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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Liebe Gemeinde! 
Ich will Ihnen heute an einem einzigen Beispiel verständlich machen und Ihnen persönlich nahe legen, was uns die Reformation im Prinzip gebracht hat, was den Glauben betrifft.
Das Beispiel ist eine Bibelstelle, die gerne auch als Taufspruch verwendet wird, manchmal sogar als Trauspruch: Mein eigener Taufspruch ist es auch. Er steht im NT, 1. Johannesbrief Kapitel 4, Vers 16 b und lautet: Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.


Das klingt auf Anhieb wunderschön, weil darin die Liebe Gottes als sein wahres Wesen beschrieben wird, sogar so, dass man sagen kann: Gott ist die Liebe. Eine Liebe, die allumfassend ist für den Menschen, denn: wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Ja, so ist es nicht nur ein Umfangensein in der Liebe, die Gott ist, sondern auch ein wechselseitiges Ineinander von Gott und Mensch in der Liebe.

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
Das hört sich an wie eine allgemeingültige, überzeitliche und ewige Wahrheit und Feststellung. Und als solche kann dieser Spruch auch etwas abstrakt anmuten. Das mag man glauben. Das mag die Kirche glauben. Aber – und jetzt kommt das Entscheidende, worum es in der Reformation Luthers ging: Was nützt es mir, dem Einzelnen, wenn Gott die Liebe ist, und er ist sie mir nicht? So hat Luther gefragt. Was nützt es mir, wenn der Papst das sagt oder ein anderer Bischof, wenn die Kirche, der Pfarrer sagt: das ist wahr, das musst du glauben.


Allein es fehlt der Glaube, mir, weil ich es in meiner Wirklichkeit, in meinem Leben nicht spüre, nicht erfahre, ja ich offensichtlich sogar das Gegenteil als Wirklichkeit an mir oder an anderen erlebe.
Dieser persönliche Glaubensbezug zu Gott war Luther wichtiger als der Glaube der Kirche. Und darauf hat er die neue evangelische Konfession, notwendigerweise, als klar war, dass seine angestammte katholische Kirche nicht reformiert werden wollte, aufgebaut. Das war das Neue, und das kratzt natürlich an der Autorität einer Kirche, die sich als allein selig machende Heilsvermittlungsanstalt versteht. Wem ihr dogmatischer Glaube nicht gegeben ist, wer es einfach nicht glauben kann, weil er es nicht selbst persönlich verspürt oder wenigstens erahnt, wer sich schwer damit tut, wer gute Gründe zum Zweifeln hat, soll man dem etwa sagen: Bitte, das ist dein Pech! Friss, Vogel, oder stirb! Oder anders gesagt und bis in heutige Tage hin erweitert: wenn die Wirklichkeit nicht den kirch-lichen Vorgaben entspricht, dann umso schlimmer für die Wirklichkeit?

Was nützt es mir, wenn Gott die Liebe ist, und er ist sie mir nicht?

Genau darauf kommt es an, dass wir diese Liebe Gottes in unserem Leben verspüren. Von Klein auf können wir diese Liebe Gottes erfahren, gleichnishaft durch die Liebe unserer Eltern und Familie, unseres ganzen Umfelds, wenn es uns zugetan ist, und können so zu spüren bekommen und selbst lernen, was Liebe ist. Aufmerksamkeit, sensible Wahrneh-mung, Mitgefühl, wertschätzendes Verhalten, Fürsorglichkeit, Zuwen-dung zum anderen um seiner selbst willen, freies Geben und Empfan-gen. Als persönlich bedeutsames Geschehen, nicht als allgemeine insti-tutionell verkündete Wahrheit, nein: persönlich menschlich erlebbar. Nur so lernen wir sie auch weiterzugeben.


Und lernen dabei hoffentlich auch hinter allem, die eigentlich nicht recht begreifbare und ja auch nicht immer erfahrbare Liebe Gottes wenigstens zu erahnen. Dass hinter aller menschlichen Liebe die Gottesliebe steckt, die uns fürs Leben stabilisiert und trägt, darauf kommt es an im Leben.
Und zwar nicht nur, wenn es einem gut geht, was wir uns ja alle immer wünschen, nein: nicht nur in guten, sondern auch in bösen Tagen, wie es traditionell heißt. Gerade dann, wenn wir Schwieriges vor uns haben, dann brauchen wir das Vertrauen auf die Liebe Gottes, so wie es Jesus zu seinem Vater im Himmel hatte: dieses unsägliche Gottvertrauen im Leben und auch, als es bei ihm ans Streben ging: als er etwa im Garten Gethsemane betete: „Vater, ist´s möglich, so lass diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht was ich will, sondern was du willst“ geschehe, „dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“. Das beten wir mit Jesus im Vaterunser; daraus spricht das Grundvertrauen zu Gott, gerade auch wenn es dunklere Zeiten und Erfahrungen in unserem Leben, unserem eigenen und um uns herum gibt: Krankheiten, Schicksals-schläge, Niederlagen. Dass wir dann – und das gilt für uns alle hier – dass wir dann, wenn´s einmal ernst und eng wird, ja, gerade dann spüren, dass da doch immer noch jemand Höherer ist, als wir es sind und auch alle, die uns vielleicht helfen können und uns menschlich etwas bedeuten und für uns tun – dass es darüber hinaus, so wertvoll und extrem wichtig jeder menschliche Rückhalt und Zuspruch, ist, einen Höheren gibt, der es gleichwohl gut mit uns, mit dir und mir meint: Gott mit seiner Güte, mit seiner uns oft nur verborgen gegenwärtigen Liebe.
Ja, das war auch eine wesentliche Entdeckung Luthers, dass Gott oft nur im Verborgenen handelt, und dass Glaube an ihn wahrhaft heißt: Vertrauen in das uns Ungewisse hinein. Wir wissen nicht, wie und wie lange es weiter geht mit uns, keiner von uns, und sollen doch Vertrauen in Gottes Liebe setzen, der uns nicht vergisst und uns nahe ist, wenn auch nur sehr verdeckt spürbar bisweilen oder für eine längere Zeit.
Die Erfahrung des verborgenen Gottes, sie bedeutet auch: Wir können dieses Vertrauen oft nur unzureichend oder gar nicht selber aufbringen, es muss uns zuteil werden. Das ist das, was das alte Wort „Gnade“ meint. Gottes Nähe und Vertrauensgabe, auch in dunklen Zeiten.


Im Grunde können wir nur darum bitten und diese Vertrauensgabe dankbar empfangen. Und zwar von klein auf. Und damit es die Menschen von klein auf mitbekommen, beten wir zum Beispiel in der Grundschule in Aufkirchen zu jedem Stundenbeginn im Religions-unterricht ein passendes Morgengebet, das da heißt: „Wie fröhlich bin ich aufgewacht, wie hab ich geschlafen so sanft die Nacht. Hab Dank im Himmel, du Vater mein, dass du hast wollen bei mir sein. Beschütze mich auch diesen Tag, dass mir kein Leid geschehen mag.“ (Sie können sich denken, dass mir als Kind dieses Gebet, das meine Mutter immer mit uns gesprochen hat, besonders zugesagt hat, denn da heißt es ja: Habdank, im Himmel, du Vater mein! Kindliche Seele, was willst Du mehr? Wenn Gott selber, der Vater im Himmel, auch Habdank heißt – dann muss es doch stimmen, oder? Der ist einer von uns!) - Oder es wird auch öfter gebetet in der Schule bei Schulgottesdiensten ein altes Kindergebet, das unsere Gotteskindschaft sehr schön in Worte fasst, nicht nur für die biographische Kindheit, es lautet, viele kennen es, und ich bringe es ja nicht zum ersten Mal: Wo ich gehe, wo ich stehe, ist der liebe Gott bei mir. Wenn ich ihn auch niemals sehe, weiß ich sicher Gott ist hier. Das ist ein einfaches Gebet, das aber durch alle Generationen und Lebensphasen trägt.


Zurück zu Luthers Frage: Was nützt es mir, wenn Gott die Liebe ist, und er ist es mir nicht – das heißt ja auch: Es geht um Sie, um Euch, nicht um irgendeine abstrakte Kirche oder mich als Pfarrer, es geht um alle, die sich der Gemeinde zugehörig sehen. Was wir alle von dieser Kirche konkret vorort, in dieser Gemeinde, wollen und vor allem auch für sie tun können, dass wir alles von der empfangenen Gottesliebe mit unseren Gaben und Fähigkeiten einbringen und weitergeben können und wollen und sollen, darum geht es. Nach dem Motto: Fragt nicht, was die Kirche für euch tut, sondern was ihr für sie tun könnt. Ihr seid nämlich selber die Kirche. Und meine Unterstützung hat sicher jeder und jede, die mitma-chen. Und das sind nicht nur die, die im Kirchenvorstand oder sonst ziemlich regelmäßig ehrenamtlich dabei sind, wir sind kein fester Zirkel, das Gemeindeleben insgesamt ist offen. Und vso viele haben sich an der Wahl am letzten Sonntag beteiligt und uns damit tatsächlich und ideell unterstützt. Jeder 4. hat gewählt, das ist sehr viel für eine KV-Wahl.


Ja, wir sind beileibe keine geschlossene Gesellschaft, sondern eine offene, lebendige Beteiligungskirche in dieser Gemeinde, mit vielen klugen und gut gemachten, differenzierten Angeboten für die unterschiedlichen Menschen in unserem Gemeindefeld und -umfeld.


So versuchen wir, von der Basiserfahrung der Gottesliebe aus diese Liebe weiterzuvermitteln und konkret umzusetzen, aktuell, auch mit viel Humor und Feiern und Zuversicht. Aus der Freiheit eines Christen-menschen heraus! Wie Luther in seinen Tischreden einmal gesagt hat:
„Ein Christ soll nicht ein Sauerseher sein, der die Leute anschnauzt und davon überzeugt ist, dass keiner Recht hat außer ihm, sondern einer, mit dem Jedermann gern umgeht, kurz: ein freundlicher Mensch.“
Ja, undogmatisch, unbelastet und frei – darin sind wir letztlich verwandt den Jüngern Jesu selbst und den ersten Christen – die kannten nämlich noch kein kirchlich-dogmatisches Glaubensbekenntnis, noch keine kirchliche Lehre, die Ihnen Vorgaben gemacht hätte oder sie bevormun-det und eingeengt hätte, wo man sich dann fragen müsste: Was nützt es mir dass oder wenn es so ist, es aber mir, für mich nicht so ist?
Sondern sie konnten und durften noch frei und direkt an Jesus als ihren Herrn glauben, dem sie folgten, mit ihm unter freiem Himmel durch die Lande wandern, mal da hin, mal dorthin, immer mit ihm, von Gottes Liebe getragen, seine persönlichen Glaubensworte eines unendlichen Gottvertrauens mitsprechend: Vater unser im Himmel! Das tun wir dann nachher auch gemeinsam.
Amen.

Dass uns dieser ursprüngliche Jesus-Glaube an seinen Gott und Vater im Himmel, der die Liebe ist, wenn auch oftmals verborgen, auch heute noch möglich sei und uns durch unser Leben trage, darum bitten wir Gott um seinen Segen. Und der Herr sei mit eurem Geiste.
Amen.
 

 

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