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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt am Altjahrsabend 2013 von Pfarrer Johannes Habdank

 

Liebe Gemeinde,
das Lied „Nun lasst und geh´n und treten“, dessen erste sechs Verse wir soeben gesungen haben, stammt von Paul Gerhardt, Text aus dem Jahre 1653, also nur fünf Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg geschrieben, als die Kriegsereignisse, –wirren und vor allem die Folgen noch voll präsent waren. Im Besingen der Treue Gottes „wie von treuen Müttern“ zu seinen Kindlein, die in seinem Schoße sitzen, wird die erlebte brutale, gnadenlose Realität der Welt nicht nur fromm beschworen, sondern auch aufgefangen. Der schonungslose Realitätssinn dieses Liedes in Verbindung mit der, ja, dennoch Gewissheit, in Gott geborgen zu sein, macht dieses Lied zeitlos gültig. Daher werden wir es im Verlauf dieses Gottesdienstes auch noch ganz zu Ende singen.

Ich will Sie heute Abend nicht mit einem allgemeinen Jahresrückblick in Gesellschaft, Politik und Gemeinde behelligen, liebe Gemeinde,
solche Jahresrückblicke bieten die diversen Medien schon seit einigen Wochen zuhauf, wobei meist nur auf die positiven oder negativen Highlights geblickt wird, auf die Sensationen, die bereits unterjährig in der Nahzeit-Perspektive hochgespült wurden und jetzt nur nochmal etwas heißer abschließend hochgekocht werden, sozusagen als Jahresendmenü, so oder so, zurecht oder zu Unrecht, nach ganz unterschiedlichen Kriterien, auch dem Kriterium der Verkaufszahlen und Einschaltquoten, auch der sog. Nachrichtenwerttheorie, die in etwa besagt, dass 1 gewaltsam zu Tode Gekommener in Deutschland (aber bitte einigermaßen grausig und spektakulär!) soviel an Nachrichtenwert besitzt wie vielleicht 5-10 Tote in Südosteuropa oder 100 oder mehrere, ja, viele Tausende, die tagtäglich in einem afrikanischen Land an Hunger sterben oder sonstwo auf der Welt an irgendetwas anderem.
Ein Blick auf die Homepage von „Ärzte ohne Grenzen“ oder manch andere Menschenrechts- und Hilfsorganisationen, in deren Länderberichte zum Beispiel aus Afrika zeigt einem das ganze Ausmaß des täglichen Grauens, wenn man nur ein Bisschen Vorstellungskraft hat, und zwar unabhängig von der Schuldfrage und der Frage danach, was unser Land dort wirklich aus-richtet oder ausrichten kann. Geschweige denn, Du und ich persönlich.
Kriege und Revolutionen, was die Medienberichterstattung betrifft, die unser Bild der Welt wie nie zuvor heute prägt, bilden da nicht wirklich eine Ausnahme, außer, dass Kriegen und Revolutionen in der Regel erstmal jeweils für 3-4 Wochen hohe Medienaufmerksamkeit gesichert ist, dann flaut das Interesse ab, angeblich, weil das Interesse der Zuschauer oder Leser sinkt – schön! Dann ist es wohl gut, dass es auch wieder woanders neue Konflikte gibt? ...
Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken, wie Paul Gerhardt sagt.
Damals ist es die ihm bekannte Welt, heute die ganze, sog. globalisierte Welt, soweit sie uns bekannt gemacht wird. Ich frage mich: Schreckt uns das alles wirklich? Schlimme Bilder, die uns „betroffen“ machen sollen oder können. Was machen wir damit, können wir überhaupt etwas machen? Oder müssen wir nur ohnmächtig zusehen, was da überall passiert? Gibt es da bei uns, in uns vielleicht eine Schwelle vom Alten zum Neuen, wie hoch ist sie, können wir sie überschreiten? Ich weiß es auch nach diesem Jahr nicht.

Angst, Plagen, Krieg und große Schrecken – und in den späteren Versen wird noch von „Jammerpforten und Blutvergießen“ die Rede sein –
das ist das eine wesentliche Realitätsthema dieses Paul-Gerhardt-Liedes, das andere ist die Vergänglichkeit des Menschen, und zwar in einer angesichts der erlebten Kriegsereignisse erstaunlichen Version:
nicht: „alles ist nichtig“, wie die skeptische Weisheit des Alten Testaments sagt oder auch einige Psalmen oder auch das Kirchenlied „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig, ist doch unser Leben!“ Paul Gerhardt bettet diesen Gedanken der Vergänglichkeit, dass unsere Zeit nur so dahingeht und unwiederbringlich verrinnt, ein in die religiös empfindsame und aufmerksame Beobachtung des ja, eben nicht: Werdens und Vergehens, das wäre ihm wohl zu allgemein philosophisch gewesen, sondern sehr viel positiver: des Lebens und Gedeihens und dem Bild vom Leben als Wanderschaft. Wanderschaft des Lebens, die ein Ziel hat: die Seligkeit bei Gott in Jesus Christus, und die getragen ist von der Treue und Hüterschaft des Lebens durch Gott in Jesus Christus.
Eine erstaunliche Festigkeit des Glaubens angesichts von so viel katastro-phal Erlebtem, nicht nur Krieg, sondern auch kriegsbedingt und krankheits-bedingtem Verlust fast aller Kinder und seiner Frau. Da bittet er Gottvater
um Hilfe und Segensschutz für die Opfer, die Verlassnen, Irrenden, Unversorgten, die Armen, die Kranken, die Niedergedrückten, Depressiven und Betrübten, wie es vor allem auch aus den Versen hervorgeht, die wir noch singen werden. Denn nach seiner Glaubensüberzeugung gibt es nur einen, der das Leben trägt und auch in schweren Zeiten durchträgt: Gott in Jesus Christus.
Wahrer, krisenerprobter, fester, ja sogar positiv-lebensmutiger, zum guten Weiterleben motivierender Glaube!
Haben Sie den, habe ich den, haben wir den angesichts dessen, was in unserem Leben auch im Kontext anderer Leben dieses Jahr erlebt haben?
Und zwar, jetzt nicht gemeint mit Blick in die weite Welt, sondern auf unseren eigenen Erlebniskontexte: Angesichts neuen Lebens, angesichts von Krankheiten und des Todes, angesichts des Überlebens – da schon eher! Angesichts des Auseinanderbrechens von Familien – das werden Sie sich selbst am besten denken können, was bei Ihnen und in Ihrem Umfeld war.
Können wir das alles, jeder für sich vor allem, auch irgendwie religiös „auf die Reihe kriegen“, deuten, verstehen? Christlich gar? Oder hat den Einen oder die andere das, was sie erlebt haben, eher in die Esoterik getrieben, in den Buddhismus, der ja im Kern sagt: dass alles Leben Leiden sei und dass es darum ginge, aus dem Kreislauf des Lebens und der Wiedergeburt als eines Leidenskreislaufs herauszukommen, über spezielle Meditation?
Alternative Sinnstiftungsangebote gibt es in der sog. globalisierten Welt mehr als genug. Was trägt aber wirklich?

Der heutige, kurze Predigttext aus dem Hebräerbrief bietet hier eine eindeutige Antwort, Hebräerbrief, Schlusskapitel 13, Verse 8 und 9a:
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Und dann heißt es noch weiter: nicht durch Einhaltung von Speisegeboten, nicht durch Opferdarbringung, also nicht durch irgendwelche Leistungen, die man erbringen müsste. Allein: Gutes zu tun und mit anderen zu teilen. Das aber wird nicht als gottgefällige Leistung angesehen, sondern als Gnadengabe eines festen Herzens.

Dass aber das Herz, die Glaubenseinstellung fest werde, dass du sozusagen fest glauben kannst wie Paul Gerhardt, wenigstens halb so fest – damit wäre ja schon viel gewonnen heute – wie es in seinem Lied heißt: das geschieht durch Gnade, ist also eine Gabe, die man hat oder nicht hat, um die man nur bitten kann:
Dass Du dich getragen fühlst in deinem Leben, dass du diese Geborgenheit in Gott in Jesus Christus fühlst, so dass du wenigstens einigermaßen stabil das Alte Jahr in rückblickender Deutung verlassen und das Neue Jahr mit Mut und positiver Perspektive angehen kannst, das ist der Wunsch an der Schwelle vom Alten zum Neuen:
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Vor allem heute: Trägt dich sein Glaube an ihn? An der Schwelle vom Alten zum Neuen Jahr? Darüber denken wir nach bei Orgelspiel.
Amen.

 

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