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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt an Heiligabend 2013 in Mariä Himmelfahrt, Aufkirchen

Audio (zum Nachhören)

 

„Wir sagen euch an den lieben Advent, sehet die erste Kerze brennt!“
Dieses Lied wurde mit zunehmender Zahl der Kerzen (und entsprechend wachsender Zahl der Liedverse) hier in dieser Kirche in der Adventszeit gesungen, etwa beim ökumenischen Familiengottesdienst am 1. Advent, zuletzt bei den ökumenischen Schulgottesdiensten der Oskar-Maria-Graf-Schule vor Weihnachten letzte Woche.
Wir sagen Euch an den lieben Advent –
vielfach steht bei unseren Häusern schon länger ein Christbaum vor der Tür, zu Hause im Wohnzimmer oder auch im Garten. Und oft wird schon vor der Zeit Weihnachten gefeiert, kirchenjahreszeitlich zu früh. Viele Menschen und Betriebe können oder wollen nicht mehr unterscheiden zwischen der Adventszeit als Zeit der Erwartung der Ankunft, und Weih-nachten selbst. Seit dem Oktoberfest werden Schokoladennikoläuse, Adventskerzen und Weihnachtssterne verkauft, und auf vielen Advents- und/oder Weihnachtsmärkten werden seit November Weihnachtswaren aller Art und Un-Art angeboten, entweder kommerziell oder für einen guten Zweck, manchmal auch beides kombiniert, dazu Glühwein zum „Vorglühen“ auf das Fest, mit Nürnbergerle in der Semmel, gebrannten Mandeln, Magenbrot, Strohsternen und immer noch auch echtem Wachskerzenlicht, verbunden mit dem Hinweis: „Strohstern nicht über brennende Kerze hängen!“ Touristen vor allem aus Italien kommen zu uns und sagen im Fernsehinterview: „Das ist ja hier so schön wie das Oktoberfest, so etwas haben wir bei uns nicht! Ja, der Christkindel- und Kripperlmarkt in München ist etwas Besonderes, er hat so etwas Gemütliches, Heimeliges, ja Geheimnisvolles an sich. In und jenseits allen Kommerzes scheint diese Zeit etwas Heimelig-Geheimnisvolles dann doch an sich zu haben, vielleicht nicht nur für Auswärtige?
Kritiker sagen: Der Ad-vent ist zum E-vent geworden. Und es gibt tatsächlich bayerische Städte, die für die Organisation der öffentlich zelebrierten Adventszeit eigens einen, ja, nicht Ad-vent-, sondern E-ventmanager eingestellt haben, Würzburg etwa.
Da kann man sich schon fragen: Was bleibt noch für das eigentliche Event? Heiligabend und Weihnachten?
Eine etwas andere Perspektive, ein anderes Schlaglicht auf Weihnach-ten wirft das Votum des Sprechers eines bekannten Dienstleistungs- und Logistikunternehmens, das allen ermöglichen will, die Weihnachtsartikel und Geschenke per Internet von zu Hause aus zu bestellen und dorthin auch schnellst möglich zugeschickt zu bekommen, rechtzeitig vor und zu Weihnachten: Es gebe zwar, zugegeben, unternehmensintern bisweilen „geringfügige Friktionen“, aber für den Kunden sei allein wichtig, Zitat: „Die Weihnachts-Deadline ist nicht in Gefahr!“

Liebe Heiligabend-Gemeinde!
„Weihnachten als Deadline!“ Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen! Wo wir doch ein positives Lebens-Event feiern! Jesus Christus ist geboren!
Nun, Weihnachten wurde in der Christentumsgeschichte nicht von Anfang an gefeiert. Die ersten Jahrhunderte nach Christus standen Jesu Tod und Auferstehung im Glauben der Christen mit Karfreitag und vor allem Ostern im Vordergrund. Also, wenn man denn so will, die Deadline des Lebens Jesu mit Tod und Auferstehung als Beginn eines neuen Zeitalters und Glaubenslebens wurden gefeiert. Erst Mitte/Ende des 3.Jahrhunderts nach Christus begann man überhaupt den Geburtstag Jesu zu feiern, wie der Stuttgarter Pfarrer und Redakteur Kurt Rommel einmal über „Ursprung und Sinn des Christfestes“ schreibt:
„Allerdings wusste damals niemand, wann Jesus genau geboren wurde. Jahr und Tag waren nicht bekannt, und man stritt sich um den Geburts-ort. Mit den Angaben war man schließlich auf die beiden biblischen Texte angewiesen. Lukas 2 und Matthäus 2 geben zu verschiedenen Geburtsjahreszahlen Anlass (4 Jahre vor oder 7 Jahre nach der Zeitrechnung). Zum Geburtstag sagen beide nichts. Und zum Ort macht das Neue Testament zwei Aussagen. Aus Nazareth oder Bethlehem könnte Jesus stammen. Wer eine historische Antwort haben will, der wird Nazareth sagen müssen. („Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?“) Wer eine (Sinn deutende), theologische Antwort will, wird von Bethlehem reden dürfen, von dem Ort, aus dem David stammt ( … Jesus gilt (über die Ahnenreihe Josefs) als Davidssohn). Der Geburtstag Jesu gewann Interesse, als die Botschaft Jesu in Länder kam, in denen der Geburtstag der Menschen und der Götter wichtig war. Und je nach Interesse und Gottheit und Überlegung setzte man die Termine fest. Insgesamt gibt es 12 verschiedene mögliche Geburtstermine Jesu. Zwei sind für uns heute noch wichtig, weil sie sich bei uns eingeführt haben: Der 25. Dezember (nicht der 24. Dezember!) und der 6. Januar. In der Ostkirche wird heute noch der 6. Januar als Weihnachtsfest begangen (…). Der 25. Dezember wurde im 3./4. Jahrhundert festgesetzt, um den Sonnengott, dessen Geburtstag an diesem Termin war, zu vertreiben. Die unbesiegbare Sonne Jesus besiegt den Sonnengott und erhebt damit Anspruch auf die Welt. Der Siegeszug dieses Termins und des damit gegebenen Festtages war mit Konstantin dem Großen, der 325 nach Christus das Christentum als Staatsreligion im Römischen Reich einführte, gesichert. Obwohl im Neuen Testament nur wenige Texte auf Jesu Geburt hinweisen und die meisten Texte nur sein Geborensein erwähnen (z.B. Johannes 1: Das Wort ward Fleisch und wohnte mitten unter uns; …; Galaterbrief des Apostels Paulus: Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn… ), bekam der Geburtstag Jesu immer mehr Gewicht. Heute ist er zum höchsten Festtag der Christen aufgestiegen.“ (Soweit der Pfarrer aus Württemberg.)
Warum ist das so, liebe Gemeinde? Historisch gesehen hat das sogenannte „Weihnachtschristentum“ erst und verstärkt seit etwa zwei bis dreihundert Jahren diese enorme Hochkonjunktur gewonnen, also in Neuzeit und Moderne. Warum? Weil hier zunehmend die menschliche Subjektivität, die Persönlichkeit des Einzelnen politisch, philosophisch und theologisch ins Zentrum der Betrachtung und des Lebens gerückt ist. Und damit auch die Biografie jedes Einzelnen. Und unter diesen geistes-, ideen- und mentalitätsgeschichtlichen Entwicklungsbedingun-gen gewinnt der Geburtstag des Einzelnen zunehmend an Bedeutung. Und in der zunehmenden Reflexion und Würdigung des eigenen, je persönlichen Geburtstags, der seither immer mehr gefeiert wird, gedenkt man auch des Geburtstags dessen immer mehr, der als möglicher oder tatsächlicher Sinnstifter des eigenen Lebens in Frage kommt bzw. geglaubt und verehrt wird: Jesus Christus selbst. Theologiegeschichtliche Voraussetzung war gewesen, dass die Reformation Martin Luthers aus Weihnachten als – damaligem – Marienfest das Christfest gemacht hatte, also den wieder in den Mittelpunkt gerückt hatte, um den es eigentlich geht.
Uns interessiert heutzutage Jesu Geburt deshalb so besonders, weil die Geburt eines Menschen überhaupt, sein Geburtstag, seit einigen wenigen Jahrhunderten besonders interessiert.
Denken wir an die Geburt eines Kindes heute: Darum wird ja ein fast schon religiöser Kult und auch kommerzieller Riesenzirkus aufgeführt. Rituale der Beobachtung und Absicherung, der Vorsorge für jedes noch so geringe Risiko, ein permanent wirkender polyphoner Begleitchor von Beratungsanbietern aller Art und Un-Art vorher und nachher, vor dem man sich kaum retten kann – ich habe das dreimal selber miterleben dürfen – es ist schlimmer als auf einem Advents- oder Weihnachtsmarkt: der Advents-Markt um die Ankunft, bevorstehende Geburt eines Kindes.
Und dann das durch nichts zu garantierende, abzusichernde oder zu ersetzende, sondern nur dankbar zu bestaunende und zu empfangende Wunder eines neuen Menschenlebens!
Was geschieht nun aber, wenn ein Kind in dieser Welt angekommen ist? „Ein Kind verwandelt das Leben. Mütter, Väter, Großeltern, sie alle bestätigen das: Kommt ein Kind zur Welt, bleibt kaum etwas, wie es war. Wir richten unsere Tagesabläufe darauf ein, unser Freizeitverhalten, die Schlafens- und die Aufstehzeit, die Möblierung unserer Wohnung, unsere Bekanntschaften und Kontakte, die Gesprächsthemen, die Urlaubsziele, das Fabrikat unseres Autos: Kindersitze, Platz im Kofferraum für den Kinderwagen, kurz: Ein Kind verändert unsere gesamte Lebensgestaltung. Es verwandelt unsere Perspektiven und Lebensentwürfe; wir werden genötigt, die Schwerpunkte anders zu setzen. Was uns bisher als erstrebenswert erschien, muss völlig neu überdacht werden. Und auf einmal werden Erwachsene, die bis dahin anscheinend völlig unabhängig über ihr Leben, ihre Zeit, ihr Geld, über Ernährung, Kleidung, Wohnung ... verfügten, zu Bezugspersonen eines Kindes. Nicht: Eltern bekommen ein Kind, sondern: Erwachsene werden zu Bezugspersonen eines Kindes“, wie mein Münchener Kollege Harald Sauer es treffend beschreibt.
Übertragen wir diese Sichtweise auf die Geburt Jesu! Nicht: Maria und Joseph bekommen ein Kind, sondern: sie werden zu Bezugspersonen dieses Kindes. Und das verändert ihr Leben, nachhaltig und nicht gerade einfach für sie. Dass es ein besonderes Kind ist, wird in den Geburts-geschichten dargestellt und urchristlich damit zum Ausdruck gebracht, dass es göttlichen Ursprungs sei. Und Jesus hat ja auch in Gott seinen wahren Vater gesehen: Und wir beten heute noch, alle Christen weltweit, noch mit Jesu Worten: Vaterunser im Himmel.

Mit Leben und Wirken, Wort und Geschichte Jesu ist etwas Neues in die Welt gekommen, das im Effekt zu einer neuen Religion, heute der weltweit größten geführt hat, mit bekanntlich auch problematischen, schlimmen geschichtlichen Erscheinungen zu bestimmten Zeiten des Missbrauchs von Jesu Ideen, aber eben auch mit sehr vielen segens-reichen geistes- und realgeschichtlichen Folgen und Entwicklungen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die historische Aufklärung war nur auf dem Boden des Christentums möglich, speziell des protestantischen. Die Entwicklung einer modernen Wirtschaft und der Sozialen Marktwirt-schaft ebenso. Die Kunstgeschichte ist wesentlich christlich geprägt gewesen in großen Teilen der Welt.
Und was im Geiste der Nächstenliebe und Barmherzigkeit heute weltweit professionell oder ehrenamtlich, offen oder im Verborgenen getan wird, tagtäglich, das ist alles letztlich eine Folge von Jesu Geburt und seinem Leben und Wirken.
Und so prägt uns alle, ob wir es uns bewusst machen oder nicht, zumindest mittelbar heute dieses wahre „Event“, Ereignis von Bethlehem oder Nazareth in unserem Leben.

Nun, das Gebot der Nächstenliebe, das gab es zwar auch schon vorher im Judentum. Aber als ein Gebot unter vielen. Jesus hat es als das edelste Gebot zum Maßstab erhoben über alle anderen Gesetze, Gebote und Verhaltensnormen. Und so soll es, wenn wir denn seinen Geburtstag heutzutage schon zurecht so groß feiern wollen, auch für uns heute der Maßstab sein. Das Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Worin ist es begründet? In der Liebe Gottes selbst zu seinen Geschöpfen, in seiner Barmherzigkeit und Großzügigkeit und seiner Nachsicht und Vergebung. Dieses Gottesbild hat Jesus gepredigt und selbst auch gelebt.
Lassen wir uns auch heute davon anstecken im alltäglichen Verhalten, Wahrnehmen, Denken und Tun. Es ist nicht immer einfach. Und es gehört manchmal sehr viel Geduld dazu, manchmal auch Geld, auf jeden Fall die Phantasie der Liebe – und: es gibt auch Rückschläge. Da darf man sich nicht unterkriegen lassen.

Liebe Heiligabend-Gemeinde, ich bin kein Moralapostel. Moral ist immer das, was für Kirchen und Prediger am billigsten zu haben ist, besonders in Form von Apellen an andere!
Die Anregung, die ich heute für Sie als mündige Weihnachtschristen habe: Machen Sie sich Ihre Gedanken, wie Sie für sich und andere leben und umsetzen können und wollen, was an Inhalten und Perspektiven mit Jesu Geburt in diese Welt gekommen ist – was wir an Weihnachten feiern: dass sein Licht in diese Welt gekommen ist und auch heute weiterleuchtet in uns und durch uns.
Amen.

 

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