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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt
Pfarrer Johannes Habdank am 20.10.2013 (21. Sonntag nach Trinitatis)

Eine Legende erzählt von einem jungen König, der nach dem Tode seines Vaters die Regentschaft über sein Königreich übernahm. Weil er das Land gut regieren wollte und außerdem sehr wissbegierig war, bat der junge König die Weisen seines Landes: „Tragt alles Wissenswerte über das Leben zusammen.“ Die Gelehrten machten sich fleißig an die Arbeit und legten nach 40 Jahren ihre Studien in tausend Bänden vor. Der König war inzwischen 60 Jahre alt. Er bat die Gelehrten, weil er die tausend Bücher nicht mehr alle lesen könne, das Wichtigste herauszuschreiben. Nach zehn Jahren hatten die Weisen ihre Einsichten in das Leben in hundert Bänden zusammengefasst. Der König sagte: „Das ist noch zu viel. Mit siebzig Jahren kann ich nicht mehr hundert Bände studieren. Schreibt nur das Allerwichtigste!“ Die Gelehrten gingen wieder an die Arbeit und brachten das Allerwichtigste in einem einzigen Buch zusammen. Damit gingen sie zum König. Doch der lag schon im Sterben und wollte nur noch von den Gelehrten das Wichtigste aus ihrer Arbeit erfahren. Da fassten sie das Wichtigste in einem einzigen Satz zusammen und sagten: „Die Menschen leben, suchen das Glück, leiden und sterben; und was wichtig ist und überlebt, ist die Liebe, die empfangen und geschenkt wird.“ (zitiert nach Reinhard Ellsel)

Liebe Gemeinde!
Was bleibt von dem, was Sie und ich uns einmal alles erträumt und erarbeitet haben, was wir bekommen und gegeben haben? Was bleibt überhaupt, wenn wir einmal aus diesem Leben gehen müssen?
Antwort: Die Liebe, die wir empfangen und geschenkt haben.
Dass die Liebe das Wichtigste und Beständigste ist: Darum geht es auch im heutigen Predigttext, einer Passage aus den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium, Kapitel 15, 9-17: „Das Gebot der Liebe“
Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er's euch gebe. Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.

Das sagt Jesus kurze Zeit vor seiner Gefangennahme, Verhör, Geißelung, und Verspottung, Verurteilung und Kreuzigung. Er sagt es zu seinen Jüngern zum Abschied, es ist sein Vermächtnis an sie. Dass sie auch dann sein Glaubens- und Lebenswerk weiterführen, wenn er nicht mehr lebend unter ihnen sein wird.
Und sein Glaubens- und Lebenswerk ist: die Liebe, die er selbst von Gott empfangen hat und in der er treu geblieben ist und bleibt bis in den Tod; die Liebe, der er selbst den von ihm ausgewählten Jüngern weitergegeben hat, wie es den Geboten, dem Willen Gottes entspricht; und die die Jünger aus dieser ihnen geschenkten Kraft der Liebe an andere weitergeben sollen.
Jesus gebietet es den Jüngern: nicht im Sinne eines Herrn, der seinem Knecht etwas befiehlt. Die Jünger sieht er nicht als seine Knechte an, die blind gehorchen und ausführen, was ihnen gesagt wird. Nein, gebieten im Sinne von: er legt es ihnen dringend nahe, als Freund den Freunden, weil er es ihnen zutraut. Und wenn sie zu schwach dazu wären, meinten es nicht zu schaffen, dieses Gebot Jesu zu erfüllen, dann werden sie es doch schaffen, wenn sie Jesu Vater im Himmel darum nur bitten. Denn von ihm her stammt die Kraft der Liebe ursprünglich, ja, wie es im 1.Johannesbrief heißt: Gott ist die Liebe.

Dieses Liebesgebot Jesu, das in der Gottesliebe selbst gründet, hatten damals die Jünger nötig zur Ermahnung, Erinnerung und Ermutigung, genauso wie wir heute, zur Ermahnung, Erinnerung und Ermutigung.
Zur Ermahnung: Auch wir Christen damals wie heute sind ja nicht immun gegen Hassgefühle, Neid, Heuchelei, Verachtung, Geringschätzung anderer bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung, Arroganz usw. Das alles immer wieder zu überwinden, dazu ermahnt uns das Liebesgebot.
Erinnerung: das Gebot erinnert uns daran, dass in Jesu Sinne der andere, der unsere Hilfe braucht und auch will, im Mittelpunkt steht. So wie er es selbst so viele Male seinen Jüngern, seinen Gegnern und Zuschauern vorgeführt, vorgelebt und Nächstenliebe praktiziert hat. Vom Nächsten her die Sache sehen, sich in ihn hineinversetzen – Empathie ist das Stichwort – um ihn zu verstehen und aus seiner Perspektive merken, was er braucht, und nicht was ich meine, dass er braucht, um es ihm bevormundend überzustülpen.
Bsp. Eine hochbetagte Frau steht in der Nähe einer Bushaltestelle am Straßenrand, ein Mann kommt und hilft ihr über die Straße. Als er weg ist, geht sie ganz alleine wieder zurück, schließlich kommt der Bus, mit dem weiterfahren will.
Ermutigung: Wir sind dazu nicht immer in der Lage, aus vielen Gründen zu schwach, willensschwach, vielleicht auch schlecht drauf oder de-motiviert, „kein Bock!“ – da soll uns das Liebesgebot „Liebe deinen nächsten wie dich selbst!“ ermutigen, nicht aufzugeben, sondern uns Nächstenliebe zuzutrauen.

Liebe Gemeinde, gestern wurde ein Brautpaar getraut, das sich einen Trauspruch ausgesucht hat von Michel Quoist, einem französischen Priester und Schriftsteller im 20. Jahrhundert, der Bedenkenswertes zum Thema Liebe sagt: „Wer den Anderen liebt, lässt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird.“ Der Spruch beruht auf der Erfahrung, dass es auch anders sein kann. Wohl jeder von uns kann sich an Situationen erinnern oder Verhältnisse, Beziehungen, wo er nicht so sein durfte wie er war, ist oder sein wird, wie es im Spruch heißt: „Wer den Anderen liebt, lässt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird.“ Ich denke zum Beispiel an penetrante Belehrungs- und Korrekturversuche durch andere, oder an zähe Umerziehungsbemühungen, wo Du nicht so sein durftest wie Du bist, mit deiner ganzen Geschichte und deinem ganzen Zukunftspotenzial, deiner ganzen Art, dem Bekannten und dem Unbekannten an dir, in dir, vielleicht auch einmal so, dass es nicht mehr auszuhalten war. Kennt wahrscheinlich jeder von uns, privat oder im Beruf. Wer weiß kein Lied davon zu singen?!
Wer den Anderen liebt, lässt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird. Wenn wir diese Worte nicht nur aus der Opferperspektive verstehen wollen, sondern aus der Aktivrolle, der Täterperspektive sozusagen, so wird sich wohl auch jeder von uns an Situationen erinnern, wo er selber einen anderen nicht gelten ließ, wie er war, ist und sein wird. Weil der andere eben doch anders, als man ihn gerne hätte, ist und bleibt zumindest in Manchem, was man vielleicht aus seiner Geschichte heraus erklären und verstehen und nachvollziehen kann, was ja gut ist, wenn man das tut, aber: das macht den anderen nicht anders, ändert ihn nicht, macht ihn nicht stärker so, wie ich ihn mir selber gebacken hätte! „Wer den Anderen liebt, lässt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird.“ Das ist ein Aufruf zu grundsätzlicher Toleranz im Verhalten und Umgang miteinander, und je intensiver die Beziehung zum Nächsten, zum Partner, zum Freund ist, umso stärker gilt diese Aussage. Toleranz bedeutet nicht, dass man alles durchgehen lassen muss, was der andere macht, und sich alles gefallen lassen muss. Aber doch, dass man sich selbst nicht zu wichtig nimmt, weil man seine eigenen Grenzen kennt und deswegen vielleicht auch leichter die des anderen anerkennen kann, akzeptieren kann.
Toleranz kommt von tolerare, ertragen. Ja, wenigstens Ertragen kann manchmal eine Form der Liebe sein. Wie jemand, der ihn näher kannte, über den neulich verstorbenen Marcel Reich-Ranicki gesagt haben soll: Man musste ihn lieben, um ihn ertragen zu können!
Oder wie Konrad Adenauer gesagt hat: „Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt's nicht.“ Das klingt sehr realistisch, aber leicht resignativ. Immerhin lässt man, wenn man die Menschen nimmt wie sie sind, den anderen so gelten, wie er war, ist und sein wird! Darin zeigt sich Liebe.
Ja, die gebotene Liebe kann viele Formen annehmen, je nach Person und Situation, Lebensgeschichte und Gegenwart.
„Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe“, sagt Jesus, bis hin – im Extremfall – zur Aufopferung.
Wenn wir seinen Willen tun, so Jesus, sind wir seine Freunde, indem wir die Liebe, die wir empfangen haben, weitergeben, selber umsetzen. Denn das ist am Ende das Wichtigste, wie auch eingangs die Königslegende gezeigt hat: ob du Liebe weiter gegeben hast.
Amen.
Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.
 

 

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