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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank
an Heiligabend 2011: „Licht der Welt“

Liebe Gemeinde,
Weihnachten, das ist Bethlehem und der Stall mit der Krippe und dem Jesuskind, das sind Maria und Josef, die Hirten, die Schafe. Die Weisen aus dem Morgenland rücken erst später an. Weihnachten, das ist der Stern über dem Stall und das Gloria der Engel über dem Hirtenfeld. Weihnachten in der Kirche und in den Familien, das ist die Geschichte von Lukas 2 „Es begab sich aber zu der Zeit“ und die Lieder „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ bis „O du fröhliche“ und in unserem alpenländischen Raum auch „Stille Nacht, heilige Nacht“, auch Carl Orffs Weihnachtsgeschichte und Bachs Weihnachtsoratorium. Und vieles andere, was zum festlichen Zelebrieren jener wunderbaren Begebenheiten von damals in unseren Traditionen sich entwickelt hat und immer noch vielen Menschen lieb und teuer ist. Das ist mindestens so viel wert wie das, was unterm Baum liegt. Es geht heute um mehr: was uns Weihnachten heute bedeuten kann.

Und da lässt uns das Neue Testament nicht ratlos. Die Botschaft von Weihnachten ist dort in sehr unterschiedlicher Weise überliefert.
Bei Markus kommt die Weihnachtsgeschichte gar nicht vor: da wird Jesus bei seiner Taufe im Jordan durch göttliche Stimme und Geistsendung als Gottessohn gewissermaßen adoptiert. Durch göttlichen Geist. Ja, die der Geist Gottes trägt, die sind auch heute noch seine Kinder, Söhne und Töchter, Jesu Geschwister im Geiste, wir alle, die wir in irgendeiner Weise an Jesus glauben, mit ihm etwas anfangen können, denen er in ihrem Leben etwas bedeutet.
Und bei Johannes, der zwar auch keine Weihnachtsgeschichte wie die bei Lukas hat, wird gleichwohl auf andere Weise von Weihnachten geredet.
Im Johannes-Prolog stehen die berühmten Worte: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ – Ja, Wahrheit und Gnade hatte die Welt schon damals bitter nötig. Und davon kann auch die Welt heute nicht genug zu hören bekommen und brauchen!
Bei Johannes heißt es auch: „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“ – Ja, wenn es nur so wäre, dass er das wahre Licht für die Menschen dieser Welt sei!
Zumindest war es der Anspruch, wie ihn der johanneische Christus selbst einmal formuliert: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Liebe Gemeinde, das ist die kürzeste Weihnachtsgeschichte, die ich kenne:
„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Keine noch so bedeutende Lichtgestalt, keine noch so große Leuchte dieser Welt kommt Jesus auch nur annähernd gleich. Dagegen sind wir alle vergleichsweise kleinere Lichter, manchmal sogar armselige Lichter, um nicht zu sagen „Armleuchter“. Er aber ist das Licht der Welt, für alle und jeden.
Warum? Weil Jesus ein nicht zu überbietendes Einigkeitsgefühl und Einheitsbewusstsein hatte mit seinem Gottvater. Es war sein Anspruch, dass in ihm mit dem, was er sagte und wofür er gelebt hat, Gott selbst transparent wird und in Erscheinung tritt, in die Welt eintritt und sich unter die Menschen begibt, sich ihnen mitteilt. An Jesu Persönlichkeit und Leben ist Gottes Wesen und Lebensbedeutung 1:1 ablesbar und erkennbar, an ihm allein wird deutlich, was der christliche Glaube meint. Das göttliche Licht scheint in Jesus selbst voll auf! Auch heute noch, ganz unabhängig davon, was in der Geschichte der Kirche von Anfang an aus diesem Jesus dogmatisch gemacht wurde. Sein persönliches Leben und Wirken sind maßgebend, er ist der maßgebende Mensch.

Liebe Gemeinde, „Licht der Welt“ - die Lichtmetaphorik und –symbolik hat von dem Ausgangspunkt „Ich bin das Licht der Welt“ im christlich-kirchlichen Bereich bekanntlich vielfach Gestalt gewonnen. Von der Oster- und Taufkerze, über den fast schon magischen Lichtgebrauch beim Friedenslicht aus Bethlehem – einer Art christlichem Fackellauf, wie er bei den olympischen Spielen seit 1936 Tradition ist – bis in unsere Häuser hinein, von den Lichtern am Adventskranz und am Christbaum bis zum „ewigen Licht“ auf den Gräbern – Licht, Licht, Licht, wohin man derzeit blickt! Lebenslichter, Überlebenslichter allerorten!
Wenn Jesus bei Johannes sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Dann ist diese Lichtmetaphorik auch ein Neu-Aufnehmen guter alter Tradition Israels und verschiedener altorientalischer religiöser Traditionen. Das Licht war schon immer religiös und philosophisch relevant. Im alten Ägypten, bei den alten Griechen und Römern, aber auch in der Aufklärung der Neuzeit: auf Englisch heißt Aufklärung, was man dem deutschen Wort nicht entnehmen kann: Enlightenment. Wann immer es um Klärung, Aufklärung von Vorstellungen, Gedanken, Situationen und neue Wahrheit und neue Wege ging, spielte der symbolische Bezug auf das Licht eine zentrale Rolle. Warum?
Weil Licht elementar wichtig ist für alles Leben. Ohne Licht kein Leben. Das weiß auch der Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel. Dunkel war schon. Erstes Geschöpf ist: Licht. Die Unabdingbarkeit des Lichts für jede Lebensmöglichkeit ist der Grund für seine wichtige, prinzipielle Stellung und Funktion im Leben, Wahrnehmen und Denken. Wobei: zuviel davon, kann schädlich sein, zu wenig aber auch. Licht ist ganz elementar wichtig im Leben, auch im übertragenen Sinne, wenn es einem gerade aktuell oder auch über längere Zeit nicht gut geht und dann doch ein Hoffnungsschimmer sich einstellt: da sprechen wir dann gerne vom „Licht am Ende des Tunnels“, weil wir wieder ein Lebensziel vor Augen haben, auf das wir uns im Guten hin orientieren können.

Christus spricht: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Nach dem Johannesevangelium hat die Welt nicht, ja haben noch nicht einmal Jesu Jünger zu seinen Lebzeiten, geschweige denn sein zeitgenössisches Judentum, aus dem er herkam und ihm entwachsen ist, dieses erkannt: dass ER das Licht der Welt sei. Und weil sie alle das, dass er das Licht der Welt sei, zu seinen Lebzeiten nicht erkennen können und werden, wird den Christen später von Jesus dafür, für dieses gläubige Erkennen des absoluten Wertes seiner Person, der Geist verheißen.
Der Geist, der verstehen und glauben lässt, was sein Geist, Jesu Geist, seine Lebens- und Glaubenseinstellung bedeuten.

„Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ So heißt es bei Johannes an anderer Stelle. Jesus im Geist und in der Wahrheit ähnlich werden – das ist seither das Programm des Christentums.
An Jesus Christus zu glauben, heißt, wie er zu glauben: zu Gott ein unmittelbares Vertrauen zu haben, und zwar nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten des Lebens. Das ist ein sehr hoher Anspruch, an dem man eigentlich fast nur scheitern kann. Ja, es ist so: Jesus hat die Latte seiner Glaubens- und Moralansprüche sehr hoch gehängt!
Wie geht es dennoch, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten uns im Glauben und Leben an ihm orientieren?

Wir finden einen passenden Hinweis von Jesus selbst in der Bergpredigt, also Matthäusevangelium, da heißt es: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,14)
Es geht also nicht nur darum, Licht, „das Licht“ zu erleben, sofern es einem denn gegeben ist, sondern das empfangene Licht auch weiter zu geben. Das, was dir Jesus bedeutet, das, was dein Leben, dein Gemüt erhellt, hell macht, auch selber umzusetzen im eigenen Leben und weiterzugeben. Was dich an Jesus fasziniert, was du an ihm überzeugend findest, selber heute zu realisieren, nach eigenen Kräften, die, wie gesagt, auch begrenzt sind.
Sei es seine Idee der Nächsten- und Feindesliebe, also zum Beispiel in der Umsetzung: nicht nachtragend zu sein. Sei es seine Vergebungsidee und -praxis, also: bedingungslos zu verzeihen. Sei es seine Zuwendung zu den Armen und Schwachen, zu allen, die irgendwie ausgegrenzt werden: also sich konkret um Hilfsbedürftige zu kümmern, sei es durch persönlichen Zeiteinsatz oder durch Geld. Oder denken wir an Jesu Ertragen im Leid – sein Kreuz musste ihm, dem Kreuzträger selbst von einem anderen mitgetragen werden. Ja, mittragen helfen in schweren Zeiten, in schwieriger Situation, darin können wir selbst heute Licht sein für andere. Und das ist oft eher unspektakulär und sogar ziemlich mühsam.
Dass Gott selbst in den Schwachen mächtig sei, das war Jesu Credo.
Und er hat deswegen nicht die Hände in den Schoß gelegt nach dem Motto: mein Vater im Himmel wird´s schon richten. Sondern er hat Zeit seines uns bekannten öffentlichen Wirkens das in seiner Macht Stehende dafür getan.
So möchten auch wir das in unserer Macht Stehende tun. Und da gibt es viel zu tun. Packen wir´s an! Denn da wird in Wahrheit Weihnachten entschieden: wo Hilfe dringend nötig und gefragt ist und dann auch geleistet wird.
Wo du in einem anderen Menschen deine Schwester und deinen Bruder erkennst und ihnen zum Nächsten wirst, wo du für andere etwas tust

.
Liebe Gemeinde, ich komme zum Schluss:
ER ist das Licht der Welt – WIR sind das Licht der Welt:
das soll für uns im Rahmen unserer Gegebenheiten und Möglichkeiten heute wahr werden, das sollen wir uns an Weihnachten bewusst machen.
Im Schein des Lichtes von Weihnachten, aber auch von Ostern – denn da schließt sich der Kreis des Lichts von Weihnachten – , sollen wir darauf vertrauen, dass uns die Kraft und Fähigkeit gegeben ist und jeden Tag neu zuwächst: die Kraft zum eigenen Lichtsein in dieser Welt!
Und da ist das Friedenslicht von Bethlehem, das uns die Pfadfinder gebracht haben und dessen Verbreitung wir in unseren Gemeinden in ökumenischer Verbundenheit praktizieren, ein Symbol für das, was wir, jeder an seiner Stelle, nicht nur am Feiertag, sondern an jedem Tag, alltäglich empfangen und weitergeben können!
Das weihnachtliche Licht ist ein Aufruf. Ein Aufruf zur Wachsamkeit und zur Phantasie der Liebe und zu viel Mut – die sind heute mehr denn je gefragt von jedem, damit mehr Licht in die Finsternis kommt.
Licht der Welt zu sein in Erinnerung an ihn, dessen Geburtstag wir heute feiern, und in Orientierung an ihm, das gilt für uns Christen alle, unabhängig von unserer Kirchennähe oder -distanz: Es geht nicht um die Institution, es geht um die Menschen!

Er ist das Licht der Welt - Ihr seid das Licht der Welt - alle! An diesem Weihnachtsfest und hoffentlich an jedem neuen Tag! Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste! Amen.

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