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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt am Sonntag Misericordias Domini (2. Sonntag nach Ostern) über die Evangeliumslesung Johannes 10, 11-16. 27-30

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
Der Mietling aber, der kein richtiger Hirte ist, weil ihm die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie. Denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe, denn es liegt ihm an ihnen nichts. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein. … Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.

Herr, gib trübe Augen, für Dinge, die nichts taugen, und Augen voller Klarheit für dich und deine Wahrheit. Amen.

Liebe Gemeinde!
Eine herausragende Nachricht der vergangenen Woche war sicherlich die vom Tod des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Günter Grass – 87-jährig in seinem Wohnort Lübeck gestorben. Vieles konnten Sie in den letzten Tagen von seinem schriftstellerischen, zeichnerischen und bildhauerischen Schaffen lesen, sehen und hören, viel von seinem politischen Engagement und seiner Bedeutung für die deutschsprachige Nachkriegsliteratur. Der Literaturkritiker Kritiker Denis Scheck sprach sogar von einem „Jahrhundertverlust“. Nun, hier und heute ist nicht der Ort auf das gesamte Wirken von Günter Grass zurückzublicken. Doch einen Aspekt möchte ich dennoch nennen – mit Blick auf den heutigen Sonntag Miserikordias Domini, der auch der „Sonntag des Guten Hirten“ genannt wird und mit Blick auf den gehörten Evangeliumstext.

Günter Grass erhob seine Stimme zu vielen politischen und gesell-schaftlichen Themen, oft mahnend und kritisierend, nicht immer zu-treffend, ohne Angst davor, anzuecken. Stets der Wahrheit verpflichtet, wobei er in seiner Nobelpreisrede 1999 gesagt hat: „Was macht Bücher und mit ihnen Schriftsteller dergestalt gefährlich, dass Staat und Kirche, Medienkonzerne und Politbüros sich zu Gegenmaßnahmen gezwungen sehen? Selten sind es direkte Verstöße gegen die jeweils herrschende Ideologie, denen Schweigegebot und Schlimmeres folgen. Oft reicht der literarische Nachweis, dass die Wahrheit nur im Plural existiert – wie es ja auch nicht nur eine Wirklichkeit, sondern eine Vielzahl von Wirklich-keiten gibt.“

Wahrheit nur im Plural? Viele Wirklichkeiten? Da spricht das heutige Evangelium eine andere Sprache, als Gegenstimme von vor bald 2.000 Jahren: Eine Herde und ein Hirte, heißt es da: In Jesu Rede vom Guten Hirten ist kein Platz für die vielen Wahrheiten und Wirklichkeiten eines Günter Grass. Dennoch mag man Günter Grass einen „intellektuellen Hirten“ nennen, er selbst sah sich wohl gerne als „republikanischen Wanderprediger“, wie es in diesen Tagen zu lesen war. Eine weitere Stelle aus der Nobelpreisrede von 1999 finde ich noch bemerkenswert, am Schluss: „Ihr schlimmstes Vergehen (das der Schriftsteller) jedoch bleibt, dass sie sich in ihren Büchern nicht mit den jeweiligen Siegern im historischen Verlauf gemein machen wollen, sich vielmehr dort mit Ver-gnügen herumtreiben, wo die Verlierer geschichtlicher Prozesse am Rande stehen, zwar viel zu erzählen hätten, doch nicht zu Wort kom-men. Wer ihnen Stimme gibt, stellt den Sieg infrage. Wer sich mit Verlierern umgibt, gehört zu ihnen.“
Sich an die Seite der Verlierer zu stellen – das ist gutes christliches Handlungsmuster, das Günter Grass, Sohn eines protestantischen Vaters und einer katholischen Mutter, von ihr geprägt in jungen Jahren Messdiener, vielleicht in seiner Kindheit gelernt hat. Später distanzierte er sich von der katholischen Kirche, aus der er 1974 ausgetreten ist.

Nun, so vieles man vielleicht von dem immer auch sehr umstrittenen Günter Grass lernen können mag: ein Vergleich mit dem Guten Hirten Jesus verbietet sich und wäre auch nicht in Grass´ Interesse, von dem die FAZ zu seinem Tod schrieb: er sei ein Reisender in Sachen Welt-moral gewesen, „beauftragt von der wohl einzigen Instanz, an die er uneingeschränkt zu glauben vermochte: sich selbst.“

Doch wer ist für uns der gute Hirte? An wen glaube ich da als Christ? Die Rede vom Hirten und den Schafen ist ja ziemlich in Misskredit geraten. Wer will schon Schaf sein? „Ich bin ja so ein Schaf!“ – das gesteht man sich auch nur ungern, zögerlich ein! Es wird auch nicht gleich besser, wenn ich weiß, dass Jesus der Hirte ist. Zu fremd ist heute allgemein auch die Vorstellung vom Hirten und den Schafen. Wer kennt dieses Bild noch aus eigenem Augenschein und Erleben? Wenn der Hirte mit weni-gen Worten eine große Herde führt und die Tiere ihm folgen. Hilft es, die-ses Bild ins Heute, in mein Leben zu übertragen? Was macht ein Schaf aus, das auch für mich wichtig sein könnte? Es hört auf die Stimme des Hirten, erkennt sie und folgt ihr.

Nun: Auf jeden Menschen prasseln heute ungezählte Stimmen ein. Und wir wissen alle auch um die Verführbarkeit des Menschen. Die alten Stimmen, vor denen auch Günter Grass zeitlebens mahnte, weil oder obwohl er selbst eine Zeitlang auf sie hörte, wie er erst sehr spät bekannt hat, sind noch immer nicht verstummt, im Gegenteil, die Zahl ihrer Zuhörer scheint wieder zu wachsen, nicht nur in unserem Land. Blicken wir nach Frankreich, oder auch bald nach Großbritannien. Und: es gibt täglich die Verführung im Kleinen. Wenn ich mit einstimme, wenn über andere gelästert wird oder zumindest dazu schweige; wenn ich auf die Verführungsversuche von Geld-Ideologen oder raffiniert angelegte Werbung hin unkritisch bleibe, ja auf sie hereinfalle. Die ganze tägliche, ja Rund-um-die Uhr-Stimmenvielfalt und –Flut!

Wie soll man da die Stimme des Guten Hirten erkennen?
Indem ich mich persönlich kritisch auf das Wesentliche besinne, auf die Stimme, die ich in mir vernehmen kann, die Stimme, die über alles hinausweist und mich doch hineingestellt sein lässt in dieses Leben, um es gut zu leben. Sie herauszuhören versuche, sie, die wohl wahre und richtige Stimme aus der Kakophonie der vielen Stimmen heraus höre, die auf mich einwirken. - Indem ich mich auf den Originalton Jesu konzentriere, der uns in den Evangelien ja doch vielfach, zumindest sinngemäß überliefert ist. Indem ich mich darauf besinne! Dazu ist es wichtig, wie auch sonst mal im Leben, nicht ewig nur immer sich selber hören zu wollen – was ja angeblich ein Problem nur von Frauen, aber nein: genauso auch von Männern ist, auch schon im Konfirmandenalter, weil es ein allgemein menschliches Problem ist. Ja, es ist schwierig, nicht nur auf sich selbst zu hören oder den permanenten eigenen inneren Dialog einmal nicht vor das Hören einer anderen, geschweige denn höheren Stimme zu schieben, wie einen Filter, der gar nicht erst nach innen durchlässt, was ich nicht mag, meine oder kenne. Das ist schwierig. Was hilft dazu? Es hilft, selbst zunächst die Konzentration in Stille zu suchen, still zu werden. Und dann herauszuhören, zu erspüren, was das Wahre und Richtige sei, sein könnte. Im Bild: Was der Hirte sagt und will. Und oft ist dann immer noch nicht ganz klar: Ist es das? Ist ER das mit seinem Willen für mich? Orientierung für die eigene Lebens-situation – sie ist gesucht! Und gefunden?

Mit dem Hören allein ist es noch nicht getan. Ein Schaf, das die Stimme des Hirten nur hört, aber selbstgenügsam auf der Weide bleibt – das Gras ist ja so schön grün und saftig! –, sich nur um sein eigenes Fressen kümmert und nicht der Stimme des Hirten folgt, das verliert den Kontakt zu ihm und zur Herde.

„Meine Schafe hören meine Stimme und folgen mir“, sagt Jesus. Das Befolgen der vernommenen Stimme gehört also dazu. Wie geht das? Möglichkeiten gibt es biblisch-christlich-traditionell viele, wie das aussehen könnte:
Teilen mit denen, die zu wenig zum Überleben, zum Leben haben; denen helfen, die Hilfe brauchen und auch wollen; Einsame besuchen, sich um Kranke kümmern, Kranke in einem Krankenhaus wie hier in der MS-Klinik können auch einander zuhören, machen das und unterstützen sich gegenseitig. Auf die Stimme des Hirten in diesem Sinne zu hören und ihr zu folgen, das ist kein Kadavergehorsam, sondern bewusstes und auch reflektiertes Vertrauen und Tun.

Es fragt sich natürlich: warum soll ich gerade diesem Hirten Jesus Christus folgen? Warum gerade Jesus glauben und nicht doch vielleicht - mir selbst, wie es von Günter Grass gesagt wurde?
Die Antwort haben wir im Prinzip vor zwei Wochen gefeiert. Jesus gibt sie selbst in den Worten, die wir gerade gehört haben: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. … Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“

Jesus, der Gute Hirte, ist – in traditioneller Kirchenauffasung – erstaun-licherweise zugleich selbst das Lamm, das einen, ja den Opfergang schlechthin gegangen ist. Er hat sein Leben für uns gegeben, für seine Jünger und Menschen: damals wie heute. Denn er ist für seinen neuen Glauben an den bedingungslos liebenden und vergebenden Gott Vater, der in den Schwachen mächtig ist, ans Kreuz gegangen; er hat genau für die Lebenshaltung und neue radikale Ethik der Grenzüberwindung und der Heilung, körperlich, seelisch-geistig, sozial, – in der Konsequenz dieses seines Programms hat er für diese Menschen damals und für alle, die sich von ihm beeindrucken lassen, sein Leben gelassen, um allen, die an ihn glauben, also die damit persönlich existenziell etwas anfangen können, Vergebung, Überwindung von Grenzen im Leben und im Tod zu geben.
„Und was habe ich davon?“, kann man skeptisch fragen?
Dass ich hoffen darf, auch das Schwere im Leben besser zu ertragen;
eine Hoffnung, die mich aufrichtet, wenn das Leben niederdrückt; an die ich mich auch dann klammern kann, wenn alles andere nicht mehr hält.

Und ich frage Sie und Euch alle: Was braucht man denn mehr, was hätten wir nötiger? Da kann er, Jesus, zu meiner und Deiner Stimme der Hoffnung werden. Ich wäre - nein, kein Schaf, sondern – ein Narr, wenn ich auf einen solchen Hirten nicht hören und ihm nicht folgen würde.
Und wer will schon ein Narr sein?
Amen.

Und der Herr sei mit Eurem Geiste. Amen.

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