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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Gottesdienst am 25.12.2013, 10 Uhr, KvB-Haus
Predigt über Galater 4,4-7 von Pfarrer Johannes Habdank

Liebe Gemeinde,
Weihnachten, das ist Bethlehem und der Stall mit der Krippe, das sind Maria und Josef, die Hirten, die Schafe, Ochs und Esel. Die Weisen aus dem Morgenland rücken erst später an. Weihnachten, das ist der Stern über dem Stall und das Gloria der Engel über dem Hirtenfeld.
Weihnachten in der Kirche und in den Familien, das sind die Lieder „Ihr Kinderlein, kommet“ und „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ bis „O du fröhliche“ und „Stille Nacht“.
Der Predigttext für den heutigen 1. Weihnachtsfeiertag, das Christfest, spricht eine andere Sprache, seine Worte klingen sehr nüchtern, sachlich. Er steht geschrieben beim Apostel Paulus im Brief an die Galater, Kapitel 4,4-7. Die Worte lauten:

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Liebe Gemeinde, Paulus hat da Sätze geschrieben, die auf den ersten Blick gar nicht „weihnachtlich“ klingen. Keine Geburt im Stall, nichts von Hirten in derselben Gegend und kein Engel, der den Menschen Frieden verkündet. Eher ein juristisch anmutender Text mit Begriffen wie „Gesetz“ und „Erbe“. Beim näheren Hinsehen aber kann man merken, dass sich unter diesen Worten nichts anderes verbirgt als eine wahre Weihnachtsbotschaft, nur halt mal anders. Eine Botschaft, die aus Unterdrückten freie Menschen macht, die dafür sorgt, dass aus Bedrückten wieder fröhliche Menschen werden.
Zwei Gedanken möchte ich Ihnen anlässlich dieses Weihnachtswortes des Apostels nahe legen:

Erstens. Die Zeit ist erfüllt. Wann ist die Zeit erfüllt? Wann ist die „Wartezeit“ erfüllt, wie die Basisbibel übersetzt? Und zwar für uns jetzt, meine ich, in unserem heutigen Leben!
Das können wir für manches recht einfach sagen, für anderes nur schwer oder gar nicht.
Einfach ist es bei der Geburt: Ein Mensch wird in der Regel nach neun Monaten geboren.
Oder: Der Frühling beginnt meteorologisch am 1. März, wir „feiern“ ihn am 21. März, für gewöhnlich kommt er dann Anfang April in unseren Breitengraden, und dann kommen ja noch die Eisheiligen so gegen Mitte Mai, die „kalte Sophie“ – spätestens danach ist es wirklich Frühling. Ist also schon etwas unklarer, wann die Zeit erfüllt ist.
Ähnlich unklar ist es bei manchen Arztbesuchen, wann die Wartezeit erfüllt ist.
Und ganz schwierig wird es bei Fragen wie: Wann hört das endlich auf? Wie lange muss ich dies noch erdulden? Wann kommst du endlich mal zur Vernunft? Also im Umgang mit den eigenen Kindern oder zeitweise auch mit dem Partner vielleicht. Sie kennen da bestimmt genügend eigene Beispiele.
Ja, wann kommt für Sie der Zeitpunkt, an dem Sie aufgeben? Eine Sache, einen Menschen – weil es einfach zu schwierig geworden ist? Der Zeitpunkt, wo Sie sagen: Vergiss es, vergiss ihn oder sie, das hat keinen Sinn und Zweck mehr, da wird nichts mehr draus. Ich denke, die Antworten würden hier je nach persönlicher Veranlagung und Situation sehr unterschiedlich ausfallen. Am ehesten, denke ich, würden Sie Geduld und Langmut üben bei Ihren Kindern oder anderen Ihnen lieben Menschen, die Ihnen nahe stehen. Da kann die Geduld aber auch einmal ein Ende haben.
Gott scheint da anders zu sein als wir, was uns, seine Menschen betrifft, nach biblischer Überlieferung. Er gab wohl nie auf, gibt nie auf. Und darum heißt es im Hebräerbrief: „Nachdem Gott vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn“ (Hebräer 1,1) –
und im Wortlaut unseres Predigttextes heißt das:
„Als die Wartezeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.“ Jesus selbst soll damals wie heute die Erfüllung der Zeit, der Wartezeit sein. Grund genug, fröhlich zu sein, aufzuatmen, das Leben zu preisen? Wir ver-trauen auf einen Gott, der uns nicht fallen lässt? Auch ins uns Ungewis-se hinein. Einen Gott, der alles für uns gibt, damit wir leben, damit wir aufatmen können? Die Zeit ist erfüllt. Wann ist sie für uns erfüllt?

Zweitens. Die Geburt Jesu und sein Leben, seine Worte und seine Geschichte, haben den Menschen die Freiheit der Kinder Gottes ge-bracht. Nicht mehr Knechte des Gesetzes zu sein, sondern freies Kind, das gleichwohl in Gott als dem lieben Vater im Himmel geborgen ist.
Ich lese den kurzen, inhaltlich aber prägnanten Predigttext noch einmal:
Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.
Liebe Gemeinde, abgesehen davon, dass Paulus, der älteste schriftliche Zeuge des christlichen Glaubens, hier von einer „Frau“ spricht und von einer „Jungfrauengeburt“ nichts weiß, sondern nur davon, dass Jesus aus jüdischen Verhältnissen „unter dem Gesetz“ geboren und aufge-wachsen ist, sprechen diese paulinischen Worte von der christlichen Freiheit, und zwar mit Bezug auf das wesentliche Selbst- und Gottes-verständnis Jesu selbst. Und das, obwohl Paulus Jesus gar nicht gekannt hat, ja früher selbst erst jüdischer Christenverfolger gewesen war, dann zum Jesusglauben, zum Christentum bekehrt worden war.
Offensichtlich war aber soviel von Jesu Botschaft und Selbstverständnis an ihn herangedrungen, dass er den wesentlichen Kern der Jesus-Botschaft aufgenommen und kapiert hat: wie sich in seinen Worten Ausdruck verschafft: „Abba, lieber Vater!“ Das ist Jesu Originalton, zentraler Punkt seines Gottesglaubens.
Und dementsprechend heißt es nun: So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind! Das Bild vom Kind steht für Paulus für Freiheit im Gegenüber zum Knecht, der bedingungslos unterworfen ist.
Durch Jesus ist die Freiheit in die Welt gekommen, die Freiheit vom Gesetz. So deutet es Paulus. Wie und weil Jesus sie zu seinen Leb-zeiten selbst – oft sehr anstößig gegenüber der herrschenden Meinung im Judentum seiner Zeit – gepredigt und gelebt hatte. Denken wir an die Geschichte mit dem Ährenraufen am Sabbat. An seine Heilungen am Sabbat. Denken wir an seine das bisherige Gesetz völlig überbietenden Worte der Bergpredigt. Und denken wir an seine autoritative Zusammenfassung aller über 600 Gesetze seiner Tradition, wie wir sie im Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe finden. Einem ethisch-religiösen Befreiungsschlag erster Ordnung, der auf die Gesinnung des Menschen zielt und auf seine individuelle Verantwortung vor Gott.
Weswegen übrigens die heutige Diskussion, ob man als Christ Gesinnungs- oder Verantwortungsethiker sein soll, zu kurz greift – Jesus selbst war beides. Auch Luther hat sich beim Augsburger Reichstag auf Gewissen (Gesinnung) und Vernunft (Verantwortung) berufen, Jesus-konform.
Kind sein als Christ? Diese Metapher für das Glaubensverhältnis wurde seit der Aufklärung immer wieder auch kritisiert, auch von Pädagogen-seite, weil das Kind doch noch unmündig sei und abhängig und erst nach und nach sich verselbständige, emanzipiere. Solle der christliche Glaube ein Glaube der Unmündigen sein? Womöglich des blinden Gehorsams?
Dann wäre ja womöglich der Hund der beste Christ, wie der junge Hegel einmal kritisiert hat.
Paulus geht es aber darum gar nicht. Er redet von der Freiheit der Kinder Gottes, wie später Martin Luther dann auf seine Weise von der Freiheit eines Christenmenschen geredet hat: Gegenüber der Welt und ihren Menschen innerlich frei, wenn auch äußerlich ein dienstbarer Knecht im Sinne der Nächstenliebe, und - neben der Vernunft - nur ihrem persönlichen Gewissen und Herz verpflichtet, weil der Mensch darin, in Herz und Gewissen, rückgebunden und geborgen sei in Gott.
Wie Paulus es von Jesus übernommen hat. In Gott, Abba, lieber Vater.
Die Freiheit eines Christenmenschen als Kind Gottes ist genau das, was uns mit dem heutigen Text Paulus nahelegen, schmackhaft machen will.
Und: Abba, lieber Vater, das sprechen wir immer mit dem Vaterunser.

Ja, unser lieber Vater im Himmel, wie dich uns dein Sohn und sein Apostel nahegebracht hat, bist uns nahe und machst uns frei – wenn wir auch manchmal eine unbestimmte Zeit darauf warten müssen, bis die Zeit erfüllt ist, für uns, jetzt, und endgültig, bis wir dich schauen in Ewigkeit. Amen.

 

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