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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Liebe Heiligabendgemeinde,


die großen Festtage des christlichen Kirchenjahres sind „heilsame Unterbrechungen des Alltags“, wie der inzwischen altehrwürdige Theologe Eberhard Jüngel es einmal formuliert hat. Sie dienen zur Unterscheidung des wirklich Lebenswichtigen, Entscheidenden vom weniger Relevanten in unserem Leben und wollen zur Besinnung über unser Leben einladen. Angesichts dessen, dass wir nur allzu oft zu wenig zur Besinnung kommen, geben uns diese religiösen Festtage ergänzend zum Alltag die Chance, sich – wenn wir die Festtage nicht veralltäglichen – einmal Zeit für Elementares zu nehmen. Und darin liegt der besondere Wert, den religiöse Feste für uns haben können: Besinnung. Mit „Besinnung“ ist nicht irgendeine Gefühlsduselei oder selbstverliebte Ichbezogenheit gemeint, sondern für „BeSinnung“ muss man alle seine Sinne anstrengen. Wie Friedrich Wilhelm Graf, der neulich bei uns einen Vortrag zur „Zukunft der Kirchen“ gehalten hat, im Magazin der rotarischen Freunde zu Weihnachten schreibt: „Besinnung ist eine spezifische Form der Konzentration. Sie dient der Selbstreflexion“. Genau darum geht es, wenn wir Weihnachten feiern: dass wir auch einmal die Zeit finden und uns auf das für uns und unser Umfeld Wesentliche, Entscheidende, Wichtige konzentrieren und darüber nachdenken, dem nachsinnen.


Weihnachten gilt wie kein anderes Fest bei uns als Fest der Familie und des Friedens, des Friedens aus biblischen Gründen, wie wir vorhin in den „Weissagungen“ gehört haben. Weil beides für uns elementar wichtig, wesentlich ist, ist das so. Und wenn es an Weihnachten in der Familie auch einmal nicht so friedlich zugeht, dann zeigt und bestätigt uns das, wie außergewöhnlich und außeralltäglich emotionsbehaftet und harmoniewunschbesetzt dieses Fest ist: du möchtest doch bitte nicht nur mit dir selbst in Harmonie und Frieden sein, nein: auch mit deinen Allernächsten diesmal wieder oder besonders gut gestimmt, fröhlich, mit ihnen liebevoll und friedfertig umgehen. Mehr als sonst. Deswegen, wegen dieser Erwartungshaltung, liegen Harmoniewunsch und Streitanfälligkeit an Weihnachten so nah beieinander. Und das spiegelt im Kleinen, im Rahmen der eigenen Welt damit zugleich wider, wie in der großen, globalisierten Welt Frieden und Verständigung einerseits und Unfrieden, Krieg und Haß andererseits aufeinander treffen, oftmals auch ganz überraschend nah beieinander liegen, im Alltag der Welt, der vielen anderen Welten, die gar nicht so viel wissen und halten von unserer kirchlichen Festtagswelt, gerade auch an Weihnachten.


Warum feiern wir Weihnachten? Weil vor über 2000 Jahren Jesus geboren ist. Insofern ist Weihnachten ein Geburtstagsfest. Allerdings ein besonderes, weil Jesus nicht irgendjemand war, sondern, im Nachhinein gesehen, nicht weniger als der Initiator einer neuen Weltreligion. Und zwar der heute am meisten und weltweit am weitesten verbreiteten.


Wir feiern Weihnachten, weil sich mit Jesu Kommen in die Welt und seinem Wirken in der Welt in revolutionärer Weise die Religion verändert hat. Die Religion, also: die Beziehung auf das, was einen Menschen, was dich persönlich unbedingt angeht und im Letzten bestimmt.


Und das lässt sich in drei Punkten darstellen, die bis auf den heutigen Weihnachtstag und darüber hinaus wichtig sind:

Zum Einen: Jesus bringt den Glauben an den Gott der Liebe, der Menschennähe und der Vergebung. Der Gott, von dem er redet, artikuliert sich nicht in vielen Anforderungen und Gesetzen und Vorschriften: wie du etwas machen musst, wie du dich im Alltag verhalten musst; nein! Kein moralischer Knigge – sondern: glaube und verhalte dich frei nach nur einem Maßstab: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Die Gottesliebe bezeichnet dabei die Unbedingtheitsdimension der Nächstenliebe. Und es ist ja beileibe nicht so, dass wir erst lernen müssten, uns selbst zu lieben, um den anderen zu lieben, wie eine seit Jahren modische, vor allem in Psycho- und esoteriknahen Kreisen weit verbreitete Missinterpretation meint: Jesu Gebot der Nächstenliebe setzt die unausrottbare Selbstliebe, den Egoismus voraus und meint: Liebe den anderen doch endlich auch mal so, wie dich selbst! Sorge mit für seine Erhaltung, wie du dauernd für dich aufgrund deines Selbsterhaltungstriebs sorgst!


Und anhand dieses absolut, in der Gottesliebe, verankerten Maßstabs der Nächstenliebe, verhalte dich frei und tu dann verantwortlich, was du willst! Wie der ökumenische Kirchenvater Augustinus später treffend gesagt hat: „Liebe, und tu was du willst.“ Glaube als Motivation zu freiem, verantwortlichem christlich motiviertem Handeln, wie und wo du willst, da, wo es nottut. Es gibt keine Grenzen mehr, derer es im religiösen Umfeld Jesu zu seiner Zeit viele gab - lesen Sie nur einmal das 3. Buch Mose im Alten Testament, das ist voll von Regelungen und Regulierungen des religiösen und nicht religiösen Alltagslebens. Da steht zwar auch das Gebot der Nächstenliebe, aber eben als eines unter tausend anderen. Jesus hat dieses eine Gebot zum Maßstab für alle anderen Regeln, Normen und Gesetze erhoben und ihm durch die Koppelung an das Gebot der Gottesliebe Unbedingtheitscharakter verliehen. Das war revolutionär! Und ist es bis heute.


Wir brauchen nur einmal unsere Alltagsregeln oder unsere Gesetze entsprechend unter die Lupe zu nehmen. Da wäre für alle von uns Sprengkraft drin. Die Sprengkraft der Liebe.

Das Zweite ist, dass mit Jesus die prinzipielle Entgrenzung von Religion in die Welt gekommen ist. Was im Judentum der alttestamentlichen Propheten partiell bereits angedeutet war, wird bei Jesus und erst recht in seinem Gefolge beim Apostel Paulus Programm und Wirklichkeit: Das Heil Gottes gilt nicht nur einem Volk, sondern soll sich universal auswirken.


Jesus hat das selbst auch erst lernen müssen, als er das Kind einer nicht zum Volk Israel gehörenden Frau nach ersten Vorbehalten dann doch geheilt hat. Das war für ihn sein persönliches Grenzüberschreitungs- und Universalisierungserlebnis. „Theoretisch“ kannte er das aber schon: hatte er doch im Gleichnis vom barmherzigen Samariter erzählerisch bereits alle volksmäßigen und religiösen Grenzen gesprengt gehabt. Leute mit Migrationshintergrund, wie man heute sagen würde, und anderen Akzeptanzproblemen waren ihm nicht suspekt, sondern durchaus auch zur Provokation dienende Handlungsleitfiguren und Vorbilder.

Womit Jesus aber, und das ist der dritte Punkt, am meisten auffällig wurde, und womit er seine eigene jüdische Religion revolutioniert hat, und bis heute auch jede andere Religion in Frage stellt: das ist sein Weg weg von der Vorstellung des allmächtigen Gottes, der gerecht ist und richtet, hin zum Gott, der in den Schwachen mächtig ist, der sich um jeden einzelnen liebend kümmert, der gnädig ist und vergibt. Diesen in dieser Deutlichkeit, Klarheit und Radikalität religionsgeschichtlich neuen und bis heute universal einzigartigen Gottesglauben hat Jesus gepredigt, gelebt und sogar auch noch in seinem Streben persönlich vertreten, wenn er am Kreuz über die, die ihm sein Ende bereitet haben, gesagt hat: Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.


Das ist die revolutionäre Glaubensvorstellung von dem Gott, der nicht ein Allmächtiger ist, der über allen Dingen schwebt, sondern sich des Menschen annimmt, selbst der tödlichen Feinde. Von dem Gott, der Mensch wird in Jesus insofern, als er sein wahres Gesicht zeigt in Jesus. Dem Jesus, der sich um alle Menschen, die seiner Hilfe bedürftig waren, angenommen hat.

Es ist also mehr als die Geburt des kleinen Jesuskindes an Weihnachten, die wir feiern, es ist die Geburt einer großen religiösen Idee und auch einer ethischen. Wie sie am Ende des Matthäusevangeliums von Jesus Christus selbst in überaus empathischer, sich in die Bedürftigen hineinversetzender Weise formuliert wird:
„Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. … Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan.“


Diese Glaubens- und Lebenseinstellung Jesu, diese Idee ist an Weihnachten geboren, liebe Gemeinde. Für das „Für die da sein, für die sonst niemand recht da ist!“ Um das auch heute noch zu tun, braucht Gott und der an Jesu Leben orientierte christliche Glaube, organisiert in Gemeinde und Kirche, Menschen, die genau bzw. analog heute das tun, was Jesus zu seinen Lebzeiten getan hat und sich von seinen Jüngern und bis heute von allen, die sich Christen nennen, wünscht und von ihnen will: Werke und Taten der Zuwendung und Barmherzigkeit. Dazu brauchen wir Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, wo irgendwo Unterstützungs- oder Assistenzbedarf besteht. Dazu braucht es Phantasie und Einsatzbereitschaft. Zeit und meistens auch Geld. Vertrauensinvestition und Zuversicht!

Liebe Heiligabendgemeinde, die vorhin gelesene Weihnachtsgeschichte reflektiert und symbolisiert auf ihre eigene Art den durch Jesus revolutionär in die Welt gebrachten Wechsel des Gottesverständnisses vom allmächtigen Gott zum Gott, der in den Schwachen mächtig ist.


Der neue König kommt nicht in der prunkvollen Hauptstadt Jerusalem zur Welt, sondern in dem kleinen, unbedeutenden Dorf, einem Vorort, Bethlehem. Nur etwas weniger weit entfernt von Jerusalem wie Berg von München. Da, in einer Grotte, nicht in einem Palast, kommt der neue König zur Welt. Die ersten, die zur Anbetung da sind, sind einfache Hirten, keine Könige, keine Weisen, die kommen erst später. Die Mutter ist ein zuvor völlig unbeschriebenes Blatt: eine gewisse Maria aus Nazareth, den Namen gab es damals sehr häufig. Nichts Besonderes. Und der Vater: ein Zimmermann, wie es an einigen Stellen des Neuen Testaments völlig selbstverständlich heißt. Dass dieser neue König von diesen so unverdächtigen, eigentlich dazu so gar nicht prädestinierten Eltern kommt, dazu brauchte es sehr wohl des Mitwirkens des Heiligen Geistes Gottes.


Wieso eigentlich „neuer König“? Er, Jesus selbst, entsprach nie in seinem Leben dem, was man „König“ nennen könnte, Staatspräsident wäre seins nicht gewesen, nein, auch kein anderer großer, mächtiger Volksheld! Das entsprach auch nicht seinem Gottesglauben: Jesus machte sich gemein mit den Niedrigsten und Verachtetsten, kam ihnen nahe, half ihnen, vergab ihnen, richtete sie auf! So war Jesus, dessen Geburtstag wir heute feiern. Und sein Name bedeutet: Gott rettet, Gott erlöst.
„Neuer König?“ Jesus trug nur einmal im Leben eine Krone, die Dornenkrone, die ihm an seinem Ende aus Spott aufgesetzt wurde: ein durchaus passendes Zeichen seiner Macht, die keine äußerliche war, und doch bis heute geistig wirkmächtig ist.
Er und sein Gottvater waren und sind bis heute – wenn auch oft sehr verborgen wahrnehmbar, wenn überhaupt – die, die sich um alle Menschen kümmern und für jeden von uns da sind. Und die sich freuen würden, wenn wir es denn auch so tun und handhaben würden, uns kümmern um die, die uns brauchen.
An Weihnachten, seinem, Jesu Geburtstagsfest, und darüber hinaus.

Darauf könnten wir uns an Weihnachten besinnen,
am Festtag - für den Alltag.

Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

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