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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt an Exaudi über Johannes 14, 15-21
von Pfarrer Johannes Habdank

Der Sonntag Exaudi, liebe Gemeinde, spiegelt liturgisch im Ablauf des Kirchenjahres zwischen Himmelfahrt und Pfingsten die Spannung wider, in der die Jünger sich befanden, nachdem ihr Herr gen Himmel aufgefahren war. Sie wissen zwar um die Verheißung des Geistes, haben ihn aber noch nicht erfahren. Das Vergangene hat für sie vorübergehend seine Bedeutung verloren, ist in den Hintergrund getreten, und das Zukünftige hat noch keine rechte neue Kraft gewonnen. Der Glaube der Jünger hängt sozusagen in der Schwebe.
In diese Situation hinein erklingt als Erinnerungsruf die Abschiedsrede Jesu, in der er seinen Jüngern den Geist als Tröster verheißt, wie wir schon in der Evangeliumslesung aus Johannes 15 gehört haben.
Darum geht es auch im heutigen Predigttext aus Johannes 14, also ein Kapitel vorher, ich lese die Verse 15-21:

Die Verheißung des Heiligen Geistes
Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm sichtbar machen.
Soweit diese verheißungsvollen Worte Jesu aus den Abschiedsreden. Im Johannesevangelium folgt danach das sog. Hohepriesterliche Gebet Jesu, dann die Passionsgeschichte, Erhöhung ans Kreuz und einige Ostergeschichten.

Liebe Gemeinde, drei ausgewählte Gedanken zum heutigen Predigttext:

1. „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten“, sagt der johanneische Jesus. An dieser Formulierung lässt sich sehr schön erkennen, was Jesus unter Liebe versteht: nichts Gefühliges, Romantisches oder Sentimentales, nein: der Begriff Liebe ist eine Bestimmung des Verhältnisses zu Jesus, indem man als Jünger Jesu Gebote hält und erfüllt. Wer das tut, der liebt Jesus: im Wesentlichen geht es um die elementaren Gebote der Gottesliebe, Nächsten- und Feindesliebe. Und weil Jesus mit seinen Geboten eins ist mit dem Willen seines Gottvaters, ist man auch von Gott geliebt. Denn wer Jesu Gebote erfüllt, erfüllt damit zugleich den göttlichen Willen. Es geht also um eine Art Willensidentität, die Identität des menschlichen Willens mit dem göttlichen und dem Jesuswillen. Darum geht es bei der Liebe, die Jesus meint. Heute geistern kirchlich natürlich auch andere Vorstellungen herum, auch im Gesangbuch, etwa in dem Lied: „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus“ oder in ähnlich gelagerten Zeltlager-Liedern, die die Liebe Gottes naturromantisch bis gefühls-, ja kitschig besingen. Nein, das meint Jesus selber nicht: Liebe ist eine moralische Veranstaltung, Christentum ist seit Jesus selbst im Kern ethisch-reflektierende und reflektierte Religion, siehe Bergpredigt, und entsprechende Liebestat-Religion. Wie Augustinus gesagt hat: Liebe, und tu was du willst. Aus Liebe, um Jesu göttliches Gebot zu verwirklichen.
„Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten“ – dieses „so werdet ihr“ erinnert mich an eine alte hebräische und ganz moderne Deutungsvariante der 10 Gebote, über die ja diskutiert wird, ob es nicht statt „Du sollst / nicht“ treffender übersetzt heißen müsste: „Du wirst nicht“ – Wenn du mich Gott liebst, dann wirst du definitiv einfach nicht töten, dann wirst du Vater und Mutter ehren, dann wirst du nicht stehlen, – dann wirst du ganz selbstverständlich meine Gebote befolgen: du kannst gar nicht anders; alles andere liegt dann außer deiner Reichweite – sonst liebst du mich, Gott, nicht ganz.
In dieser Logik und ihrem Sinne würde Jesus Wort „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten“ bedeuten: wenn ihr mich liebt, dann wird euch gar nichts anderes einfallen oder unterkommen, als dass ihr meine Gebote haltet. Ihr werdet es selbstverständlich, wie von selbst tun, aus der Liebe zu mir, die sich dann aber auch genau darin bestätigt.

2. Ein Teil der Abschiedsreden ist der heutige Text, liebe Gemeinde, habe ich gesagt. Jesu Zeit auf Erden bei seinen Jüngern ist begrenzt. Er wird sterben. Was kam dann? Zunächst Ostern, nach seinem Tod also schon irgendwie noch er oder wieder er, neu aufgelebt in seiner Bedeutung, mit seinem Leben: Ostern! Dann aber Himmelfahrt als endgültige Heimkehr zu seinem Gottvater in die Ewigkeit – und damit ab dann keine österlich-nachösterlichen Erscheinungen mehr wie in den ersten 40 Tagen seit Ostern – wer oder was tritt nun an die Stelle Jesu?
Ursprünglich glaubten die Christen wie Jesus selbst auch an seine zeitnahe Wiederkunft am unmittelbar bevorstehenden Ende der Welt und der Zeiten. Nun hat sich diese Wiederkunft – zu Zeiten des Johannesevangeliums, um 100 – bereits deutlich, um einige Jahrzehnte verzögert, bis heute umso mehr. Und das war damals nicht nur ein rein zeitliches Problem, sondern ein massives, existenzverunsicherndes Glaubwürdigkeitsproblem für die frühen Christen: Kommt der Herr doch nicht wieder? Ja, wo bleibt er denn? War vielleicht alles Lug und Trug? Ja hat der, der doch der Weg, die Wahrheit und das Leben war, sich selber getäuscht?
Tolle Wahrheit, die einer Selbsttäuschung unterlegen gewesen wäre …
Das Johannesevangelium bietet für dieses ernste Problem eine geniale Lösung an:
Jesus wird künftig authentisch vertreten durch den sog. Paraklet, gr. paraklätos = der Herbeigerufene. Oft wird das Wort übersetzt mit „Tröster“ im Sinne von „Ermutiger“ von Entmutigten, mit „Beistand,“ „Helfer“, „Vermittler“ oder gar „Anwalt“ oder einfach als: „Heiliger Geist“ und „Geist der Wahrheit“, wie wir gehört haben. Weil der Heilige Geist genau diese ganzen Funktionen hat: zu trösten, zu ermutigen, beizustehen, zu helfen, zu vermitteln, Anwalt zu sein für die Sache der Christen, für die Sache Jesu. Also im Sinne Jesu selbst.
Dieser Geist wird nur von den Christen erkannt, wie es heißt, weil sie in ihm Jesus selbst und seinen Gottvater wiedererkennen. Der Geist, sein Geist tritt vollständig an die Stelle Jesu nach seinem Tod und der endgültigen Heimkehr zu seinem Gottvater. In ihm wird Jesus selbst spürbar und sichtbar. In ihm und durch ihn ist den Christen die zumindest vermeintlich abhanden gekommene Glaubens- und Lebenseinheit mit Jesus und Gott wieder gegeben.

3. Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, liebe Gemeinde, sind die Jünger Jesu glaubensmäßig in einem Schwebezustand, in einem Spannungsfeld zwischen Nicht Mehr und Noch Nicht wieder. Zumindest wird das aus der Retrospektive der johanneischen Christen am Ende des 1. Jahrhunderts so interpretiert und dargestellt. Warum? Weil sie sich selbst in der Schwebe zwischen verheißener Wiederkunft Christi, die einfach immer noch nicht eintreten mag, und neuer geistig-religiöser Orientierung befinden.
Über Pfingsten selbst schreibt das Evangelium nichts mehr, kein Evangelium hat über Pfingsten einen Bericht, nur die Apostelgeschichte. Aber das Johannesevangelium bringt – wohl aus eigener Not seiner Gemeinde in seiner Zeit – wesentliche Elemente des christlichen Geistglaubens schon in der Darstellung von Jesu Lebzeiten unter, in den Abschiedsreden Jesu. Jesus selbst schon ist der Glaube, den er verbreitet hat, Geistglaube und Geistethik. Also geistvermitteltes Geschehen. Und zwar nicht von irgendetwas, sondern von der Liebe, wie er sie verstanden hat: als Erfüllung seiner Gebote, Gottes-, Nächsten- und Feindesliebe, die dem Willen seines Gottvaters entsprechen, sodass die gläubigen Christen und Jesus Christus selbst und sein Gottvater eins sind – vermittelt durch den Geist.
Und dieses Grundverhältnis der Liebe wird offenbar, tritt zutage an Pfingsten und bildet die Basis für die Kirche, jede Kirche bis heute.
Wie uns dieser Pfingstgeistgeist der Liebe in unserem Leben begegnet oder in uns ist, dazu dann mehr an Pfingsten!
Zum Schluss: Ein paar Jahre später, wahrscheinlich um das Jahr 110 n. Chr., schreiben wohl dieselben Theologen, die das Evangelium verfasst haben, im 1. Johannesbrief, Kapitel 4, Vers 16:
„Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Hier wird die Verheißung aus dem Johannesevangelium als erfüllt bestätigt. „Wir haben erkannt und geglaubt ...“, heißt es.
Nun, Pfingsten ist erst in einer Woche. Warten wir, was uns betrifft ab, was da geschieht und biblisch erzählt wird. Aber auch ganz unabhängig von diesem Kirchenjahresrhythmus:
Bitten wir unsern Gott darum, dass auch uns der verheißene Geist zuteil wird, der Tröster, der Beistand und Helfer.
Amen.
 

 

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