Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

Aktuell >>

Predigt am Neujahrstag 2013

Liebe Gemeinde!
Der Neujahrstag ist ursprünglich kein christlicher Feiertag.
In der Alten Kirche, also zu Zeiten des Christentums in den ersten fünf bis sechs Jahrhunderten nach Christus, wurde der Neujahrstag bewusst als Fastentag begangen. Dies hatte seine Ursache in der Beziehung zu den sogenannten "Saturnalien", die die Römer im 3. Jahrhundert noch feierten. Die Saturnalien begannen am 17.12. und mündeten am 24.12. in die überschwänglich und ins Extreme gesteigerte Feier des Sol invictus (unbesiegter, unbesiegbarer Sonnengott). Der Kirche erschien dieses siebentägige Feiern der Saturnalien als eine Eskalation heidnischer Laszivität und Sündhaftigkeit: Sie setzte daher ihre Weihnachtsfestzeit ebenfalls auf sieben Tage an, allerdings nicht so, dass sie in orgiastische Ausschweifung mündete, nein: am Schluss stand die bußfertige Hinwendung zu Gott, ein Fastentag.
Erst im 6. Jahrhundert begann man, den Neujahrstag als Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu zu feiern. Luther hat auf diesen Sinn des Neujahrstages auch noch großen Wert gelegt. Im Lauf des 17. Jahrhunderts und im Zuge der Aufklärung und vielschichtiger religiöser, weltanschaulicher und gesellschaftlicher Differenzierungs- und Moder-nisierungsprozesse ging den protestantischen Kirchen dieser Sinn verloren, und der konfessionell neutrale Jahresanfang wurde als solcher immer mehr zum Hauptinhalt des Tages, wobei es sich beim Neujahrs-tag wohl um den wichtigsten profanen Feiertag, den des Neuanfangs, handelt.
Die liturgische Farbe in der Kirche ist weiß, da der Neujahrstag bis heute kein eigener Festtag der Kirche ist, sondern kirchlich gesehen ein Tag, der in die Weihnachtszeit einzuordnen ist. Gleichwohl hat dieser Tag als Neujahrstag einige religiöse Relevanz, denn es geht um Neuanfang, Lebensplanung, Zukunftshoffnung und die Ambivalenz von Sich-Verfüg-bar-Machen und Unverfügbarkeit des Lebens.

Der Jahreswechsel bietet ja – wie sonst höchstens noch der persönliche Geburtstag eines Menschen oder größere Jubiläen in besonderer Weise die Gelegenheit zum Rückblick, zur Zwischenbilanz. Aber bekanntlich auch dazu, nach vorne zu schauen: ob das nun gute Vorsätze sind, die man jedes Jahr fast schon wie im Recycling auffrischt, erneuert, durch neue ersetzt, oder Planungen für das beginnende Jahr: von der beruflichen und persönlich-privaten Terminplanung bis hin zur Budgetplanung für neue Jahr, die in Unternehmen anhand von Hochrechnungen natürlich schon längst gelaufen ist, aber dann anhand der Jahresabschlusszahlen aus dem alten Jahr für das neue später nochmal angepasst werden, damit die Sache auf aktuellem Stand berechenbar und im Griff bleibt und damit die Jahresziele erreicht werden können bzw. nochmal umformuliert werden – wenn´s denn wirklich so läuft!
Thema sind – allerdings nicht nur um den Jahreswechsel – Prognosen. Und mit ihnen ist es so, wie man es jetzt öfters vor allem in den Börsennachrichten hören kann, als Zitat: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“ – so lautet ein beliebtes Bonmot, das Mark Twain, Karl Valentin, Niels Bohr oder auch Winston Churchill zugeschrieben wird. Von wem dieses Zitat wirklich stammt, ist unsicher.
Ja, und es geht mit all dem Vorausschauen und –planen auch um das, was ich „Sicherheitssuggestion“ nennen will: wir machen uns das bevor stehende Jahr angenehmer und für uns selbst weniger angstbesetzt, indem wir an unsere Pläne und Termine, Vorhaben und Ziele als feste Pflöcke in diesem an sich ja nicht berechenbar und nicht überschaubar vor uns liegenden Zeitraum des Jahres 2013 glauben. Nun hat zumindest der Versuch der Schaffung von Berechenbarkeit und Planungssicherheit, die wir ins neue Jahr oder sogar mehrere Jahre hineinbringen wollen, ja durchaus auch seinen guten Sinn und Nutzen, nicht nur jeweils für mich, sondern auch für die anderen. Und je größer und komplexer und oder auch labiler der Sozialverband ist, um den es geht, von der Zweierbeziehung bis zum Unternehmen, Großkonzern, von der Gemeinde bis zum Staat oder ganzen Staatengemeinschaften, ist das umso wichtiger: da sind oder wären Planungssicherheit und Berechenbarkeit in der Vorschau bestandserhaltend relevant und wichtig.
Und wie gerne würde man einmal sicher gehen können, dass das, was man plant und will, auch wirklich eintritt. Doch die Sicherheit gibt´s wohl nicht! Und man kann sich heute gegen viele Risiken versichern, aber die absolute Sicherheit gibt es nicht!
Ich erinnere mich an eine Werbung, die ich in meiner Jugend einmal im Radio gehört habe, weil sie sprachlich pfiffig und mit einer gewissen Selbstironie des Werbenden verbunden war:
Sind sie sicher, dass Sie sicher sind? Sicherlich nicht. Sichern Sie sich eine sichere Sicherung bei unserer Versicherung! Sicher ist sicher, sicherlich! Wer dieser Versicherer war, weiß ich nicht mehr. Er hat sich jedenfalls selbst und seine ganze Branche auf´s Korn genommen und damit zugleich im Medium des Werbeslogans auf ironische Weise zum Ausdruck gebracht, dass man es mit Sicherheitsbedürfnis auch übertreiben kann und dass es keine absolute Sicherheit im menschlichen Leben gibt.
Auch Planungssicherheit nicht, wie mir mein philosophischer Friseur erzählt hat, durchaus religiös relevant! Er fragte mich nämlich: Das müssten Sie als Pfarrer doch wissen: Wie kann man Gott zum Lachen bringen? Ich wusste es nicht. Seine Antwort: Erzähle ihm von deinen Plänen!

Liebe Gemeinde, nichts wesentlich anderes sagt die heutige Epistel aus dem Jakobusbrief, Kapitel 4, mit der Überschrift in der Lutherbibel
„Warnung vor Selbstsicherheit“: Und nun ihr, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen –, und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. Dagegen solltet ihr sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.
Ja, so sollte es sein. Dass wir, bei aller Aktivität und Planung, letztlich demütig zu empfangen bereit sind, was dann doch kommt, auch wider Erwarten, und zwar als von Gott! Also nicht nur so, wie die flapsige Redewendung heute heißt: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Damit wird zwar auch die Relativität aller menschlichen Vorhaben und Planungen und Zukunftswünsche zum Ausdruck gebracht. Aber völlig unreligiös. Das kann auch jeder sog. Atheist sagen.
Wer wenigstens etwas „religiös musikalisch“ ist, wie Max Weber das genannt hat, sagt: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Soll sagen: es steckt wohl ein Höherer hinter allem, was wir uns denken, planen und wünschen und vor allem auch hinter dem, was dann tatsächlich passiert: Gott! Wir können alles letztlich nicht selber steuern, sondern: wir müssen einsehen, dass das, was passiert, unserer Verfügungsgewalt letztlich entzogen ist, einer höheren Verfügungsgewalt anheim gestellt ist.

Um noch eine Nuance deutlicher sieht es der Predigttext aus dem alttestamentlich-weisheitlichen Buch der Sprüche, aus dem ich heute den wesentlichen Vers herausgreife: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt. (Sprüche 16,9)
Dieses „allein“ einzusehen – der Herr allein lenkt seinen Schritt – erfordert maximale Demut, Selbstbegrenzung und Selbstbeschränkung des Lebenswillens, und weist uns darauf hin, dass, so unangenehm es ist, letztlich ausschließlich ein anderer über unser Leben bestimmt. Das zu akzeptieren, fällt sehr schwer. Das ist in besonders schweren Fällen wohl kaum oder gar nicht einzusehen. Und es muss deswegen manchmal auch schmerzlich offen bleiben.
Denn: wir als moderne Menschen sind es nicht gewohnt und es widerstrebt uns, nicht selber über alles bestimmen zu können, und dennoch ahnen wir, weil wir immer wieder Erfahrungen machen, dass es anders geht, als wir es uns oder jemandem anderen gewünscht hätten, dass da höhere Gewalt im Spiele ist, gerade in Fällen, die alles andere als ein Spiel sind, mitnichten: Da stirbt plötzlich jemand, den wir eher nur locker gekannt haben, oder ein uns ganz lieber Mensch, von dem man es auch nie jetzt schon erwartet hätte. Oder Trennung auf ungewisse Zeit: Da kommt jemand, den man kennt oder einem vertraut ist, an einen anderen Ort, weit weg von hier, berufliche oder familiär bedingt. Kontakt halten wird schwierig werden. Aber auch positiv: Da wird ein Kind geboren, obwohl man es gar nicht mehr geglaubt hätte! Oder es wird ein Wunschkind geboren, und so richtig glauben, wie wunderbar das ist, kann man es erst jetzt, wo man es sieht, wo es da ist, große Freude! Oder: da hat jemand einen völlig unerwarteten Erfolg.
Alles Ungeplante, Unvorhergesehene irritiert uns, negativ oder positiv - das macht aber auch die Würze des Lebens aus! Im Positiven wie, leider, auch im Negativen. Denn wenn wir schon alles wüssten, wie es läuft, es wäre langweilig und mindestens genauso (un-)erträglich!
Wie es auch gehen wird, wir können nur hoffen, dass es der Herr, Gott selbst ist, der es bewirkt, und der es gut mit uns meint, so dass es seinen Sinn hat, auch wenn der uns manchmal verborgen bleibt.

Liebe Gemeinde, ich komme zum Schluss. Der Jahresspruch für 2013 hat zum heutigen Predigtthema auch etwas beizutragen, er lautet:
Wir haben hier keine bleibende Stadt, aber die zukünftige suchen wir. (Hebräer 13,14). Daran ist zum einen die menschliche Suchbewegung wichtig. Nichts Bestehendes hat Bestand, keine Situation. Weil vieles im Fluss ist, weil sich dauernd etwas ändert. Das haben wir in den vergangenen Jahren nicht nur in Politik und Wirtschaft, in der Welt erleben können, sondern auch in unserer Gemeinde, die sich verändert hat in den letzten Jahren, wie auch künftig. Und wir suchen weiter nach Aufgaben und Zielen und vor allem Menschen, die uns zugetan sind und dabei sein werden. Also das „Nichts bleibt“ produktiv umzusetzen und suchend nach vorne offen zu gestalten - das ist das Eine.
Das andere ist das Vertrauen in die noch ungewisse Zukunft und Entwicklung hinein und das Vertrauen auf den, der bei allem, was wir machen, organisieren, tun und planen, letztlich uns trägt. Das Vertrauen darauf, dass Gott uns trägt – das ist das andere:
Dieses Vertrauen, dass Gott selbst uns trägt, wo immer wir sind, was immer wir tun oder erleben, das könnte selbst schon diese „zukünftige Stadt“ sein, wie sie uns schon jetzt Gegenwart ist, zu spüren ist.
Dieses Vertrauenkönnen auf Gott und, aus seiner Kraft heraus das Kommende zu leben und zu erleben, das wünsche ich Ihnen / Euch persönlich und uns als Evangelischer Kirchengemeinde in Berg für das Neue Jahr 2013. Amen.
Und der Herr sei mit Euerem Geiste. Amen.
 

 

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier