie gut, dass ich das alles habe und bin. Auch das ist unverdient, Gnade. Und daher bin ich herzlich dankbar dem, von dem ich glaube, dass er der Geber aller Gaben ist: Gott, der Schöpfer und Bewahrer unseres Lebens.

Als Predigttext habe ich zuvor gelesen, was offenbar zum Erntedankfest passen soll: Im Mittelpunkt steht ein Bauer. Der hat das geschafft, wonach man sich als Bauer nun einmal sehnt: Dass die Ernte reichlich ausfällt und dass die Scheunen zum Platzen gefüllt sind. Ja, er war doppelt gesegnet, der reiche Kornbauer, gesegnet mit viel Land und mit guter Ernte. Er hat auch eigentlich nichts falsch gemacht. Er hat sich Mühe gegeben, er war fleißig, er war erfolgreich. Als Landwirt war er richtig gut! Nichts anderes würde man doch von einem Bauern erwarten, als zu säen und zu ernten, alles nach den Regeln der Kunst, sodass für ihn unterm Strich nicht nur etwas, sondern möglichst viel als Gewinn übrig bleibt. Seine Leistung soll sich doch lohnen! 

Das Problem des reichen Kornbauern ist nicht, dass er reich ist. Er machte doch nichts anderes, als was jeder tun würde. Bei Josef in Ägypten, das Alte Testament erzählt von ihm, wird genau das gelobt: Da wurde sieben Jahre lang gesät und geerntet, da wurden Scheunen gebaut, um vorzusorgen für Zeiten der Not. Den drohenden Hunger vor Augen ließ dieser Josef Kornhäuser bauen und sieben Jahre Getreide sammeln (1.Mose 41,35). Am Ende war es Getreide „über die Maßen viel wie Sand am Meer“ (1.Mose 41,49). Die Lutherbibel nennt das in der Überschrift zu dieser Erzählung „Josefs Fürsorge“. Warum sollte das, was der Kornbauer macht, etwas anderes sein, etwas, das man kritisiert und habgierig findet?
Martin Luther King hat in einer Rede so über den Kornbauern nachgedacht: „Könnte dieser reiche Mann nicht einfach stellvertretend für die westliche Zivilisation in dieser Geschichte stehen? An Gütern und materiellen Erfolgen sind wir reich. Die Mittel, durch die wir leben, sind in der Tat wunderbar. Und doch fehlt etwas. Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen und wie die Fische zu schwimmen. Aber wir haben die einfache Kunst nicht gelernt, als Geschwister zu leben. Unser Überfluss hat uns weder Friede noch Zufriedenheit gebracht.“
Der Inder Am Rihbany hat dieses Dilemma elementar mit treffenden Worten beschrieben: „Ihr nennt eure kunstvollen Einrichtungen arbeitssparend, und doch seid ihr immer beschäftigt. Während eure maschinellen Hilfsvorrichtungen sich mehren, werdet ihr zugleich immer müder, nervöser und unzufriedener. Was ihr auch immer habt, ihr wollt mehr. Wo ihr auch immer seid, ihr wollt weiter. Ihr habt eine Maschine, die das Rohmaterial für euch ausgräbt, eine, die es bearbeitet, eine andere, die es transportiert. Ihr habt Maschinen zum Wischen und Kehren, zum Schreiben, zum Sprechen, zum Singen, zum Theaterspielen, zum Wählen, zum Nähen und hundert andere, die hundert andere Arbeiten für euch verrichten. Und doch seid ihr die nervösesten und geschäftigsten Menschen in der Welt. Eure Erfindungen sparen weder Zeit noch Seelenkraft. Sie sind vielmehr Sporen, die euch immer zu neuen Erfindungen und neuen Geschäften treiben.“ Ja, dieser Anklage ist schwerlich auszuweichen. Die Mittel, durch die wir leben, haben den Sinn, für den wir leben, oftmals verdrängt.

Es ist nicht falsch, vorzusorgen. Aber es könnte verführen, mein Herz zu sehr an das zu hängen, was ich an die Seite lege. Das muss man sich in Deutschland besonders sagen lassen. Nirgends sonst auf der Welt wird so viel Geld in Lebensversicherungen gesteckt. Nirgends sonst wird so viel auf Sparkonten gespart – auch wenn es kaum noch Zinsen gibt, aber „sicher ist sicher“. Das alles ist noch nicht verwerflich, solange die Gewichte richtig verteilt sind und die Reihenfolge stimmt. Nicht vor Reichtum warnt Jesus seine Jünger damals und uns heute, sondern vor Habgier. Er warnt vor dem falschen Vertrauen auf Sicherheiten, die nicht wirklich Sicherheiten sind.
Für mich ist die Geschichte vom reichen Kornbauern eine Wachrüttel-Geschichte, ein Muntermacher. Wach auf, liebe Seele! –
„Habe nun Ruhe, liebe Seele, iss, trink und habe guten Mut“ (Vers 19), davon träumt der Kornbauer. Aber warum erst so lange warten mit dem Ruhen? Warum will er sein Leben wieder erst genießen, wenn er wieder erst noch mehr gearbeitet hat? Es könnte bald, gleich, „heute Nacht“ alles ganz anders kommen.

Ich denke an eine die Geschichte, die Peter Härtling erzählt von jenem Mann mit einem großen Terminkalender, der aber nicht groß genug war und nicht Platz genug bot für die Tagung X und die Sitzung Y und den Termin Z. Und so kaufte er sich einen noch größeren Kalender, in dem konnte man auch noch die Nachtstunden verplanen. „Nun sei ganz ruhig, liebe Seele, du hast alles eingeplant. Versäume nur nichts“, sagte er zu sich selbst. Und je weniger er versäumte, umso mehr wurde er in noch einen Ausschuss gewählt und in noch ein Gremium. Und dann machte man ihn noch zum Vorsitzenden, erst hier und dann auch dort noch. Doch dann war es eines Tages so weit und Gott sagte: Du Narr, diese Nacht stehst du auf meinem Terminkalender.
Die biblische Geschichte will uns die Lebenskunst nahebringen, zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist im Leben und was weniger wichtig, was zum Letzten gehört und was nur zum Vorletzten. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“, heißt es im 90. Psalm (Vers 12). Das ist ein spannender Zusammenhang, die Kunst zu leben dadurch zu entdecken, dass ich von der Kunst zu sterben etwas ahne. Dann macht es mir auch nichts, wenn ich auf jemanden sehe, der vermeintlich reicher ist als ich selbst. Das ging schon dem Beter des 49. Psalms nicht anders: „Lass es dich nicht anfechten, wenn einer reich wird. Denn er wird bei seinem Sterben nichts mitnehmen.“ (Vers 17f) Materiell reich oder arm sind nicht die entscheidenden Punkte, auf die es am Ende ankommt. Am Ende zählt nicht, was ich in den Taschen habe, sondern ob ich mich auf Gott verlassen habe im Leben und irgendwann dann auch im Sterben verlassen kann. Denn „wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“ (Matthäus 6,21).
Amen.

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