Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigt Pfarrer Johannes Habdank am Heiligabend 2014

Aktuell >>

Predigt an Heiligabend 2014, Christvesper, von Pfarrer Johannes Habdank

 

„Wer will, der kriegt. Im Markt, im Netz. Jederzeit.“ „Wer will, der kriegt. Klappt jedes Mal!“ – „Wir sind ja nicht blöd!“ Dieser erfolgreiche Werbeslogan, liebe Gemeinde, appelliert an die Sehnsucht und den tief sitzenden Wunsch des Menschen, dass alles so sein wird und kommt, wie man es gerade will, wie und was man haben will. Und zwar jetzt. Wer will, der kriegt. Der Spruch ist wie immer bei diesem Unternehmen werbepsychologisch und -strategisch klug ausgedacht, und er bewegt sich wie auch die meisten Fernsehunterhaltungssendungen, in die er eingestreut ist, auf einem Niveau, das in etwa dem Wunschverhalten von 3-6jährigen und manchmal auch noch Pubertierenden entspricht. Und weil viele Menschen auch im Erwachsenenalter immer wieder einmal pubertieren, spricht dieser Spruch effektiv massenweise passende Wunsch-, Besitz- und Machtphantasien an. Das garantiert den Erfolg dieses Slogans, ändert aber an seiner unglaublichen inhaltlichen Flachheit nichts.

Wer will, der kriegt – jeder von uns, der einigermaßen bewusst lebt, die Dinge, die er erlebt, bewusst deutet, der über sein Leben nachdenkt und nicht nur an sein eigenes Wohlleben denkt, sondern auch die vielen ärmlichen, erbärmlichen und erbarmungswürdigen Situationen und Lebensverhältnisse von unzähligen anderen Menschen hier und in der Welt wahrnimmt - ein Blick in die täglichen Nachrichten genügt --- : jeder, der nicht wegschaut und sich darum herum drückt, weiß, dass dieser Werbespruch natürlich nicht stimmt. Der Spruch enthält einen wahnsinnig bis wahnhaft utopischen Sinnüberschuss, der die unstillbare Gier im Menschen anregt: zu bekommen, was man will, das Bedürfnis nach wunschgemäßer, jederzeitiger, automatischer materieller Befriedigung, die sich wohl die Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten noch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen vorstellen können. „Wer will, der kriegt.“ Wer so einen Slogan textet, der weiß, was er tut, und er weiß auch darum, dass der Inhalt des Spruches lebensweltlich für die allerallermeisten Menschen nicht zu verwirklichen ist. Und so schlägt der utopische Über-schuss schließlich in blanken Zynismus um. Wer will, der kriegt!?

Liebe Gemeinde, sehen wir uns heute am Heiligen Abend unter diesem Gesichtspunkt einmal die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium näher an. Sie haben sie soeben so schön gelesen gehört. Wer kriegt da was? Und kriegt jeder, was er will?
Maria kriegt ihren ersten Sohn. Den hat sie erwartet, wie es ihr von einem Engel verheißen war. Wer will, der kriegt? Der Engel der Verkündigung, seine Funktion übernimmt ja heute der B-Test bzw. die pränatale Diagnostik – da-mals hatte es der Engel Gottes kundgetan. Wäre es ein Mädchen geworden, hätten wir wahrscheinlich bis heute nie davon erfahren. Denn Frauen waren in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft nicht wirklich gefragt, hatten auch rechtlich und sozial eine klar untergeordnete Stellung. Es war aber, wie verheißen, ein Sohn, der Sohn schlechthin, der auch unter seinen späteren Geschwistern besonders hervorstach, von denen man vergleichsweise wenig erfährt in Bibel. Marias Erwartung wurde also erfüllt, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. In einer Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge, wie es heißt. Mehr ist nicht gesagt in der Bibel. Dass es eine ausführliche Suche nach Herbergen gegeben hätte, geschweige denn, dass mehrere Herbergswirte sie nicht aufnehmen wollten, woraus sich unser weihnachtliches Herbergssuche-Kinder-Krippenspiel und die katholische, bei uns auch ökumenisch gepflegte Herbergssuche der Gottesmutter Maria heute ergeben – das steht alles so nicht in der Bibel, ist aber durchaus einfühlsam nachempfunden und durch die kirchliche Tradition irgendwann einmal ergänzend eingetragen in die lukanische Weihnachtsgeschichte. Ob aber die Krippenszene sich in einem Stall alpenländischen Musters abgespielt hat – das ist unsere traditionelle Deutung und gefühlte Nachgestaltung hier in unseren Breitengraden – oder nicht vielmehr in einer Art Grotte, wie sie heute am Rande von Bethlehem lokalisiert wird, also auch nicht an der Stelle, wo man sie in Bethlehem in der orthodoxen oder in der benachbarten katholischen Kirche verehrt, das ist ein weites Feld, abgesehen davon, dass unter modernen kritischen Bedingungen die ganze Bethlehemsgeschichte als unhistorisch angesehen wird, was ihrer tieferen Sinnwahrheit aber keinen Abbruch tut. Und dazu gehört: Jesu Geburt hat unter unwirtlichen, ärmlichen, erbärmlichen Bedingungen stattgefunden. Für Maria gilt: Wer will, der kriegt, ja, aber nicht so, wie sie es haben wollte oder da, wo sie es haben wollte!

Die Hirten? Sie bekommen die sie völlig überwältigende Nachricht des Engels von der Geburt des Heilands, auf den sie schon immer gewartet haben – er, der die sozialrechtlichen, gesellschaftlichen und überhaupt die Herrschaftsverhältnisse umkehren sollte! Der sie, die Kleinen, zu Großen machen würde! Ein Überraschungsgeschenk also, von dem sie immer geträumt, dessen Verwirklichung sie sich aber doch nie hätten träumen lassen. Traumhaft, dieses kurzfristig angekündigte Geschenk des Himmels auf dem Felde, ihrem Felde! Um die Verwirklichung dieses Geschenks zu erleben, also das Geschenk persönlich zu sehen und zu erfahren, entgegen zu nehmen, müssen sie über ihren normalen Lebensbereich und Lebenshorizont hinaus, sich weiter bewegen. Dann erleben sie das Kind in der Krippe. Und das bringt die Hirten erst recht in Bewegung und lässt sie das Erlebte weiterverbreiten. Ja, einfache Hirten waren die ersten Missionare des Christentums, so gesehen.

Und so haben wir nun zwei Typen der Geschenkerfahrung: Maria erwartet es bestimmt und bekommt auch ihr Kind, und die Hirten sind völlig unerwartet überwältigt, sogar so, dass sie es gleich allen weiter erzählen müssen.
Und was bekommt Jesus geschenkt, um den es doch eigentlich geht? In der Weihnachtsgeschichte nichts. Erstmal nichts. Erst als die sog. Heiligen drei Könige auftauchen, also die Weisen, Magier oder Sterndeuter aus dem Morgenland – von drei steht nichts geschrieben; und dass es Könige waren, auch nichts –, aber: erst da geht es um Geschenke für Jesus: Gold, Weihrauch und Myrrhe (laut Matthäusevangelium). Das waren Geschenke in einer Größenordnung, bei der man heute davon sprechen würde: diese Weisen aus dem Morgenland waren im Grunde die Sponsoren von Jesu Kindheit, Jugend und vielleicht noch länger? Ein völlig unerwartetes, wahrhaft Entwicklung ermöglichendes und förderndes Geschenk. Später hört man nichts mehr davon.
Wer will, der kriegt? Ich weiß nicht, was ich heute Abend kriege, manches erahne ich, anderes befürchte ich? Worauf dürfen Sie sich besonders freuen und wie geht es Ihnen damit schon vorher?

Soziologisch gesehen sind Weihnachtsgeschenke – ob sie materieller oder immaterieller Art sind oder in einer Dienstleistung, auch Gutschein gerne bestehen – zyklische Geschenke, also etwas, was man immer wieder schenkt oder geschenkt erhält zum selben Anlass, jährlich, hier: Jesu Geburt. Und dieses Zyklische kann auch durchaus prekäre Züge annehmen. Wie bei den jährlichen Geburtstagsgeschenken, dieser Wiederholungscharakter!

Wie bei allen Geschenken geht es beim Weihnachtsgeschenk um die Bestätigung und Bekräftigung sozialer Beziehungen verwandtschaftlicher, freundschaftlicher oder auch offizieller Art durch dieses Geschenk. Erving Goffman, US-amerikanischer Soziologe (1922-82) hat die Wichtigkeit von Weihnachtsgeschenken für die Gestaltung und Erhaltung von Beziehungen herausgestellt: „Es ist, als ob die Stärke einer Verbindung nachließe, wenn nicht für ihre Zelebrierung (durch Geschenk) gesorgt würde.“ Weihnachtsgeschenke sind auch Visualisierungen von Beziehungen, und das eben an einem Fest, das im Jahreskreis so etwas wie das „Goldene Zeitalter“ repräsentiert. Ich will Sie jetzt nicht weiter mit soziologischen Untersuchen zum Weihnachtsgeschenk behelligen, so interessant sie sind, aber: zunehmend und immer noch wichtiger ist in den letzten Jahrzehnten der materielle Aspekt geworden. Und die Wirtschaft, viele Branchen brauchen ja auch diese Geschenkeflut. Weihnachten ohne Geschenke geht nicht, sagen mir auch meine Konfirmanden einstimmig. Und ein Graffito an einem Universitätseingang lautete schon vor 30 Jahren: „Stellt euch vor, es ist Weihnachten, und keiner kauft ein!“ Dass das Ganze in Geschenk- und damit implizit auch in Beziehungspflege-Terror umschlagen kann, liegt auf der Hand. Das Thema Weihnachtsgeschenk kann auch ein gefährliches werden: damit kann man auch vieles kaputt machen … „Wer will, der kriegt“ kann schief gehen und klappt eben nicht jedes Mal, und das ist vielleicht auch ganz gut so. Denn dieses Prinzip funktioniert auch sonst im Leben eher selten:
Ich denke an die, die sich in der Schule oder im Beruf abstrampeln und doch nicht ihr Ziel erreichen. Ich denke an di, die auf einmal nicht mehr können, kräftemäßig oder aus Versagensangst gehemmt sind. Ich denke an die, die eine verheißungsvolle Karriere oder guten Lebensweg zurecht vor Augen hatten, und die auf einmal von einem Schicksalsschlag ereilt werden, Krankheit, Tod in der Familie, der sie zurückwirft, niederdrückt, krank macht. Ich denke an die vielen die hier bei uns unter der Armutsgrenze leben müssen, an die die in aller Welt in schwierigsten Verhältnissen ihr Leben bewerkstelligen müssen, zurechtkommen müssen, viele auch auf der Flucht. Ich denke an die, die eine lebensgefährliche Krankheitsdiagnose gestellt bekommen haben. Ob Heilung sich doch allmählich noch ergeben wird, ist ungewiss, so sie es sich ersehnen – von Sprüchen wie „Wer will, der kriegt“, kriegen sie eher die Krise.

Das wahre Geschenk an Weihnachten, liebe Gemeinde, ist das Leben Jesu, seine Geburt, die wir heute feiern, in bzw. hinter allen Weihnachtsgeschenken und auch jenseits aller Weihnachtsgeschenke. In jedem Weihnachtsgeschenk ist, weil es am Geburtstagsfest Jesu, geschenkt wird, der Geschenkcharakter des Lebens überhaupt und des Lebens Jesu enthalten, natürlich unsichtbar, geistig, denn hinter jeden Weihnachtsgeschenk steht sein Anlass: und der ist letztlich nur bedingt soziologisch erfassbar, denn er ist ein religiöser: wie wenn man ein Geschenk auspackt, so entbirgt sich, was verborgen war, an Weihnachten die Bedeutung Jesu für das menschliche Leben. Das ist der christlich-symbolische Hintersinn jedes Weihnachtsgeschenks, ob wir ihn uns bewusst machen oder nicht.

Was tritt diesem geistig gesehenen Auspacken von Jesus an Weihnachten in Erscheinung? Das ist bei jedem anders. Den einen begeistert mehr der soziale Jesus, der sich um die Ausgegrenzten gekümmert hat, den anderen der Heilende, es kann auch der Jesus der Bergpredigt und des Gebots der Nächstenliebe sein. Der sein unausweichlich gewordenes Leiden Tragende und bis zuletzt Ertragende, der Jesus, der die Vergebung gepredigt hat. Ja, Vergebung, die kann an Weihnachten in manchen Beziehungen und Familien sehr wichtig werden, wenn es um den Weihnachtsfrieden von vorherein oder auf einmal ganz unerwartet schlecht bestellt ist. Und der Jesus, der neues Leben gewonnen hat, heute der, der ins Leben getreten ist. Wem einer dieser Aspekte am Leben Jesu an Weihnachten einleuchtet, für sich ganz persönlich, für den ist heute die Geburt Jesu ein wahres Geschenk geworden. Das wünsche ich Ihnen, darum bitten wir.

Ich komme zum Schluss:
„Wer will, der kriegt?“ So ähnlich und doch ganz anders spricht Jesus einmal über das Gebet, auch mit einem hohen Erfüllungsanspruch für den Wunsch: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ (Matthäus 7,7) Dass an Weihnachten und darüber hinaus das Herz aufgetan werde bei uns allen für die Geburt Jesu in uns, darum bitten wir unsern Gott. Amen.

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier