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Predigttext Pfarrer Dr. Pfister

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Predigt über Johannes 11,47-53
zum 5. Sonntag der Passionszeit (Judica) am 17. März 2013

47 Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen. 48 Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. 49 Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; 50 ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe.
51 Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk 52 und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen. 53 Von dem Tage an war es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten.

Liebe Gemeinde!

Seit viereinhalb Wochen, seit dem Aschermittwoch, und damit heute schon den fünften Sonntag leben wir in der Fasten- oder Passionszeit. Die meisten von uns hier waren ja schon in den vergangenen Wochen einmal oder mehrmals im Gottesdienst und haben es gehört und mit begangen, sind mitgegangen auf dem Weg, der nicht im Trübsinn versinkt, sondern zum Sieg des Lebens, zur Osterfreude führen will. Andere, auch Menschen, die nicht in die Kirche gehen, tun etwas in diesen Wochen. Sie fasten, verzichten zeitweilig auf üppiges Essen, auf Kalorien, auf Alkohol oder Nikotin, Süßigkeiten oder auch Fernsehen oder ähnliches und machen die Erfahrung: Wenn ich vorübergehend auf etwas verzichte, werden mir die guten Gaben meines Lebens, die ich sonst ohne viel Nachdenken als selbstverständlich nehme, auf einmal bewusst, ich kann mich freuen und genießen.

Jetzt sind die letzten zwei Wochen angebrochen. Mit dem heutigen Sonntag beginnt, wie vor allem die Katholiken wissen, die zwischen Fastenzeit und Passionszeit unterscheiden, die eigentliche Passionszeit, in einer Woche haben wir den Palmsonntag und die Karwoche.
Wir sehen auf die letzte Phase des Weges Jesu. Der heutige Sonntag leitet sie ein und das Evangelium, das wir gehört haben, steht genau an dieser Stelle: Die politischen und religiösen Führer des Volkes beschließen, dass Jesus sterben muss, weil er mit dem, was er redet und tut („viele Zeichen“), gefährlich geworden ist und viele an ihn glauben.
Vielleicht ist Ihnen beim Hören nicht so sehr diese Begründung aufgefallen, sondern mehr die zusätzliche, die der Hohepriester Kaiphas vor dem Hohen Rat ausspricht: Ihr bedenkt nicht, dass es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. Eine Begründung, wie wir sie bis heute von verantwortungsvollen Realpolitikern hören, aktuell bei der gezielten Tötung von Menschen ohne Gerichtsverfahren, der Tötung sowohl von eigenen Staatsbürgern als auch von Ausländern, weil sie als terroristisch gefährlich gelten. Der Präsident und Friedensnobelpreisträger Obama ist nicht der erste und die Amerikaner sind nicht die einzigen, die das tun. Auch wer wie viele von uns (ich gehöre auch dazu) darüber zutiefst erschrickt, wird Präsident Obama und anderen nicht bestreiten können, dass sie wirklich aus tiefster Überzeugung verantwortlich handeln wollen. Auch dem Hohenpriester Kaiphas will es der Evangelist Johannes und dürfen wir heutige Menschen es nicht bestreiten.

Über dieser Aufsehen erregenden Einzelaussage des Kaiphas möchte ich allerdings die grundlegende Begründung, warum Jesus sterben muss, nicht zu kurz kommen lassen. Es ist die Begründung, bei der sich Kaiphas mit der überwältigenden Mehrheit des Hohen Rates, wie wir gehört haben, von vornherein einig ist: Dass Jesus sterben muss, hängt mit seinem Leben zusammen. Weil er so lebte, redete und handelte, wie er es tat, musste er sterben. Das ist wohl auch für uns Christen das Entscheidende. In den Evangelien und Briefen des Neuen Testaments sind dazu noch weitere Deutungen des Todes Jesu gekommen, die in der Antike und im Mittelalter durchschlagend überzeugten, aber in der Neuzeit, nicht erst im 20. und 21. Jahrhundert als äußerst problematisch empfunden wurden und auch zur breiten Ablehnung nicht nur dieser Deutungen, sondern des christlichen Glaubens insgesamt geführt haben. Deshalb ist es wichtig, Deutungen als Deutungen zu erkennen, als nachfolgende Deutungen des Lebens und Sterbens Jesu und nicht als dieses Leben und Sterben selbst. Damit wird es leichter, auch die eine oder andere Deutung in ihrer Zeitgebundenheit zu erkennen und zu verabschieden.
Eine große Zahl von Menschen, nicht wenige auch in dieser Gemeinde, kennt das jetzt schon in mehreren Auflagen erschienene Buch unseres Gemeindeglieds Prof. Klaus Peter Jörns „Notwendige Abschiede“,
Er schreibt darin: „Das Christentum muss herauskommen aus einer zur starren Hülle gewordenen Konstruktion von Glaubensvorstellungen, die Jesus Christus eingesponnen haben wie eine Schmetterlingspuppe. Deshalb geht es um notwendige Abschiede.“ Verabschiedet werden muss vor allem die Sühnopfertheorie, dass Gott seinen Sohn für die Sünden der Menschen opfert.
Davon ist Gott sei Dank in unserer Geschichte vom Todesbeschluss des Hohen Rates aus dem Johannesevangelium nicht die Rede. Sie ist zwar nicht ganz frei von ergänzenden Deutungen des Evangelisten, aber die ist Grundlage klar: Das Sterben Jesu ist die Konsequenz seines Lebens. Jesus starb, wie er lebte, wie er lehrte und handelte, nämlich um zu zeigen, wie man leben kann, wovon und woraus man leben kann und leben darf: aus der Liebe.
Bei Jesus stimmt das, was er sagt, und das, was er tut, überein. In seinem Leben, seinem Reden und Tun, geht es ihm um das Leben und Zusammenleben, das er als Herrschaft Gottes versteht: keine jenseitige Welt, sondern eine Lebensweise in der Welt der Menschen. Er schreibt in den Alltag die göttliche Grundlage und Kraftquelle hinein. Ihr gibt er Gestalt durch Zeichenhandlungen wie Heilungen und eine provokante offene Tischgemeinschaft, die Ausdruck und Kern seiner Lehre ist. In Gleichnissen und mit eigenem Verhalten deutete er seine festliche Mahlgemeinschaft, zu der sich in bunter Reihe Männer und Frauen, Arme und Reiche, Sklaven und Freie, Pharisäer wie Zöllner und Dirnen versammeln.
Gefragt sind Liebe und Barmherzigkeit. Die Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt fassen das, worauf es ankommt, in erstaunlicher Dichte zusammen. Und was sich die Menschen in der Liebe schuldig bleiben, verlangt gegenseitige Vergebung, Feindesliebe nicht ausgenommen, lässt sich aber nicht durch Sühnopfer, wie sie damals in allen Religionen üblich waren, löschen
Die Gleichnisse Jesu, etwa das vom verlorenen Sohn und barmherzigen Vater zeigen die Vergebung, für die keinerlei Sühneleistung notwendig ist.
Jesus war überzeugt von Gottes fürsorglichem Handeln in der Welt: Macht euch keine Sorgen, der Vater im Himmel erhält alle Welt, alle Haare des Menschen hat er gezählt und kein Spatz fällt vom Himmel ohne seinen Willen.

Ich könnte noch lange so fortfahren. Aber es ist wohl auch jetzt schon deutlich genug: Worauf es ankommt, auch für uns jetzt in der Passionszeit 2013, ist Jesu Leben, Reden und Tun, in dessen Konsequenz auch sein Sterben liegt.
Leben und Sterben Jesu gehören zusammen, sind eins. Und ich möchte hinzufügen: Sie gehören zusammen als Leben und Sterben für uns, für mich. Es gehört zu unserer menschlichen Lebenserfahrung, dass wir überhaupt nicht leben könnten ohne dass andere etwas für uns tun. Wir haben unser Leben nicht von uns selbst, sondern von unseren Eltern. Und wir bleiben ein Leben lang auf andere angewiesen: Auf die Menschen in der Landwirtschaft, die für unsere Nahrung sorgen, auf die Menschen im Dienst des Staates, die die öffentliche Ordnung und Sicherheit aufrechterhalten. Auf einen funktionierenden Handel, damit wir die Dinge, die wir brauchen, auch bekommen können. Jemand hat einmal gesagt. Ständig tun andere etwas für mich
und sind für mich da.
Und was schon von unserem menschlichen Leben so grundsätzlich gilt, das gilt natürlich noch viel mehr und in einer ganz anderen Weise von Gott, von Jesus Christus, von seinem Leben und Sterben, dem Leben und Sterben für uns Menschen. Amen
 

 

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