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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank am 20. Sonntag n. Trin.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht geschrieben bei Markus im 2, Kapitel, die Verse 23-28, die Geschichte beleuchtet Jesu Verhältnis zum Sabbatgebot.
Das Ährenraufen am Sabbat
Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.
Und in der darauf folgenden Geschichte heilt Jesus in der Synagoge von Kapernaum einem Mann die abgestorbene bzw. verdorrte Hand: das passiert auch wieder an einem Sabbat. Woraufhin die Pharisäer sich mit den Leuten des Herodes treffen, um zu beraten, wie sie Jesus ein Ende bereiten könnten.

Liebe Gemeinde,
wie es aussieht, hat Jesus Konflikte um zentrale Gebote seiner jüdischen Tradition wie das Sabbatgebot bewusst provoziert. Sicher nicht ohne sein Wissen, sondern mit seiner Tolerierung haben seine Jünger auf dem Wanderweg am Sabbat durch ein Kornfeld Ähren gerauft, gerupft – gezupft. Einfach so? Aus Freude am Leben? Weil´s Spaß macht? Warum Ährenraufen am Sabbat, was doch verboten ist? Es gilt als ernte-ähnliche Tätigkeit und damit als Arbeit. Du sollst aber ruhen am Sabbat!
Manche Ausleger des Textes meinen: die Jünger hätten sich und Jesus einen Weg durch das Feld bahnen wollen. Kann sein, im Urtext heißt es auch tatsächlich wörtlich: sie begannen einen Weg zu machen, sich ihren Weg zu bahnen. Dazu braucht es aber mehr als nur Ährenraufen. Ist also nicht ganz sicher als Motiv. Und übersetzt kann der Urtext auch bedeuten: sie gingen los, machten sich auf den Weg.
Andere Ausleger sagen: der Wanderprediger Jesus und seine Jünger hätten immer wieder einmal unterwegs nicht genug zu essen gehabt, somit aus Hunger und Not Ähren gerupft und die Körner gegessen. Ja, Not kann zum Mundraub verleiten! Was freilich darüber hinaus mit erklären könnte, warum Jesus, wenn er dann wieder einmal in eine Ortschaft kam und eine Gelegenheit dazu fand, sich gerne einladen ließ zum gemeinsamen Essen und Trinken, ja, sich auch gerne selbst einlud – zumindest bei seinen Gegnern war er ja bekanntlich als „Fresser und Säufer“ verschrien. Letzteres, also was den Hunger und seine unterschiedlichen Möglichkeiten, ihn zu stillen, betrifft oder gar die Konsumgewohnheiten des Herrn: ja, das mag alles so gewesen sein, bleibt aber letztlich unsere Vermutung, wenn auch mit recht hoher historischer Wahrscheinlichkeit.
Das Motiv der Jünger Ähren zu raufen am Sabbat ist also nicht ganz geklärt. Es dürfte auch eine gewisse Lust zur Provokation dabei eine Rolle gespielt haben, aus Überzeugung. Und dann ist nicht so sehr das Motiv interessant, sondern die beabsichtigte Wirkung.
Wirkung auf wen? Auf die Pharisäer!
Die haben nämlich offensichtlich die Jünger und Jesus draußen auf dem Feld beobachtet, wie Markus berichtet. Dann müssten sie freilich in der Nähe des Feldes gewesen sein! Feldstecher, Ferngläser, Operngläser und ähnliche optische Instrumente sind ja erst neuzeitliche Erfindungen, gab es also noch nicht! Welche Pharisäer können es also nur gewesen sein, wie manche meinen: pharisäisch geprägte Bauern, die die Jünger beim Ährenraufen am Sabbat auf ihren Feldern gesehen, „erwischt“ und Jesus als den Verantwortlichen zur Rede gestellt hätten. Nun, ob es Bauern waren? Wir wissen es nicht, das steht wiederum nicht da. Im Gegenteil: die nachfolgende Heilungsgeschichte legt nahe, dass es gebildete, ja Berufs-Pharisäer waren, Religionsprofis, die dann auch den Kontakt zu den Herodes-Leuten aufnahmen.
Sind es also solche Pharisäer, keine galiläischen Landwirte, dann aller-dings wäre eines sehr peinlich und entlarvend in dieser Geschichte, ja so etwas wie der „heimliche Clou“ an ihr, nämlich: dass es gerade für streng gesetzestreue Juden, wie es diese Pharisäer nun einmal waren, am Sabbat völlig verboten war, sich soweit von ihrem Zuhause und seinem Umfeld wegzubegeben. Zur Synagoge und zurück ja, und in einem engen Umkreis sich zu bewegen, war klar definiert: gerade noch, aber zum Kornfeld? Diesen zu weiten Weg zu gehen, galt selbst schon als Verletzung des Sabbatgebots. Dann würden also an sich auf strenge Gesetzestreue erpichte Pharisäer unter eigener Brechung des Sabbat-gebots Jesus und seine Jünger der Verletzung des Sabbatgebots bezichtigt haben? Eine delikate, verdeckte Pointe dieser Geschichte, nicht ohne Süffisanz, wenn man so zwischen den Zeilen liest!
Liebe Gemeinde, das einzig Sichere, was da steht ist, was Jesus antwortet, bewundernswert schlagfertig, klar und auch kompromisslos:
Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Und das gilt für jeden Menschen. „Um des Menschen willen“, heißt es. Also „um jedes Menschen willen.“
Noch einmal: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Markus lässt Jesus dazu noch einen Nachsatz sprechen, sodass die allgemeine Aussage eine Zuspitzung mit Blick auf Jesus gewinnt: „So ist der Menschensohn ein Herr auch des Sabbats“, warum? Weil er, wie die Bezeichnung „Menschensohn“ besagt, selbst ein wahrer Mensch, ja der exemplarische Mensch! Und um den Menschen schlechthin geht es.
Er ist der Maßstab für alles andere.

Damit thematisiert, liebe Gemeinde, diese Geschichte etwas, was schon immer ein Problem war und auch heute noch ist und wohl auch immer sein wird, ein Thema, das nach wie vor virulent ist und oft auch lästig und ärgerlich präsent, die Frage: Sind Vorschriften, Gesetze, Ordnungen und Institutionen dazu da, das Leben einzuengen und fremd zu bestimmen bis hin zur gängelnden Durchführungspraxis mit Kontrollen bis in die letzten Ecken, selbst draußen auf dem Felde? So dass die Menschen, mit Jesus gesagt, für das Gesetz und nicht das Gesetz für die Menschen da ist?
Es geht im Kern um die Lebensdienlichkeit von dem allen: von Vorschriften, Gesetzen, Ordnungen. Grundsätzlich haben die ja alle einen positiv regelnden und entlastenden Sinn, wie wir seit Arnold Gehlens Institutionentheorie wissen - und damit ist gemeint: Es muss nicht jede Situation im Leben von jedem gänzlich neu erlebt, erfasst, eingeordnet, geregelt und bewältigt werden. Das wäre für uns Menschen eine zu große Belastung. Deshalb sind Regeln, Gesetze, Ordnungen, Konventionen, auch Traditionen grundsätzlich erstmal gut, weil sie uns entlasten und im sozialen Zusammenhang halten und sinnstiftend wirken.
Und so sahen die Pharisäer damals und sehen auch heute noch orthodoxe, strenggläubige Juden die göttlichen Gebote und ihre Untergebote und Detailregelungen, die alles bis ins Einzelne, jeden Einzelfall genau – also kasuistisch – regeln, als lebensdienlichen Rahmen zur strukturierten Sinngebung des individuellen und sozialen religiösen Lebens, die vielen Bestimmungen in unserem Fall zum Sabbat als Lebenschance, den Sabbat gottgerecht zu leben. Wer diese Grenzen übertrat, sollte des Todes sterben, so die Maßgabe seit der Exilszeit, also seit über 500 Jahren vor Christus.
Der Sabbat sei für den Menschen da, das konnten die Pharisäer in diesem ihrem Sinne auch sagen, wie Jesus. Nur Jesus verstand unter diesem Satz genau das Gegenteil! Die durchaus kritische, spontan menschenfreundliche, lebensdienliche freie Handhabung der Gebote war ihm wichtig.
Und das ist ja auch das Problem noch heute bei Vorschriften, Gesetzen und Geboten aller Art: wann schlägt ihr an sich positiv gedachter Sinn um in ins Gegenteil: in Einengung, Gängelung, Fremdbestimmung, Knechtung, ja Lebensfeindlichkeit?

Da wird sicher jedem zu vielen Bereichen des Lebens etwas einfallen und wird jeder von uns bereits genug eigene Erfahrungen gemacht haben, je älter, desto mehr: sei es mit der zunehmenden Bürokratie an allen Orten: Sie soll eigentlich lebensdienlich und entlastend sein, ist es aber beileibe nicht immer. Sei es im Familienrecht, Verkehrsrecht, Immobilienrecht, Baurecht, Pflegegesetz, Heimrecht, Asylbewerberrecht, Flüchtlingsrecht, Immissionsschutzgesetz, Arbeitssicherheitsbestimmungen, Brandschutzverordnungen, Gesetze zur Altersversorgung oder auch die AGB zu einem Reisevertrag für den Urlaub, bei deren Lektüre einem die Reiselust schon fast vergehen könnte oder auch das Kleingedruckte von Leihwagenmietverträgen – um einige Beispiele willkürlich herauszugreifen –
Prüfstein für sie alle ist nach Jesus: Menschen- und Lebensdienlichkeit – ja!
Ah, was ich fast noch vergessen hätte: Die 5. Durchführungsverordnung zur 13. Verordnung zur 2. Änderung des Gesetzes vom … - im Sinne aktualisierter Lebensdienlichkeit natürlich!
Und, liebe Gemeinde, ich kann Ihnen versichern, die Kirchengesetze funktionieren – ob katholisch oder evangelisch – genauso, selbstverständlich besser und vor allem viel lebensdienlicher.
Dasselbe Problem kann man auch anhand des Themas Gottesdienstordnung darstellen: Wenn ein bestimmter Gottesdienstablauf, eine bestimmte liturgische Form absolut gesetzt würde, so dass keine Abweichungen möglich sind, also diese eine Form zum Korsett würde, ja sogar Änderungen und freiere Handhabungen geahndet würden, dann schlüge der gute entlastende Sinn der Gottesdienstordnung, dass man sich nicht jedes Mal wieder neu einigen müsste, wie man nun gerade heute den Gottesdienst hält, in Belastung und Zwang um. Weil wir das nicht wollen, praktizieren wir in unserer Gemeinde verschiedene Gottesdienstmodelle, auch unterschiedliche Abendmahlsformen (wie ihr sie, liebe Konfirmanden, noch kennen lernen werdet).
Zurück zu Jesus und seinen Jüngern: das Ährenraufen am Sabbat war ein grundsätzlicher Angriff auf etwas, was in der jüdischen Religion und Tradition damals wie heute zentral ist. Der Sabbat hat das Judentum schon immer von allen anderen Religionen unterschieden, an ihm herum zu machen, ihn und seine Gebote freier zu leben und zu handhaben, war problematisch bis gefährlich. Dass Jesus das Ährenraufen seiner Jünger zugelassen hat oder auch am Sabbat geheilt hat, zeugt von großem Mut, Mut zur Lebensdienlichkeit - auf die Gefahr hin, sich Ärger einzuhandeln. Für Jesus selbst war es, im Nachhinein gesehen, ein erster Schritt auf seinem Weg zum Kreuz. Wie gesagt: die Pharisäer haben wenig später mit den Herodianern, wie heißt, überlegt, wie sie ihn beseitigen könnten.
Solche Konsequenzen drohen uns heute nicht, wenn wir Gesetzes- oder Institutionenkritik üben an Zuständen, die wir für nicht oder nicht genügend menschen- und lebensdienlich halten.
Insofern: lassen wir uns ermutigen von Jesus, kritisch Position zu beziehen, wo wir es für geboten halten, in und außerhalb der Kirche.
Aus der Freiheit eines Christenmenschen heraus, deren Ursprung in Umgang Jesu selbst mit den Geboten liegt. Schon da ging es nicht nur ums Ährenraufen am Sabbat, sondern die menschliche Freiheit im Leben vor Gott.
Amen.
Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

 

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