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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt über die Jahreslosung 2012

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
So lautet, liebe Gemeinde, die sogenannte Jahreslosung 2012 aus dem
2. Brief des Apostels Paulus an die Korinther Kapitel 12, Vers 9.
„Sogenannte“ sage ich deswegen, weil der Spruch nicht wie die - auch ökumenisch - bekannten Herrnhuter Tageslosungen wirklich ausgelost wurde für dieses Jahr, sondern bewusst ausgewählt von einer ökumenischen Kommission, die das seit 1930 jedes Jahr tut, der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen, wie sie heute heißt, einer gemeinsamen kirchlichen Organisation, die nicht nur Jahres- und Monatssprüche auswählt, sondern übrigens auch ökumenische Bibellesereihen entwickelt und weltweit verbreitet. Für diese spezielle Aufgabe wurde eigens eine „Textplankommission“ gebildet – ein wunderschönes Wort … !

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Das ist ein biblisches Wort, das auf einer entsprechenden Lebenserfahrung beruht. Der Apostel weiß, wovon er spricht. Denn er ist inzwischen als Christ selbst verfolgt, gefoltert, eingesperrt, bedrängt worden.
Und es gilt auch als ziemlich sicher, dass der Apostel gesundheitlich beeinträchtigt war, möglicherweise irgendwie behindert von Geburt an - was er genau hatte, darüber gibt es allerdings nur Vermutungen: zum Beispiel, dass er eine seltene Augenkrankheit hatte, die seine dreitägige Blindheit infolge seines Damaskus-Erlebnisses erklären könnte; auch Epilepsie wird diskutiert, gilt als eher unwahrscheinlich; oder dass er einfach von seiner körperlichen Konstitution her schwächlich gewesen sei; oder dass er möglicherweise auch einen Sprachfehler hatte. Jedenfalls muss es etwas gewesen sein, was nicht zu verbergen war und was ihn sehr belastet hat, weil es öffentlich bekannt war oder zu sehen war: denn nach pharisäischer Theologie und entsprechend frommem Lebensverständnis – von wo er ja herkommt - galt Krankheit als durch Sünden bedingt, Krankheit als Zustand der Sünde.
Vielleicht sah er seine Schwäche aber auch darin, dass er einst selber Christenverfolger war, weswegen er sich im übertragenen Sinne an anderer Stelle als eine Art Missgeburt und Scheusal bezeichnet.
Und so kann es gut sein, dass es vielleicht doch gar keine körperliche Krankheit war, die Paulus belastet hat, sondern die seelische Last, mit der er aus der Vergangenheit geschlagen ist und:
die Angst vor erneuter Schikane, Verfolgung, Folter und Gefängnis durch seine Gegner – ja, das alles bedrückt und schwächt ihn immer wieder sehr.

Und da widerfährt ihm eine Art Audiovision, ein besonderes religiöses Erlebnis, dass Christus zu ihm spricht und ihn stärkt und ihm Mut macht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Soweit eine erste, bibel-historische Annäherung an den Jahresspruch.

Ein zweiter Punkt, liebe Gemeinde:
Verfolgt zu werden als Christ, das ist nichts, was man heute als reines Geschichtsthema in der antiken Römerzeit belassen kann.
Ich denke an Christenverfolgungen, nicht die im alten Rom, sondern ganz aktuell, heute. Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, das viele Staaten der heutigen Welt aber ausdrücklich ausschließen und mit entsprechenden „Maßnahmen“ dann auch gegen Christen vorgehen. Einiges dringt durch in unsere Nachrichten, wie z.B. jetzt Weihnachten in Nigeria, als gleich fünf Kirchen attackiert wurden und mehrere Menschen in den Gottesdiensten starben. Meist sind die Übergriffe aber nicht so spektakulär. Systematische Verfolgung zeigt sich eher als Summe von Einzelschicksalen.
Die Organisation „Open Doors“ veröffentlicht einmal im Jahr eine Rangliste der Staaten mit den meisten Christenverfolgungen. Die dokumentierten Verfolgungen umfassen das Verbot der Ausübung und des Übertritts zum Christentum, ob Besitz und Einfuhr von Bibeln gestattet ist, und ob Anzeigen von Christen wegen Übergriffen durch Ordnungsmächte ignoriert werden. Es ist naturgemäß schwierig, belastbare Zahlen zu erheben; „Open Doors“ spricht von 80-120 Millionen verfolgten Christen, vor allem in Nordkorea, Afghanistan und Saudi-Arabien. Was erfahren wir davon in den Nachrichten? Ziemlich wenig! Oder ein anderes Beispiel: Im Iran steht auf den Übertritt zum Christentum die Todesstrafe – was die Bundesrepublik leider nicht daran hindert, Konvertiten dorthin wieder abzuschieben.
Da kann man ja nur hoffen, dass Jesus Christus selbst in den Schwachen mächtig ist, und hoffentlich nicht: in den Mächtigen schwach! In den Mächtigen der Kirchen und in den Mächtigen aus Wirtschaft und Politik. Christenverfolgung in aller Welt ist ein Thema, das bei uns kirchlich, und zwar ökumenisch verbunden, aber auch politisch noch sehr viel stärker in den Blick genommen werden müsste, nicht nur von konservativ-christlichen Politikern, denn: immerhin ist das Christentum nicht nur die größte Weltreligion, die selbst für Glaubensfreiheit, Menschenrechte und Demokratie eintritt, sondern auch die am meisten verfolgte Religion auf der Welt.
Soweit ein zweites, politisches Schlaglicht auf den Jahresspruch: Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Das ist ein Satz, der auf einer entsprechenden Erfahrung beruht, habe ich eingangs gesagt.
Ich hatte diese Woche Gelegenheit, mich mit einigen älteren, lebens-erfahrungsgesättigten Menschen aus meiner Gemeinde über diesen Spruch zu unterhalten: einige haben gesagt: ja, da denke ich an Geschichten aus den 40er Jahren, wo der eine oder andere – und es waren ja sehr viele in ganz vielen unterschiedlichen schlimmen Situationen - , wir selber auch bewahrt worden sind. In Situationen, die wir alle nicht mehr selber im Griff hatten, wo ein anderer Mensch oder wir selber auch völlig ausgesetzt waren. Da hat uns der Glaube geholfen. Da war Jesu Kraft in uns Schwachen mächtig. Wie, vor allem dadurch, dass es uns möglich wurde, eine innere Distanz zu all dem Bedrängenden und Niederdrückenden aufzubauen, zu dem, was gerade alles Furchtbares geschieht, auch die große und viele Ungewissheit, wie es weitergeht, wo liebe Angehörige verblieben sind, wurde wenigstens etwas erträglicher. Wir konnten durchhalten.
Vor diesem Hintergrund, der eigentlich ein Abgrund war, hört sich, liebe Gemeinde, der Gloria-Vers, den wir vorhin gesungen haben, tiefsinniger an:
„Allein Gott in der Höh´ sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum, dass nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade.“
Wenn man genau hinsieht und hört, wird da nicht behauptet, dass es keinen Schaden mehr gäbe; nein: „uns rühren kann kein Schade“, heißt es. Also der „Schade“, welcher auch immer er sei, wird von dem, der so singt, in seiner persönlichen Bedeutung nicht mehr als so ins Gewicht fallend, „ihn rührend“ wahrgenommen und gewertet, also nicht mehr als belastend.
„Entlastung“ ist denn auch die Wirkung des Glaubens, des Wirkens der Kraft Jesu Christi im Glauben: „aufatmen lassen, Erleichterung verschaffen“, was „hinam“, das hebräische Wort für „trösten“ ursprünglich bedeutet.
Soweit eine Perspektive aus der Sicht älterer Menschen auf den Jahresspruch.
Im Übrigen sei der Spruch, wie ich auch selbst erst gedacht habe, eher ein Spruch für ältere Menschen, nicht so sehr für Jugendliche geeignet, mangels deren Lebenserfahrung und wegen der doch recht sperrigen biblischen Sprache.

Und damit komme ich zum vierten Gesichtspunkt:
Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Ich habe diese Woche dennoch auch meine Konfirmanden gebeten, sich zu diesem Jahresspruch Gedanken zu machen. Und da kamen gute Ideen und gehaltvolle Äußerungen, wir sollten also unsere Jugend nicht unterschätzen - ich verlese einige Kommentare von 12-14-jährigen Menschen:

1. Ich kann mit diesem Satz eigentlich nichts anfangen.
(Und dann kommt doch sehr viel:)
Ich denke, Jesus wollte damit sagen, dass er die Schwachen und Armen durch den Glauben Stärke gewinnen lassen möchte.

2. Ich denke, dass dieser Satz bedeutet, dass Jesus für die Schwächeren und Ärmeren da ist und ihnen Kraft und Mut im Leben gibt.

3. Ich denke, Jesus Christus meint damit, dass gerade die Schwachen, z.B. Obdachlose, seine stärksten Anhänger sind. Sie sehen in Gott denjenigen, der es ihnen ermöglicht, stark zu bleiben und weiter zu leben. Wenn sie krank sind oder kein Heim, keine Familie haben.

4. Das bedeutet, dass sich Kranke und Schwache nicht verstecken müssen. Und dass jeder Mensch so stark ist, wie er von sich selbst denkt.

5. Arme und Schwache beten und denken mehr an Gott, weil die Reicheren keine Probleme haben und meinen, alles mit ihrem Geld regeln zu können und zu verbessern.

6. Jesus meint, glaube ich, dass auch arme Menschen eine Chance zu leben
und eine Hoffnung haben dürfen.

7. Die Schwachen hoffen mehr auf Gottes Hilfe als die Starken.

Soweit die Gedanken, gute, auch kritische Gedanken, wie ich finde, von jugendlichen Menschen zum Jahresspruch 2012:
Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Und damit komme ich – 5. – zum Schluss, liebe Christengemeinde:
Jeder von uns ist nicht nur stark, sondern auch schwach. Jeder hat seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Das ist eine Binsenweisheit, um sie sich zu vergegenwärtigen, muss man eigentlich nicht erst in die Kirche gehen, das kann man sich jeden Tag als Christ und Mensch auch zu Hause und wo auch immer selber klar machen, wenn man es denn macht.

Aber warum Jesus Christus der sein soll, der in uns mächtig ist, wenn wir schwach sind, das ist ja doch wohl eine Frage, die in die Kirche als Gemein-schaftsveranstaltung gehört, um uns darüber zu verständigen, warum wir zu ihr, der Kirche, und zu ihm, Jesus Christus, gehören - und er zu uns.
Warum Jesus Christus und nicht irgendetwas anderes in uns mächtig sein soll. Warum ausgerechnet er?

Jesus selbst hat sich zeit seines öffentlichen Wirkens sehr und fast nur um die Schwachen seiner Zeit, seines Umfeldes gekümmert und sich für sie eingesetzt, um zu zeigen, dass Gotteskraft durch ihn in auch diesen Menschen lebendig ist und sie am Leben hält. Denken wir an die Heilungen von Kranken, Behinderten, Aussätzigen, denken wir daran, dass er sich Verfemter wie zum Beispiel des Zöllners, eines gesellschaftlich völlig Verhassten, angenommen hat.

Und genau damit, dass er dieses getan hat, steht er auch heute noch Pate für alle Menschen, die sich um die als problematisch geltenden, in irgendeiner Form Stigmatisierten, tatsächlich oder tendenziell Ausgegrenzten, alle Hilfsbedürftigen kümmern. Er ist auf ihrer Seite.
Genau genommen, auf beiden Seiten: der Helfenden und derer, denen geholfen werden muss. Er selbst war Helfer seiner Menschheit. Und an seinem Ende musste ihm selbst geholfen werden, als er für seinen Glauben und sein Leben, seine Überzeugung ans Kreuz ging.
Das war kein „Betriebsunfall“, es war Programm, ethisch-religiöses Programm, Lebensprogramm, das über seinen Tod hinausweist.

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Dieses Wort möchte für uns heute und hier bedeuten: stehe zu deinen eigenen Schwächen, benenne sie und gehe mit ihnen so um, dass sie dich nicht zu sehr belasten, vertraue darauf, dass du durch die Vergebung von Jesu Gottvater von Grund auf entlastet bist! Und lasse dich durch deine tatsächlichen oder vermeintlichen, fremd oder selbst eingeredeten Schwächen vor allem nicht davon abhalten, dass du dich um andere mit ihren Schwächen, in ihrer Schwäche, wann immer im Leben, kümmerst –
sofern sie das nicht nur brauchen, sondern bitte auch selber wollen.
Denn dann bewahrheitet sich in dir selbst der Jahresspruch, hoffentlich auch über dieses Jahr hinaus:
Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Amen.

Herr, wir bitten um deine Kraft in uns Schwachen. Amen.
 

 

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