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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt über Lukas 2, 25-32 am 1. Sonntag nach dem Christfest
Über die religiöse Figur des alten Simeon von Pfarrer Johannes Habdank

Liebe Gemeinde,
auch dieser eher unscheinbare Sonntag zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel erzählt, wenn auch weniger spektakulär, vom Heil, das Menschen mit dem Jesuskind widerfahren ist. Gehört haben Sie die Geschichte eben schon, die der Evangelist Lukas für seine Zeitgenossen, für uns und für alle Zeiten formuliert und aufgehoben hat – und zwar nur er. Weder Matthäus noch Markus noch Johannes erzählen überhaupt oder gar lange von der Geburt und Kindheit Jesu; es ist immer Lukas: Seine Kindheitserzählungen kommen uns heutigen, modernen Menschen entgegen, die wir ja seit der Romantik zunehmend mit der immer noch stärkeren Konzentration auf das Individuum auch ein ausgeprägtes Interesse an Biographien entwickelt haben, an der Entwicklung eines ganz persönlichen Menschenlebens, von seiner Geburt an, auch mit Vorgeschichte, Prägungen und Sozialisation. Erst im 19. Jahrhundert hat sich in protestantischen Gefilden Europas die Wahrnehmung und Feier des Geburtstags der Menschen allmählich durchgesetzt, bei großen Herrschern und ganz berühmten Persönlichkeiten gab es das natürlich schon immer, auch in der Antike. Das Weihnachtsfest für Jesu Geburt hat sich im 4.Jh.n.Chr. entwickelt, um das römische Sonnengott-Fest christlich abzulösen: am 25. Dezember. Ostern war schon sehr früh gefeiert worden. Aber unser ganzer heutiger Weihnachtskult ist – ja, eben erst modern!

Zurück zu Lukas: Auf sein Interesse an der menschlichen Entwicklung Jesu von klein ist auch die heutige Predigtgeschichte zurückzuführen, wobei wir da in der evangelischen Kirche so kurz nach Weihnachten etwas früh dran sind: Gerade erst ist Jesus geboren worden, da wird er auch schon in den Tempel getragen – was aber nach dem Gesetz erst am 40. Tag nötig war. Der 40. Tag nach der Geburt Jesu ist am 2. Februar, am Tag Lichtmess. Dahin gehört der Text eigentlich. Weil das aber ein Marienfest war, rümpfte die liturgische Kommission der evangelische Kirche lange Zeit die Nase und wollte es nicht begehen – als würde der Text deswegen nicht genau dorthin passen! Darum steht er bei uns also schon heute auf dem Programm.

Zum Inhalt: Josef und Maria waren treue und fromme Juden wohl aus Jahr-hunderte alten jüdischen Familien. Den jüdischen Gesetzen gehorchten Josef und Maria darum natürlich auch an zwei wichtigen Tagen: Acht Tage nach der Geburt musste ein Junge beschnitten werden – heutzutage fällt das mit dem Neujahrstag zusammen. 40 Tage nach der Geburt musste ein Junge dem Herrn im Tempel dargebracht werden, dargestellt werden; Tiere mussten zum Dank geopfert werden. Das war immer eine bewegende Angelegenheit und vermutlich wenig feierlich. Wir wissen es nicht recht. Der Tempel war riesig und wurde von Hunderten gleichzeitig genutzt, auch von vielen Händlern, wie wir wissen, welche dort Opfertiere und vieles andere verkauften. Irgendeinen kleinen Ort, an dem sie anbeten, danken und opfern konnten, werden Maria und Josef im großen Gelände gefunden haben, um dem Gesetz Genüge zu tun. Täglich wurden viele und vieles im Tempel Gott dargebracht.

Und nun ist genau an diesem Tag der Darstellung Jeus im Tempel, am kleinen Altar, den Maria und Josef gefunden hatten, alles ganz anders. Da steht nämlich ein alter Mann mit Namen Simeon. Auch er ein frommer Jude. Wie alle Juden wartet er seit Jahrhunderten auf den Messias, der das Volk Israel erlösen und Frieden und Freiheit bringen wird, politische Freiheit von der Römerherrschaft. Als sich Maria und Josef mit dem Kind dem Simeon nähern, nimmt der das vierzig Tage alte Kind auf seine Arme und ruft aus: „Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.“
Wie kann so etwas zustande kommen? Wie geht so etwas? In seinem langen Leben wird Simeon, der ja schon so lange gewartet hat, Hunderte solcher Darstellungen von neugeborenen Knaben erlebt haben, auch aus der Nähe – und da wird er ja wohl still gewesen sein und genau das, was er jetzt angesichts Jesu gesagt hat, nicht gesagt haben! Viele Jahre sah er kommen und gehen, unzählige Elternpaare sind an ihm vorüber gezogen, und er hat gesehen: Nein, das ist er nicht, das ist er auch nicht, das sind sie nicht, der ist es wieder nicht … . Darüber ist er alt geworden. Und man kann sich vorstellen, dass er auch gezweifelt haben wird, ob sich die Verheißung Gottes wirklich noch an ihm erfüllen werde. Aber dann, an diesem Tag im Tempel, sieht er und erkennt er sofort: Meine Augen haben deinen Heiland gesehen. Wie geht das? Wie hat er das gemacht?
Natürlich hat er das nicht selbst gemacht, sondern es ist ihm „geschenkt“ worden; es war eine Eingebung, wie man mit diesem schönen, alten Wort sagen kann. Er sieht etwas, oder besser: Er erkennt etwas, was viele andere nicht erkannt haben. Dieses Kind ist schon und wird noch der Heiland, der Messias, der Gesalbte.


Liebe Gemeinde,
es geht hier nicht alleine um das, was vor Augen ist. Vor Augen ist eine ganz alltägliche, jüdische Glaubensgeschichte der Gesetzesbefolgung. Alle neu geborenen Jungen müssen Gott dargebracht werden. Es geht hier darum, in der banalen Alltäglichkeit dieser Geschichte etwas Größeres, etwas Großes zu erkennen. Es geht um das, was hinter den Tatsachen ist; um ein genaues, hintergründiges Erkennen dessen, was man sieht. Also die Frage ist: Was erzählt das Einfache noch? Was zeigt das Sichtbare, was vor Augen liegt, über sich hinaus? Was ist das geistige Sinnbild hinter dem Bild, das man sieht? Welches Geheimnis ist den Augen vielleicht verschlossen, öffnet sich aber dem geistigen Auge, dem schauenden Erkennen? Ja, es geht um das Erkennen:
Man kann alles sehen und nichts erkennen. Man kann aber auch wenig sehen und viel erkennen. So geht es Simeon. Zum vielleicht hundertsten Mal sieht er das gewöhnliche Bild, aber nun erkennt er: In dem, was hier geschieht, hinter der Fassade und mitten in den Kulissen ist Gott. Ich brauche den fernen Gott nicht länger abzuwarten. Der Ferne ist ganz nahe in den Geschichten des Alltags. Als erster Mensch erkennt Simeon, welches Geheimnis es mit dem großen Heil auf sich hat: Gott kleidet sich irdisch. Es ist, wie wenn du ein Geschenk auspackst!

Mit dieser wunderbaren Erzählung will Lukas unsere Sinne schärfen und sie auf ein Geheimnis lenken, das es heutzutage, im Zeitalter des Bildes und der vielen Bilder, besonders schwer hat: Schaut nicht alleine auf vordergründige Tatsachen und Geschichten, die euch bewegen und die vor euch und mit euch geschehen, sondern bemüht euch auch, das Geschehen zu befragen auf das, was dahinter liegt und es im Herzen zu bewegen, zu deuten. Sucht die Bedeutung, den Hintersinn, der religiösen Sinn hinter den Dingen und Begebenheiten. Macht euch die Mühe der Deutung, in verschiedene Richtungen. Dann – das ist die ermutigende Nachricht dieser Erzählung – öffnet, weitet sich das Geschehen zu Gott hin. Dann erkennt man das Geheimnis, das man oft lange nicht sieht: Gott ist nicht fern. Und so ist Glaube der Blick, der im Gewöhnlichen das Besondere sieht und im weltlichen Kleid den unsichtbaren Gott erkennt. Glaube ist ein Erkennen auf den zweiten Blick, man kann auch sagen: er ist dieser zweite, tiefer gehende Blick, der dem auf die Spur kommt, der hinter den Dingen steht: Gott, geahnt, erspürt, gewusst, erkannt, wie von Simeon.
Amen.

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