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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt von Pfr. Habdank am Pfingstsonntag 2013


Der Predigttext für den heutigen Pfingstsonntag steht geschrieben im
4. Buch Mose, Kapitel 11, einige Verse in Auswahl.

Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, daß du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst?

Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, daß du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast?

Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer.

Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muß.

Und der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, daß sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich,

so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen mußt.

Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte.

Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.


Die Situation ist nicht zum ersten Mal in der Wüste die, dass das Volk Israel unzufrieden ist, murrt und gegen seinen Anführer Mose aufbegehrt und klagt, wie schlecht es ihm jetzt gehe, und verklärend bejammert, wie schön es doch in Ägyptenland dereinst gewesen sei.
Als nun Mose das Volk weinen hörte, alle Geschlechter miteinander, einen jeden in der Tür seines Zeltes, da entbrannte der Zorn des HERRN sehr. Und auch Mose verdross es. Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst?
Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss.
Und der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich, so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.
Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte. Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.

Liebe Gemeinde,
das ist eine Pfingst-Geschichte der eigenen Art, wobei es natürlich nicht um den christlichen Heiligen Geist geht, sondern um den Geist Gottes, wie er 1000 Jahre vorher gewirkt haben soll.
Mose hatte sich bei seiner Berufung am Horeb – Geschichte vom brennenden Dornbusch – ursprünglich gegen den Auftrag verwahrt und gewehrt, das Volk aus Ägyptenland zu führen. Und dann doch demütig nachgegeben gegenüber Gott. Freiwillig hat er dieses Amt, diese Aufgabe also nicht übernommen. Und jetzt – in unserer heutigen Bibelgeschichte - ist mal wieder der Punkt erreicht, wo es ihm reicht. Er ist am Ende seiner Kräfte. Er kann und mag nicht mehr. Ich kann das nicht mehr alleine machen, das ist zu schwer für mich. Er fühlt sich von Gott mit diesem Volk zu schwer belastet. Und fragt Gott sogar: Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass ich es wie mein Kind auf meinen Armen dahintragen soll, zum verheißenen Ziel?
NB: Es ist eine wenigen Stellen im Alten Testament, die die Vorstellung impliziert, dass Gott selbst sein Volk wie eine Mutter geboren hat und wie ihr Kind tragen soll. So meint es Mose: Das ist doch nicht mein Kind, Du, Gott, bist die wahre Mutter. Das ist doch nicht mein Baby, sondern deins!
Eine andere Stelle ist Jesaja 66, 13: Ich will euch trösten, wie einen seine Mütter tröstet, spricht der Herr.
Mose ist momentan untröstlich, er will lieber tot sein und spricht zu Gott: Wenn Du mich nicht entlastest, so töte mich lieber, damit ich nicht mein Unglück sehen muss. Mose sieht völlig schwarz für sich.
So dass manch moderner Ausleger diese Stelle so interpretiert, dass Mose einen Burn-out gehabt habe: Nichts ging mehr.

„Bis nichts mehr ging“ heißt ein Buch, das neulich nach kurzer Zeit bereits in zweiter Auflage erschienen ist. „Bis nichts mehr ging. Protokoll eines Ausstiegs“. In diesem Buch schildert der 40-jährige Journalist Matthias Onken seinen beruflichen Weg, der verheißungsvoll beginnt und schließlich in einem Nervenzusammenbruch endet. Onken ist zunächst Polizeireporter, dann Chefredakteur bei der „Hamburger Morgenpost“. Danach erfolgt der Karrieresprung zur größten Tageszeitung Europas, der „BILD“. Als Redaktionsleiter in Hamburg gönnt sich Onken nahezu keine Ruhepause mehr. Dauernd sitzt ihm die Angst im Nacken, seinen Chef mit zweitklassigen Schlagzeilen zu enttäuschen – eine Angst, die aber offensichtlich weniger mit dem Chef als mit ihm selbst zu tun hat. Die permanente Anspannung kompensiert er mit Alkohol und Drogen-exzessen. Das Familienleben leidet. Irgendwann sitzt Onken in einem Hotelzimmer in New York und stellt fest, dass er einfach nicht mehr kann. Die letzten 16 Jahre haben ihn zermürbt. Er vollzieht einen radikalen Schnitt, kündigt seine unbefristete Festanstellung und macht sich selbst-ständig. Mittlerweile betreibt er eine eigene Agentur für Kommunikations-strategien. Nun, Onken ist kein Einzelfall. Dass die erste Auflage seiner Lebensbeichte schon nach zwei Wochen vergriffen war, zeigt vielmehr, wie sehr er mit seinem Buch den Nerv der Zeit trifft. Offensichtlich erkennen viele in seinem Bericht entweder sich selbst oder nahe Angehörige und Freunde wieder. Mentale Erschöpfungszustände, das so genannte Burn-out-Syndrom, sind ein Problem, das sich quer durch die Gesellschaft zieht und sowohl die Arbeitswelt als auch unser Gesundheitssystem enorm belastet. Das Buch von Onken steht keineswegs allein, sondern in einer ganzen Reihe von Titeln mit vergleichbarer Thematik. Ein exemplarischer Titel lautet: „Als ich aufhörte, gut zu sein“. Ergänzend dazu wird in den Buchhandlungen eine Fülle von Ratgebern angeboten mit Titeln wie: „Wie’s weitergeht, wenn nichts mehr geht.“

Wie´s bei Mose weiterging, haben wir gehört: die Last wurde verteilt von einem Einzelführer auf mehrere Führungspersönlichkeiten, auf viele – die Zahl 70 steht für eine hohe Zahl. Wobei 70 immer noch relativ wenig sind im Vergleich zu den im Kontext genannten 600.000 Mann des Volkes Israel. Plus Familien, Schafen und Rindviechern …
Immerhin wird auf diese 70 Ältesten und Amtsmänner, wie es heißt, vom Geist des Mose etwas übertragen. Und zwar ist die konkrete Vorstellung ganz archaisch die, dass Gott vom Geist, der auf Mose ruhte, nahm und auf die Ältesten legte. Göttliche Geistumverteilung und Delegation von Verantwortungslast. Und weil diese Geschichte in der Tradition eines bestimmten Mosebildes steht, nämlich Mose als Prophet zu würdigen, ist es in der Wirkung denn auch so, dass die Ältesten in Verzückung gerieten, was von Mose nicht gesagt ist, er steht da wohl drüber und gilt im folgenden Kapitel ja auch als ein demütiger Mensch, mehr als alle Menschen auf Erden (12,3). Die Welle der prophetischen Verzückung hat sich denn wohl auch wieder gelegt, denn in einer der folgenden Geschichten werden Älteste, von jedem Stamm einer, als Kundschafter ins Land Kanaan vorausgesandt.

Liebe Gemeinde, sei es in einem Unternehmen, sei es in einem Verein oder auch in unserer Kirchengemeinde - da ist es besonders schön zu sehen:
Wir haben bereits diese entlastende institutionelle Struktur. Der Pfarrer muss nicht alles selber machen, es gibt die Kirchenvorstandsmitglieder, die woanders in Deutschland die Presbyter oder Ältesten genannt werden, diverse Ausschüsse und viele weitere Ehrenamtliche, zum Glück sehr viele, die sich an vielen Stellen zum Wohl des Ganzen engagieren.
Und das frühe Christentum hat sehr bald sich auch Strukturen in Form von Ämtern gegeben, jeder nach seinen Geistesgaben. Weil es gar nicht anders geht.
Wenn Alfred Loisy, ein französischer katholischer Theologe, der als Modernist lehramtlich verurteilt wurde, vor ca. 100 Jahren gesagt hat:
„Jesus verkündigte das Reich Gottes, was kam, war die Kirche!“ -
dann meinte er das positiv: es mussten Strukturen und Institutionen, Ämter entwickelt werden, sonst wäre das Christentum bald wieder in der Versenkung verschwunden. Denn nur vom Geist kann keine Gemeinschaft leben, der Geist muss Formen annehmen. Die wiederum dürfen aber nicht zu starr sein, sondern müssen dem Gemeinschaftsleben dienen, also auch veränderbar sein, anpassungsfähig oder ersetzbar durch neue. Das ist die Aufgabe nicht des Pfarrers, sondern aller anderen auch: diese Spannung zwischen dem Geist, dem Charisma, und der Institution mit ihren Regeln, Funktionen, Ämtern und Formen in Balance zu halten und immer wieder produktiv weiterzuentwickeln, aus dem Geist des christlichen Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Immer wieder einmal kritisch prüfen, ist denn dass so noch in Ordnung, was wir tun und wie wir es machen, und gegebenenfalls neu gestalten, wie Paul Tillich das protestantische Prinzip bezeichnet hat: Kritik und Gestaltung. Unser Kirchenverständnis ist wesentlich ein selbstkritisches und Gestalterisches. Da wird nicht der Geist in der Institution eingedampft und durch sie lahmgelegt, sondern er bleibt die treibende Kraft, die Gemeinschaftsleben schafft. Und ob das auf den vorgeordneten landeskirchlichen Ebenen so ist, das muss uns hier nicht so sehr interessieren, denn Kirche ist primär Gemeinde.
Herr, und so bitten wir dich, schenke und erhalte uns deinen Geist für uns selbst und für unsere Gemeinde und darüber hinaus für die vielen, mit denen wir verbunden sind.
Amen.
Und der Herr sei mit unserem Geiste. Amen.
 

 

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