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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt über Römer 8,18-25 von JH, 1.3.2015, Aufkirchen, LaK

Liebe Gemeinde,
mit dem Leidensthema werden wir jedes Jahr in der Passionszeit konfrontiert: da bedenken wir den Leidensweg, den Kreuzweg Jesu Christi, etwa indem wir einige Passagen aus der Passionsgeschichte, heute des Johannesevangelisten als Lesung gehört haben.

Mit den Themen Leiden und Tod werden wir davon unabhängig aber auch dann und wann persönlich unmittelbar konfrontiert, wenn zum Beispiel im Bekanntenkreis oder in der Familie ein Mensch ins Leiden gesetzt ist und stirbt oder, wenn wir ans Grab eines lieben Verstorbenen gehen. Und da stellt sich ganz unvermeidlich die Frage nach der Perspektive über das Grab hinaus: bezogen auf den gestorbenen Menschen, aber auch auf uns selbst.

Mit den Themen Leiden und Tod und Ewigkeit werden wir befasst, wenn wir über Unbegreifliches ins Bild gesetzt werden, wenn bei größeren Unfällen, bei Terroranschlägen, durch diktatorische Regimes, durch Hinrichtungen, bei so vielen Kriegen, x Einzel-, Selbst- und Massenmorden, bei Hungerkatastrophen oder durch Seuchen unzählige Menschen grauenvoll ums Leben kommen. Das zahlreiche Sterben an noch nicht therapierbaren Krankheiten macht uns Angst und für uns selbst auch ratlos – und wenn immer wieder bei Naturkatastrophen ganze Landstriche verwüstet werden und viele Menschen ihr Leben lassen müssen, dann erleben wir das als völlig sinnlos. Und das massenhafte Krepieren von Tieren kann uns sprachlos machen. Vom täglichen Aussterben von Tier- und Pflanzenarten ganz zu schweigen.

Alles Leben ist Leiden, ein Grundgedanke des Buddhismus – könnte man auch als Christ unterschreiben. Es ist ein Leben zum Tode. Wie sieht es mit Leben darüber hinaus aus? Zu dieser Fragestellung passt der heutige Predigttext, seine Worte stehen geschrieben beim Apostel Paulus im Brief an die Römer, Kapitel 8, 18-25, und lauten:
Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.
Liebe Gemeinde, fünf kurze Gedanken zu diesem Paulus-Text.

1. Das eine Großartige an diesen Worten des Apostels Paulus ist, dass er hier nicht nur über die Christen spricht, sondern auch von den anderen Menschen, ja auch allem Außermenschlichen, dem ganzen Kosmos als der Kreatur, die vergänglich ist. Die Schöpfung insgesamt ist vergänglich. Und diese Vergänglichkeit ist nun nicht etwas, womit man sich schmerzfrei, stoisch unerschütterlich oder mit reflektierter Gefühlskälte abfinden kann. Nein, diese Vergänglichkeit wird in alter biblischer Tradition, durchaus auch anschlussfähig an die Klassiker der griechischen Tragödie, als unausweichlich gegebene Knechtschaft und gottgegebenes bedrückendes Schicksal erlebt und gedeutet. Entsprechend liegt hier keine gleichgültig-trostlose Zustandsbeschreibung der allgemeinen Vergänglichkeit vor. Nein, es wird aus Mitgefühl heraus der Kreatur abgelauscht, dass sie seufzt und sich ängstigt. Der Kreatur – das heißt hier: der gesamten Schöpfung, allem Außermenschlichen, allen Menschen, auch den Christen selbst.

2. Es ist ebenso beeindruckend an diesen Worten des Apostels Paulus, dass völlig realistisch festgestellt wird, dass auch die Christen, von denen ja mit Vorliebe von Skeptikern und Nihilisten im Anschluss an Nietzsche verlangt wird, „erlöster müssten sie mir aussehen“ - dass dagegen, so Paulus, auch die Christen keine existenziellen Sonder-konditionen genießen. Auch Christenmenschen sind noch nicht endgültig getröstet, sie wandeln nicht mit einem milden Lächeln auf den Lippen engelsgleich durch die Welt, sie führen kein harmlos-unbelastet-freund-liches Leben, kein Paradies auf Erden! Auch Christenmenschen seufzen genauso in sich selbst und sehnen sich nach Erlösung wie die ganze Kreatur - nach der Erlösung unseres Leibes, heißt es. Das bedeutet bei Paulus: der menschlichen Person. Die menschliche Person des Christen ist genauso geprägt und gezeichnet von Leiden, Tod und Vergänglichkeit wie jeder und jedes andere Geschöpf, die Schöpfung insgesamt auch.

3. Das dritte Großartige an den Worten des Apostels ist die Perspektive, die eröffnet wird. Das Seufzen und Sehnen nach Erlösung, das in allen angelegt ist, ist nicht Irrtum. Nach dem Tod kommt auch nicht banaler Weise einfach Nichts. Was sollte das auch sein? Sondern durch Tod und Vergänglichkeit hindurch wird kommen Vollendung der Schöpfung als Freiheit, Entlastetsein von der Knechtschaft, dem lähmenden Existenzdruck der Vergänglichkeit. Wir alle, Christen, alle anderen Menschen, die ganze außermenschliche Schöpfung – alles wird in Unvergänglichkeit eingehen. Und Paulus nennt diese Freiheit von der Knechtschaft und von diesem Druck der Vergänglichkeit „herrlich“.

4. Die Vollendung in Herrlichkeit, liebe Gemeinde, ist aber den Christen durch den Geist Gottes nur in Form der Hoffnung auf diese Vollendung gegeben, mehr nicht, aber auch nicht weniger. Es ist eine endgültige Aussicht, deren wir uns gewiss sein sollen. So legt es uns der Apostel nahe. Im Prinzip sind wir durch die endgültige Perspektive der Erlösung jetzt schon von der Bedrückung durch Leiden, Tod und Vergänglichkeit befreit – nicht von Leiden, Tod und Vergänglichkeit selbst, sondern von ihrer bedrückenden Wirkung – davon sind wir befreit und gerettet, leben aber noch unter den Bedingungen der Vergänglichkeit. Und das spüren wir täglich und können es nicht nur in der Passionszeit, sondern müssen es auch sonst allerorten in der Welt beobachten und miterleben: in den vielen kleinen Welten, in denen wir uns bewegen, und in der großen weiten Welt.

5. Wie sich die Hoffnung auf die Erlösung unter diesen Bedingungen im Leben verwirklichen lässt, das ist die letzte, abschließende Frage. Der Apostel sagt: Wenn wir auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. Das ist das entscheidende Stichwort und die Empfehlung am Ende: Geduld! Dass wir als Christen nicht überheblich wer-den, weil wir meinen, das endgültige Heil sei uns bereits jetzt gegeben. Wir sehnen und seufzen mit der ganzen Kreatur und warten. Dass wir daher in Geduld mit den Fragen und Problemen umgehen, die sich im weiten Feld von Leid und Tod und Vergänglichkeit unserer selbst und unserer Weltwahrnehmung uns stellen. Diese Geduld kann sich im täg-lichen Umgang mit unseren Mitmenschen so darstellen, dass du nicht anmaßend andere wegen menschlicher Schwächen oder Fehler abfer-tigst, sondern Mitgefühl zeigst, weil du weißt, dass alle Kreatur – auch du – unter denselben Bedingungen von Leiden und Vergänglichkeit und Begrenztheit leben müssen, Schwächen und Fehler haben und machen und auch darunter leiden, eingestanden oder uneingestanden. Geduld heißt schließlich, selbst in sich die Spannung auszuhalten zwischen der immer wieder erschreckenden, unfassbaren Leid- und Todverfallenheit und Vergänglichkeit der Kreatur und der verheißenen Erlösung in Ewigkeit. Dass solche Geduld nicht eines jeden Menschen Sache ist, gehört mit zur Knechtschaft der Vergänglichkeit. Die Geduld kann aber zumindest das Unerträgliche ertragen helfen und Bewährung bringen, wie Paulus an anderer Stelle sagt, Römer 5, 3b-5: Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

In diesem ur-christlichen Sinne wünsche ich uns allen diesen Geist der Geduld und der Liebe Gottes auch über diese Passionszeit hinaus, in jeder und über jede persönliche Leidenszeit hinaus. Und Geduld im Glauben. Heute und morgen, jeden Tag auf´s Neue. Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

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