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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Christvesper mit die BBB vor dem GD, das Weihnachtsevangelium, Predigt und der Segensspruch mit einer Strophe aus "O du fröhliche".

Predigt an Heiligabend über Matthäus 1, 18-25, von Pfarrer Habdank

Liebe Heiligabendgemeinde,
der studierte Altphilologe und Journalist Jan Ross hat im Zeit-Magazin zu Weihnachten geschrieben: „Weihnachten ist die Unterschicht unter den Festen: mächtig aufgedonnert, aber von fragwürdigem Geschmack; verführt durch die Konsumkultur; laut, süß und billig. Die Unmündigen lieben es, die sensibleren fliehen davor – aufs Land oder nach Goa, in Geschenk-Askese oder Idyllen-Verweigerung. Theologisch Interessierte halten sich lieber an intellektuell anspruchsvollere Feiertage wie den tiefsinnig düsteren Karfreitag oder das dialektisch hoffnungsvolle Ostern.“ Weihnachten sei „das unterkomplexe, zurückgebliebene, peinliche Fest.“ Nun, ich weiß nicht, wie unterkomplex und peinlich der Autor selbst Weihnachten feiert. Und es ist wohl auch nur die vorder-gründige Analyse, denn der Autor ist selbst kein Weihnachtsverächter, sondern gewinnt Weihnachten etwas entscheidendes Positives ab, und das ist seine Botschaft: „In Wahrheit ist Weihnachten, auch in seiner spätmodernen kommerziellen Heruntergekommenheit, etwas Großes und Wichtiges: ein Test auf unsere Restkindlichkeit, auf die weichen Stellen in unserer Seele, auf die Fähigkeit, sich zu elementaren Wünschen und Sehnsüchten zu bekennen.“ Das Fernweh nach einem besseren Leben, die Sehnsucht nach dem Wahren, Guten und Schönen, nach wahrer Herzlichkeit und echtem Gefühl suchten an Weihnachten ihre Wege, sich auszudrücken und erlebbar zu werden. „Sentimentalität“ im besten Sinne des Wortes könne da wahr werden. Und damit verstoße Weihnachten gegen ein heute allgemein verbreitetes Tabu, das – im Gegensatz zu den alten Tabus und Verbotsregeln gegen das Unanständige, Hässliche und Böse – heute über dem Positiven, Glückhaften und Hoffnungsvollen liege und wie ein mächtiges Syndrom verbreitet sei, ein Syndrom, das der Freude am Positiven entgegenstehe, basierend auf einer weitverbreiteten Schwierigkeit mit der Idee, es könne ja auch mal etwas gut gehen, und aus einer „gewissen Feigheit (heraus) vor der Glückshoffnung, wegen der Verletzlichkeit, die damit verbundenen ist – es tut nämlich weh, wenn sie enttäuscht wird.“
Weihnachten bedeute von jeher bis heute, unabhängig von Kitsch, Trivialkunst, Konsum, falschem Zauber und Scheingemütlichkeit, den frontalen Angriff auf dieses Tabu. Oder anders gesagt: „Normal ist (inzwischen), wegen der Scheu vor dem Glücksversprechen, dass wir mit angezogener seelischer Handbremse durchs Leben fahren. Damit diese vernünftige, erwachsene und armselige Gebremstheit nicht überhand nimmt – dazu ist Weihnachten da.“

Liebe Gemeinde, so ist es. Weihnachten ist, bei allem, was man an seiner soziokulturellen und kommerziellen Ausgestaltung und an verschiedenen Stilarten jeweils kritisieren, bemängeln und bemäkeln kann, im Wesentlichen die positive Unterbrechung des jährlichen Alltags. So, wie es auch bei anderen kirchlichen Hochfesten und Feiertagen der Fall ist, und eigentlich auch mit jedem Sonntag gemeint ist, die heilsame, aufmunternde Unterbrechung des Alltags - für Weihnachten gilt das ganz besonders.
Warum eigentlich? Es liegt am religiösen Gehalt, um den es an Heiligabend und Weihnachten geht. Und damit komme ich zu etwas, was der zitierte Journalist nicht im Visier hat, obwohl es nicht nur für Theologen das Wesentliche und Entscheidende ist, und zwar seit 2000 Jahren: zum Glaubenssinn des Heiligen Abends und des Weihnachtsfestes:
in der Weihnachtsgeschichte, wie wir sie aus dem Lukasevangelium gehört haben, und in dem, was ich Ihnen jetzt aus dem Matthäusevangelium als Predigttext für den Heiligen Abend 2012 vorlese, Kapitel 1, Verse 18-25:
„Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.“

Liebe Heiligabendgemeinde, die Geburtsgeschichte aus dem Matthäusevangelium, die Sie soeben gehört haben, hat die Kirche und ihre Gläubigen von Früh an geprägt. Genau genommen, sind es zwei Elemente in ihr, die wirkmächtig geworden sind: das eine ist die heute problematische Rede von der Jungfrauengeburt. Das andere ist die Namensgebung: Das Kind soll Jesus heißen.

Zur Jungfrauengeburt: Das Wort, das im Urtext dasteht, heißt eigentlich nicht „Jungfrau“, sondern „junge Frau“. Und Maria war eine junge Frau, ihr Name war – in Erinnerung an die Schwester des Mose, Mirijam – zu Jesu Zeiten als Mädchenname weit verbreitet, weil man mit dieser Namensgebung den Widerstand gegen die Römerherrschaft artikulieren wollte: „Maria“ bedeutet nämlich „die „Widerspenstige, die Ungezähmte“. Wurden Widerstand und Befreiung von den Frauen erhofft?
Dass „die junge Frau“ sehr bald kirchlich und auch offenkundig schon biblisch, wie das Matthäusevangelium zeigt, in „Jungfrau“ umgewandelt wurde, entspricht allgemein antiker Vorstellung, derzufolge völlig außergewöhnliche, charismatische, wunderhafte Erscheinungen wie Jesus göttlichen Ursprungs sein mussten, auch nur sein konnten. Das zum Ausdruck zu bringen, darum ging es. Gottessöhne und göttliche Menschen als eine Mischung aus menschlich-irdischer Frau und einem anderen, rein göttlichen Element, wie im Fall Jesu: dem Heiligen Geist Gottes, gab es öfters im damals weitgehend hellenistisch geprägten Kulturkreis in und um Israel. Die so intendierte Rede von der Jungfrauenschaft Mariens, obwohl erst nur von einer „jungen Frau“ die Rede gewesen war, wurde im Lauf der Zeit, wie man heute sagen würde, „biologistisch“ uminterpretiert.
Fakt ist, wie biblisch ja auch ganz klar zu lesen ist, dass Josef in der Bibel als „Vater Jesu“ bezeichnet wird und bezeugt ist, das heißt: der irdisch-menschliche Vater Jesu war natürlich Joseph, geistig-geistlich sah sich Jesus selbst allerdings einem höheren Vater, im Himmel, verpflichtet. Die Vergöttlichung der Geburt Jesu samt Rede von der Jungfrauengeburt ist also erst eine spätere Deutung der Geburt und geglaubten göttlichen Existenz Jesu, um im kulturellen Kontext entsprechend darzustellen, dass Jesus eine einmalige und außergewöhnliche Gestalt sei, an die es exklusiv zu glauben gelte, ja: dass er der seit langem erwartete Messias sei. Von der entsprechenden Neuinterpretation alttestamentlicher Weissagungen habe ich ja schon vorher gesprochen. Das ist übrigens Standardwissen in den biblischen Wissenschaften. Nur in der Kirche scheint das regelmäßig nicht opportun zu sein, dass von diesem historisch-theologischen Wissen auch wie selbst- verständlich geredet wird. Ich halte es allerdings für ein Gebot der intellektuellen Redlichkeit. Schließlich soll die Gemeinde ja nicht für dumm verkauft werden, auch und gerade nicht an Weihnachten. Und ich füge noch hinzu:
Das Markusevangelium – das ist das älteste im Neuen Testament – wusste noch gar nichts von irgendwelchen Geburts- und Kindheitsgeschichten Jesu, geschweige denn von der sog. Jungfrauengeburt.
Bei Markus wird Jesus erst bei seiner Taufe als Erwachsener durch Johannes den Täufer im Jordan durch eine göttliche Stimme vom Himmel herab quasi als Adoptivsohn zum Sohn Gottes erklärt: „Dies ist mein lieber Sohn!“ Und Jesus hat ja seinen Gott auch immer „Abba“, lieber Vater, genannt. Das passt zu seinem Gottessohnbewusstsein, das ihm gegeben war.

Liebe Heiligabend-Gemeinde, wir feiern heute Jesu Geburtstag. Und da ist es gut, sich einmal die Namensbedeutung von „Jesus“ klarzumachen. Das ist der zweite Punkt. „Jesus“ kommt von „Joshua, Josua“, und bedeutet: „Gott rettet, hilft, befreit“! Diese Bedeutung seines Namens hat Jesus selbst auch gelebt, als er in den Jahren 28-30 öffentlich gewirkt hat, und das ist das Beeindruckende: zuerst in seiner Heimatgegend Galiläa und nahe gelegenen Gebieten um den See Genezareth herum. Und dann besonders kämpferisch in Jerusalem, wo er es darauf angelegt hat und die herrschende jüdische Lehrmeinung und Lebenseinstellung maximal auf die Probe gestellt hat und provoziert hat, im Tempel, dem jüdischen religiösen Kultzentrum schlechthin, also, heute würde man vielleicht sagen, einer Art Mekka oder Vatikan der jüdischen Religion, beide gab´s damals aber noch nicht, und darum herum - bis hin zum Kreuz, das er für seinen Glauben auf sich genommen hat.
Wofür hat Jesus gewirkt und gekämpft? Für einen neuen Gottesglauben: "Gott mit uns - Immanuel". Für den Glauben an den Gott der Großzügigkeit, der Barmherzigkeit, der heilsamen Liebe und der Vergebung für uns Menschen. Dafür hat Jesus gelebt und ist auch dafür gestorben. Und der Glaube an seine Auferstehung, der Osterglaube besagt nichts anderes als die Bestätigung dafür: dass die Sache Jesu weiter gegangen ist und weitergeht bis heute und weiterhin. Durch wen?
Durch alle, die von Jesus affiziert, infiziert sind, angesteckt, fasziniert sind, denen seine Ideen und sein Leben etwas Positives sagen, die an ihn glauben, auf welche Weise auch immer, was und wie dir an ihm einleuchtet. Bis heute.

Heute, an Heiligabend 2012:
wir alle sind gefragt, seine Sache weiter zu betreiben und zu verbreiten. Im Glauben und im Handeln. Dass wir Jesu Ideen aufgreifen und selber umsetzen. Und in diesen Aufruf schließe ich mich selber natürlich ein. Es ist nicht immer gerade einfach. Sei es die Idee der Nächstenliebe, die Jesus aus alter jüdischer Tradition aufgenommen hatte: er hat sie aber - revolutionär - in den Mittelpunkt der ethisch-religiösen Betrachtung gerückt und zum Maßstab über alles im Leben erhoben. Oder das damit verbundene Gebot der Feindesliebe, der Entfeindung, und damit verbunden ganz zentral bei Jesus: der Vergebungsgedanke. Ja, haben wir Mut zur Vergebung, zum ersten Schritt, gerade an Weihnachten und zum Ende des Jahres, in dem ja auch einiges menschlich Negative zu erleben war, weiß jeder selber am besten: Vergebt einander, wie Gott euch vergibt. Der Glaube an den vergebenden Gott, den hat Jesus, als er geistig erwachsen geworden war, gepredigt und gelebt.
Und da haben wir noch den heilenden Jesus, so wunderhaft und kaum glaublich uns heute diese Heilungsgeschichten vorkommen mögen: dass heil werde, was verletzt ist, dass Heilung erfährt, was verwundet ist. Das ist für uns heute auch von elementarer Bedeutung, in unseren verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen und vor dem Letzthorizont unseres Lebens, vor Gott.  Und genau für diese Punkte steht auch heute das Christentum: für Liebe, Entfeindung und Vergebung, für heil werden. Es war Jesus, der diese Themen in dieser neuen Zusammenstellung maßgeblich benannt, zugesprochen, gefordert und gefördert und gelebt hat.
Dass wir heute für seine Ziele uns einzusetzen bereit sind, nach unseren Möglichkeiten und zu unseren Zeiten, in unseren ganz unterschiedlichen Wirkungsbereichen, dazu verhelfe uns Gott im Namen Jesu. Der bedeutet: Gott rettet –

uns, sicher auch jenen Journalisten und hoffentlich all die Menschen in der Welt, die Rettung brauchen und von ihm auch empfangen wollen. Heute und allezeit.
Amen.


Und der Herr sei mit euerem Geiste. Amen.  

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