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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt über Einheit und Vielfalt der christlichen Gemeinde
anlässlich der Einführung des neuen Kirchenvorstands

Liebe Gemeinde,
in einer modernen offenen, volkskirchlichen Gemeinde, wie wir es sind, die keine sog. Freikirche oder gar geschlossene Sekte mit hohem Homogenitäts- und Gesinnungsdruck auf den Einzelnen ist und sein will, gibt es vielleicht nicht gerade so viele Glaubensrichtungen wie es Gemeindeglieder gibt, aber doch eine Vielzahl! Das liegt daran, dass die Menschen aus ganz unterschiedlichen Generationen und religiösen Traditionen stammen und sich in ihrer je persönlichen Biografie auch ganz unterschiedlich bis hierher entwickelt haben. Diese Vielfalt ist auch größer als es das normale Schema „Kerngemeinde–Distanzierte“ nahelegt, das auf die sichtbare Bindungsintensität der Gemeindeglieder anhand abzählbaren Teilnahmeverhaltens abzielt. Die meisten gehen ein Mal im Jahr in die Kirche, Weihnachten wird´s sicher wieder voll sein! Ansonsten bedient man sich des kirchlichen Angebots der Taufe, der Konfirmation, der Trauung, vielleicht noch eines Ehejubiläums und dann wieder zur Beerdigung. Das nennt man das sog. Kasualchristentum, weil man bei einzelnen Casus, Fällen und Gelegenheiten zu Wendezeiten im Leben teilnimmt, und auch in Lebenskrisen nicht nur einen Therapeuten aufsucht, sondern doch auch immer noch den Pfarrer. Eine Studie auf der Basis von repräsentativen Befragungen aus den 1990er Jahren trug einmal den Titel: „Fremde Heimat Kirche“. Vieles an der Kirche ist den modernen Menschen fremd geworden, und doch ist sie noch Heimat geblieben, aber eben in einem distanzierten Verhältnis. Als „Christen auf Halbdistanz“ wurden diese Menschen apostrophiert, das ist ein Ausdruck aus der Boxersprache. Immerhin: der Boxer kämpft noch, viele sagen aber, dass die meisten dieser Christen nicht mehr kämpfen würden, weder um ihren bzw. den Glauben noch, ja, nicht einmal mehr gegen die Kirche, sondern: Gleichgültigkeit mache sich breit, so dass etwa ein Kirchenaustritt nur noch die letzte Konsequenz sei, die geistige Emigration sei längst geschehen. Wobei ich zu bedenken gebe, dass ja auch aufgrund gewisser dogmatischer Rückständigkeiten und geistiger Modernisierungsverweigerung die Kirche vielfach auch selbst aus der modernen Gesellschaft emigriert ist - man kann es nicht immer nur den Leuten anhängen, das wäre zu einfach! Vielleicht hat die Kirche, in welcher Gestalt auch immer, selbst zu wenig für diese Menschen getan, haben wir uns zu wenig gekümmert oder uns ihnen zu wenig geöffnet. Daran wird weiter zu arbeiten sein, denke ich. Eine schwierige Aufgabe.

Einheit und Vielfalt der christlichen Gemeinde:
Was hält eine volkskirchlich offene Gemeinde wie die unsere zusammen? Die Vielzahl der Einzelnen und der Glaubensrichtungen an sich macht noch keine Gemeinde aus. Das wäre nur die zusammen gezählte Summe, aber noch keine qualitativ definierte Einheit.
Auf das Beziehungsgeflecht dieser Menschen kommt es an, wie sie sich zueinander verhalten und miteinander kommunizieren, aufeinander eingehen und Bezug nehmen, Meinungen und Glaubensansichten miteinander austauschen und verbinden, wie sie „auf- und gegeneinander einwirken“, wie es vor 200 Jahren Schleiermacher gesagt hat: Kirche als offene wechselseitige Impuls- und Kommunikationsgemeinschaft in ethischen und religiösen Dingen und als Lebensgemeinschaft von Teilnehmenden und Teilgebenden, ja, Gebenden dessen, was sie einbringen können und wollen, und Nehmenden im Sinne von Partizipieren: Teilhaben an dem, was andere einbringen.

Die sichtbare Gemeinschaft im Gottesdienst und in vielen anderen Veranstaltungen und Lebensäußerungen der Gemeinde wie Ehrenämtern, Aufgaben, aber auch Gaben und gemeinsamen Feiern vom Abendmahl bis zum Sommerfest, das ist das Eine, das Greifbare. Diese sichtbare Gemeinschaft wird getragen von der unsichtbaren Gemeinschaft der Gläubigen. Eine Unterscheidung, die wesentlich war für Martin Luther. Sichtbare und unsichtbare Kirche. Die sichtbare ist die Institution, Landeskirche und Gemeinde, die Ämter, alles was wir organisieren in seiner ganzen Vielfalt und in seinem Reichtum.
Die unsichtbare, das ist die geistlich-geistige Ebene, sie ist die in Einheit geglaubte Gemeinschaft der Heiligen, derer, die Gott zugehören. Und die Einheit liegt begründet in keinem Bischof, auch nicht dem von Rom, keinem Pfarrer, keinem Kirchenvorstand, auch nicht in irgendeiner kirchenrechtlich fixierten Organisationsstruktur, auch nicht durch uns alle hier, sondern in etwas, was allen Christen selbst unverfügbar ist: die Einheit liegt allein begründet im Heiligen christlichen Geist. Er inspiriert alle, so verschieden sie sind und stiftet die unsichtbare Einheit, die sich dann niederschlägt oder besser Gestalt gewinnt in einem lebendigen Gemeindebeziehungsgefüge. So unterschiedlich die sichtbar gelebten Verhältnisse der Einzelnen zur Gemeinde auch sein mögen: Alle werden letztlich vom selben Geist getragen, auch wenn man´s nicht sieht, vom Heiligen Geist, oder: vom christlichen Gemeingeist, wie ihn Schleiermacher genannt hat: der Geist, der Gemeinschaft stiftet, und der ein christlicher ist, weil er ursprünglich von Christus ausgeht, dem Anreger, Urbild und Geber unseres Glaubens.
Nun ist bei der einen der Glaube stärker ausgeprägt und so geartet, und bei dem anderen schwächer oder einfach anders. Dass deswegen die einen den anderen den Geist absprechen, das steht niemandem zu. Ein Urteil über die religiöse Qualifikation des anderen steht niemandem in der Gemeinde Christi zu, außer dem, der jedem das Seine zugeteilt hat, und das ist der Heilige christliche Geist selbst.

Einheit und Vielfalt der christlichen Gemeinde:
Der Apostel Paulus schreibt im 1. Brief an die Korinther, Kapitel 12, einige Verse dazu:

„Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit lassen. (…) Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen. In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller; dem einen wird durch den Geist gegeben, von der Weisheit zu reden; dem andern wird gegeben, von der Erkenntnis zu reden, nach demselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist und teilt einem jeden das Seine zu, wie er will."

Liebe Gemeinde, bei aller Verschiedenheit der Begabungen und Gaben, die in die Gemeinde eingebracht werden, Fähigkeiten und Kompetenzen, Energie- und Fantasiepotentiale, aber auch Zeitbudgets, die jedem ganz unterschiedlich zur Verfügung stehen und die er einbringen kann und will – die Einheit liegt unsichtbar dahinter: in dem einen selben Geist, wie der Apostel sagt, sie kann nur geglaubt werden: sie aber trägt alles. Keiner braucht zu meinen, er trage zu wenig bei, und keiner, der mehr macht, hat das Recht, sich über andere, die weniger dabei sind und sich einbringen zu überheben. Jeder soll froh und dankbar sein, dass ihm der Geist das Seine zugeteilt hat. Und das kann bei jedem mal mehr und mal weniger sein. Und gerade das ehrenamtliche Engagement im Kirchen-vorstand und darüber hinaus ist eben immer auch ein zeitlich begrenztes. Und auch sachlich bezogen begrenzt, definiert: Nicht jeder kann alles machen und nicht jeder soll sich allzuständig sehen, auch der Pfarrer nicht, sondern jeder soll das machen, was er von seinen Gaben und Interessen her am besten in die Gemeinde einbringen kann. Wie bei einem Leib und seinen vielen Gliedern: jedes hat seine Funktion für´s Ganze und das Ganze lebt nur von all den Verschiedenen im passenden Zusammenspiel. Wie Apostel weiter schreibt, der nun für diese funktional vermittelte Einheit der Vielfalt im Geiste dieses Leib-Bild verwendet:
„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, und sind alle mit einem Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. (Und dann wird der Apostel köstlich konkret:)
Wenn aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte er deshalb nicht Glied des Leibes sein?
Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte es deshalb nicht Glied des Leibes sein? Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch?
Nun aber hat Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat. Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib? Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer. Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder auch das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten; Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied. Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wundertäter, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede. Sind alle Apostel? Sind alle Propheten? Sind alle Lehrer? Sind alle Wundertäter? Haben alle die Gabe, gesund zu machen? Reden alle in Zungen? Können alle auslegen? Strebt aber nach den größeren Gaben!"
Und damit meint der Apostel Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Liebe Gemeinde! Man kann es auch mit der modernen Ökonomie in Gefolge von Adam Smith´s Prinzip der Arbeitsteilung (aus dem Werk "Wohlstand der Nationen") sagen: Jeder macht das, was er am besten kann und bringt sich damit ein. Und damit wird der Gesamtnutzen für alle und jeden Einzelnen maximiert. Wie der Apostel schon sagt: In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. Und das habe ich bisher in dieser Gemeinde auch so erlebt, auch im Kirchenvorstand war das m. E. bisher so. Das ist hier wohltuender Weise kein Wichtigtuerverein, wie man es sich über manch andere Gemeinde von Kollegen klagen lassen kann, sondern das, was man heute ein "Kompetenzteam" nennt, mit einer großen Bandbreite von „Gaben“, die eingebracht wurden und werden zum Wohl der ganzen Gemeinde. Und so möge das bitte auch bleiben! Denn dann haben alle, die teilnehmen und teilgeben, die ganze Gemeinde am meisten davon!

Dazu muss aber auch die persönliche Chemie zwischen den Verschiedenen stimmen in so einem Gemeindegefüge. Und dazu passt, was der Apostel im anschließenden, berühmt gewordenen Hohenlied der Liebe, 1. Korinther 13 schreibt, womit sich zeigt, dass der Geist, der uns trägt, ein Geist der Liebe ist, sich als Geist der Liebe zwischen uns erweisen, verbreiten und untereinander und gegenüber anderen umsetzen lassen soll, und das bezieht sich natürlich auf alle, nicht nur auf den Kirchenvorstand und mich.
Geist der Liebe? Welche Liebe ist gemeint? Eine Liebe, die der Liebe Gottes selbst sehr nahe ist, weswegen ihre Beschreibung uns auch immer wieder unsere Grenzen aufzeigt, uns aber auch anspornt, sie zu verwirklichen, die eine Liebe, ohne die alles nichts ist:
„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf.“
Das ist sozusagen der hohe christliche Maßstab, aber auch die Zusage für ein gutes, gelingendes Zusammenwirken in der Gemeinde.

Ich wünsche uns allen für die kommenden Jahre in dieser Gemeinde insgesamt und im Kirchenvorstand, dass wir uns von diesem Geist getragen wissen dürfen und, was wir tun, in seinem Sinne geschieht. Und dass wir bei etwaigen Meinungsunterschieden oder Gegensätzen, die es – trotz großer Harmonie im Großen und Ganzen – ja auch immer wieder gibt, so miteinander umgehen, wie es Augustinus einmal formuliert hat – und ich widme diesen Spruch jedem Brautpaar am Ende der Hochzeitspredigt, aber eigentlich ist er von Augustinus auf das Leben in der christlichen Gemeinde bezogen formuliert worden, die Worte sind 1600 Jahre alt, aber immer noch topp aktuell, sie lauten:

Miteinander reden und lachen, sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen, … einander Achtung erweisen, mitunter sich auch streiten, ohne Hass, so wie man es wohl einmal mit sich selbst tut, manchmal auch in den Meinungen auseinander gehen und damit die Eintracht würzen, einander belehren und voneinander lernen, die Abwesenden schmerzlich vermissen, die Ankommenden freudig begrüßen - lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe, die aus dem Herzen kommen, sich äußern in Miene, Wort und tausend freundlichen Gesten und wie Zündstoff den Geist in Gemeinsamkeit entflammen, so dass aus den Vielen eine Einheit wird.

Herr, wir bitten dich um die Einheit in deinem Geist, und die Vielfalt der Gaben zum Wohle der ganzen Gemeinde. Amen.

Und der Herr sei mit unserem Geiste. Amen.
 

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