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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt am 2. Sonntag nach Trinitatis von Pfarrer Johannes Habdank

Predigttext (Lukas 14, 16-24)
Jesus sprach: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.

Predigt:
Liebe Gemeinde,
die Geschichte „Vom großen Abendmahl“, wie die Überschrift in der Lutherbibel heißt, ist sehr facettenreich und vielschichtig. Genau genommen ist es keine Geschichte im Sinne eines historischen Berichts, sondern eine Beispiel- und Gleichniserzählung, die Jesus einmal an einem Sabbat im Haus eines Oberen der Pharisäer der versammelten Runde bei Tisch zu Bedenken gegeben hat.
Ich wähle für heute drei Aspekte aus, die mir besonders bemerkenswert erscheinen.

Erstens: Die Geschichte, die Jesus erzählt, ist jedem Hörer oder Leser unmittelbar emotional nachvollziehbar und eingängig. Denn wer hat nicht schon einmal die Erfahrung der eingeladenen Gäste gemacht, kurzfristig aus irgendeinem triftigen Grund eine wichtige Einladung ausschlagen und absagen zu müssen. Was einem natürlich unangenehm und auch peinlich ist und im Extremfall bis zum Beziehungsabbruch durch den Einladenden führen kann. Denn der Gastgeber – und das kennt wahrscheinlich auch jeder so oder so ähnlich – ist sauer, beleidigt bis nachhaltig gekränkt, denn die Absage vielleicht noch nicht eines Einzelnen, aber mehrerer Gäste versteht er als mangelnde Wertschätzung seiner Person und seines Hauses und als eklatante Missachtung. In der Erzählung Jesu haben sogar alle geladenen Gäste abgesagt: besonders schlimm - wie wir es auch heute noch selber als großzügige, wohlmeinende Gastgeber sehen würden.
Diese Erlebnisanalogie auf der Bildebene der Geschichte Jesu, die zeitübergreifend gegeben ist - diese Erlebnisidentität oder zumindest -vergleichbarkeit lässt uns als Hörer auch heute noch mit den handelnden Figuren in der Geschichte sympathisieren, wohl mehr mit dem Einladenden als mit den Eingeladenen, die unterschiedliche Motive haben für ihre Absage: Der eine will sich am Anblick seiner neuen Immobilie erfreuen – neuer Acker –, der andere will seinen neuen Fuhr- und Wagenpark auf seine Leistungskraft hin abchecken, inspizieren – fünf Gespanne Zugochsen, also eher mit Traktorenpark heute vergleichbar - , dem dritten ist die Beziehungskiste mit seiner jung anvertrauten Frau wichtiger - also: er bleibt lieber bei seinem jungen Glück.
Wobei er ja auch hätte sagen können: Ich komme gerne, aber nur, wenn ich meine Frau mitbringen darf, o.k.? Das war aber in der damaligen Gesellschaft noch nicht üblich. Und die Reproduktionsfunktion junger Ehen war mangels alternativer Altersvorsorge- und -sicherungssysteme vielleicht ja auch wirklich überlebenswichtig fürs Alter in einer agrarischen Gesellschaft. Einladung bei einem noblen Herrn hin oder her!
Und in diesem Stil könnte man sich nun, liebe Gemeinde, noch weiter wunderbar und mit einiger Phantasie noch lange auf der Bildebene der Erzählung aufhalten, die mit dem harten Votum des „Menschen, der zu einem Abendmahl einladen wollte“, endet: „Ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.“ Irgendwo ist auch mal Schluss!?
Soweit zur Bildebene mit ihren noch sehr viel mehr Details, auf die ich nicht eingehen möchte: das Wesentliche spielt sich auf der sog. Sachebene ab:

Also zweitens: worum geht es hinter dieser bildhaften Erzählung eigentlich?
Der überwiegende Mainstream der ntl. Ausleger sagt: Der Gastgeber ist Gottvater. Der Knecht, den er aussendet, ist Jesus, und die Eingeladenen sind zuerst einmal die frommen Eliten in Israel: Pharisäer, Sadduzäer, Priester und Leviten: Dann die die klassische Jesus-Klientel der ausgegrenzten „Sünder“ und Hilfsbedürftigen aller Art. Und als immer noch Platz im Hause des Herrn ist: die Fremden und Heiden aus anderen Ländern, Völkern und Religionen.
Eine andere Variante der Deutung lautet, etwas ideologisch verkürzend: Die zuerst Eingeladenen sind das Volk Israel, alle anderen die Heiden, alle, die nicht im engeren Sinne zum Volke Israels gehörten. Die erste Variante ist eher realitätsgerecht, sie entspricht auch der differenzierteren Ansicht Jesu selbst.
Jesus hatte sich zeit seines Wirkens durchaus bemüht, die Pharisäer, denen er frömmigkeitsgeschichtlich und bildungsmäßig besonders nahe stand, aber auch die Sadduzäer, Priester und Leviten für seinen Glauben an den großzügigen, liebenden, barmherzigen und vergebenden Gott zu gewinnen. Da er bei ihnen allen aber mehr oder weniger auf Granit biss, weitestgehend auf Unverständnis stieß, wandte er sich verstärkt und primär den Schwachen, Kranken, Heilungs- und Vergebungsbedürftigen aller Art zu, gegen jede religiöse und gesellschaftliche Regel und Konvention. Schließlich bezieht er in seinen Wirkungskreis auch noch die Nicht-Israeliten / Nicht-Juden mit ein, also die „auf den Landstraßen und an den Zäunen“, wie es heißt. Und es heißt an dieser Stelle dann missverständlicher Weise auch: „und nötige sie, hereinzukommen!“

Dazu eine Zwischenbemerkung: Diese Formulierung hatte wirkungsgeschichtlich fatale Folgen. Das Wort „nötige sie hereinzukommen“ (Vers 23) wurde im Mittelalter dazu herangezogen, die Mission der Völker durch das Schwert zu rechtfertigen. Es wurde sich dabei berufen auf Augustinus, eine Epistel aus dem Jahr 417 gegen damalige Abweichler und Gegner (Donatisten): „Wenn daher die Kirche durch die Macht, die sie von der göttlichen Gunst erhalten hat, zur gewollten Zeit mittels der Frömmigkeit und des Glaubens der Könige diejenigen zum Eintreten zwingt, denen man entlang der Wege und Hecken begegnet, das heißt in den Häresien und Schismen, dann dürfen sich diese nicht beklagen, gezwungen zu werden, sondern sie müssen auf das achten, wozu man sie zwingt.“ (nach: C.Schneider-Harpprecht, Predigtstudien 2014/15, S. 46)

Schlimm ist es und eigentlich tragisch, dass auf diese Weise jahrhundertelang der eigentliche Sinn der Erzählung vom großen Abendmahl kirchenpolitisch verdreht wurde und die Jesus-Geschichte missbraucht werden konnte, wurde.
Und was wäre der Sinn? Das ist der dritte und letzte Aspekt heute:

Eher formal kann man sagen: Die Einladung des Gastgebers steht für die Einladung ins Reich Gottes, also in die Lebenssphäre bzw. überall da, wo Gottes Wille geschieht, Liebe herrscht usw. – also eine schon jetzt beginnende Wirklichkeit, in jedem einzelnen Menschen, hoffentlich auch von uns, die aber ihrer Vollendung erst bei Gott in Ewigkeit finden wird. Wenn jemand kein Interesse daran hat, werden eben andere eingeladen, ja, und darüber wächst die Einsicht: alle sind gemeint, auch wenn nicht jeder mitmacht. Das ist das Eine, eine eher formale Deutung.

Die inhaltliche Deutung sagt: „Stell dir vor, es ist ein Fest, und keiner geht hin!“ Es ist ausnahmsweise ein Fest, und doch bleibt jeder im Alltag hängen. Sie bleiben alle bei ihrer Pflicht, statt die Kür mit zu tanzen, frei zu erleben und auszuleben! Sie machen und managen ihr Leben weiter wie immer, statt alle Fünf gerade sein zu lassen und das Leben gemeinsam zu feiern!

Ja, es geht in dieser Gleichniserzählung heute letztlich doch auch um zwei unterschiedliche Lebenseinstellungen und unterschiedliche ethisch-religiöse Lebensstile. Das kann man sich schön vor Augen führen, wenn man sich die Entschuldigungsgründe, um nicht zu sagen: Ausreden, der Eingeladenen noch einmal auf ihren Grundcharakter hin ansieht:
Ob Acker / Immobilie, Fuhrpark / Ochsengespann oder Frau / eheliche Pflichten: alle drei sind im Feld der Pflicht, dessen, „was man tut“, also der regelhaften Konvention, anzusiedeln.
Demgegenüber: die großzügige Einladung des Hausherrn zur Freiheit von alledem, zur Freiheit und Freizeit von der Alltagspflicht! Das Angebot der Einladung zur puren Freude und zum Feiern! Und weil es Gott selbst ist: die Einladung zur Überwindung der Pflichten und Zwänge dieser Welt! Eine Einladung, sie schon jetzt zu überwinden, wenigstens dann und wann!

Unser nächstes Fest ist das Sommerfest am 10. Juli. Natürlich nur ein kleiner Vorgeschmack auf das göttliche Fest, von dem Jesus geträumt, nein: an das er fest geglaubt und von dem er erzählt hat!

Der Gastgeber unserer heutigen Jesus-Erzählung sagt: Kommt, denn es ist alles bereit! Diese Worte haben wir in unsere christliche Abendmahlsliturgie aufgenommen. Denn auch das Abendmahl will zumindest eine Vorahnung, eine Vorgeschmack geben von unserer feierlichen Gemeinschaft bei Gott, die uns damit vermittelt werden möchte.

Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

 

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