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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt: Herr, gib trübe Augen, für die Dinge, die nicht taugen, und Augen voller Klarheit für dich und deine Wahrheit. Amen. -

Erschütternde Szenen, liebe Gemeinde! Angehörige stehen in einigem Abstand und schauen hin auf den Ort des Sterbens.
Wie damals Jesu Mutter und alle, die bei ihr waren, so heute die Menschen, die Familien der Opfer, in den französischen Alpen, wo das unfassbare Unglück geschah. Da stehen sie und schauen hinüber und können nichts tun, es ist zu spät, es ist vorbei, es gibt keine Rettung mehr, die Zeit, das Geschehene lässt sich nicht rückgängig machen, Einwände können nicht mehr geltend gemacht werden, alles Bitten und Flehen wäre umsonst. Es war, ist und wird sein eine Welt des Leidens, liebe Gemeinde! Dessen machen uns beide Bilder – das vom Absturz und das vom Kreuz - unausweichlich gewiss: stellvertretend für so viele andere Bilder des Schmerzes, des Kummers, des Unheils in dieser eigentlich doch auch so schönen Welt.

„Warum“ das so sein musste? Diese Frage stellt sich in vielstimmigem Chor und bleibt wie immer ohne befriedigende Antwort. Wie heißt es in der antiken Tragödie „Antigone“ des Sophokles im 1. Standlied des Chores: Vielgestaltig ist das Ungeheure, und nichts ist ungeheurer als der Mensch. Ja, alle Deutungs-, Erklärungs-, Verstehensversuche, was diesen unseligen Mann dazu hat bringen können, 149 Menschen mit in den Tod zu reißen, helfen nicht; und schon gar nicht können sie trösten. Wäre es ein technischer Defekt gewesen, dann könnte man sagen: „So ist das nun mal, selbst beim „sicheren“ Fliegen. Da war unser Kind / mein Mann / meine Mutter – leider – zur falschen Zeit am falschen Ort.“ So aber droht es einen in den Wahnsinn zu treiben. Viel beunruhigender als ein Turbinenschaden oder Materialermüdung ist und bleibt das Risiko, genannt Mensch. Darum hat der Vater eines der Absturzopfer für sich entschieden: „Ich will die Gründe, die dieser Mensch gehabt haben mag, gar nicht wissen. Denn meine Kraft werde ich für etwas anderes brauchen, was vor mir liegt: der sehr lange und dunkle Weg des Trauerns um meinen Sohn.“

Liebe Karfreitagsgemeinde, wir glauben doch an Gott als den Schöpfer, Erhalter und Bewahrer des Lebens. Darum fragen wir natürlich auch immer wieder – zu Recht – was von einem Gott zu halten sei, der so etwas zulässt beziehungsweise nicht verhindert. Wir rühren damit etwas an, das zutiefst mit dem heutigen Karfreitag verbunden ist. Was waren das für Menschen, die Jesus verurteilt, verspottet, seine Kleider unter sich geteilt und ihn mit Essig getränkt haben? Wie konnte Gott sie gewähren lassen? Wie kann er heute die gewähren lassen, die – sich auf ihn berufend – foltern, enthaupten, zerstören, was ihnen nicht in den Kram, ins Konzept passt? Könnte, ja müsste der Allmächtige da nicht Einhalt gebieten? Zumindest irgendetwas tun? Dem unselig kranken Mann eine Magenverstimmung bereiten am Tag seiner Wahnsinnstat, ihn handlungsunfähig machen, so dass er gar nicht fliegen kann?

Wer ist Gott? „Der seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet …“, wie es im Lutherdeutsch heißt? Wozu sollte, wozu kann das gut sein? Und: Dass wir diese alte Geschichte von Folter und Mord eines unschuldigen Menschen, von Jesu Sterben, an diesem Tag heute immer wieder vortragen, wie soll uns das Hoffnung schenken? Karfreitag, „der höchste protestantische Feiertag“? Sollten wir nicht besser den Mantel des Schweigens über diese Geschichte decken? Sollten wir nicht auch das christliche Symbol schlechthin, das Kreuz, infrage stellen als ein Marterwerkzeug, das uns einen finsteren Gott zeigt, der es nicht so gut mit uns meint? Sollten wir uns nicht lieber anderen Gottesbildern zuwenden: dem Licht, der Sonne, dem fruchtbaren Acker, der Schönheit?

Warum hat Gott seinen Sohn, sein Kind, sein Ein und Alles nicht verschont, sondern sterben lassen? Von der Beantwortung dieser Frage hängt viel ab für unseren Glauben. Für unsere Suche nach Glauben, nach etwas, das trägt und uns getrost leben lässt „trotz allem“.

Ich weiß nicht, wie Sie zu den Deutungen des Todes Jesu stehen, die es ja gibt, immer noch gibt, etwa, dass er damit für unsere Sünden bezahlt habe, unsere große Schuld getilgt … mir leuchtet sehr viel mehr ein, was einmal der Schweizer Pfarrer und Lyriker Kurt Marti angesichts der Beerdigung eines Kindes gesagt hat: Er könne den schweren Gang der Eltern nur begleiten in dem Gedanken, dass Gott wisse, wie sich das anfühlt. Gott weiß, wie sich das anfühlt. Gott leidet mit uns, geht unseren Weg mit, durch alle Tiefen, bis zum Ende.

Das beantwortet aber noch nicht die Frage, warum er dem Leiden in seiner Schöpfung, ob Tier oder Mensch, so viel Raum gegeben hat. Die Antwort darauf müssen wir wohl auf den Augenblick verschieben, wo wir ihn dann sehen „von Angesicht zu Angesicht“. Für jetzt aber können wir festhalten: Er weiß es. Er kennt das. Und lässt uns nicht allein damit.
So kann Raum frei werden, für das, was es zu bewältigen gilt, wenn es in unserem Leben einmal so weit ist, dass der Schmerz ins Haus steht, dass Abschied genommen werden muss.

Was die Angehörigen und Freunde der Opfer des Flugzeugabsturzes brauchen, so wie alle, die es nicht fassen können, dass ein Mensch nicht mehr da ist? Zeit. Viel Zeit und Ruhe und Kraft zum Trauern. Und: Menschen an ihrer Seite.
Jesus hat ja noch gelebt, als seine Mutter zu ihm hinschaute. Er hat noch für sie sorgen können, indem er ihr und den Seinen eine Aufgabe gestellt hat: Eine neue Familie zu bilden. Darauf läuft es wohl hinaus, wenn wir Abschied nehmen müssen und die Zeit zum Trauern finden. Da werden – nach wie langer Zeit – wieder Menschen sein. Für die und mit denen zu leben sich wieder lohnt. Auch wenn die Wunde sich nie schließt. Da werden wieder Menschen sein.

Doch bevor es so weit ist, braucht es schlichtere Hilfe und Begleitung durch Personen wie Sie und mich – denn der Kummer und der Schmerz, sie wohnen nicht nur irgendwo in den fernen Bergen, wie dieser Tage so bedrückend, sondern so oder so immer auch in unserer Nachbarschaft: Auch hier braucht Menschen, die etwas ganz Großes und Schweres beherrschen: nämlich Zurückhaltung und Nähe zugleich. Zurückhaltung, was vorschnell tröstende Worte betrifft. Auch (oder gerade?) Bibelworte können manchmal auch fehl am Platze sein, weil vorschnell, weil zu direkt in der Situation, weil eher Vertröstung statt Trost. Trost liegt oftmals mehr im Schweigen, im Mit-Schweigen. Im Aushalten, im Mit-Aushalten dessen, dass Trost eben sehr ferne ist. Und eben im Da- und Nahe-Sein, im Nicht-Weglaufen oder -Fliehen. Man flüchtet sich ja nur zu gerne in Worte oder Bilder, die noch gar nicht dran sind. Und versucht damit eher, sich selbst zu trösten.

Nicht nur, aber besonders heute am Karfreitag und von ihm her gilt: Angesichts des Leidens - mal schweigen und es aushalten. Darum keine Blumen hier. Keine Kerzen, die brennen. Nicht heute. Nicht am Tag der Klage, des Kummers und der Trauer.
Können wir das ertragen? Aushalten? Bis zum dritten Tag? Im realen Leben trauernder Menschen dauert die Trauer eher drei Jahre oder länger, als drei Tage!

Auch wenn wir am Karfreitag um Ostern wissen: Versuchen wir es: zu schweigen und auszuhalten.
Amen.

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