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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt über Apostelgeschichte 8, 26-39:

„Leben, wo andere Urlaub machen“ – mit diesem Slogan wirbt seit vielen Jahren das Wohnstift Ammersee. Leben, wo andere Urlaub machen - das gilt in besonderer Weise für unsere wunderschöne Gegend am Starnberger See, hier in Berg.
Nun, 9 von 16 Bundesländern haben bereits Sommerferien, ganz Bayern und wir hier profitieren davon, dass die anderen bei uns Urlaub machen. Und wenn wir am 1. August als letztes Bundesland Sommerferien bekommen, kehren die Hamburger an ihrem Ferienende gerade nach Hause. Und dann machen wir Urlaub, wo andere leben – manche bleiben lieber hier, weil´s hier gar so schön ist!
Für viele Menschen sind die Ferientage in den Sommermonaten die schönsten im ganzen Jahr. Raus hier! Endlich mal ausspannen können, „die Seele baumeln lassen“, sich erholen vom Stress, den Mühen und Problemen des Alltags in Beruf und zu Hause. Millionen begeben sich auf Reisen. Das beliebteste Transportmittel ist nach wie vor das Auto; ungefähr die Hälfte der Bundesbürger treten die Urlaubsfahrt mit dem eigenen Wagen an.
Ganz ungetrübt ist die Freude jedoch nicht. Die große Reiselust führt zwangsläufig dazu, dass wie in jedem Jahr auch diesmal wieder die Autobahnen und Fernstraßen zum Teil völlig überlastet sind. Kilometer-lange Staus zehren an den Nerven der Reisenden. Die Polizei mahnt dringend zu vorsichtigem, entsprechend angepassten, passiven Fahrverhalten. Denn immerhin hat es 2011 in Deutschland erstmals seit zwanzig Jahren wieder deutlich mehr Verkehrstote gegeben hat. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden lag die Zahl der Opfer bei über 4.000; das sind umgerechnet elf Tote pro Tag. Die reinen Zahlen lassen allerdings nur schwach erahnen, wie viele Menschen bei einer so hohen Opferzahl tatsächlich betroffen sind, wie viele Schicksale damit verknüpft sind: Ehepartner und Kinder, Eltern, Angehörige und Freunde; nicht zu vergessen die Rettungshelfer, Kriseninterventionsteams und Seelsorger. Nahezu 40 Prozent aller schweren Verkehrsunfälle mit Todesfolge gehen auf überhöhte Geschwindigkeit zurück.
„Reisen statt rasen“ empfehlen große Plakate am Rande der Autobahnen. Wer rast, wird die Schilder aber kaum lesen (können). Es wird gedrängelt, die Lichthupe betätigt oder geschimpft und gebrüllt. Die Autobahn mutiert zur Rennstrecke, die der Selbstprofilierung umso mehr dient, je mehr Reifenprofil auf der Straße gelassen wird. Ferien-Stress statt Ferien-Zeit, wo man doch gerade in den Ferien nur für Eines nicht Zeit haben wollte: Stress! Denn auch der kostet Zeit: Nerven-Zeit, die man dann hinterher k.o. ist!

Dass es auch ganz anders gehen kann, erzählt eine – gewissermaßen –
Urlaubsgeschichte aus dem Neuen Testament. Der Ferienreisende ist mit einem Pferdewagen unterwegs, nicht hektisch, sondern er lässt sich Zeit auf das, was auf ihn zukommt. Das kommt ihm schließlich zugute. Die Episode wird erzählt von Lukas in der Apostelgeschichte:

Der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7-8): „Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.“ Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem? Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus. Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, dass ich mich taufen lasse? Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.

Die Geschichte vom Kämmerer aus Äthiopien gehört zu den freundlichsten im ganzen Neuen Testament. Lukas, der Autor, hat sie literarisch geradezu kunstvoll aufgebaut – mit einem wunderbaren Spannungsbogen und einem richtigen Happy End. Und das Grundmotiv der Geschichte ist nicht ohne Humor: Philippus, ein Apostel Jesu, betätigt sich als Anhalter und Wegbegleiter eines Ministers aus Schwarzafrika. Deren gemeinsame Kutschfahrt mit Bibelstudium mündet in die Taufe. So idyllisch das Ganze auch anmuten mag – die Geschichte möchte im Sinne des Erzählers doch mehr sein als nur eine romantische Novelle. Aber von vorne:
Da finden zwei Menschen mitten auf der Landstraße zusammen, zwei Menschen, die einander im Grunde gar nicht fremder sein könnten, die so ziemlich alles voneinander unterscheidet: die Herkunft, die Hautfarbe, Vermögen, Milieu, gesellschaftlicher Stand. Der eine ist ein hoher Finanzbeamter im Dienste der Königin von Äthiopien, ein vornehmer und zugleich ein frommer Mann. Als Kastrat – steht zwar nicht da, muss aber gewesen sein, denn im Judentum wird bis heute die Kastration strikt abgelehnt, bei den orthodoxen Juden auch bei Tieren – kann er zwar nicht Jude werden, aber innerlich steht er dem jüdischen Glauben nahe. Er bekennt sich zum Monotheismus, zum Glauben an den einen Gott, und ist darauf bedacht, dessen Gebote zu erfüllen. Seine Reise nach Jerusalem dient nicht der Erfüllung eines politisch-diplomatischen Auftrags; sie ist vielmehr so etwas wie eine private Wallfahrtsreise zu den heiligsten Stätten des Judentums. Anstrengend ist diese Reise; sie dauert mehrere Wochen, führt teilweise mitten durch die Wüste und ist nicht ohne Gefahren. Aber der Kämmerer nimmt dies alles auf sich, so ernst ist es ihm mit seiner Religion. Auch die lange Rückfahrt nach Hause nutzt er zum Studium heiliger Schriften, zumal weil die Gegend vor Gaza, die er wohl gerade durchquert, öde und ohne landschaftlichen Reiz ist. Laut liest er, so wie damals üblich; aber der Text aus dem Buch Jesaja mit seinen eigentümlichen Bildern und Metaphern macht ihm Mühe. Da ist die Rede von einem Schaf, das zur Schlachtbank geführt und später eindrucksvoll rehabilitiert wird. Wer oder was soll das sein?
Da kommt es ihm sehr gelegen, dass plötzlich – wie aus dem Nichts heraus – ein Unbekannter vor ihm auftaucht. Der ist zwar nicht vornehm, nicht reich, nicht von edlem Blut. Er ist ein einfacher Wanderapostel. Aber – und das allein zählt in diesem Augenblick – der kennt sich in den heiligen Schriften aus. Zumindest suggeriert das die an sich erstmal ziemlich unverschämte Frage des daher gelaufenen Wanderapostels: „Verstehst du auch, was du liest?“ So muss man sich eigentlich als „hohes politisches Tier“ nicht „auf der Straße anmachen“ lassen, aber: die Frage hat genau getroffen! Grund genug für den Kämmerer, ihn spontan auf seine Kutsche zu bitten. Philippus erklärt dem Kämmerer die Jesaja-Stelle und erzählt ihm von Jesus. Und er macht das so einladend und überzeugend, dass der Afrikaner keine Sekunde länger zögert: „Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?“ Gesagt, getan. Das Grübeln hat ein Ende, und auch die Strapazen der Reise spielen mit einem Mal überhaupt keine Rolle mehr. Der Kämmerer hat zum Glauben an Jesus gefunden, und das erfüllt ihn mit einer tiefen Freude.
Alles zu schön, um wahr zu sein? Eine nette Episode, mehr nicht?
Doch, liebe Gemeinde, viel mehr! Für Lukas hat sie ohne Zweifel paradigmatische Bedeutung. Sie symbolisiert beispielhaft den Weg des Evangeliums hinaus in die Welt. Wie die Geschichte wohl weiter gegangen ist? Ich stelle mir vor, wie der Kämmerer daheim am äthiopischen Königshof von seiner Reise berichtet und natürlich auch von seiner überraschenden Begegnung mit dem Apostel Philippus. Wie er von Jesus erzählt und von der Taufe. Und wie die Zuhörer Augen und Ohren aufsperren, innerlich berührt nicht nur von der Erzählung, sondern vor allem von der Freude, die der Getaufte ausstrahlt. Das weckt Interesse und Neugier. Auf diese Weise pflanzt sich dann das Evangelium weiter fort, in der Umgebung des äthiopischen Königshofes und darüber hinaus, von Mensch zu Mensch, von Ort zu Ort: Christentum als „Impulsgemeinschaft“ derjenigen Individuen, die sich gegenseitig zum christlichen Glauben und Leben anregen, aufeinander und gegeneinander wirken, so dass sich das Evangelium produktiv weiter verbreitet. Wie es F.D.E. Schleiermacher vor knapp zweihundert Jahren gesehen hat: Kirche als Impulsgemeinschaft, die sich ausweitet von wenigen hin zu vielen, und sich wechselseitig „animiert“, von anima: die Seele: „die Seele belebt, sie in Stimmung versetzt, Lust und Mut macht, in Bewegung versetzt“. Darum geht es! Diesen biblischen und auch neuzeitlichen Gedanken sieht man in unserer heutigen Geschichte exemplarisch vorgebildet.

Ich habe es eingangs ja schon gesagt: Die Geschichte vom Kämmerer aus Äthiopien zähle ich zu den schönsten im Neuen Testament. Weil es in ihr so menschlich und natürlich zugeht und sie doch zugleich voller Tiefe und Weisheit ist. Und es ist doch einfach großartig, wie hier – ohne großes Publikum und ohne groß aufgemachte Szene, nein ganz einfach – zwei Menschen auf offener Straße miteinander tief ins Gespräch kommen. Und es ist wie eine Fügung! Das Eine ergibt das Andere, der Andere wird von dem Einen gewonnen, wie der Kämmerer von Philippus!

Ich komme zum Schluss und frage uns alle: Wo gibt es so etwas bei uns? Bei Ihnen, bei Euch? Im verkleinerten Maßstab vielleicht? Ich wette, das gibt es bei jedem von uns?
Also bei mir persönlich sind´s – außerhalb von den klassischen Anknüpfungspunkten an ein in der Regel eher kirchendistanziertes Publikum wie bei Taufen, Konfirmationen oder Hochzeiten, auch Beerdigungen, immer wieder – Sie werden´s kaum glauben, aber: Gesprächsgelegenheiten beim Einkaufen, in Aufkirchen, hier in Berg oder in Starnberg und Wolfratshausen. Solche inzwischen fast schon reihenweise sich ergebenden Anknüpfungspunkte sind immer wieder auch Anfangspunkte für Neues bei einigen Menschen, die uns dann verbunden bleiben, nicht nur beim Kunstwerk des Monats oder auch dem Musikalischen Gottesdienst, davon ganz zu schweigen. Manchmal genügt schon ein einfaches, lustiges Gespräch an der Wursttheke oder an der Kasse, mit dem Kinderwagen auf dem Spaziergang, auf dem Spielplatz, eine Begegnung in der Sportgaststätte oder beim Sommerfest oder in irgendeinem Festzelt.
Da trete ich sicher nicht auf als missionarischer Apostel, der die Leute mit einer prophetischen Bibelstelle behelligt, „keult“ – wäre ja auch abwegig, die anderen sind ja auch nicht die Bibel studierenden Finanzminister aus Äthiopien!
Nein, wir backen kleinere Brötchen als zu Bibels Zeiten!
Trotzdem gut und feinsinnig: Während damals der Apostel Philippus geistgewirkt auf einmal einem fremden Wagen nachrennt und ihn anhält, macht der andere heute den täglichen Einkaufswagen zum verdeckt geistlichen Vehikel! Wieder andere radeln derzeit für den Erhalt eines guten Klimas und die Bewahrung der Schöpfung in Berg! Und da sind wir mit einem eigenen evangelischen „Sommer-Team“ gut dabei!
Probieren Sie selbst aus, was Ihnen gelingt, neue Leute zu gewinnen auf Ihre Weise für unsere gute Sache, das Evangelium und alles, was – frei interpretierbar – in seinem Sinne ist!
Zu allen guten Ideen und ihrer Umsetzung verhelfe uns allen unser Gott. Amen.

Und der Herr sei mit Euerem Geiste, ob beim Einkaufen, auf der Autobahn im Stau, beim Radeln oder zu Hause, in der Ferne oder in unserer wunderschönen Heimat - wo auch immer, im Alltag, überall!
Tag und Nacht, heute und allezeit!
Amen.
 

 

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