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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank am 28.7.2013
Über den Sinn des freien Tages, des Feiertages

„Sechs Tage sollst du arbeiten; aber am siebten Tage sollst du ruhen“. Das ist die knappste und wohl älteste Form des Feiertagsgebots in der Bibel. Sie findet sich im 2. Buch Mose, Kapitel 34, 21. Es gibt auch einige andere
Fassungen mit ausführlichen Erläuterungen im Alten Testament. Innerhalb der zehn Gebote ist das Feiertagsgebot breiter als alle anderen ausgeführt. Anscheinend wird keinem Gebot für den praktischen Lebensvollzug eine so grundlegende und weitreichende Bedeutung zugemessen wie gerade diesem Aufruf zur Arbeitsniederlegung an jedem siebenten Tag, zu einer ganztägigen Unterbrechung aller Geschäftigkeit, ja, zu einem regelmäßig zu wiederholenden demonstrativen Streik gegen alle aufdringlichen Arbeitgeber um uns und in uns: Du sollst deine Arbeit einfach einmal liegen lassen.

Warum wird dieses Gebot so herausgehoben? Weil hier am klarsten heraus kommt, dass die Gebote eine wahre Wohltat sind, wie eine gute, angenehme ärztliche Verordnung: du darfst mit bestem Gewissen an jedem siebenten Tag nichts tun! „Du darfst faulenzen auf Befehl!“, wie der Alttestamentler Hans-Walter Wolff es einmal bezeichnet hat. Wer es bei den anderen Geboten nicht merkt, der kann es hier ein für allemal erkennen: es ertönt die Stimme der Barmherzigkeit, die Stimme der Freiheit. Der Gott, der uns im Feiertagsgebot begegnet, will nicht - wie Martin Buber einmal sagte, - "nachträglich Orden oder Zuchthauszellen vergeben", sondern er verschenkt mit seinem Gebot, in seinem Gebot Ehre und Freiheit, die Ehre des freien Menschen, der sich regelmäßig einen völlig freien Tag erlauben kann. Gottes Gebot ist immer auch ein Angebot. Das schärft das Feiertagsgebot vor allen anderen ein. Auch die anderen Gebote wollen viel mehr Unterlassungen von uns als Leistungen.

Im 2. Buch Mose, Kapitel 20 (10 Gebote) wird das Sabbatgebot so begründet: "In sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was drinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn." "Er segnete ihn"; das heißt: er stattete ihn mit belebenden Kräften aus. "Er heiligte ihn"; das bedeutet: er beging ihn ganz anders als alle anderen Tage. Damit wird der Mensch daran erinnert, dass er in eine ihm bereits vorgegebene Welt hineingestellt worden ist, die mit allem Nötigen und darüber hinaus mit viel, viel Schönem reichlich ausgestattet ist.
Der erste Schöpfungsbericht schildert uns großartig, dass der erste Lebenstag des Menschen nach den sechs Tagen der Schöpfung Gottes sofort sein erster großer Ruhetag war, ein Tag der Freude an allem, was für ihn erschaffen war.
In der Folge haben die Christen recht daran getan, dass sie die Woche nicht mit der Ruhe schließen wollten, sondern dass sie den ersten Tag der Woche als den Ruhetag feierten. Der erste Tag soll vor allen anderen die Freude an der Schöpfung wachrufen und an den Ostertag erinnern. Das ist wesentlich für unsere christliche Einstellung zum Leben überhaupt.


Nun ist es ja Jesus selbst gewesen, der (nach Markus 2) das Feiertagsgebot unterläuft. Er verstößt wissentlich und willentlich gegen die Regeln, die Gott dem Mose auf dem Berg Sinai gegeben hat. Regeln, die ja auch einen sozialen Sinn haben, wenn es heißt: An diesem Tag sollst du nicht arbeiten: auch nicht dein Sohn oder deine Tochter, dein Sklave oder deine Sklavin, dein Vieh oder der Fremde, der bei dir lebt." Denen sollst du auch Ruhe gönnen, sie in Ruhe lassen. Und was macht Jesus? Er geht mit seinen Jüngern spazieren. Wohl wissend, dass es gläubigen Juden am Ruhetag, am Sabbat - und das gilt bis zum heutigen Tag – nur erlaubt ist, von zuhause zur Synagoge und zurück zu laufen. Jeder Schritt mehr gilt als Arbeit und ist deswegen verboten. Jesus kritisiert die Enge der Regeln und Rituale und sagt: "Gott hat den Sabbat für den Menschen geschaffen, nicht den Menschen für den Sabbat".
Nach unserer vorhin gehörten Geschichte „Jesus nimmt frei“ hat Jesus die Freiheit zum Sabbat selbst erst lernen müssen. Vom Arzt verordnet, macht er frei, nimmt einen freien Tag. Sein Tatendrang und sein schlechtes Gewissen, der emotionale und soziale Druck, das „Helfersyndrom“ hatten das bisher bei ihm verhindert, gar nicht erst in den Blick kommen lassen. Und am Ende seines Ferientages ist ihm auch nicht sehr wohl und er will es seinem Vater im Himmel, dem lieben Gott, beichten. Doch da macht ihn Gott darauf aufmerksam, dass dennoch – auch mal ohne Jesus – alles so gut, ja, fast noch besser gelaufen ist. Ja, da, wo er war, da ist, von ihm ungewollt und ungeahnt – er hatte ja frei – sogar viel mehr geworden: ein wahres Wunder! Wasserquellen sprießen, Bäume tragen Früchte, die Fischernetze sind voll, die Menschen wurden froh!

Und so will uns diese moderne Geschichte vom freien Tag Jesu nahe bringen, dass auch wir regelmäßig loslassen sollen von allem Engagement, aller Planung, allem „ohne mich geht´s nicht oder geht nichts“, ob zu Hause, in der Familie, in der Gemeinde, im Beruf, auch mal bewusst uns zurücknehmen sollen – und zwar ganz gelassen und getrost, denn: es gibt so etwas wie den Wirkungskreis des Nichtdabeiseins, den Wirkungskreis des oder gerade trotz des Nichtstuns. Oft entwickeln sich manche Dinge von allein, und sehr erfolgreich - man muss vielleicht nur den Anstoß gegeben haben, ohne zu ahnen, was das auslöst. Die Samen sind gesät, die Saat wächst von alleine. Beispiel: Du führst ein Gespräch und merkst gar nicht, dass da etwas für den anderen drin war, was ihn sehr viel weiter gebracht hat. Von der Ernte erfährst Du erst Jahre später. Es ist wie ein Wunder geschehen. Jeder von uns kennt solche Geschichten, aus denen hervorgeht, wie es schon in der Bibel steht und Jesus sinngemäß sagt: Du kannst sie nicht planen, ja, fast schon: du sollst sie nicht planen, sie fallen dir von selbst zu wie reife Früchte - wie etwa den Fischern am See Genezareth auf einmal das volle Netz. Übergroße Freude!

„Jesus nimmt frei!“ Die Geschichte stellt dar, dass Jesus selbst erst die Gelassenheit, eine gewisse Nonchalance und Freiheit lernen musste, die er wohl in seiner eigenen Tradition nicht erlernt hatte oder finden konnte.

Dieser Lernschritt Jesu aus dem Kinderbuch „Jesus nimmt frei“, dürfte auch für uns ein immer wieder neu zu gehender Schritt sein zu dem, was in der Bergpredigt (Matthäus 6) Jesus sagt: „Sorget nicht um euer Leben. Gott sorgt für Euch.“

Amen.

 

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