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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigttext von Pfarrer Johannes Habdank am 25.8.2013,
13. Sonntag nach Trinitatis, über Markus 6, 1-4

Liebe Gemeinde,
wir alle sind auf Anerkennung durch andere angewiesen. Von klein auf bis ins hohe Alter: auf Wertschätzung, Bestätigung, Lob, Respekt, Bewunderung, Zuneigung und Liebe - alles, was unser persönliches Selbstwertgefühl, unsere Persönlichkeit aufbaut, stärkt und erhält.
Und wir alle suchen unser Leben lang danach und fordern auch immer wieder Anerkennung ein: sei es das kleine Kind, das seinen Eltern, seinem Umfeld immer wieder zeigt, was es schon alles Neues wieder kann, auch in Abgrenzung zu anderen Kindern, was es jetzt wieder Tolles getan und gesagt hat – es bedarf der anerkennenden Bestätigung. Deswegen sind positive Wertschätzung und Lob so wichtig für eine stabile Persönlichkeitsentwicklung. Wobei man etwa als Eltern oder Lehrer deswegen nicht schlichtweg alles gut finden muss. Kritik und Tadel an diesem oder jenem Punkt können auch formuliert werden, aber wohlwollend, weiterführend, anspornend – wenn man die Nerven dazu hat -, so dass sie positiv motivierend wirken, hin auf das neue avisierte Ziel im Sinne der Weiterentwicklung.
Wir alle sind auf Anerkennung angewiesen und suchen nach Bestätigung, etwa auch im Zusammenhang unserer Berufsausbildung und unserer beruflichen Laufbahn – da gibt es ganze Anerkennungssysteme von der Bezahlung angefangen bis hin zu Prämienvereinbarungen, Belobigungen, Aufstiegschancen. Auch Ehrenamtliche erhalten - in Grenzen materielle und - vor allem mittels direkter oder auch öffentlicher Danksagungen soziale Anerkennung. Oder, anderes Beispiel für Anerkennung: die Mütter bekommen symbolisch am Muttertag einen Blumenstrauß oder vielleicht auch mehr, wobei hier manch Vater der Illusion unterliegt, einmal im Jahr noch retten zu können, was er die ganze Zeit über vergessen und verbockt hat. Und dann ist ja schon gleich Vatertag!
Jetzt wieder etwas ernster: alt gewordene Menschen erwarten durch ihr Erzählen der eigenen Lebensgeschichte, was durch keine Rente angemessen abgegolten werden kann, auch durch kein Bundesverdienstkreuz oder einen großen Preis für das Lebenswerk: sie wünschen sich einfach mitmenschliches Interesse an ihrem Leben, dessen Zeit zu Ende geht, Wertschätzung ihrer Lebensleistungen und wenigstens Wahrnehmen ihren Erfahrungen, die sie gemacht, Situationen, die sie durchlitten oder bestanden haben. Die Biographieforschung in vielen wissenschaftlichen Disziplinen, vor allem der sozialen Gerontologie, Entwicklungspsychologie, auch der Seelsorgelehre in der Praktischen Theologie greift dieses Thema seit etwa 40 Jahren verstärkt auf, und es gibt auch immer mehr Anbieter, die die Lebensgeschichte des Einzelnen, natürlich gegen Bezahlung, professionell aufbereiten, damit ein für allemal zur Geltung kommt, ins rechte Licht gerückt wird, was gewesen ist bzw. wie sich der Betreffende sieht, gesehen werden will, auch für die Nachwelt.
Ja, wir alle, sind auf Anerkennung angewiesen, momentane und nachhaltige, auf Dauer wirksame, sogar über unseren Tod hinaus. Ich verweise nur am Rande auf das ganze Todesanzeigen- und Nachrufwesen, ohne darauf näher einzugehen: da geht es in besonderer Weise um das Thema der Anerkennung in Gestalt der abschließenden Würdigung.
Also: Soziale Anerkennung - elementar wichtig im ganzen Leben und darüber hinaus.

Nun gibt es einen Bereich des menschlichen Lebens, Verhaltens und Tuns, liebe Gemeinde, da scheint es ganz besonders wichtig zu sein, Bestätigung und Anerkennung durch andere, ja durch die Öffentlichkeit zu bekommen. Ich meine das „Sozial-Gutes-Tun“. Durch persönliches Helfen, Zeit in eine sozial-gute Sache Investieren, durch Geld Spenden, Almosen Geben.
Almosen geben war eine religiöse Pflicht zu biblischen Zeiten, heute ist es z.B. im Islam eine der fünf tragenden Säulen, und zwar ausgeformt als Almosensteuer: sie ist „die verpflichtende, von jedem psychisch gesunden, freien, erwachsenen und finanziell dazu fähigen Muslim zur finanziellen Beihilfe von Armen, Sklaven, Schuldnern und Reisenden sowie für den Dschihad zu zahlende Steuer. Die Höhe variiert je nach Einkunftsart (Handel, Viehzucht, Anbau) zwischen 2,5 und 10 Prozent ebenso wie die Besteuerungsgrundlage (Einkommen oder Gesamtvermögen).“ (Zitat aus: Artikel „Almosen“, in: Wikipedia)
Im Judentum zur Zeit Jesu war Almosengeben auch Pflicht. Und das setzt auch Jesus voraus. Bei uns läuft das Thema heute unter dem Stichwort Spenden: freiwillige Spenden, die erbeten werden, wofür man auch eine Spendenquittung erhalten kann, oder auch im Rahmen des Gottesdienstes: durch den Klingelbeutel oder die Spende am Ausgang, das sind relativ anonymisierte Formen der Gabe, wofür wir sonntäglich danken mit Nennung nicht der Spendernamen, sondern der jeweiligen Summe: als Geste der Anerkennung, und damit die Gemeinde transparent gemacht bekommt, welche Gelder bei uns eingehen.
Geld geben, Anerkennung dafür bekommen – darum geht es auch im heutigen Predigttext, liebe Gemeinde, speziell um die Motivationslage, aus der heraus gegeben wird, was gegeben wird.

Ich lese den Predigttext aus Matthäus 6, die Verse 1 bis 4 (Bergpredigt):
„Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.“

Liebe Gemeinde, diese Rede Jesu zielt kritisch auf die Motivationslage des Gebers ab. Jesus kritisiert schonungslos, dass wir Menschen damals wie heute unsere sozialen Wohltaten, die von uns gefordert und gewünscht sind, letztlich tun, um selber vor anderen gut dazustehen, und letztlich nicht wirklich um der hilfsbedürftigen Menschen selbst willen. Das soll aber nicht so sein, das ist Heuchelei, sagt Jesus. Wobei das griechische Wort für Heuchler urspr. „Schauspieler“ bedeutet. Also: Wir simulieren bzw. markieren den Wohltäter nach außen, in Wahrheit geht uns um unseren eigenen guten Ruf, um Anerkennung durch andere. Oder wie auch viele Jahrhunderte später Immanuel Kant Jesu Intention sinngemäß in einer Version seines kategorischen Imperativs wieder gegeben hat: Wir sollen den anderen Menschen nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Selbstzweck ansehen. Wir sollen helfen um des Menschen willen, dem geholfen werden soll, und damit nicht auch noch offen oder insgeheim andere Zwecke verfolgen, etwa den der Selbstdarstellung („Seht doch, was ich wieder Gutes getan habe!“) oder der Aufladung des eigenen Selbstwertgefühls durch Selbstbewunderung und soziale Anerkennung des eigenen Wohltätertums. Das wäre Heuchelei, nur Schauspielerei des Guten. Moralisch-motivationsmäßiges Simulantentum.

Dem anderen um seiner selbst willen zu helfen und das Ganze im Verborgenen zu belassen, geht das denn aber so lupenrein? Es fällt jedenfalls – nicht erst heute – schwer. Das war wohl schon zu Jesu Zeiten so. Und es scheint ein menschlicher Grundzug zu sein: zu helfen, zu spenden – um damit, und sei es nur im zweiten Schritt, irgendwie auch vor anderen gut dazustehen oder mehr oder weniger groß herauszukommen.
Ja: „Tue Gutes und rede darüber“, ist ein gängiges Motto des sozialen Engagements geworden. Und dieser Spruch ist, was die Spendenwerbung betrifft, durchaus sinnvoll und nützlich. Denn, wenn jemand etwas Gutes tut, eine große Summe spendet, dann kann das ja auch zum Anreiz und Vorbild für andere werden, wenn es öffentlich gemacht wird. Viele Hilfsorganisationen und Wohltätigkeits-Clubs leben davon und arbeiten erfolgreich nach diesem Prinzip. Die Kirchen, Diakonie und Caritas mehr oder weniger auch. Der Freundeskreis der MS-Klinik macht das. Auch der Ökumenische Kranken- und Altenpflegeverein lebt in gewissem Maße von Charity-gesonnenen, willigen, großzügigen Spendern. Das alles hilft schließlich den Leuten, denen die Unterstützung zugute kommt: Tue Gutes und rede darüber – denken wir nur an die ganzen Hilfs-Fernsehshows, die Abertausende, Millionen von Geldern mit Medien-Prominenten-Hilfe hereinschaufeln – die Spender werden namentlich vor einem Millionenpublikum auf dem Bildschirm genannt. Medial inszenierte Solidargemeinschaft Deutschland! Ist doch gut so, oder? Charity at it´s best! Nicht nur von und für Großspender, auch der sog. kleine Mann respektive die kleine Frau sollen endlich einmal groß rauskommen! So dass man schon fast im Anschluss an unser Eingangslied verführt wäre, zu fragen: „Ja, liebster Jesu, wir sind hier – wir sind voll da! Was willst Du mit Deiner ziemlich moralinsauren Kritik, die da immer noch lautet: >Wenn du Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun, damit sie von den Leuten gepriesen werden.< Es läuft doch genau so bei uns heute! Und zwar sehr erfolgreich! Und das im großen Stil!“

Das würde Jesus nicht bestreiten, liebe Gemeinde, es geht ihm aber um die Motivationsebene. Noch einmal Jesu Rede:
„Habt Acht auf eure Frömmigkeit, dass ihr die nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.“
Nun, was in unserer Luther-Übersetzung hier „Frömmigkeit“ heißt und im Originaltext „Gerechtigkeit“, das würde man heute wohl am ehesten wiedergeben mit „Authentizität“.
Meint derjenige, der etwas Gutes tut für andere von seiner eigenen Motivation her tatsächlich nur den, dem seine Hilfe zugute kommt? Oder will er sich damit vor anderen nur brüsten, sich letztlich selber gut darstellen und sich selbst Gutes tun? Das wäre Doppelmoral! Erzählt er es herum und posaunt es gar heraus, wie es heißt, oder tut er es rein um der Sache willen und gibt nicht damit an? Dienst du dem Menschen, dem du helfen willst, wirklich um seiner selbst willen, oder machst du daraus zugleich dein eigenes Anerkennungsprojekt? Das wäre günstigenfalls eine Art „soziale Win-Win-Situation“: Dein soziales Engagement hilft dem Anderen und dir zugleich weiter. Beide haben einen Gewinn davon! Mag sein, sagt der matthäische Jesus: mit der öffentlichen Anerkennung, Aufmerksamkeit und Beifall ist aber dann schon genügend äußere Würdigung geschehen. Bei Gott gibt es dann keine weitere Anerkennung mehr.
Hingegen, wer das Gute im Verborgenen geschehen lässt, der haftet offensichtlich mit seinem Verhalten nicht am äußeren Erfolg und an der äußeren Anerkennung durch Dritte; er hat diese offensichtlich nicht nötig, und will sich nicht mit seinem guten Werk letztlich selbst ehren. Er hält sich sein Handeln nicht selbst zugute.
Weil – und das ist das Entscheidende – seine Perspektive nicht das Forum der Menschen ist und wie er bei ihnen ankommt, nein: er lebt nicht im Blick auf die Menschen, sondern im Blick auf Gott, im Aufsehen zu ihm. Nur der Blick auf Gott und das Absehen von jeglicher menschlicher Anerkennung und Ruhm gewährleistet die Reinheit der Motivationslage, wenn man Gutes tut. Um Gottes Lohn sollen wir tun, was wir tun, und um der Menschen selbst willen, für die wir es tun.
Und dazu sei es am besten, die linke Hand nicht wissen zu lassen, was die rechte tut – eine Redewendung, die heute bei uns ganz anders gebraucht wird, nämlich dann, wenn wir Personen oder Institutionen kritisieren, in denen es drunter und drüber geht: da weiß die Eine nicht, was die andere tut! –
So ist es nicht gemeint, sondern es soll sogar so sein, dass wir beim Geben, beim Gutes tun die eine nicht wissen lassen, was gerade die andere tut. Was nicht heißt, dass wir als Geber oder Wohltäter überhaupt nicht wissen sollen, dass und was wir gerade tun – das geht ja gar nicht – , sondern dass es im Verborgenen bleibt: das beutet diese Redewendung bei Jesus. Im Verborgenen, wohin nur Gott sieht, Gott, der selbst im Verborgenen ist.
Entsprechend ist es Gott gemäß und seinem Wesen ähnlich, wenn wir unser Gutes-Tun im Verborgenen halten und nur um der jeweiligen Sache oder der Menschen willen es tun. Das würde unsere Motivation und Moral authentisch sein lassen, weil identisch mit dem Willen Gottes, von dessen Anerkennung allein wir letztlich leben.

Dies so zu sehen und zu glauben, macht uns umgekehrt frei von dem oft schon fast zwanghaften Schielen nach sozialer Anerkennung durch andere Menschen, es macht uns unabhängig und innerlich überlegen gegenüber dem, was die anderen von uns halten, meinen oder über uns sagen. Es gibt uns Gewissheit und Sicherheit, sofern unser persönliches Selbstwertgefühl nicht von den ja auch wechselnden Meinungen der anderen abhängt, sondern in etwas sein Fundament hat, das den Blicken und Reden und aller sozialer Anerkennung menschlich Dritter entzogen ist, nämlich in dem, was Jesus „das Verborgene nennt und damit Gott im Verborgenen meint, und Gott, der ins Verborgene sieht, in unser Herz und Gewissen, in denen wir allein ihm gehören.
Das bedingt wiederum eine Freiheit in uns, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf damit einhergehende soziale Anerkennungs- und Erfolgschancen: nämlich frei nach unserem Gutdünken zu geben, wann und wo wir es wollen und können, gleich, was andere davon halten. Wie Paulus es im 2. Korintherbrief 9,7 sagt:
Ein jeder gebe, wie er sich´s im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!
Also dann! So sei es. Amen.
 

 

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