Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

Aktuell >>

Predigt am 19.7.2015 von Pfarrer Johannes Habdank

Der Predigttext für diesen Gottesdienst steht im zweiten Kapitel des Briefes des Apostels Paulus an die Philipper, es sind die ersten Verse. Philipper: Philippi ist eine urchristliche Gemeinde in Griechenland, übrigens die erste heidenchristliche Gemeinde auf europäischem Boden, in Rom gab es wohl auch schon sehr früh Christen, aber das waren Judenchristen. Die Philipper hingegen sind die erste heidenchristliche Gemeinde, von Paulus gegründet, denn: man musste für Paulus nicht Jude sein, um Christ werden zu können, sondern du kannst auch unabhängig davon Christ werden. Das war Paulus´ „Erfindung“, die religionsgeschichtliche „Innovation“ überhaupt damals, die die Ausbreitung des Christentums in alle Welt, eben auch in die nicht-jüdische Welt ermöglicht hat. Sonst wäre das Christentum eine Spielart des Judentums bzw. Sekte im jüdischen Bereich geblieben. Wobei die Universalisierung des neuen Glaubenstypus´ schon wesentlich bei Jesus selbst angelegt ist. Zum Beispiel, wenn Jesus das Kind einer nicht-jüdischen Frau wieder auferweckt, oder wenn er sich aller religiös-kultisch-volksmäßig Ausgegrenzten annimmt; oder wenn er Figuren wie den aus dem jüdischen Volk hinaus definierten Samariter als Vorbild hinstellt.
Paulus, ehem. jüdischer Gelehrter und Eiferer für das Gesetz, ja sogar Christenverfolger, hat – nach seiner Bekehrung – dann das Evangelium für unabhängig von der jüdischen Tradition erachtet, und mit dieser Entkoppelung das Heiden-Christentum ermöglicht. Wovon wir hier bei uns in den Spätfolgen und entfernten historischen Auswirkungen noch heute zehren, denn wir alle waren keine Juden vorher, sondern nach jüdischer Auffassung Heiden oder gar nix.
Seiner ersten heidenchristlichen Gemeinde auf europäischem Gebiet, nämlich in Nord-Griechenland, Nähe Kavala, gibt der Apostel im Brief an die Philipper, Kapitel 2, einige Ratschläge, ich lese den Predigttext:
Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.
Liebe Gemeinde, das sind Worte, die zu den klassischen Texten gehören, die heute bei einer kirchlichen Trauung als Schriftworte verlesen werden, unmittelbar vor der eigentlichen Trauzeremonie, und zwar in einer um den Anfang gekürzten Version, die sich auch auf die Ehe beziehen lässt, also Hochzeitsvariante:
Christus spricht: Macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Wunderbare Worte für eine Ehe, wenn sie denn lange halten soll. Nur: das war nicht die ursprüngliche Intention und Abzweckung dieser Worte des Apostels. Er attestiert seiner Gemeinde in Philippi zunächst anerkennend, dass „Trost der Liebe“, „Gemeinschaft des Geistes“ und „herzliche Liebe und Barmherzigkeit“ bereits untereinander vorhanden seien. Wenn er aber dann sagt: Macht meine Freude dadurch vollkommen, dass usw. – dann heißt das ja implizit, dass seine Freude noch nicht vollkommen ist. Warum? Man kann es sich erschließen, wenn man die folgenden Worte durch ihr Gegenteil ergänzt, also: Macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, weil ihr eben noch nicht eines Sinnes seid; gleiche Liebe habt, weil ihr noch nicht gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid, weil ihr noch nicht einmütig und einträchtig seid. Und weiter: Ihr tut immer noch etwas aus Eigennutz oder um eitler Ehre, tut es nicht! Sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, da fehlt es noch bei Euch, da ist noch Potenzial vorhanden! Und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient. Ihr seht immer noch zu sehr jeder auf das Seine!
Liebe Gemeinde, wenn man das so liest, dann wird einem der freundliche Sinnstiftungsspruch bei heutigen kirchlichen Trauungen zur kritischen Gemeindeanalyse des Paulus damals wie für uns heute.
Dann ist der Spruch der Intention nach nicht nur Harmonie stiftend, sondern bezeichnet auch, worauf es noch mehr ankommt, als klarer und kritischer Maßstab des Gemeindelebens: nicht um schlecht zu machen, sondern um aufzubauen und zu motivieren, bestehende Defizite zu benennen und zu beseitigen, soweit möglich, oder wenigstens zu minimieren. Und so gelten diese Worte heute genauso auch für uns in unserer Gemeinde, in den Kirchen und in der Gesellschaft, sofern diese sich überhaupt noch als christlich grundgelegt oder wenigstens christlich bezogen versteht:
Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.
Liebe Gemeinde, was der Apostel, wie aus dem Kontext hervorgeht, damit auch kritisiert an den Philippern, ist, dass sich offensichtlich einige für die besseren Christen halten als die anderen, alle anderen genannten Verhaltensweisen, die der Apostel kritisiert, ergeben sich daraus: Streben nach Eigennutz, Egoismus, Streitlust, Ehrsucht und „Ehrenkäsigkeit“, ein schönes schwäbisches Wort!

Exkurs: „Ehrenkäsig – „ehrakäsich“ ist ruhmsüchtig, auf die eigene Ehre bedacht. Der ehrenkäsige Mensch achtet ständig darauf, auch noch den kleinsten Anspruch auf Anerkennung für sich einzustecken. Er trägt seine Ruhm- und Ehrsucht so offen zur Schau, dass man sie fast riechen kann - daher die Verbindung zum früher wesentlich intensiver riechenden Käse.“ (Quelle: Wikipedia, Art. Ehrenkäsig)

Immer dasselbe steckt hinter Egoismus, Eigennutzstreben, Ehrsucht: ich bin doch besser als die anderen oder will es zumindest sein – solche Selbsteinschätzungen laufen oft psychologisch ganz verdeckt, so dass man es bei sich selber erstmal gar nicht merkt, dass solcherlei Motive handlungsleitend werden.

Besser sein als die anderen, dazu gehört auch: mit einer gewissen Leidenschaft die Mängel vor allem der anderen zu erkennen, das trägt ja auch zur gefühlten Besserstellung des Ego bei. Das war wohl damals nicht anders als heute, es ist einfach unausrottbar menschlich! Das alles steckt hinter dieser Reihe von Kritikpunkten an den Philippern durch den Apostel Paulus.
Wenn wir das auf uns übertragen, so darf ich Sie darauf aufmerksam machen, liebe Gemeinde, dass ich nicht der Apostel bin - soll sagen: Der Predigttext aus dem Philipperbrief ist jetzt nichts, was der Pfarrer heute seiner Gemeinde vorzuhalten hätte, sondern, worum sich bitte jeder selbst bemühen sollte, immer wieder, auch ich: sich anzusehen wie in einem Spiegel:

Ist das bei mir so? Oder in welchem der angesprochenen Punkte muss ich vielleicht an mir arbeiten? Ist da noch Potenzial vorhanden? Und: dass sich jeder für sich selbst überlegt, wie er dazu beitragen kann, dass in einer ja an sich sehr guten christlichen Gemeinde, wie ich sie erlebe, immer noch und wieder neu Verbesserungen, Veränderungen möglich sind, die Vermeidung von Rückschlägen nötig ist, weitere Annäherungen und Öffnungen wünschenswert sind – was kannst Du dazu beitragen? Was trägst Du schon dazu bei? Weiterhin oder neu?

Macht meine Freude dadurch vollkommen - der Aufruf des Apostels, wie ist er begründet, liebe Gemeinde? Das erschließt sich uns so richtig nur aus dem Kontext, dem Gesamtzusammenhang des paulinischen Denkens.

Paulus hat sich nicht auf den historischen Jesus berufen - den hatte er ja nicht gekannt. Und wohl auch nur wenig über sein wirkliches Leben gewusst. Und so beruft er sich auch nicht auf die ganzen Geschichten und Texte aus den Evangelien, wie auch: die wurden ja auch erst später geschrieben, es gab erst nur einzelne mündliche Überlieferungsstränge und vereinzelte Verschriftlichungen, was die Jesus-Tradition betraf.

Paulus war das Wesentliche offenkundig geworden durch Offenbarung, also Eingebung und wohl auch durch Kenntnisnahme aus zweiter Hand bekannt und klar: Jesus Christus ist für ihn die Verkörperung, „die Inkarnation“ für das „Dasein für andere“, durch seine Existenz in der Welt, durch Tod und Auferstehung. Und dieses „Christus-Prinzip: Dasein für andere“ setzt er in seiner Verbreitung des Christentums in die Welt hinaus konsequent um. Es ist ihm Leitfaden seiner Missionstätigkeit, seiner Gemeindeleitung und –betreuung, seiner Kritik und Ermutigung. Und den Glaubwürdigkeitstest besteht Paulus dadurch, dass er selbst auch dieses „Christus-Prinzip: Dasein für andere“ verkörpert, indem er seine Zeit, seine Kraft, sein Potential, sein Leben für die Sache Jesu Christi einsetzt bis in den Tod.

Liebe Gemeinde: Wir wissen nicht, ob Paulus gewusst hat, dass Jesus selbst einmal gesagt hat: „Wer sein Leben erhalten will, der wird´s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten.“ Aber er hat diesen Gedanken in der Sache Jesus-gemäß aufgegriffen und umgesetzt, unter Einsatz seines Lebens.

Das „Christus-Prinzip: Dasein für andere“ – machen wir uns darüber jeder persönlich Gedanken, wie wir das „Dasein für andere“ verwirklichen, für uns, in der Gemeinde –
die Orgel begleitet unsere Gedanken. Amen.

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier