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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigttext von Pfarrer Johannes Habdank
am 5. Sonntag nach Trinitatis über Lukas 14, 25-33,

Textversion aus der Basis Bibel:
Viele Leute begleiteten Jesus auf seinem Weg. Da drehte er sich um und sagte zu ihnen: „Wer zu mir kommt, dem muss alles andere unwichtig werden: sein Vater und seine Mutter, ebenso Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein eigenes Leben: Sonst kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir auf meinem Weg folgt, kann nicht mein Jünger sein. Stellt euch vor, einer von euch will einen Turm bauen: Setzt er sich dann nicht als Erstes hin, berechnet die Kosten und prüft: Reicht sein Geld? Sonst passiert es, dass er das Fundament legt, aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die das sehen, lachen ihn aus und sagen: Dieser Mensch wollte einen Turm bauen – aber er konnte ihn nicht fertig stellen. Oder stellt euch vor: Ein König will gegen einen anderen König in den Krieg ziehen. Setzt er sich dann nicht als Erstes hin und überlegt: Sind zehntausend Mann stark genug um gegen einen Feind anzutreten, der mit zwanzigtausend Mann anrückt? Wenn nicht, dann schickt er besser Unterhändler, solange der Gegner noch weit weg ist. Die sollen Friedensverhandlungen führen. So gilt auch: Wer von euch nicht alles aufgibt, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.“

Eine echte Zumutung ist das, liebe Gemeinde, eine ganz harte: „Wer mit mir gehen will“, sagt Jesus, „dem muss alles andere unwichtig werden.“ Manche übersetzen auch: „der muss alles andere hintanstellen“. Das ist aber auch noch milde übersetzt. Bei Luther heißt es, wie es im griechischen Urtext auch heißt: „So jemand zu mir kommt und hasset“ - „misein“ heißt hassen, verachten“ - nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein“.
Für eine Hochzeitspredigt oder einen Familiengottesdienst wäre das vielleicht kein so geeigneter Text ... Näher läge es, das als einen Baustein zu nehmen für eine Hasspredigt. Ist das wirklich Jesus, der hier spricht? Ist es nicht schlimm, Menschen das Wichtigste nehmen zu wollen, was sie haben: ihre Familie, ihre Freunde? Appelliert das nicht an religiösen Wahn, Verblendung, vollkommene, unbedingte Unvernunft und Einseitigkeit? Alles stehen und liegen lassen und einem Anführer folgen, mit Hass als Grundlage? Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf nennt in diesem Zusammenhang die Religion den „gefährlichsten mentalen (= auf unser Gehirn einwirkenden) Stoff, den wir kennen.“ Braucht die Welt diesen Stoff? Oder nicht viel mehr das genaue Gegenteil: Milde, Ausgewogenheit, Toleranz, „ein bisschen Glauben“, statt so ein Übermaß von Radikalität?
Ganz abgesehen von der praktischen Umsetzung! Wie soll das denn gehen? Dass Sie oder ich unsere Familien verlassen, uns im Dienst Jesu (oder der Gemeinde) verschleißen, kaputt arbeiten, ohne Rücksicht auf die, die uns brauchen, ohne Rücksicht auf uns selbst, das eigene Leben verachtend, ja hassend? Im Ernst: Das kann es doch nicht sein, oder?

Andererseits: die Bibel ist immer dann ganz nah dran am Nerv des Lebens, am offenen Herzen, wenn sie uns aufregt oder sogar ärgert und ratlos macht. Dieses einlullende „der liebe Gott hat dich lieb und alles ist gut und bleibt gut und wenn nicht, dann wird es wenigstens gut“, das ist hier gewiss nicht gegeben. Das hier soll und will wohl weh tun, provozieren, herausfordern. Darum sollten wir weder ausweichen noch diese Worte aufweichen, sondern genau hinschauen.

Es gibt immer wieder Menschen, die einen solchen Ruf zur Kompromisslosigkeit hören und ihm folgen. Ob es dann Jesus ist, der sie ruft? Das steht jeweils dahin, zeigt sich an der Richtung, in die jemand geht. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“.
Denken wir zum Beispiel an Nelson Mandela, dessen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika ihm 28 Jahre Gefängnis einbrachte (von 1962 bis 1990). Gleiche Rechte für Schwarze und Weiße. Vom christlichen Glauben her gesagt: Wir sind vor Gott alle gleich, Brüder und Schwestern – und die Folgen, die das Eintreten hierfür im späten 20. Jahrhundert haben konnte … Nelson Mandela, fast 95 Jahre alt, ringt in diesen Tagen mit dem Tod. Sein Kampf für die Menschenrechte hat ihm als späten Sieg die Präsidentschaft Südafrikas eingebracht. Andere haben für ihre Konsequenz der Nachfolge rasch und vergleichsweise unspektakulär mit ihrem Leben bezahlt.

Was ist nun aber mit uns? Wohin führt uns der Ruf Jesu? Anders gesagt: Bin ich, wenn ich den „lieben Gott“ bitte, in Ruhe, Frieden und Wohlstand, zumindest auskömmlich mein Leben leben zu dürfen, ein schlechter Christ? Nun, darüber steht nichts geschrieben. Keine Verurteilung!

Manch einer von uns fühlt sich vielleicht an die Geschichte vom „reichen Jüngling“ erinnert mit dem Wort, es sei leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme (Matthäus 19, 26). Der Jüngling ging traurig davon, als er das gehört hatte. Aber auch da steht nichts von einer Verurteilung oder sonst Abfälliges. Jesus hat ihn seinen Weg gehen lassen, ihm nicht „Pfui“ oder „Schäm dich“ nachgerufen.

Hilfreicher könnte für uns der Hinweis sein, den Jesus mit seinen harten Worten verbindet: Wenn du mit mir gehen willst, dann überleg dir das gut! Setz dich erst mal hin und überschlage das! Wenn du ein Haus bauen willst, dann rechnest Du ja auch das erstmal durch. Sonst stehst du am Ende vor dem Rohbau und wartest auf den Besuch von der Schuldnerberatung.                 Ähnlich Jesu zweites Beispiel, das uns wahrscheinlich weniger nahe liegt: Wenn einer einen Krieg führen will, sollte er vorher bedenken, wie stark sein Gegner ist.                                                                                                                          Mit anderen Worten: Lass dich nicht ein auf eine Sache, die du nicht beherrschst, die du am Ende nicht kannst, nicht hinkriegst.
Das klingt nun wiederum wunderbar vernünftig und auch befreiend: Mir wird nicht abverlangt, was ich nicht kann, was über meine Kräfte ginge. Und ich werde deswegen nicht als Memme oder Versager beschimpft.

Liebe Gemeinde,
schon damals, zu Jesu Lebzeiten, waren es nur wenige, die seinem Ruf wortwörtlich Folge leisteten. Die Menge, die vielen Leute, die ihm gleichwohl auch immer wieder zuhörten und ein Stück Wegs mit ihm zogen, blieben ja doch in ihrem Zuhause und ihren Familien treu, Männer und Frauen. Wohl blieben sie aber auch treu diesem charismatischen Wanderprediger Jesus: im Geiste, nur wanderten sie nicht mit ihm mit, es ging für sie einfach nicht. Für Jesus selbst hingegen und seinen engsten Kreis ging es gerade nur so! Und so gab es von Anfang an einen engeren Kreis von wenigeren und einen weiteren Kreis von mehr Menschen um Jesus, die ihn als Christus verehrten, im glaubten. Das ist so von Anfang bis heute in der Kirche. Sie alle aber waren Jesus wahre Verwandte, so sah er es, und gehörten für Jesus zu seiner Familie Gottes, seines Vaters im Himmel.

Vielleicht sollten wir von daher diesen radikalen Ruf Jesu in die Nachfolge weniger mit kritischer Verwunderung, denn mit Gelassenheit und Gottvertrauen aufnehmen. Ob sein radikaler Ruf auch uns einmal persönlich ereilt? Und wenn, in welcher Form? Es wird sich zeigen. Womöglich entgehen wir dieser Zumutung? Kann aber auch sein, sie trifft uns mitten im Alltag: Was tust du, kleiner Mensch, wenn du in eine Situation kommst, wo Handeln notwendig ist und vielleicht Gefahr für Leib und Leben besteht?

Erinnern Sie sich an den Mann, es war vor vier Jahren, der in München an der S-Bahn totgeschlagen wurde, nachdem er sich schützend vor Kinder gestellt hatte, die von zwei jungen Männern um Geld erpresst wurden: Dominik Brunner hieß er. Seitdem sind viele ähnliche, „alltägliche“ Geschichten passiert. Ich möchte schon behaupten, dass dieser Mann ganz radikal in der Nachfolge, im Sinne Jesu gehandelt hat, sicher, ohne sich groß Gedanken zu machen, was er da tut. Ohne sich vorher hinsetzen und überlegen zu können (das hatte er wohl längst als Mensch getan und war „vorbereitet“), hat er „den Ruf“ gehört – und dafür mit seinem Leben bezahlt. Seine Familie zurückgelassen. Alles.
Wir dürfen bitten, wie das auch Jesus getan hat, „lass so einen Kelch an uns vorübergehen“, aber sollte es ähnlich oder ganz anders dazu kommen, dass auch wir den Ruf hören: Dann, lieber Gott, lass uns bereit sein.

Liebe Gemeinde: Oft geht es aber gar nicht um solche Extremsituationen und heldenhafte Taten, sondern im Alltag „nur“ um vergleichsweise unspektakuläre Dinge wie: in einer schwierigen Situation einem Menschen das rechte Wort zur rechten Zeit zu sagen, das ihm weiterhilft, womöglich heilend wirkt. Jesus selbst hat oft auch nur durch ein heilendes Wort geholfen, das können wir vielleicht auch?

Ich komme zum Ende, liebe Gemeinde: Irgendwann kommt für Sie und mich der Tag, an dem wir – so oder so – alles und alle zurücklassen müssen. Der Weg, den Jesus uns vorangegangen ist, soll uns nicht erst dann, da aber besonders Trost und Hoffnung geben über die uns gegebene Grenze des irdischen Lebens hinaus.                                                                                   So schön und wichtig dir dein Leben gewesen ist, die Menschen, die Orte, deine geliebten Gewohnheiten. Es wird sich an diesem Tag zeigen, dass dies nicht alles war, nicht das Größte, nicht das Wichtigste.                                                                    Im Loslassen wirst du begreifen, wer bei dir ist. Zu wem du nach Hause kommst.

Ja, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen. 

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