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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt an Misericordias Domini, 14. April 2013, über Johannes 21,1-19

Liebe Gemeinde,
Geschichten vom neuen Leben sind die Ostergeschichten, vom neuen
Leben, das mitten im Alltag anbrechen kann. Darum hört Ostern nicht auf, wenn die Osterferien zu Ende sind. Ostern geht weiter, es ereignet sich auch in unserem Alltag. Da wird das Leben von Menschen auf einmal neu.
So ist auch der heutige Predigttext eine Ostergeschichte – die letzte im Neuen Testament. Es ist die Begegnung des Auferstandenen mit Simon Petrus, wohl die dichteste Geschichte zwischen den beiden. Die beiden hatten ja viel erlebt miteinander – Jesus hatte Simon beim Fischen kennengelernt und zu ihm gesagt: Folge mir nach. Und voll Begeisterung hatte Simon alles stehen und liegen gelassen und alles für Jesus getan. Später hatte Jesus zu ihm
gesagt: Du bist Petrus, der Fels, auf den ich meine Gemeinde bauen werde. Doch dann hatte Petrus ihn dreimal verleugnet, als Jesus verhört wurde: Ich kenne den Menschen nicht, hatte er gesagt. Doch als dann der Hahn krähte, wurde Petrus klar, was er getan hatte. Bitterlich hat er deshalb geweint, und ist weggegangen. In der Nacht zu Karfreitag denken wir daran. Danach war alles vorbei, so musste es scheinen; doch die Geschichte zwischen den beiden ist nicht zu Ende. Ich lese den Predigttext aus dem Johannesevangelium Kapitel 21 - und damit der Zusammenhang klar ist, die Geschichte davor auch noch: vom österlichen Fischzug des Petrus:

Jesus offenbarte sich abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen:
Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten 's nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.
Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.
Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!


Liebe Gemeinde!
„Hast du mich lieb?“, fragt Jesus. Eine einfache Frage, damals so geläufig wie heute – doch alles andere als harmlos. Dreimal fragt Jesus so. Und mit jeder Wiederholung wird die Frage eindringlicher. Beim ersten Mal konnte Petrus noch leichthin sagen: Ja, natürlich; beim zweiten Mal sieht das schon
anders aus; und dann beim dritten Mal heißt es im Evangelium, dass Petrus traurig wird. Petrus, der Fels, wird weich. Nicht mit lauten Tönen fängt das neue Leben an, sondern unter Tränen, ganz leise. Mit der Scham, dass er Jesus im Stich gelassen hat. Da geschieht das eigentliche Wunder: Jesus lässt Petrus nicht fallen. Er sieht ihn trotz allem an. Von Angesicht zu Angesicht begegnet er ihm. „Herr, du weißt alle Dinge“, gesteht Petrus und im Wissen um das, was passiert ist, fügt er hinzu: „Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Das ist Ostern. So fängt das Leben an.

Hast du mich lieb? Die Frage Jesu ist schon auch überraschend nach all dem, was gewesen ist. Petrus hatte ihn trotz großer Versprechungen im Stich gelassen, ja sogar behauptet: Jesus – den kenne ich gar nicht. Nun
begegnen sich die beiden wieder. Mit welcher Reaktion muss Petrus
eigentlich rechnen? Wenn wir von einem Vertrauten so enttäuscht und
verlassen werden, würden die meisten dem untreuen Freund zumindest mit Vorhaltungen begegnen: Wie konntest du das nur tun? Was hast du dir dabei eigentlich gedacht? Manche würden wohl auch meinen: Das wird er mir
büßen; und sie würden Rache und Vergeltungsgedanken hegen. Zumindest heißt es oft: Der oder die ist für mich gestorben, zumindest erstmal.
Strafe mit gleichgültigem Verhalten, Vergeltung und Rache bestimmen
unsere Wirklichkeit ja nicht nur im privaten Bereich. Wer Fehler gemacht hat, wird in unserer Gesellschaft dabei behaftet, eine neue Chance gibt es nur selten. Erschrocken hat mich der Bericht der Menschenrechtsorganisation amnesty international, der in der vergangenen Woche veröffentlicht worden ist: Darin wird beklagt, dass im zurückliegenden Jahr wieder in mehr Ländern als zuvor die Todesstrafe vollstreckt wurde. Der US-Bundesstaat Maryland hat sie in dieser Woche löblicherweise abgeschafft. Aber nach den Angaben von Amnesty wurden in 21 Ländern weit mehr als 600 Menschen mit dem Tod bestraft. Es fehlen dabei allerdings noch die Angaben aus China, wo wahrscheinlich mehrere Tausend Menschen hingerichtet wurden. Auch hierzulande wird der Ruf nach der Todesstrafe ja immer wieder laut, zum Glück ist sie in Deutschland abgeschafft. Denn im Extrem der Vergeltungssucht, der Todesstrafe, wird deutlich, wie Vergeltung und Rache Leben zerstören und neue Anfänge unmöglich machen.
Jesus zeigt einen anderen Umgang mit Schuld und Versagen. Statt Sühne zu fordern, stiftet er Versöhnung. Er stellt keine schikanösen oder tödlichen Fragen, er straft Petrus nicht, sondern er fragt nur: „Hast du mich lieb?“
In Jesu Frage klingt alles an, was gewesen ist. Die Begeisterung von Petrus genauso wie die Vollmundigkeit, mit der er sich zu Jesus bekannt hat, aber eben auch das Versagen, wie er ihn im Stich gelassen und verleugnet hat. Jesus legt Petrus nicht auf die Vergangenheit fest, sondern eröffnet ihm einen neuen Weg, in die Zukunft. Ein neuer Anfang ist möglich in der Liebe.

„Hast du mich lieb?“ – Die Frage Jesu hat es tatsächlich in sich. Denn sie durchbricht nicht nur das tödliche Gesetz der Vergeltung, sie kann auch
Menschen verändern. Jedenfalls geht Petrus verändert aus der Begegnung mit Jesus hervor. Petrus, Fels hatte ihn Jesus einmal genannt, jetzt nennt er ihn wieder bei seinem eigentlichen Namen: Simon. Simon kann sich nicht mehr hinter der starken Fassade verstecken, seine Scham und seine Tränen lassen die weichen Seiten hervortreten. Aber gerade das ist ja die Chance des neuen Anfangs: Er kann nun Jesus wieder in die Augen schauen. Er muss nicht länger betreten zu Boden sehen, nein: er kann aufrecht ein neues Leben beginnen.

„Hast du mich lieb?“ – Diese dreimalige Frage Jesu, die die dreimalige Verleugnung des Petrus aufnimmt, nimmt Petrus hinein in die Sphäre und Atmosphäre der Liebe Gottes: Weide meine Lämmer, sagt Jesus dreimal, und das heißt für Petrus: Leb aus der Liebe, gib sie weiter. Geh zu den Menschen und hilf ihnen in ihrer Not. Erzähl ihnen von der Liebe Gottes, die niemanden verloren gibt. So wie Jesus seinen Jünger Petrus nicht aufgegeben, sondern wieder aufgesucht hat, so kann auch er sich nun wie ein Hirte um die schein-bar Verlorenen sorgen.

Es ist kein leichtes Leben, das Leben aus der Liebe. „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir“, sagt Jesus: „Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst.“
Damit deutet Jesus auf Leid und Tod.
Petrus ist wahrscheinlich wie viele nach ihm als Märtyrer in Rom gestorben. Wer heute in Rom die Katakomben besucht, kann auf den uralten Grabplatten Zeichnungen von Jesus als dem guten Hirten entdecken. Die ersten Christen wussten sich also getragen von der Liebe Gottes, so konnten sie diese Liebe auch leben, in schwierigsten Zeiten, auch in Leid und Tod.

Ich komme zum Schluss: „Hast du mich lieb?“ So fragt Jesus auch dich und mich. Keine harmlose Frage, denn die Liebe kann einen dahin führen, wohin niemand will: ins Leid, zu den Totgesagten, ins Mit-Leiden zu denen am Rande. Doch mit dieser Liebe kann Leben neu anfangen, auch bei uns.
Vielleicht manchmal auch so wie bei Petrus: Im Eingeständnis der Scham über die Fehler der Vergangenheit, aber in dem gläubigen Wissen: Jesus sieht mich an. Er trägt mich wie ein guter Hirte. So wird es Ostern in unserem Leben. Darum ist das letzte Wort Jesu kein anderes als sein erstes – an Petrus und an uns: Folge mir nach. Amen.
Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.
 

 

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