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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Vom Tod zum Leben, von Karfreitag zu Ostern.
Und was war in der Zwischenzeit?

Liebe Ostergemeinde,
nach dem Lukasevangelium hat Jesus am Kreuz zu dem einen von den beiden neben ihm am Kreuz Hängenden, dem reuigen Verbrecher gesagt: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“
Ist also Jesus gestorben in dem Glauben, unmittelbar ins Paradies einzugehen, zu Gott, in seine Ewigkeit?
Das spätere kirchliche Bekenntnis vertritt da eine etwas andere Vorstellung. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis (Apostolikum) aus der Mitte des 5. Jahrhunderts nach Christus, also über 400 Jahre später, heißt es im 2. Artikel über den Glauben an Jesus Christus:
„gekreuzigt, gestorben und begraben“ – so weit, so gut! Aber dann:
„hinabgestiegen in das Reich des Todes …, am dritten Tage auferstanden von den Toten.“ Warum „hinabgestiegen in das Reich des Todes“?
Davon ist in sämtlichen offiziellen Bekenntnisbildungen im Vorlauf zum Apostolikum seit dem 2. Jahrhundert und auch im Neuen Testament selbst nirgends die Rede! Warum auf einmal „hinabgestiegen in das Reich des Todes“? Reichte nicht, wie bei Paulus und in den ersten Jahrhunderten üblich: „gekreuzigt, gestorben und begraben; am dritten Tage auferstanden“?
Offenkundig nicht. Die Christen des 5. Jahrhunderts hatten nämlich ein doppeltes Problem:
Einerseits war nicht klar, wo der Gestorbene und Begrabene zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung eigentlich gewesen war. Wirklich im Grab?
Andererseits gab es einen in der damaligen hellenistisch-römischen Welt weit verbreiteten Mythos, den es zu überbieten galt, wenn man als christliche Kirche im heidnischen Umfeld punkten, überzeugen und neue Leute gewinnen wollte für den christlichen Glauben:
Das ist die alte Sage von dem Sänger Orpheus in der Unterwelt. Unter den Sängern galt Orpheus als der Beste. Und er betörte Götter, Menschen und sogar Tiere, Pflanzen und Steine. Steinerweichend sein Gesang! Die Bäume sollen sich zu ihm geneigt haben, wenn er spielte, und die wilden Tiere scharten sich friedlich um ihn, und selbst die Felsen weinten angesichts seines schönen Gesangs. Stein erweichend! Orpheus’ Ehefrau war die Nymphe Eurydike. Sie starb durch einen von Orpheus verschuldeten Schlangenbiss. Sie fristete nun ein Schattendasein ihrer Seele in der Unterwelt. Orpheus selbst aber stieg in die Unterwelt, um durch seinen Gesang und das Spiel seiner Lyra den Herrschergott der Unterwelt, Hades, zu bewegen, ihm seine Geliebte zurückzugeben. Seine Kunst war so groß, dass ihm seine Bitte tatsächlich gewährt wurde – jedoch unter der von Hades gestellten Bedingung, dass er beim Aufstieg in die Oberwelt vor Eurydike vorangehen sollte und – sich nicht nach ihr umschauen dürfe. Da er aber die Schritte der Eurydike, immer noch ein geräuschloses Schattenwesen, nicht hörte, sah er sich um nach ihr und – sie verschwand wieder in der Unterwelt.“
Seit dem 2. Jahrhundert wurde Orpheus von großen christlichen Theologen als Urbild, Präfiguration Christi angesehen, so dass man mit der Verkündung der Vorstellung, Jesus Christus sei in das Reich der Toten hinabgestiegen (oder, wie wir früher gebetet haben: hinabgestiegen in die Hölle, griech. wörtlich: „in die unterste Tiefe“) den Vorteil hatte, dass man erstens anknüpfen konnte an in der Umwelt allgemeinverständliche Bilderwelten und Vorstellungen. Den Orpheus-Mythos kannten alle damals. Zweitens war Jesus Christus, der alle aus dem Tod holt, im Ergebnis natürlich erfolgreicher als Orpheus, dessen Geliebte in der Unterwelt blieb, also Orpheus die Rettung seiner toten Geliebten nicht zuwege brachte, ja nach anderer Version er auch selbst in der Unterwelt verbleiben musste. Und drittens war mit „hinabgestiegen in das Reich der Toten“ allgemein verständlich erklärt und geklärt für damalige Ohren, was Jesus Christus in der Zwischenzeit, zwischen Karfreitag und Ostern, getan hatte!
Was nun genau los war mit ihm, Jesus Christus, in dieser Zeit, dazu gibt es unterschiedliche Interpretationen, zwei der Feinsten davon möchte ich nennen, sie mögen Ihnen zeigen, wie erfindungsreich Theologen sein können:
1. Ein anschaulicher Vergleich aus der Biologie gelang Johannes Chrysostomos (= „Goldmund“, weil er so schön predigte), 4. Jahrhundert: „Denn so wie man eine Speise, die man nicht verdauen kann, wieder ausstößt und außer dem Unbekömmlichen auch alles andere erbricht, so ist es auch dem Tod geschehen: Nachdem er jenen Leib zu sich genommen hatte, den er nicht verdauen konnte, hat er ihn wieder ausgestoßen und mit ihm alle, die in ihm waren.“ (Chrysostomos, 24. Homilie) Die Vorstellung, dass Jesus Christus den Tod selbst zum Erbrechen brachte, als der ihn geschluckt hatte, was dann die Auferstehung seiner selbst und der Toten bewirkt habe, Auferstehung also als Ausspeien des Todes, ist allerdings heute einigermaßen gewöhnungsbedürftig.
2. Eine andere Interpretation stammt von Cyrill von Alexandrien (um 400 n. Chr.), er sagt: „Es ziemte Jesus, dass er, als er in den Tod ging, auch denen im Hades predige, welche in der Zeitlichkeit sich nicht hatten überzeugen lassen. Darum auch bebten und zerbarsten die Tore des Hades und wurden zersprengt die ehernen Pforten und eisernen Riegel; und siehe da, der Eingeborene trat ein als Seele bei den Seelen, da er der mit einer Seele vereinigte Logos Gottes war. Der Leib nämlich lag im Grabe, nicht der Gottheit entleert, wohl aber behütete er mit dem Fleische die Welt, mit der Seele aber beraubte er den Hades.“ Ein heutiger Kommentar dazu lautet: „Fast könnte man Mitleid mit diesem Hades bekommen, der in der byzantinischen Osternachtsliturgie selbst zu Wort kommt: Heut ruft der Hades und stöhnt: Besser wäre mir gewesen, ich hätte den Sohn der Maria nicht aufgenommen. Denn da er zu mir gekommen ist, hat er meine Herrschaft vernichtet und die ehernen Tore zertrümmert; die Seelen, die ich einst besaß, hat er, Gott, auferweckt.“ Also auch in seinem Totsein erwies sich Jesus als höchst lebendig und kraftvoll.
Und aus dem alten Ägypten war im antiken Schmelztiegel der hellenistisch-römischen Kultur noch gut die Vorstellung bekannt, dass im Moment des Todes sich die Gottheit in die Unterwelt begebe, um dort die Seelen der Verstorbenen zu sich zu rufen.
Liebe Gemeinde, das sind alte mythische Vorstellungswelten. Heute sind wir da etwas vorsichtiger mit unseren Aussagen und reduzieren die alten Vorstellungen auf den wesentlichen Inhalt, in unserer Sprache.
Ich denke, dass der Passus „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ im Glaubensbekenntnis für uns heute an Ostern und darüber hinaus für jeden Tag besagt, dass Jesus bis in die letzten Abgründe und Tiefen des Leidens und Sterbens gegangen ist. Dass ihm das alles nicht fremd blieb. Bis in die letzten Tiefen. Das kann tröstlich sein für Menschen, die heute leiden und sterben müssen. Das verbindet sie mit ihm und kann neue Hoffnung und Lebensmut bringen, über den Tod hinaus.
Er blieb nicht im Tod, sondern wurde an Ostern den Jüngern zum lebendigen Christus, der ihrem Leben neuen Lebenssinn und Glauben an ihn gegeben hat. Ein für allemal.
Wie es in der Offenbarung des Johannes, dem Spruch für heute und die neue Woche heißt (1,18): Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Herr, schenke uns diesen Osterglauben. Amen.


Zitate aus: C. Kükenshöner, Hinabgestiegen in das Reich des Todes, in: Evang. Zeitung, 19.3.2008
 

 

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