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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt
über einige Vorstellungen von der Kirche im Neuen Testament

Vorher Lied: Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt
1. Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit.
Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so fährt es Jahr um Jahr.
Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff bestehn?
Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehn?
Kehrvers: Bleibe bei uns, Herr! Bleibe bei uns, Herr,
denn sonst sind wir allein auf der Fahrt durch das Meer. O bleibe bei uns, Herr!

2. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, liegt oft im Hafen fest,
weil sich’s in Sicherheit und Ruh bequemer leben lässt.
Man sonnt sich gern im alten Glanz vergangner Herrlichkeit,
und ist doch heute für den Ruf zur Ausfahrt nicht bereit.
Doch wer Gefahr und Leiden scheut, erlebt von Gott nicht viel.
Nur wer das Wagnis auf sich nimmt, erreicht das große Ziel!
Kehrvers

3. Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein,
sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein.
Ein jeder stehe, wo er steht, und tue seine Pflicht,
wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, gelingt das Ganze nicht.
Und was die Mannschaft auf dem Schiff ganz fest zusammenschweißt
in Glaube, Hoffnung, Zuversicht, ist Gottes guter Geist.
Kehrvers

4. Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, fragt man sich hin und her:
Wie finden wir den rechten Kurs zur Fahrt im weiten Meer?
Der rät wohl dies, der andre das, man redet lang und viel
und kommt – kurzsichtig, wie man ist – nur weiter weg vom Ziel.
Doch da, wo man das Laute flieht und lieber horcht und schweigt,
bekommt von Gott man ganz gewiss den rechten Weg gezeigt!
Kehrvers

5. Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit.
Und wenn uns Einsamkeit bedroht, wenn Angst uns überfällt:
Viel Freunde sind mit unterwegs auf gleichen Kurs gestellt.
Das gibt uns wieder neuen Mut, wir sind nicht mehr allein.
So läuft das Schiff nach langer Fahrt in Gottes Hafen ein!
Kehrvers
(Text und Melodie: Martin Gotthard Schneider 1960)

 

Liebe Gemeinde,
das Lied, das wir soeben gesungen haben, ist ein modernes Kirchenlied der kämpferischen Sorte: die Kirche, ja jede Gemeinde, sei wie ein Schiff im um sie herum tosenden Meer, die Welt um sie herum sei eine feindliche, zumindest gefährliche, gegen die bzw. in der es christlich gemeinsam zu bestehen gelte!
Kirche als Schiff? Woher kommt das? Hinter der Vorstellung von der Gemeinde als Schiff stehen zwei Geschichten aus dem Neuen Testament: die Erzählung vom wunderbaren Fischzug des Petrus (Lukas 5) und die Geschichte vom Seewandel Jesu und dem im Wasser versinkenden Petrus (Matthäus 14).
Letztere Erzählung wird sehr früh schon von Tertullian - brillanter christlicher Schriftsteller und lateinischer Kirchenvater und Vater des Kirchenlateins - Ende des 2. Jahrhunderts, mit dem Begriff der Kirche zusammengebracht. In Anspielung auf die Rettung des Petrus aus höchster Gefahr bezeichnet er das Schifflein, in dem Jesus und seine Jünger auf dem See Genezareth herum fuhren, als Sinnbild der Kirche. Was vor dem Hintergrund der Verfolgungssituation der Gemeinden in den ersten Jahrhunderten als Deutung ja naheliegt. Und Rettung ist damals erhofft!

Also von Tertullian stammt genau genommen das Bild der Kirche oder Gemeinde als Schiff. Und er nimmt dabei Bezug auf ein philosophisches Bild von Cicero, der den Staat als Schiff beschrieben hatte, mit vielen Mitwirkenden, klarer Hierarchie und vor allem einem: dem Gubernator, dem Führer und Lenker der Geschicke des Schiffs. Wirklich ein Bild für die Kirche? Wer das Bild vom Schiff akzeptiert, hat damit zugleich auch die Notwendigkeit der Herrschaft eines Kapitäns, eines Lenkers akzep-tiert, dem alle anderen Schiffsinsassen untergeordnet sind in einer klar definierten Hierarchie. Kirche als Schiff? Dann sind Bewegungen wie „Kirche von unten“ oder demokratische Elemente automatisch als Meuterei zu bewerten, mit allen Konsequenzen! Das Bild von der Kirche als Schiff stammt nicht umsonst aus einer Zeit, in der die frühe Kirche bereits hierarchische Strukturen mit verschiedenen Ämtern ausgebildet hatte, mit der Verlagerung kirchlicher Macht weg von den Gemeinden hin zum Bischofsamt, in dem sich alles Wichtige konzentrierte, vor allem die Macht, und der entsprechenden Unterscheidung von Klerus und Laien, Geistlichen und untergeordnetem Volk, mit Aufsicht und Kirchenzucht, Bußwesen und Strafen. Das Bild von der Kirche oder der Gemeinde als Schiff ist theologie- und kirchengeschichtlich von daher eher mit Vorsicht zu genießen.
Welche Bilder finden sich nun im Neuen Testament selbst für die Kirche?
Die bekanntesten sind „Volk Gottes“ und „Leib Christi“.
„Volk Gottes“ – das meint einfach alle, die zu Gott gehören, die an ihn glauben, wie Jesus ihn gepredigt hat. Als Christen „das Volk Gottes“ zu sein, bedeutete zugleich, dass man das bisherige Volk Gottes, das Volk Israel, die Juden, als nicht mehr vollgültiges Volk Gottes ansah, weil sie nicht an Jesus glaubten. Die Christen traten ihrem Selbstverständnis nach als das erneuerte Volk Gottes jetzt an die Stelle des Gottesvolkes Israel. Das wird von jüdischer Seite bis heute als christliche Anmaßung und Diskriminierung angesehen.

Mit der Vorstellung vom Volk Gottes ist seit alten biblischen Zeiten auch die Vorstellung verbunden, dass Gott sich sein Volk auserwählt habe, und diese Vorstellung ist bis heute, auf das Christentum übertragen, in den Kirchen gegenwärtig. Das ist seit Paulus, dem Völkerapostel, so, der mit der Erwählungsvorstellung eigentlich etwas Öffnendes sagen wollte: auch die Christen, die nicht vorher Juden waren, sind dazu ausersehen, vollgültig zu Gott und der Gemeinde Jesu Christi zu gehören. Neuzeitlich-moderne Kritiker sagen: Jeder Erwählungsgedanke, ob erst jüdisch oder dann christlich, hat etwas im Kern Überhebliches, Elitäres und Ausschließendes gegenüber anderen, die ja dann als nicht auserwählt gelten müssen – diese Vorstellung sei notwendig zu verabschieden.

Das andere Bild: „Leib Christi“ – unter diesem Blickwinkel erscheint die konkrete Gemeinde vorort als das Miteinander von Menschen, die ein besonderes Verhältnis zu Christus verbindet. Durch die Taufe gerät man in den Wirkungskreis Jesu Christi hinein: seither bist Du „in Christus“, wie Paulus sagt. Beim Bild vom Leib Christi spielen die Unterschiede zwischen den Christen nach Alter, Beruf, nationaler und sozialer Herkunft, Geschlecht usw. keine Rolle: alle sind gleichermaßen „in Christus“, Christen. Wir sind als Gemeinde eine Einheit, sozusagen ein gemeinsames Funktionsgefüge wie die Glieder eines Körpers. Jeder Körperteil hat seine besondere Fähigkeit, Gabe und Aufgabe, Bestimmung, seinen Sinn im Ganzen. Keiner kann letztlich ohne den anderen. Keiner kann oder darf auch zum anderen sagen: dich brauchen wir nicht. Jeder ge-hört dazu, und alle sorgen füreinander und miteinander, dass der Leib lebt. Und wenn ein Teil leidet, leiden die anderen mit, wenn ein Teil sich freut, dann freuen sich die anderen mit, so der Apostel.
Und natürlich kann man nun das Bild von dem Christusleib, dem wir alle in irgendeiner Funktion angehören, dahingehend deuten, dass man einzelne Funktionszuweisungen vornimmt, also: der Pfarrer ist der Kopf, der Kirchenvorstand vielleicht das Hirn oder das Herz, die Ehrenamtlichen und anderen Gemeindeglieder sind die unterschiedlichen Körperteile wie Arme, Hände, Beine, Füße, möchte jemand der Bauch sein? Bewirbt sich jemand für bestimmte Muskeln, für die Leber, die Nieren, den Rücken, und den „verlängerten Rücken“ – um nicht mit einem gewissen A-Wort in lutherische Deftigkeit des Ausdrucks zu geraten?
„Leib Christi“: man kann dieses Bild wie alle organischen Metaphern für die Kirche, die Gemeinde „ganz natürlich“ auch für hierarchische Zwecke zu seinen Gunsten ge- oder missbräuchlich interpretieren. Wie das ja schon beim Bild vom Schiff möglich war.
Der eigentliche Sinn der Rede vom „Leib Christi“ ist freilich der, den ein altes Kirchenlied besingt: Christus ist das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein, er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein. Ja, der Christusglaube relativiert da jede Kirchenhierarchie, in der großen Kirche und in der einzelnen Gemeinde.

Liebe Gemeinde! Volk Gottes, Leib Christi, was gibt´s sonst noch im NT?
Die Kirche als „Gottes geordnetes Hauswesen“ ist auch ein wichtiges biblisches Bild für die Kirche. Klingt erstmal einigermaßen langweilig. Hat es aber in sich! Diese Vorstellung taucht in den sog. Pastoralbriefen auf, 3 kleinen Schriftchen im NT: 2 Briefe an Timotheus und 1 an Titus aus der Schule des Paulus, um 100 n. Chr. geschrieben. Also etwa 70 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung. Da geht es hauptsächlich um die Gestaltung und Regulierung der kirchengemeindlichen Praxis im Alltag: wie hast du dich im Gottesdienst zu benehmen, wie geht man mit der Tradition um, wie mit abweichenden Meinungen von sog. Irrlehrern, welche Ämter gibt es, also Aufgaben und Jobverteilung in der Gemeinde – das ist auch heute in jeder Gemeinde ein Thema – wie geht man mit Männern und Frauen um, mit Älteren und Jüngeren in der Gemeinde? Dazu einige Ausschnitte, die ich Ihnen heute nicht vorenthalten möchte:
Einen Älteren fahre nicht an, sondern ermahne ihn wie einen Vater, die jüngeren Männer wie Brüder, die älteren Frauen wie Mütter, die jüngeren wie Schwestern, mit allem Anstand.“
Oder: Männer und Frauen im Gottesdienst:
„So will ich nun, dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel. Desgleichen, dass die Frauen in schicklicher Kleidung sich schmücken mit Anstand und Zucht, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarem Gewand, sondern, wie sich's ziemt für Frauen, die ihre Frömmigkeit bekunden wollen, mit guten Werken. Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen. Sie wird aber selig werden dadurch, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung.“

Dann, passend zur heutigen KV-Wahl:
Die Ältesten, die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man zwiefacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre. Denn die Schrift sagt (5.Mose 25,4): »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden«; und: »Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert«. Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an ohne zwei oder drei Zeugen.
Die da sündigen, die weise zurecht vor allen, damit sich auch die andern fürchten. Ich ermahne dich inständig vor Gott und Christus Jesus und den auserwählten Engeln, dass du dich daran hältst ohne Vorurteil und niemanden begünstigst. Die Hände lege niemandem zu bald auf; habe nicht teil an fremden Sünden! Halte dich selber rein! Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern nimm ein wenig Wein dazu um des Magens willen und weil du oft krank bist. Bei einigen Menschen sind die Sünden offenbar und gehen ihnen zum Gericht voran; bei einigen aber werden sie hernach offenbar. Desgleichen sind auch die guten Werke einiger Menschen zuvor offenbar, und wenn es anders ist, können sie doch nicht verborgen bleiben.
“ Ich denke, das reicht als Auswahl für heute.

Das Ganze wird getragen von dem Leitbild der Kirche als „Gottes geordnetem Hauswesen“! Haus nicht als Bauwerk, allerdings auch nicht als geistliche Vorstellung wie noch bei Jesus für die Vollendung der Gottesherrschaft:. „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“, um die Offenheit seiner >Veranstaltung< für die Vielen zu markieren, nein! Hier nur 70 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung: Hauswesen als gegliederte, geregelte und klar patriarchalisch geordnete Sozialstruktur. Und das ist nach heutiger Sicht inhaltlich zum großen Teil erzreaktionär – war aber damals völlig unspektakulär, der antiken Ökonomik (Lehre vom Hauswesen) entsprechend und als ziemlich normal empfunden. Die Gemeinde wird in diesem Bild letztlich als erweiterte Großfamilie traditionellen Zuschnitts mit klaren Regeln und Rollenzuweisungen und Verhaltensmustern proklamiert. Hausverwalter ist der Gemeindeleiter als Lokalbischof, der auch auf den guten Ruf der Gemeinde zu achten habe. Machen wir heute gemeinsam, alle, hierarchiefrei.
Liebe Gemeinde, bei den Pastoralbriefen, da merkt man, dass die Kirche seit Jesu Zeiten inzwischen schon ganz schön mit sich selber beschäftigt war, mit Institutionellem, Organisation, kleinteiligsten Regelungen.
Es ist wohl tatsächlich so, wie der bekannte französische katholische Theologe und Modernist Loisy vor 100 Jahren etwa gesagt hat:
„Jesus verkündete das Königreich Gottes - was kam, war die Kirche!“
Wobei: Loisy sieht darin das Plus des frühen Christentums, dass es sich im zunehmend feindlich gesinnten Umfeld öffentlich erkennbare Ordnungen gegeben hat. Sonst hätte es nicht überleben können!

Sehen wir uns im Vergleich zu den Vorstellungen vom Schiff, dem Volk Gottes, dem Leib Christi und dem geordneten Hauswesen einmal das Urbild für die Kirche an, Jesus und seine Jünger selbst, diesen freundschaftlichen „Club um Jesus“.
Wie bei jedem Club, auch heute noch, gibt es die mehr oder weniger große Menge der Clubmitglieder, und dann gibt es den engeren Kreis der Aktiven im Club. Und alle gehören dazu! So auch beim Jesus-Club.
Da gibt es einen weiteren Kreis von Menschen, die von Jesus bewegt sind und eine Veränderung ihres Lebens durch ihn erlebt haben: Sie sind an Jesus orientiert, sind ihm aber nicht nachgefolgt, sondern bleiben ihm im Geiste verbunden und leben nach seinen Devisen. Also etwa ein Geheilter oder einer, dem Jesus die Sünden vergeben hat, der aber nicht berufen wird von Jesus oder ihm nachfolgt – es sind und bleiben seine Sympathisanten, die aber weiter in der Heimat Galiläa bleiben, die ja auch Jesu Heimat war.
Dann gibt es die Jünger im engeren Sinn, und das sind mehr als die Zwölf von ihm Berufenen, auch viele Frauen, die ihn übrigens weitest gehend finanziert haben, vielleicht 30 oder 50 oder 70 Menschen, wir wissen es nicht. Diese Jünger waren von der Person Jesu so überwältigend beeindruckt, dass sie seinem Ruf, ihm nachzufolgen, unmittelbar nachkamen. Das Wort „Nachfolge“ geistig und physisch, bezeichnet dieses besondere Verhältnis zu Jesus sehr gut, unmittelbare Orientierung an seiner Person. Also nicht wie bei anderen Lehrern, wo man nach einer Aufnahmeprüfung mitkam und in einem Lehrhaus seine Lehre nach und nach gelernt hat, nein: wie in einer neuen Familie mit Jesus zusammen leben, herumwandern, mitmachen und seine Mitarbeiter sein, darum ging es; in seinem Sinne seine religiösen und ethischen Ideen der Nächstenliebe und Vergebung, des Heilwerdens der Menschen zu leben, zu verwirklichen und so für die zeitnah erwartete Gottesherrschaft zu wirken. Es war eine unmittelbar auf Jesus bezogene, von ihm ausgehende Gemeinschaft. Jesus hat die Jüngerschaft nicht als Ziel seines Wirkens gesehen, sondern als Werkzeug, um möglichst viele Menschen für seine Idee und seine Sache zu gewinnen, immer mehr, wie er einmal sagt:
Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind nur wenige. Bittet daher den Herrn der Ernte, Arbeiter in seine Ernte zu senden.“ (Lukas 10 ,2Q)

Alle Jünger sind maßgeblich auf Jesus mit seinem Leben und seiner Lehre ausgerichtet. Sie teilen seine Heimatlosigkeit und seinen Verzicht auf ortsansässige familiäre Gemeinschaft. Und sie müssen auch mit demselben Schicksal wie Jesus rechnen. Und dann gibt es etwas, was diese Jesus-Gemeinschaft von allen anderen weltlichen Gemeinschaften in Staat und Gesellschaft unterscheidet: Es gibt keine Herrschaftsverhältnisse, die gegebenenfalls mit Gewalt durchgesetzt werden. Nein, das Gegenteil ist in dieser Jesus-Gemeinschaft Leitbild: nämlich „dienendes Dasein für andere“. Setze dich nicht machtvoll durch, sondern diene dem anderen. So wie Jesus selbst den Menschen auch gedient hat, im Leben und zu seinem Ende hin, etwa bei der Fußwaschung.
Ja, und wer mit Jesus ging, feierte auch regelmäßig Mahlgemeinschaft mit ihm. Sie haben zusammen gegessen und getrunken, Jesus hat das gemeinsame Mahl als Vorgeschmack, Vor-Griff, Antizipation des himmlischen Festmahls bei Gott, seinem Vater im Himmel, an das er fest geglaubt hat, verstanden und entsprechend auch gerne gefeiert. Das tun wir in seiner Tradition hier auch gerne!
Und wer nicht mit Jesus gezogen ist, also der weitere Kreis, der mag sich über seine Botschaft von dem liebenden Gott und der Nächstenliebe im Alltag und durch das Gebet Jesu, das Vaterunser, mit ihm und seinem Vater im Himmel verbunden gewusst haben.

Ich komme zum Schlussgedanken: Das Johannesevangelium deutet diese erste Urform einer direkt um Jesus sich scharenden „Kirche“ mit dem Bild vom Weinstock und den Reben, haben wir in der Evangeliumslesung gehört. Und Johannes ist damit wohl am nächsten am Ur-Sinn der Jesusgemeinschaft dran. Und er ist damit zugleich am ehesten heute modern-protestantisch anschlussfähig, kann uns etwas sagen. Warum?
Weil dieses Bild vom Weinstock und den Reben am klarsten die unmittelbare Beziehung der vielen Einzelnen zu Jesus zum Ausdruck bringt. Der Jesus-Bezug des Einzelnen konstituiert die Gemeinschaft der Jünger, und nicht umgekehrt die Gemeinschaft den Glauben des Einzelnen. Für heute gesagt: es geht nicht darum, was die Kirche glaubt und sagt, und du musst es bitte auch glauben nach dem Motto: friss, Vogel, oder stirb! Sondern es geht primär um das, was du glaubst, was du gut findest an Jesus. Die Kirche und jede Gemeinde ist eine aus den ihr zugehörigen vielen Einzelnen und ihren Glaubensüberzeugungen abgeleitete Größe! Wenn es nur immer so wäre.
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ In diesem Jesuswort versinnbildlicht sich die religiöse Rückbindung jedes Einzelnen an Jesus in unserem vielfältigen Christentum, auch in unserer religiös vielgestaltigen Gemeinde: dass du, jeder auf seine Weise, mit Jesus etwas Positives anfangen kannst, du an ihn glaubst, dich an seinen Ideen und seinem Leben orientierst, kritisch, aber auch konstruktiv und für dich hilfreich, darauf kommt es zuallererst an: Jesus ist der, der dir Lebenssinn gibt, und dir darin zum Christus wird. Im Erleben, deutenden Verstehen und Leben deines eigenen Lebens in seinen verschiedenen Phasen und mit seinen vielen Erlebnissen und Erfahrungen, in guten und in schlechten Zeiten, im Sterben, im Tod und darüber hinaus. Jesus als maßgebliche Deutungsfigur, Halt und Trost im persönlichen Leben. Sei es der heil machende, der vergebende, der zur Nächstenliebe anregende - welcher Aspekt von ihm auch immer dir einleuchtet. Jesus als dein Christus selbst ist das Zentrum, nicht die Kirche. Das ist das Deutungsangebot, das dieses Bild macht.
Der Weinstock mit seinen Reben symbolisiert auch: Keine Rebe gleicht der anderen, und keine Frucht der anderen. Und vor allem: Weder die Reben noch ihre Früchte sind jeweils direkt miteinander verbunden. Die Trauben sind nur über die Rebe, die Reben nur über den Weinstock verbunden, der allein alle und alles verbindet und ernährt.
So ist das Bild vom Weinstock und seinen Reben eigentlich ein ziemlich liberales Bild für die Kirche. Und es wird von vielen Kirchentheologen und Auslegern deshalb gar nicht so sehr geschätzt, weil es den Einzelnen ihrer Meinung nach zu viel Freiheit lässt. Das einzige, was alle Reben miteinander verbindet, ist Jesus selbst. Ansonsten sind die Reben von einander verschieden und bringen auch ganz unterschiedliche Frucht. Das meint die Vielfalt der Begabungen und Beiträge in Wort und Tat, mit denen sich Christen füreinander und für andere engagieren und einander helfen. So dass die Kirche, auch unsere Gemeinde, eine Gemeinschaft in Jesus Christus ist, aber eben auch eine in sich sehr differenzierte, vielfältige offene Gesellschaft!
Liebe Gemeinde, die Vielfalt, aber auch die Ernte ist groß, das habe ich mit dieser Gemeinde und dem Kirchenvorstand bisher erlebt, und ich hoffe, dass wir alle gemeinsam auch weiterhin viel Frucht bringen werden. Und wir danken Gott für jeden, der dabei ist und mitmacht. Einige von denen, die mitmachen, wählen wir heute zum neuen Kirchenvorstand. Danke an alle, die mitmachen, sich wählen lassen und an alle, die wählen!
Amen.
Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

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