Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

Aktuell >>

Liebe Gemeinde, dieses Jahr werden in unserer Gemeinde, so, wie es jetzt aussieht, insgesamt wieder etwa zwanzig Kinder getauft. Sie werden damit in die große Weltgemeinschaft der Christen aufgenommen. Getauft wird mit Wasser und durch den Heiligen Geist. Oft wollen die Taufeltern vorher gerne wissen, ob man die eigentliche Taufhandlung auch fotografieren dürfe. Hinter dieser Frage steckt so etwas wie eine Heilige Scheu, ob das Wesentliche im Bild aufgenommen werden dürfe, aber auch das Anliegen, eine dinglich-darstellbare Erinnerung festhalten zu wollen. Nun, solange es atmosphärisch den Gottesdienst, die Taufe nicht stört, geht das in Ordnung. lch sage dann aber immer dazu'. Das Wesentliche des Taufgeschehens ist eh wie eh unsichtbar. Keine Kamera der Welt kann es aufnehmen, was da passiert, wenn gesagt wird: ,,lch taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Es ist etwas darin, dahinter oder darüber hinaus, was wir nicht begreifen können, sondern nur glauben, und ,,glauben" heißt hier nicht,,nicht wissen", wie man oft hören kann, sondern darauf ,,vertrauen", dass der Heilige Geist mit diesem Kind sei, es leite und antreibe in seinem Leben, begleite und auch tröste, wenn es traurig ist. Auch wenn l\lutter oder Vater, die Großeltern oder die Kindergärtnerin das Kind trösten: dass mensch!icher Trost und menschliches Leben des Kleinen gelingt, ist Geistes Werk.

Was ist das für ein Geist, dieser christliche ,,Heilige Geist"? Denken wir an Pfingsten, dann ist der Heilige Geist ein Geist der christlichen Kommunikation, der über alle Volks- und Sprachgrenzen hinweg die Menschen miteinander ins Gespräch bringt und sie im Glauben verbindet. Wie Schleiermacher, der bedeutendste protestantische Theologe und Prediger nach Luther den Heiligen Geist genannt,hat: ,,christlicher Gemeingeist", der uns Christenmenschen gemeinschaftsbildend dazu bewegt, aufeinander und gegeneinander einzuwirken: aufeinander und gegeneinander.

Ja, auch gegeneinander: Konflikt innerhalb der Kirche kann konstruktiv auch als geistgewirkt wahrgenommen werden, eine Anregung Schleiermachers zur positiven Sicht einer Kirche, die nicht immer nur heile und homogene und heilige Gemeinschaft zu sein vorgibt, es in Wahrheit aber kaum ist, aber alle dazu verpflichtet - sondern eine Kirche, in der diskutiert wird und in der man sich auch streitet, ohne Hass, so wie man bs auch einmal mit sich selber tut. Das darf alles sein. Gemeinschaft ja, aber in Unterschiedenheit und Abgrenzung, weil man eben in wichtigen Punkten selbst anders glaubt. Das ist ein belebendes Element und ist nach moderner Auffassung seit Schleiermacher, also seit etwa 200 Jahren theologisch durchaus legitim, möglich und erwünscht, entspricht sogar dem Wesen des Christentums in seiner Geschichte von Anfang an - wie hätte das Christentum sich sonst, meist über Kontroversen und Konflikte, immer weiter entwickelt? Entsprechend ist für eine lebendige Kirche auch heute Vielfalt gefragt, Diskussion, geistgewirkt, das heißt, ohne dass ein Christ dem anderen, sei er auch noch so anders, den christlichen Geist – und der Geist weht bekanntlich, wo er will - abspricht.

Liebe Gemeinde, noch einrnal: was ist das für ein Geist, dieser chrisiliche „Heilige Geist"? was ich dazu bisher gesagt habe, das hat dem einen Aspekt des Heiligen Geistes gegolten: als des Geistes christlicher Kommunikation in Einheit und Vielfalt, Gemeinsamkeit und Widerspruch, als des Geistes des christlichen Diskurses unter den vielen Gläubigen, die ja letztlich unsichtbar eins sind darin, dass sie alle an Jesus Christus glauben. Was noch verbindet sie, die vielen? Dazu sagt uns der heutige Predigttext - nicht alles, aber etwas Entscheidendes.

Er steht im Römerbrief des Apostels Paulus, Kapitel 8, die Verse 14-17: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber vaterl Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden."

Also: Kein knechtischer, sondern ein kindlicher Geist, heißt es, soll der Geist sein, der uns bestimmt. Das ist der zweite Aspekt des Heiligen Geistes. Damit ist gemeint, dass wir einem Gott zugehören und glauben, der von uns wohl auch vieles fordert: er begegnet auch uns Christen etwa in den 10 Geboten, im Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, das ja von Jesus durch das Gebot der Feindesliebe auch noch zugespitzt wird. Aber für uns gelten diese Gebote unter der Voraussetzung eines von Jesus entscheidend neu akzentuierten, anderen Gottesbildes. Nämlich der Vorstellung von dem Gott, der - trotz aller Forderungen und Gebote - wesentlich Liebe ist, der barmherzig ist und vergibt - er gibt uns täglich eine neue Chance.

Und der Heilige Geist, der rn uns ein ,,kindlicher" sein soll? Was der Apostel im Sinne Jesu meint, ist ein Vertrauensverhältnis zu Gott, zum Urgrund, tragenden Grund und Hintergrund unseres Lebens. Für dieses Verhältnis steht bei Jesus wie bei Paulus die Kind-Vater-, oder wie man heute sagen würde, die Kind-lVlutter- bzw. die Kind-Elternbeziehung. Also diese Symbiose. Und zwar so, wie wir es aus einer bestimmten kindlichen Entwicklungsphase kennen, in der das Kind zu seiner Umwelt und zu seinen unmittelbaren Bezugspersonen noch ein völlig offenes, ungebrochenes und direkt vertrauendes Lebensverhältnis hat. Das ist, zumindest in vollem Umfang, nicht lange so in der Entwicklung eines Kindes. - lch bin der Auffassung, dass dieses Symbiose-Thema bei jedem [Venschen ein Leben lang virulent ist. lch habe das selbst schon oft erlebt mit hochaltrigen Menschen, die, zurn Teil angehend dement oder auch in Todesnähe, auf einmal nur noch von ihrer Mutter oder ihrem Vater reden und – hoch betagt - fast schon wieder leben wie die Kinder. Es scheint mir, als dass dieses Kindesbewusstsein, das zwischendurch im Leben über viele Jahre und Jahrzehnte zurückgedrängt wurde, auf einmal im hohen Alter und bei Demenz wieder verstärkt hochkommt: Wo ist meine Mutter, wo ist mein Vater? Du pflegst plötzlich wieder direkten Umgang mit ihnen. Da sind sie doch! Und ich bin bei ihnen. Wir sind wieder eins. Das Leben findet wieder eine Geborgenheit, wie sie offenkundig kein lebender Mensch geben kann. Das ist die nicht läppische, die tatsächlich oft stattfindende, wahre Wiederverkindlichung im hohen Alter, demenzbedingt und / oder gegen Ende hin, dass du dich deinen Vertrautesten im psychisch-geistlgen Vorgriff und in der Vorstellung, die aber als real erlebt wird, anzunähern beginnst an die, die dir vorangegangen sind"

Nun, Jesus und Paulus hatten nicht das Alter vor Augen, sondern die Kinderzeit. Genau so unmittelbar wie bei diesem symbiotischen Kindbewusstsein oder, besser gesagt, -gefühl sollte das Verhältnis eines Christen zu Gott sein. Sein Leben empfangen und jeden Tag wieder neu nehmen aus Gottes Hand. Sich von Gott getragen fühlen. Von allen anderen menschlich-irdischen Abhängigkeiten, die es faktisch 1a zahlreich gibt, innerlich frei sein, weil du weißt, letztlich ist da ein anderer, der immer für dich da ist. Jesus selbst hat uns das vorgelebt, sein Leben lang, soweit wir davon Kenntnis haben, und auch, als es für ihn ins Leiden und ans Sterben ging.

Und das ist der dritte Aspekt des Heiligen Geistes und der ihm entsprechenden Gotteskindschaft , dass wir Ch ristenmenschen nötigenfalls auch zum - unausweichlichen - Leiden bereit sein sollen, wie Jesus selbst es war und es uns vorgemacht hat. Das ist etwas eher Unangenehmes, um es mild zu sagen, sozusagen die ,,Nagelprobe" unseres persönlichen Gottesglaubens. Dass wir auch dann, wenn es uns schlecht geht, nicht von dem Glauben lassen, dass es einen Höheren gibt, der uns auch in schweren Lebenskrisen durchträgt, auch im Leiden und im Sterben. Wenn wir nicht mehr wissen, wie es weiter geht, dann. vertrauen ins Dunkle und Ungewisse hinein. Da soll uns geistgegeben sein?

Das fällt nicht leicht, da sträubt sich etwas natürlicher Weise in uns – wie bei Jesus selbst ja auch. Und das ist sympathisch an ihm, verbindet uns mit ihm, dass er, Jesus selbst, sich ja auch erst gesträubt hat gegen seinen Leidensweg: ,,Vater, ist's möglich, so lass diesen Kelch an mir vorüberziehen" - das hat er im Garten Gethsemane gebetet; er hat aber dann auch gebetet: ,,Doch nicht, was ich will, sondern, was du willst!" Das beten wir in jedem Gottesdienst, auch wenn uns das vielleicht nicht immer bewusst ist, was wir da sagen - im Vaterunser: ,,Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden." Wir fügen uns deiner höheren Macht, o Gott, deinem Willen. Was du willst, soll Wirklichkeit werden.

Darin, liebe Gemeinde, werden wir, wie der Apostel sagt, Gottes Erben und Miterben Christi. Dieses ,,Erbesein" ist übrigens nicht in naturwissenschaftlichen Kategorien zu fassen. Auch nicht irgendwie genetisch zu verstehen, auf Deutsch gesagt: Wir haben kein Christen-Gen. Das wäre unzulässiger Biologismus in der Religion im Christentum. Wir sind im Sinne des Apostels eine Art geistig-geistliche Nachfolgegemeinschaft Jesu Christi und damit Verlängerung und Teil seines Wortes und seiner Geschichte. Dieses Erbesein gilt nicht nur in guten Zeiten, sondern auch in schlechten, ,,bösen". Dass wir auch da bereit sind, aus Gottes Hand unser Leben zu empfangen und es zu nehmen, wie es kommt, und vertrauen ins uns Ungewisse hinein, darin sind und bleiben wir seine Kinder. Wenn uns dieser Glaube gegeben ist, sind wir Christi Miterben.

Und Gott wird, wie für ihn, so auch für uns immer da sein, ob offen und spürbar, oder auch nur ganz verdeckt und heimlich, geheimnisvoll: Wie ein altes Kindergebet sagt, das viele von klein auf kennen, und unsere Schulkinder in Aufkirchen auch alle lernen, damit ihnen für's Leben Halt und Rückhalt im christlichen Heiligen Geist gegeben wird.

Wo ich gehe, wo ich stehe, ist der liebe Gott bei mir. Wenn ich ihn auch niemals sehe, weiß ich sicher, Gott ist hier. - lm Geiste.
Amen.
Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier