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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank
über Lukas 9, 10-17 am 7. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juli 2013

Liebe Gemeinde,
Jesus von Nazareth war ein Mensch, der keine Berührungsängste kannte. Die durfte einer wie er auch gar nicht haben. Wo er hinkam, da strömten die Leute zusammen, um ihn zu sehen und zu hören: aus allen Städten und Dörfern eilten sie herbei; aus allen Schichten der Gesellschaft kamen sie zu ihm. Und manche trauten sich sogar, ihn anzufassen oder zumindest sein Gewand zu berühren. Manchmal nahm der Zulauf solche Ausmaße an, dass Jesus eine Anhöhe oder ein Fischerboot auf dem See für seine Reden nutzen musste. Und dann hingen die Menschen wie gebannt an seinen Lippen, damit ihnen nur ja kein Wort entging. Nie zuvor hatte jemand so zu ihnen gesprochen, so ergreifend, so herausfordernd, so lebendig, so tröstlich.
Aber es waren nicht nur seine Reden, die Eindruck machten. Mindestens ebenso bemerkenswert waren seine wunderlich-wunderbaren Taten, vor allem seine Krankenheilungen. Es schien überhaupt kein Leiden zu geben, dem er nicht gewachsen war; ja, sogar von Totenerweckungen war die Rede. Von Jesus bevollmächtigt, waren auch seine zwölf Jünger zu erstaunlichen Taten fähig, die man sich nicht erklären konnte.

Liebe Gemeinde, heutzutage würden sicherlich Fernsehanstalten und Radiosender – abgesehen von gewissen offensichtlich allgegenwärtigen Geheimdiensten - den Weg Jesu begleiten. In Internet-Foren würde per-manent über ihn berichtet und debattiert werden. Wenn es solche modernen Kommunikationsmittel damals auch noch nicht gab, verbreitete sich die Kunde von Jesus doch wie ein Lauffeuer. Wir kennen das auch noch: Gegen die sog. Buschtrommel kommt selbst das Internet nicht an!
Manchmal wurde das selbst Jesus zu viel. Dann versuchte er sich mit seinen Jüngern an einsame Orte zurückzuziehen, oder, wenn es ganz extrem wurde, in die Wüste. Aber das mit dem Rückzug war so eine Sache. Die Menschen ließen ihn einfach nicht gehen. Und wenn er sich doch von ihnen löste, dann strömten sie ihm gleich wieder nach.
Nach Aussage der Evangelien waren es mitunter Tausende, die ihm dahin und dorthin, auch in die Wüste folgten, Männer, Frauen und Kinder. Dass dies zu ganz praktischen Problemen führen musste, liegt auf der Hand. Von einem konkreten Fall berichtet der Evangelist Lukas.
Ich lese aus dem Lukasevangelium Kapitel 9 die Verse 10-17:

Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein in die Stadt zurück, die heißt Betsaida. Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften. Aber der Tag fing an, sich zu neigen. Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Lass das Volk gehen, damit sie hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und Herberge und Essen finden; denn wir sind hier in der Wüste. Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingehen sollen und für alle diese Leute Essen kaufen. Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach aber zu seinen Jüngern: Lasst sie sich setzen in Gruppen zu je fünfzig. Und sie taten das und ließen alle sich setzen. Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten. Und sie aßen und wurden alle satt; und es wurde aufgesammelt, was sie an Brocken übrig ließen, zwölf Körbe voll.

Unglaublich, liebe Gemeinde!
Die Jünger trauen Jesus einiges zu. Sie haben seine charismatischen Kräfte ja sogar übertragen bekommen und sind entsprechend stolz auf ihre Wundertaten. Auch sie können Dämonen austreiben und Kranke heilen. Aber das Problem, vor dem sie jetzt stehen, erscheint ihnen unlösbar – für Jesus gleichermaßen wie für sie. Wie soll man mit wenigen Broten und Fischen fünftausend hungrige Mäuler stopfen? Dieser Versorgungsengpass lässt ihrer Ansicht nach nur zwei Lösungsmöglichkeiten zu. Entweder sie nehmen Geld in die Hand und kaufen tonnenweise Nahrungsmittel. Das scheitert aber schon daran, dass ihnen das Geld dazu fehlt. So bleibt nur die zweite Möglichkeit: die Leute nach Hause zu schicken. Es ist ohnehin schon reichlich spät am Abend; also appellieren sie an Jesus, die Versammlung aufzulösen.

Nun, die Jünger denken und argumentieren durchaus realistisch und pragmatisch; ich hätte es an ihrer Stelle wahrscheinlich auch so ge-macht. Umso provozierender muss ihnen die Antwort Jesu vorkommen: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Und was dann geschieht, muss sie vollends verblüffen. Die wenigen Brote und Fische reichen tatsächlich aus für die Tausende von Menschen. Alle werden satt. Am Ende ist sogar noch weitaus mehr übrig, als anfänglich vorhanden war. Das Brot hat sich nicht verzehrt, sondern vermehrt.
Und, nebenbei bemerkt, des Wunders der Brotvermehrung, von dem insgesamt 6mal in den 4 Evangelien in unterschiedlichen Varianten erzählt wird (also die am meisten wieder gegebene Jesus-Geschichte im Neuen Testament überhaupt), - des Wunders der Brotvermehrung wird, wie Israel-Kenner wissen, in der Brotvermehrungskirche in Tabgha am See Genezareth gedacht, wo sich auch das einschlägig bekannte altchristliche Mosaik mit den zwei Fischen und dem Brotkorb befindet.

Wie das Wunder zugegangen ist? Der Evangelist Lukas hält sich in seiner Erzählung ziemlich bedeckt. Er erwähnt weder eine Reaktion der Menschen auf dieses Wunder noch gibt er einen Fingerzeig, wie man es sich vielleicht erklären soll. Alle rationalen Deutungsversuche müssen scheitern. Zum Beispiel der, dass die Menschen so geschickt zu teilen verstanden hätten, dass es schließlich dann doch für alle genügt hätte. Ja, wenn das so einfach ginge, dann wäre das Welthungerproblem längst gelöst! Nein: „von Nix kommt Nix“, sagen wir, und von „fast Nix“ auch nicht sehr viel mehr! Und fünf Brote und zwei Fische waren angesichts der großen Menschenmenge – von 5.000 ist die Rede – „fast Nix“!

Liebe Gemeinde, auf dieser Ebene und mit solchen Interpretationsversuchen kommen wir der Erzählung nicht bei, so werden wir ihr nicht gerecht.
Lukas löst das Geheimnis bewusst nicht auf, sondern lässt es einfach so stehen. Warum? Weil ihm etwas anderes offensichtlich viel wichtiger ist: Seinen Lesern und somit auch uns deutlich zu machen, welche Fülle an Leben und Heil von Jesus ausging und auf die Menschen ausgestrahlt hat.
Am Anfang der Erzählung heißt es: Jesus ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte die Kranken gesund. Also: erst predigt und heilt er und dann sättigt er schließlich. Er und das in ihm anbrechende Gottesreich beziehen den ganzen Menschen ein, seine Seele, seinen Geist und seinen Leib.
Das bedeutet: Es ist offensichtlich ein Irrweg, die leiblichen Bedürfnisse des Menschen zu vernachlässigen oder für nebensächlich zu erklären – entsprechende Tendenzen gab es im Laufe der Kirchengeschichte ja immer wieder und gibt es heute noch. Den Körper zu missachten, das mag platonischem Denken entsprechen, biblisch-christlich gedacht ist es nicht. Der Leib ist nicht der Kerker der Seele, sondern ebenso wie Seele und Geist ein integraler, vollgültiger Bestandteil unserer Geschöpflichkeit. Entsprechend hat Jesus den Bedürfnissen des Leibes Rechnung getragen – übrigens nicht nur in der Weise, dass er andere gespeist hat. Er war, wie wir wissen, auch persönlich gutem Essen und Trinken nicht abgeneigt, ja wurde sogar von seinen Gegnern als Fresser und Säufer verschrien!
Wie dem auch sei! Wenn Jesus für den ganzen Menschen da war und Verantwortung übernommen hat, dann bedeutet das für heute entsprechend, wie ich meine, dass die christliche Botschaft nur dann die Menschen erreichen kann, wenn sie auch ihre sozialen Bedürfnisse und Nöte ernst nimmt. Mahatma Gandhi hat das einmal sehr prägnant und treffend in Richtung von uns Christen ausgedrückt: „Wie könnt ihr von Gott zu Menschen sprechen, die ohne zwei Mahlzeiten am Tag auskommen müssen? Ihnen kann Gott nur in Form von Brot und Butter erscheinen.“
Das mag sich auch das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Franziskus, gedacht haben, als er in den letzten Tagen die Insel Lampedusa besucht hat. Die erste apostolische Reise, die ein Papst unternimmt, hat immer eine Signalwirkung. Dementsprechend fand sie in den Medien große Beachtung. Franziskus besuchte die süditalienische Insel, an der seit Jahren Tausende von afrikanischen Flüchtlingen stranden, die sich in Europa ein besseres Leben erhoffen. Viele kommen allerdings gar nicht erst an, sondern gehen in den überfüllten Booten unter, bevor sie die Insel erreichen. Zu deren Gedenken übergab Franziskus der See einen Kranz mit Blüten. Nach einem längeren Gespräch mit Flüchtlingen und Helfern feierte er gemeinsam mit etwa zehntausend sog. Gläubigen eine Messe auf der Insel; der Altar stand in einem Fischerboot. Sein Appell an die Regierenden und Völker Europas ging etwa in die gleiche Richtung wie Jesu Aufforderung an seine Jünger: Gebt ihnen zu essen! Der Papst erinnerte an die Verantwortung und die Potenziale der europäischen Nationen für die Flüchtlinge.
Manche Zeitgenossen kritisieren den Blitzbesuch des Pontifex als geschickten PR-Gag, tadeln die Kosten seines Besuchs und monieren, dass sich durch die Papstvisite die Situation der Flüchtlinge ja nicht gerade verbessert habe. Dabei unterschätzen sie aber vermutlich die emotionale Bedeutung dieses Besuchs für die Betroffenen ebenso wie dessen mögliche Ausstrahlung auf die politisch Verantwortlichen in Italien und den anderen europäischen Staaten. In einer Zeit, in der das Flüchtlingsproblem oft durch andere Schlagzeilen aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt wird, ist es umso dringlicher, auf dessen nach wie vor akute Bedeutung hinzuweisen. Gegenwärtig sind nach Schätzungen der UN etwa fünfzig Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie seit Mitte der Neunziger Jahre nicht mehr. Durch den Bürgerkrieg in Syrien steigt die Zahl weiter an. Insofern war der Besuch von Papst Franziskus auf Lampedusa ein wichtiges Zeichen der Verbundenheit mit den Flüchtlingen dieser Welt. Naturgemäß hatte auch er kein Patentrezept zur Lösung des Problems im Gepäck; gleichwohl verdient sein Bemühen, unser Gewissen auf dieses Thema hin zu schärfen, sicher Respekt. Jesus selbst hätte ihn auf dieser Reise sicherlich begleitet, oder? Zumindest haben auch Jesus die sozialen und existenziellen Probleme der Menschen nicht gleichgültig gelassen; die Evangelisten heben dies immer wieder hervor.

Aber sie legen noch auf etwas anderes wert: dass am Tisch Jesu alle satt werden können. Die Geschichte von der Speisung der Fünftausend, die Lukas erzählt, enthält bis in sprachliche Nuancen hinein Bezüge zum Abendmahl. Sie ist also eine in das Leben Jesu rückprojizierte Präfiguration des letzten Mahles Jesu mit seinen Jüngern. Wieso sollten sonst am Ende gerade 12 Körbe mit Brot übrig bleiben: 12 Jünger in der Tradition der 12 Stämme Israels – alle sind gemeint.
Offensichtlich haben auch die jungen Gemeinden in der Antike seine Erzählung so verstanden; in den frühchristlichen Katakomben taucht die bildliche Darstellung von der Speisung der Fünftausend immer wieder auf. Jesus macht satt – im wörtlichen und im übertragenen Sinn. In der Alten Kirche war die Feier des Abendmahls immer mit einem Sättigungsmahl verbunden, aus gutem Grund. Wir tun das heute in Gestalt der Agape-Feier, wo nach dem Teilen und Weitergeben von Brot und Wein gemeinsam gegessen wird.
Was für uns bedeuten soll: Der Tisch des Herrn ist ein Ort der Freude und der Fülle für alle. Und wir alle sind zur Feier eingeladen.
Amen.
 

 

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