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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt an Estomihi, 15. Februar 2015, über Markus 8,31-38

Helau und Alaaf! Liebe Gemeinde!
„Jubel, Trubel, Heiterkeit“! Fasching, Fastnacht, Karneval, wie Sie ihn auch nennen, je nachdem, wo er auch stattfindet - er erreicht in diesen Tagen vielerorts seinen Höhepunkt. Nicht nur die Kinder schlüpfen in lustige Kostüme und in andere Rollen. Auch Erwachsene zeigen, dass in ihnen immer noch ein Kind steckt, mehr oder weniger geistreich in Szene gesetzt, meist mehr weniger, kurios und läppisch zugleich. Oft auch einfach nur peinlich. Und wenn man dabei ist oder das sog. närrische Treiben auch nur zeitweise im Fernsehen mitverfolgt, dann sieht man auch, wie Wildfremde sich bei den Umzügen auf den Straßen johlend oder grölend in den Armen liegen, es wird geschunkelt, gefeiert und getanzt - meist in angeheitertem Zustand, um es milde auszudrücken. Sog. Faschingsmuffel schalten um oder ab, lesen ein gutes Buch oder hören niveauvolle Musik oder suchen das Weite – einige gehen auch in die Kirche am Faschingssonntag!

Was über dem ganzen „Zirkus“, der da aufgeführt wird, oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass der Fasching oder Karneval eigentlich ein Fest aus dem kirchlichen Kalender ist. Seine Ursprünge reichen bis weit ins Mittelalter zurück und haben mit der mehrwöchigen Fastenzeit vor Ostern zu tun. Von Italien aus verbreitete sich der Brauch, es vor Beginn der Fastenzeit noch einmal so richtig krachen zu lassen. Von da stammt auch der Name „Karneval“. „Carnevale“ bedeutet so viel wie „Fleisch, lebe wohl!“

Die meisten Menschen heutzutage feiern zwar den „Karnevale“, das anschließende Fasten jedoch haben sie aufgegeben. Und wenn gefastet wird, dann oft aus ganz anderen als religiösen Gründen – nämlich gesundheitlichen. Das Freudige ist also geblieben, wird exzessiv, zumindest mit einiger Hingabe begangen; das Ernste aber, gar in seinem religiösen Sinnhintergrund, wird gerne verdrängt. Dabei gehört beides untrennbar zusammen. Aber diese Verdrängung gehört zur Signatur unserer gesellschaftlichen Gegenwart, dass sie vielfach dem Ernst des Lebens nach Möglichkeit ausweicht und einer ziemlich oberflächlichen Spaßkultur frönt und erliegt. Ja, wie man mit dem 2003 verstorbenen US-amerikanischen Medienwissenschaftler Neil Postman sagen könnte: „Wir amüsieren uns zu Tode“ – so lautet ein berühmter Buchtitel von ihm aus dem Jahre 1986. Unterhaltung um jeden Preis!

Der kirchliche Jahreskalender ist da ehrlicher und realitätsnäher, indem er beides zu seinem Recht kommen lässt, den Spaß und den Ernst, und indem er uns dazu anhält, neben und nach der freudigen Feier des Lebens auch seine Verletzlichkeit und Wunden in den Blick zu nehmen. Übrigens ist auch der Karneval selbst nicht nur heiter und unbeschwert. Wer genauer hinschaut, der entdeckt auch in ihm wenigstens vereinzelte Spuren von Melancholie angesichts von Vergänglichkeit und auch einer gewis-sen Sinnarmut, wozu allerdings seine massenmediale Inszenierung von Niveaulosigkeit auch selbst beiträgt – und sei es nur die „traurige Erkenntnis“, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist.

Insofern ist es gar nicht so anachronistisch, wie es zunächst den Anschein haben kann, dass der biblische Text uns heute am Faschingssonntag schon unmissverständlich auf die Passion verweist. Die Passage, die Sie nun hören werden, hat nichts von Heiterkeit, Scherz und Schabernack an sich, im Gegenteil: Jesus kündigt seinen Jüngern sein nahes Leiden und Sterben an.

Beim Evangelisten Markus liest sich das so:
Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Liebe Gemeinde, zweifelsohne gibt es in der Bibel viele erbauliche, tröstliche, auch ästhetisch ansprechende Passagen – diese jedoch zählt nicht dazu. Sie ist sperrig, beunruhigend, in sich scheinbar sogar widersprüchlich und paradox. Kein Wunder, dass der Jünger Simon Petrus entsetzt dazwischen geht und Jesus bremsen und korrigieren will. Kann ich auf Anhieb erstmal auch
verstehen: So etwas möchte niemand hören, alle diese schrecklichen Worte: Leiden, Sterben, Kreuz, Selbstverleugnung. Wenn sie so geballt hervorbrechen wie hier aus dem Munde Jesu, da möchte man sich am liebsten selbst die Ohren zu halten oder etwas dagegen sagen.

Und Jesus lässt ja wirklich nichts aus. Nicht nur, dass er seinen eigenen Tod ankündigt – das ist für die Seinen schon schlimm genug, die so viele Hoffnungen in ihn gesetzt hatten – nein, er geht sogar noch weiter. Er macht sein persönliches Schicksal zum Maßstab dafür, was Menschen erwartet, die sich auf ihn einlassen. Er erhebt das Kreuz, eigentlich ein Zeichen der Schande, zum Symbol der Jüngerschaft. Er behauptet allen Ernstes, dass Leiden Sinn macht, dass der Gewinn im Verlust liegt und der Sieg in der Niederlage. Das klingt verrückt und alles andere als einladend. So wirbt man doch nicht für sich, so schreckt man vielmehr ab. Ein seltsamer Prophet, dieser Jesus von Nazareth. Ein Stachel im Fleisch jedes Menschen, jeder Gesellschaft, damals wie heute!

Wir brauchen uns ja nur die Schlagzeilen der vergangenen Tage anzusehen. Da ist zum einen die Nachricht von einem neuen Finanzskandal in der Schweiz. Vertrauliche Dokumente, die nun ausgewertet sind, belegen, dass die Schweizer Tochter einer britischen Großbank über Jahre hinweg illegale Geschäfte betrieben hat. Zu ihren Kunden gehörten insgesamt über 100.000 Personen, darunter auch Waffenhändler, Drogenkartelle und sogar einige der mutmaßlichen Finanziers der Anschläge vom          11.September 2001. Protokolle von Kundengesprächen dokumentieren, dass das Ganze kein Zufall oder eine Verkettung von unglücklichen Zufällen war, sondern dass die Bank ihre Kunden gezielt dahingehend beraten hat, wie sie ihr Geld vor den Finanzbehörden verheimlichen und Geldanlagen verschleiern konnten. Insgesamt handelt es sich um eine Summe von umgerechnet 75 Milliarden Euro, die bei der Bank gehortet wurden und ihr zu beträchtlichen Gewinnen verhalfen. Mittlerweile gibt sich die Bank geläutert. Zweifel bleiben.

Vorgänge wie diese können doch sprachlos machen. Dies umso mehr, wenn uns fast zeitgleich die Nachricht von einem erneuten Flüchtlingsdrama mit Hunderten von Toten vor der italienischen Insel Lampedusa erreicht. Die Tragödie war vorprogrammiert, nachdem die italienische Regierung ihr Hilfsprogramm „Mare Nostrum“ aus Kostengründen hatte auslaufen lassen. Sie wollte die EU mit in die Verantwortung nehmen. Die aber stellt statt der nötigen neun Millionen Euro monatlich nur knapp drei Millionen zur Verfügung. Auch der dringende Appell des Papstes hat nichts gefruchtet. Europa beharrt auf seinem restriktiven Kurs.

Was ich mit diesen beiden Beispielen sagen will, ist: Hier die skrupellose Geldwäsche in einer Größenordnung von 75 Milliarden, dort das Feilschen um ein paar Millionen, wenn es um die Rettung von hunderten Menschenleben geht – das, liebe Gemeinde, ist die Realität unserer Zeit. Vielleicht ist es problematisch, die Summen gegeneinander aufzurechnen. Ich tue es aber, weil hier mit völlig unterschiedlichem Maß gemessen wird. Dabei bin ich mir durchaus dessen bewusst, dass speziell das Migrantenproblem auch mit neun Millionen Euro nicht wirklich gelöst werden kann, weil es viel zu kompliziert ist.

Aber ich denke in dem ganzen Zusammenhang an die Worte Jesu: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?“ Mit diesen Worten erteilt Jesus allem rücksichtslosen, auch kriminell realisierten absolut gesetzten Gewinnstreben, worauf ja neu-lich schon Herr Haasis bei seinem Jahresvortrag kritisch eingegangen ist, und dem Horten von Besitz auf Kosten anderer eine deutliche Absage. Ja, noch mehr: Er verschiebt die Gewichte zugunsten einer ganz anderen, menschlichen Größe: der Seele.

Seele – ein altertümlich anmutendes Wort. Im antiken Sprachgebrauch ist Seele das, was den Menschen ausmacht, was ihn prägt und sein Denken und Wollen bestimmt. Es ist der Kern seines Wesens. Und dass dieser Kern heil und gesund bleibt und keinen Schaden nimmt, das ist Jesus zufolge das Wichtigste im Leben, ungleich wichtiger als alle materiellen Güter und alles
Gewinnstreben bzw. Gewinnsucht.

Was in den Ohren vieler Menschen ziemlich weltfremd klingen mag, enthält aber doch eine tiefe Wahrheit. Denn wir merken doch immer deutlicher, wohin der unentwegte Drang nach Gewinn in seiner globalisierten massiven Macht, dieses nimmersatte Streben uns bringt. Nicht nur das menschliche Miteinander, soziale Verantwortung und Vertrauen leiden darunter. Auch unser gemeinsamer Planet Erde trägt immer größere Wunden.

Erinnern Sie sich? Der Kosmonaut Alexander Gerst hat vor einiger Zeit aus dem All gesagt, dass er überwältigt sei, wie schön die Erde aussehe, aber auch wie klein sie sei im Blick auf das Universum, und von welch einer zerbrechlichen Atmosphäre umgeben. Und wenn man dann wisse von den Kriegen und der ganzen Umweltverschmutzung, die die Erdenbewohner, die Menschen, anrichteten, dann sei das eine unverständliche Sache! Er möchte – wieder zurück auf der Erde – den Menschen etwas den Blick von außen zeigen, um ihnen die Augen zu öffnen. Es sei schließlich die einzige Erde, die wir hätten. So sinngemäß Alexander Gerst. Das Wort Frieden kam ihm übrigens gar nicht erst in den Sinn und mit keiner Silbe über die Lippen. Und es wäre ja auch Schönfärberei und Heuchelei, wenn man mit Blick auf die Welt und ihre Menschen heute von Frieden reden würde.

Und was die verabsolutierte wirtschaftliche Gewinnsucht betrifft: Es genügt wohl kaum, mit dem Finger auf das korrupte Verhalten einer Schweizer Bank zu zeigen oder von den Regierungen Europas mehr Hilfsbereitschaft einzufordern. Es muss sich auch jeder von uns selber, ich mich auch, fragen, ob er im Rahmen seiner Verhältnisse und Möglichkeiten genug tut. Das muss aber jeder selber wissen. Und es wird in dieser Gemeinde und von dieser Gemeinde sehr viel getan!

„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme an seiner Seele Schaden?“ - Ein Kollege von mir schreibt dazu:
„Jesus kehrt die Maßstäbe um. Er propagiert es nicht nur, sondern er lebt es auch vor. Er lebt nicht gegen andere, sondern für andere – und dies bis zur letzten Konsequenz. Er heilt die Kranken, tröstet die Traurigen, richtet die Gebeugten auf und kennt keine Berührungsängste. Er schenkt weder Geld noch Güter, sondern sich selbst. Und er hält uns dazu an, es ihm gleich zu tun, ihm auf diesem Weg zu folgen. Eine enorme Herausforderung, in der Tat. Wir möchten gewinnen und behalten; er rät zum Loslassen und Verlieren. Wir möchten nach oben kommen und dort bleiben; er rät dazu, den letzten Platz einzunehmen. Wir machen vor Leid und Tod die Augen zu; er rät dazu, das Kreuz zu schultern. Wir haben die eigenen Interessen im Blick; er rät dazu, sich selbst zu verleugnen, was ja nichts anderes bedeutet, als zu sich selbst zu sagen: Ich kenne den Menschen nicht! Gewiss darf man auch diese Einstellung nicht verabsolutieren und zur Ideologie erheben. Sonst wird sie zu einem ethischen Anspruch, der durchaus etwas Gnadenloses und Unmenschliches haben kann. Jesus hatte seinerzeit Menschen vor Augen, denen die Nachfolge mitunter wirklich alles abverlangte, bis zum Verlust des gesamten Vermögens oder gar bis zum Tod. Im Laufe der Kirchengeschichte ist dann aber mit seinen Worten auch mancherlei Schindluder getrieben worden. Das ging sogar so weit, dass man überhaupt keine eigenen Wünsche mehr haben durfte und das ganze Leben ein permanentes Opfer zu sein hatte. Das Leiden wurde geradezu glorifiziert, als sei es in sich etwas Gutes und Wünschenswertes. Auf diese Weise hat man Jesus grob missverstanden. Er wollte das Leid der Menschen nicht mehren, sondern mindern; er predigte nicht den Mangel, sondern die Fülle. Nicht von ungefähr ist in seinen Gleichnissen immer wieder vom Feiern die Rede, von Hoch-zeiten und reich gedeckten Tischen. Aber zugleich wies er darauf hin, dass pure Selbstsucht und un-ersättliches Gewinnstreben eben gerade nicht glücklich machen, weil sie zerstörerisch wirken und den Menschen vereinsamen lassen. Nicht gegeneinander leben, sondern miteinander und füreinander – das ist es, was Jesus sagen wollte und was er uns auch heute ans Herz legt.“ (Arnd Herrmann).

Oder, um es ganz schlicht auszudrücken: Nicht das Materielle und das Physische machen uns Menschen reich, sondern das Geistige und die Liebe. Amen.

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