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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt über 1. Johannes 3,16; 4, 7-12, 15. So.n.Trin., 8.9.13, St. Joh.

Liebe Gemeinde,
„Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Diese Worte sind Ihnen bekannt, Sie haben sie bestimmt schon einmal gehört. Es ist ein Vers aus dem 1. Johannesbrief 4, 16.
„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Dieser Teil des Verses wird hin und wieder als Taufspruch gewählt – ich vermute, weil man durch ihn mehr oder weniger bewusst die Symbiose der Eltern-Kind Beziehung überwölbt oder auch durchdrungen sieht von der ethisch-religiösen Beziehung von Gottes Liebe zu uns und unserer Liebe. Und damit dient dieser Spruch als wunderbares christliches Deutungsmuster für die lebensweltlich-erfahrbare Situation einer jungen Familie, die ihr Lebensglück und ihre Liebe der Liebe Gottes verdankt, dies so erfährt und ansieht.
Es war übrigens auch mein Taufspruch, den ich mir im zarten Alter von nur 4 Monaten selbst ausgesucht – naja … .
Denselben Spruch suchen sich wiederum kaum die Konfirmanden als Konfirmationsspruch aus, warum? Weil, wie ich vermute, in diesem Lebensalter von 13-14 Jahren die Eltern-Kind-Symbiose ein eher kritisches Thema ist.
Erst dann wieder, wenn die Menschen "gereift und erwachsen" in den „Hafen der Ehe einfahren“ - ein eher behäbiges Bild: hoffentlich ist die Beziehung selbst spannender! – , dann ist die religiöse Überwölbung und Durchdringung enger Liebessymbiose wieder mehr gewünscht: diesmal als Trauspruch bei der Hochzeit in Kirche. Auf Zeit? Auf Lebenszeit!
„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
Der Predigttext für heute steht ein paar Verse vorher geschrieben, auch im 1. Brief des Johannes im 4. Kapitel, es sind die Verse 7-12. Er lautet:
„Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.
Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden.
Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.“
Das ist ein sachlich völlig logischer Text und in sich stimmiger Gedankenzusammenhang, liebe Gemeinde. Es ist die argumentative Darlegung des Spruchs vom Beginn. Und die sachliche Logik ist die:
Gott ist die Liebe.
Diese Liebe ist uns in Jesus Christus erschienen zur Versöhnung und zum Leben: für uns.
Wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott: denn er ist ja die Liebe.
Diese Liebe – das ist ihr Zuwendungscharakter - sollen wir entsprechend in Form der Nächstenliebe weitergeben.
Auch wenn keiner Gott je gesehen hat, wird doch an dieser Liebe untereinander erkennbar, dass Gott dennoch gerade darin in uns ist.
Denn wer liebt, der kennt Gott und ist von Gott, der ja die Liebe ist.
Wer dagegen nicht liebt, der kennt Gott nicht. Kann auch gar nicht, weil nur die gelebte Liebe zeigt, dass Gott in ihm ist.
Soweit systematisiert der Themenzusammenhang von Gottes- und Nächstenliebe nach dem Predigttext aus dem 1. Johannesbrief.
Liebe Gemeinde,
Jesus hat in der Bergpredigt gesagt: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen (Matthäus 7, 16). In Weiterführung dieser Linie können wir die heutige Bibelstelle aus dem Johannesbrief verstehen. Darin, dass wir uns untereinander, den Nächsten lieben, erweist sich die Liebe Gottes in uns, aus der heraus wir selbst wieder lieben.
Nun kann man sich fragen: welche Liebe ist gemeint? Gerade unter den Bedingungen eines einerseits romantisierten, andererseits immer noch mehr kommerzialisierten Liebesverständnisses – auch im Bereich organisierter Wohltätigkeit, Adveniat, Brot für die Welt und viele andere.
Luther hat in seinen „Auslegungen über die erste Epistel St. Johannis“ in Vorlesungen aus dem Jahre 1527 eine „Anmerkung von der rechten Art der Liebe“ verfasst, die ich Ihnen vorlese:
„Das ist nicht die rechte Art der Liebe, wenn man nur seinem Nächsten viel schenkt, denn dieses Letztere können auch die Heiden thun. Son-dern die wahre Liebe ist eigentlich eine vom Heiligen Geist im Herzen gewirkte Bewegung, seinem Nächsten wohl zu wollen. Daher hat Paulus geschrieben: >Wenn ich alle meine Habe nähme und gäbe sie den Armen, und hätte dabei der Liebe nicht, so wäre ich nichts<, 1 Cor. 13,3. Geben ist also zwar eine Frucht der Liebe, aber nicht die Liebe selbst. Dieser Spruch Pauli ist also eine rechte Regel, wonach die Liebe beurtheilt werden muss. Die Liebe ist eine geistliche Gabe, welche das Herz, und nicht allein die Hand rührt, welche das Herz reinigt, keines-wegs aber den Beutel ausfegt und das zur Unterhaltung des Lebens nöthige Vermögen erschöpft. Sie ist ein brünstiger Wille und Gewogenheit. Es wird demnach von Johanne eine geistliche Art der Liebe erfordert, in welcher ich nicht vor der Welt, sondern vor Gott bestehe. Bei der Liebe der Welt ist nicht die Lust, Gutes zu thun, aber die Liebe der Christen empfindet eine solche Lust. Liebe heißt nicht das, was die Hand thut, sondern was das Herz empfindet.“
Beides ist also klar zu unterscheiden, schließt einander aber nicht aus, sondern ergänzt sich beim Christenmenschen. Von der Größe der mate-riellen Zuwendung hängt es nicht ab, ob Nächstenliebe das Motiv ist. Auch das geringe „Scherflein der Witwe“ gilt. Und: Es gibt auch immaterielle Formen der Nächstenliebe: allein schon jemandem, der es braucht, aufmerksam zuzuhören, jemanden zu trösten und vieles andere mehr. Kostet kein Geld, aber Zeit, Einfühlungsvermögen und feinfühlige Phantasie, Achtung und Liebenswürdigkeit gegenüber dem anderen, damit du ihm zum Nächsten wirst. Was seine Grundlage darin findet, dass er ein Mensch wie du ist.
“Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
Liebe Gemeinde, nur als Problemanzeige sei hier angemerkt:
Luther selbst fand diesen Spruch einerseits genial vereinfachend, aber auch „vollmundig“. Er hat einmal an anderer Stelle sinngemäß gesagt: Was nützt es mir, wenn Gott die Liebe ist - und ist es mir nicht !?
Das ist ein großes Problem, eine schwierige Frage: Ich weiß zwar, dass die christliche Lehre und Kirche das sagt, dass Gott die Liebe sei, kann es aber nicht glauben, weil ich nichts davon spüre. Ein Blick in die Nachrichten oder auch oft nur ins nähere Umfeld oder in das eigene Leben genügt. Ich sehe davon nichts, dass Gott die Liebe ist, ich spüre es auch nicht recht im eigenen Leben. Wer also behauptet, Gott sei die Liebe, der ist doch recht realitätsfremd!
Ja, richtig. Gott ist aber auch nicht identisch mit unserer weltlich-irdischen Realität, nicht mit dem, was in der Welt passiert, von der Naturkatastrophe bis hin zum Krieg. Vom Suizid bis zum Massenmord. Vom Krankheitsschicksal bis zur Verzweiflung. Wo ist Gott da? Wo ist der Gott, der die Liebe ist? Ja, gibt es denn diesen Gott überhaupt? Für mich? Wenn es so leicht wäre, hier eine Antwort zu finden!
Die mir am ehesten einleuchtende und klügste, die ich gefunden habe, ist wiederum von Luther:
Unser Gott, wenn er denn Gott ist, hat eine noch ganz andere, uns unverständliche, abgewandte, dunkle Seite. Wir dürfen dankbar sein, wenn uns seine Liebe zugewandt ist und uns in schwierigen Situationen trägt. Unser Glaube kann letztlich nur das Wagnis des Vertrauens in das uns Ungewisse hinein sein: dass hinter allem doch am Ende seine Güte steckt, die wir so oft nicht erkennen und erleben können. Luther ist sogar der Ansicht, dass Gott uns mit seiner Liebe unter dem Gegenteil dessen, was wir als seine Liebe ansehen und verstehen würden, erscheint und sich so indirekt, sehr verdeckt bemerkbar macht - für den, der´s merkt.
Auch etwa im Leiden ist Gott, wie bei Jesus selbst, uns verborgen gegenwärtig, und will uns zu sich ziehen und uns trösten, nahe sein.
Ein solcher Glaube, wenn er einem denn gegeben ist, dient aber sicher nicht dazu, alles Schlimme und Böse, was wir Menschen auf der Welt anrichten und erleben, zu verharmlosen, zu entschuldigen oder zu legitimieren. Nein, dagegen gilt es vorzugehen und denen, die Hilfe brauchen und auch wollen, „wohl zu wollen“ und effektiv tätig zu werden.
Der 1. Johannesbrief hat dieses Problem Luthers und auch unser heutiges kritisches Befragen der Liebe Gottes und des Gottes, der Liebe ist, nicht zum Gegenstand. Da wird ganz einfach gesagt: In unserer tätigen Nächstenliebe ist Gott als Liebe enthalten, voraussetzungsweise da, als verursachende, motivierende Kraft. Dann bräuchten wir uns also nicht im wahrsten Sinne des Wortes „um Gott und die Welt“ Gedanken zu machen, sondern einfach "nur" zu tun, was die Liebe fordert. Wie Augustinus es gesagt hat: Liebe, und tu was du willst!
Einige Anregungen, Leitgedanken dazu zum Schluss, wie das in der Lebenspraxis aussehen könnte: Worte, die sich neuerdings immer mehr Brautpaare als Lesung wünschen, natürlich nicht so oft wie das Hohelied der Liebe des Apostels Paulus, aber immer öfter!
Der Titel ist: Ohne und mit Liebe – es sind Worte von Laotse und Hans Küng, die erste Satzhälfte soll von Laotse sein, die zweite hat Hans Küng ergänzt. Die Worte lauten:
Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich, Pflicht in Liebe macht beständig.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos, Verantwortung in Liebe macht fürsorglich.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart. Gerechtigkeit in Liebe macht zuverlässig.
Erziehung ohne Liebe macht widerspruchsvoll, Erziehung in Liebe macht geduldig.
Klugheit ohne Liebe macht gerissen, Klugheit in Liebe macht verständnisvoll.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch, Freundlichkeit in Liebe macht gütig.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich, Ordnung in Liebe macht großzügig.
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch, Sachkenntnis in Liebe macht vertrauenswürdig.
Macht ohne Liebe macht gewalttätig, Macht in Liebe macht hilfsbereit.
Ehre ohne Liebe macht hochmütig, Ehre in Liebe macht bescheiden.
Besitz ohne Liebe macht geizig, Besitz in Liebe macht freigebig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch. Glaube in Liebe macht frei.
Amen.
Und der Herr sei mit Eurem Geiste. Amen.

 

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